Kategoriegesellschaft

where are we now?

es ist 2020. heute wird in den usa ein präsident gewählt. gestern gab es einen anschlag in wien und einen in kabul. eine globale seuche hält die welt im griff. es vergeht kein tag ohne neue scheiße. man braucht nur den browser aufmachen.


There is a war between the rich and poor,
A war between the man and the woman.
There is a war between the ones who say there is a war
And the ones who say there isn’t.

There is a war between the left and right,
A war between the black and white,
A war between the odd and the even.

~ Leonard Cohen – There Is A War

nazis im parlament, nazis in der polizei. wahlen werden manipuliert, twitter explodiert, voll hass und kampagnen. man will die welt brennen sehen. hauptsache, ich habe recht. und wenn du meine meinung nicht akzeptierst, blocke ich dich weg. ist schließlich meinungsfreiheit.

ich bin müde. AUFWACHEN!!, heulen sie in ihren telegram-gruppen. mir egal, ich dreh‘ mich nochmal rum. demomstriert doch gegen masken und fühlt euch mutig. füllt die kommentarspalten eurer lausigen regionalzeitung, liest eh‘ keiner.

es ist alles so egal. kämpfen sollt ihr, für euch und eure lieben. und nicht für irgendeine scheiße, die ihr auf youtube seht. engagiert euch in der nachbarschaft, nicht für putin oder excelmenschen. hört auf, springer zu lesen.

I’ve seen the future, baby
It is murder
~ Leonard Cohen – The Future

Tag 11

seit 11 tagen nun zu hause, es gibt neben arbeit nur einkäufe und spaziergänge. viel hat sich nicht geändert, man trifft sich abends online, wäscht sich öfter die hände und achtet auf abstand. einschränkungen – welche einschränkungen? anderen gehts da anders, in jobs, in denen es kein homeoffice gibt, die überstunden häufen, die über ihre kapazitäten arbeiten, meist weiblich und schlecht bezahlt. als dank gibts abends applaus. die krise ist auch eine erzählung über klassenunterschiede und über arbeit im allgemeinen. wie relevant und wichtig ist dein job, wenn es drauf ankommt. ich selbst kann wenig dazu beitragen aktuell, außer hier rumzumeinen.

die welt im krisenmodus wird uns noch lange danach beschäftigen und das danach müssen wir gestalten. ähnlich wie 9/11 ist dies eine zäsur und es wird in den erzählungen der menschen immer ein „davor“ und „danach“ geben. wir sehen aktuell erhebliche einschnitte in persönlichen freiheiten, durchgesetzt von einer regierung im ausnahmezustand und einer polizei, die mancherorts übers ziel hinausschießt. telefondaten, die weiter gegeben werden. was passiert mit den schwachen, den menschen ohne pass, ohne wohnung, es ist zum aufschreien.

neben sämtlichen medizinischen aspekten ist vor allem der wirtschaftliche interessant. können wir nachher so weiter machen oder gibt es tatsächlich änderungen?

bleibt gesund!


hilfreiche links:

warum männer nicht mehr einparken sollten

Moiren erschlagen während der Gigantomachie die beiden Giganten Agrios und Thoas
Gigantenfries / Gigantomachie, rekonstruiert im asisi Panorama Berlin, aufgenommen im Februar 2019

hier kann man sich ein schönes bespiel anschauen, wie debatten zwischen männers und frauen manchmal ablaufen: fehlen die sachargumente, wird geschrien. es wird zeit, dass frauen die macht übernehmen, die männlichkeit, die sich hier verzweifelt an macht klammert, ist kaum auszuhalten.

hier schreibt der kulturpessimist nicht mehr selbst (#21)

Hinweis: Folgenden Text schrob ich letztes Jahr im Zug, nur vergammelte er im Entwürfe-Ordner, jetzt ist er reif.


der autor fährt in letzter zeit wieder häufiger bahn durch deutschland, dabei ist die bahn immer pünktlich, oder hat vielleicht 10 minuten verspätung. die anschlusszüge warten, sodass verbindungen zusammen passen. zugegeben, das ist der ICE-verkehr der deutschen bahn zwischen den städten, das funktioniert. im regionalverkehr sieht das anders aus, das kann sich der autor vorstellen, kennt er ja von den sommerlichen wochenenden, wenn berlin zur ostsee oder ins brandenburgische strömt.

seit januar gibt es 200mb wlan für die zweitklässler. die erste klasse hat eventuell goldene patchkabel, das weiß man nicht. funktioniert auch, nur in argen ödnissen hat das wlan aussetzer oder wenn viele im vollbesetzten zug videos streamen.

worauf der autor hinaus will:
die deutsche bahn ist besser als ihr ruf. klar sind ausfälle und verspätungen immer scheiße und ärgerlich, es ist aber auch ein verflucht komplexes system – da wirste ganze schwindelig im kopp, wenn du drüber nachdenkst, so einen fahrplan erstellen zu müssen. vermutlich wurde auch aufgrund liberalisierung und geplantem börsengang substanziell gekürzt, was wir nun zu spüren bekommen.

aber vielleicht einigen wir uns darauf, dass das unternehmen seiner eigentlichen aufgabe nachkommt im großen und ganzen?

worauf der autor eigentlich hinaus wollte: mit kritik ist man schneller zu hand als mit lob, die kritik fandet große verbreitung dank sozialer netzwerke. das lob dagegen bleibt unausgesprochen, existiert lediglich durch das ausbleiben der kritik. man mag nicht in der haut der zugbegleiter stecken, wenn etwas ausfällt und die leute anfangen, im speisewagen barrikaden zu bauen.