Filmkritik: Captain Fantastic (2016)

leider etwas zu vorhersagbares märchen über eine aussteigerfamilie, die alles moderne ablehnt, aber unbeabsichtigt durch den tod der mutter mit dieser moderne konfrontiert wird. was nach cultureclash und amüsant klingt, ist leider traurig und wenig substanziell. die kapitalismuskritik darf der/die achtjährige vortragen, sodass das publikum schmunzelt, danach folgt nur dezente konsumkritik und scherze über fettleibigkeit. am ende bleiben schöne landschaftsaufnahmen, musik und die selbstbestätigung der amerikaner auf ihr selbstbestimmungsrecht. es hätte ein kritischer film werden können, so ist es nur seichte unterhaltung.

Filmkritik: Er ist wieder da (2015)

Der Film zum Buch ist so zu ziemlich das unlustigste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe. Und ich ahne auch schon den Grund, bei wikipedia heißt es nämlich:

“Im Buch erschießt Hitler keinen Hund.”

Was im Buch und Hörbuch wunderbar funktioniert hat, weil da genug Zeit und Raum war, geht hier leider total schief: Die Balance zwischen bitterem Humor und subtiler Gesellschafts- bzw. Medienkritik. Wir begleiten Hitlers erneute Machtergreifung lediglich medial, eine Auseinandersetzung jenseits des Öffentlichen findet nicht statt. Dafür viel brachialer Humor und Gejohle, Cameo-Auftritte, Seitenhiebe und Schenkelklopfer. Am befremdlichsten noch sind die pseudorealen Straßeninterviews. Es stößt einen ab.

Einen Metaschraubendreh weiter jedoch meine Lieblingsstelle: Im Hörbuch (gelesen von Christoph Maria Herbst) verwechselt der Kisoskbesitzer Hitler mit dem Schauspieler Michael Kessler in Switch reloaded, der dort eine Hitlerparodie (“Obersalzberg”) im Setting von Stromberg gibt. Da Stromberg von Herbst gespielt wird , ist das schon gut (haha). Im Film tritt dann Kessler als Moderator auf, es wird auch ein Ausschnitt aus Switch reloaded zitiert. – Findet das außer mir noch jemand lustig?

Filmkritik: Snowden (2016)

Harry Potter (Snowden) kommt zur Zauberschule (CSI, NSA) und lernt da nicht nur Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Nicolas Cage, er trifft auch den bösen und mächtigen Zauberer Glenn Greenwald und spricht einen Enhüllungszauber. hex hex

Oliver Stone hat übertrieben, zuviel Schmalz, dafür zuwenig Hack. Zuviel hawaiianischer Sonnenuntergang, dafür zuwenig russische Realität. Denn wenn wir uns schon mit dem Menschen Snowden auseinandersetzen, seine Beweggründe filetieren, dann können wir uns doch auch mit seiner jetzigen Situation beschäftigen. Ist er ein Gefangener der russischen Regierung, darf er sich frei bewegen? Warum wird er nicht von sämtlichen Agenten sämtlicher Geheimdienste gemeuchelt, verschleppt, usw.? Was ist da los in Moskau?

Achso, und das Thema Überwachung, Verschlüsselung und Drohnenmord gab sauch, so nebenbei. War da was?

Filmkritik: American Hustler (2013)

eine story wie in Der Informant (2009) – eine verzwickte geschichte um korruption, betrug, mafia. drahtzieher sind Irving Rosenfeld und seine schöne freundin, die menschen überzeugen und manipulieren können. als dann ein engagierter FBI-agent auftaucht, wird das spiel immer komplexer, plötzlich sollen sentatoren und mafia-bosse fallen. klar, dass das nicht gut geht. tolle klamotten und styles und auch ein bisschen philosophie (“wir betrügen alle und am meisten uns selbst”).

Filmkritik: Blue Jasmine (2013)

huch, schon wieder ein Woody Allen. eine frau stürzt ab, nachdem ihr mann wegen illegaler geschäfte im gefägnis landete und selbstmord beging. schön ist dieser absturz nicht, aber man kann auch nicht wegschauen. sie zieht zu ihrer schwester, veruscht sich neu zu verlieben, arbeitet, will studieren. aber sie scheitert an allem, was sie auch nur anfängt. am ende sitzt sie selbstgesprechend auf einer bank, es gibt keine lösung, keine perpektive. das klingt jetzt vielleicht zu hart, tatsächlich hat der film auch seine absurden momente. im grunde ist er auch gesellschaftkritisch, aber welcher film ist das nicht?

Filmkritik: Mindnight in Paris (2011)

Ich glaube, ich komme langsam ins Alter, in dem man Woody Allen-Filme versteht. Das kann man auch gut finden. Vorliegender Fall ist ganz nett, hatte mir aber mehr erwartet. Die Lovestory um die frisch Verlobten, die mit ihren Eltern aus den USA nach Paris kommen und sich auseinanderleben, ist ganz witzig. Die Geschichte um die nächtlichen Trips in die Pariser Vergangenheit mit den ganz Großen der 20er Jahre dagegen ist toll. Literarische Zeitreise zu den Koryphäen. Das macht Spaß, ist großartig und überzeugend gespielt.

Ein netter Film, ja. Aber kein Überflieger und eigentlich auch keinen Oscar wert. Aber vielleicht bin ich ja doch noch zu jung für Woody Allen.

Filmkritik: Grand Budapest Hotel (2014)

Diesen Film haben wir im Berliner Delphi Filmpalast gesehen, passender geht es gar nicht. Bin immer noch begeistert, wunderbare Story und Erzählung. Die jüngere Geschichte (Südost-) Europas destiliert in den unglaublichen Abenteuern zweier Concierges. War eine ganz andere Welt damals, die Welt der Grand Hotels – ein bisschen so wie bei Kopetzky. Der Film arbeitet mit ungewohnten Aufnahmen und Tricks, es wird nie langweilig. Gute Unterhaltung.

Filmkritik: Paulette (2012)

der französische film über eine dealende oma arbeitet sich an sämtlichen sozialen problemen der westlichen gesellschaft ab: altersarmut, migranten, drogenhandel und -kosum, gewalt, und die bizarre story wird zum modernen märchen, versandet in einem honigsüßem ende und die wenigen absurden szenen werden erdrückt durch vorhersagbarer slapstick. man meint, alles schon einmal gesehen zu haben, das tut dem film nicht gut.

Filmkritik: Ender’s Game (2013)

Ein Film, der auf einer Romanserie basiert, deren Handlung unzählige Meter Wikipedia füllt. Ein Film irgendwo zwischen Starship Troopers (ohne den Humor), Harry Potter (mit Schulmannschaften, aber ohne Schnatz) und Armageddon. Mit unglaublich plumpen USA-Wir-retten-Die-Welt-Pathos, nur ohne die üblichen Fahnen. Alle sind multikulturell, nur die pösen Nazis Außerirdischen müssen vernichtet werden. Klar, dass Ender, der junge Retter der Menschheit am Ende mit den Aliens kommuniziert und die auch noch rettet. Zwei Gedanken haben mir gefallen: Da werden junge Gamer eingesetzt, um die Raumschiffe zu steuern, einfach weil die bessere Reaktions- und Intuitionsfähigkeiten haben. Und es wird der Einsatz eben dieser Jungs und Mädels hinterfragt und was der Kriegseinsatz für Folgen auf ihre Entwicklung hat. Aber das sind nur Überlegungen am Rand, im Wesentlichen geht es um die Führungsfähigkeiten, den Umgang mit Feinden und das Verhalten in Stresssituationen. Und natürlich hübsche Animationen. Netter Film fürs Kino oder den großen Plasma, aber keiner zum groß denken.

[xrr rating=4/7]

Filmkritik: Hangover 3 (2013)

nach dem grandiosen ersten teil, dem enttäuschenden zweiten nun der dritte, der so ganz anders sein will, aber doch nicht auf bewährtes verzichten mag: einfach zu genial ist der von Zach Galifianakis gespielte charakter als gegensatz zu den drei durchschnittstypen. was auch in diesem teil funktioniert: die konsequente übertretung gesellschaftlicher normen dominiert die geschichte, stürzt die helden ins verderben und rettet sie. am ende jedoch das aufatmen, alles wird gut, der anarchismus hat doch nicht triumphiert. aber wir durften mal ganz kurz über den tellerrand schauen. diesmal sogar ohne drogen.

[xrr rating=5/7]

Filmkritik: Ruby Sparks (2012)

was ein schöner, etwas verwirrender film über einen schauspieler, dessen protagonistin plötzlich bei ihm einzieht. teilweise etwas verdreht und unlogisch, aber vielleicht habe ich auch nicht alles verstanden. mit einem wunderbar überdrehten antonio banderas.

[xrr rating=5/7]

Filmkritik: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (2011)

netter aufguss der reanimation von 2009. abgedreht, schnell geschnitten und unglaublich smart. aber irgendwann wirds auch langweilig. die prä-nazis und der pöse professor wirken doch reichlich albern. aber naja.

[xrr rating=4/7]

um längen besser ist übrigens die bbc-serie sherlock

Filmkritik: Rum Diary (2011)

verfilmung eines romans von Hunter S. Thompson. wenig story, aber tolle ausarbeitung der charaktere. kommt an fear and loathing in las vegas natürlich nicht ran, sollte man aber mal gesehen haben. wichtig für die amerikakritiker unter uns: hart formulierte und offene kritik an der amerikanischen politik und dem american way of life.

[xrr rating=5/7]

Filmkritik: Hotel Lux (2011)

toller deutscher film über einen mittelmäßigen schauspieler, der von den nazis verfolgt, in moskau landet und der astrologe von stalin wird. viel charme und witz mit überraschend harter (berechtigter!) kritik an den sowjetischen verhältnissen der dreissiger und vierziger jahre.

[xrr rating=5/7]

Filmkritik: Oh Boy! (2012)

ein schöner berlin-film. eine odyssee durch die große stadt an einem einzigen tag. ein zielloser irrt herum und findet nichts. aber nicht melancholisch, sondern mutig, offenen auges und kopfschüttelnd. voll mit groteskem humor. keine liebeserkläung an diese stadt, aber eine schöne dokumentation. wunderbar, zeitlos. ernster als herr lehmann, aber ehrlicher.

[xrr rating=7/7]

Filmkritik: Drive (2011)

toller film über einen, der doch nur auto fahren will, sich aber in eine mafiöse struktur einparkt und da nur durch rohe gewalt wieder rauskommt. man hätte die schmalzszenen rauslassen können (und die hässliche jacke mit dem skorpion), ansonsten ist er sehr ruhig, stilvoll und spannend.

[xrr rating=6.5/7]

[youtube P9yB4LUVeCI]

Filmkritik: Ziemlich beste Freunde (2011)

ziemlich guter film über einen vermögenden, der im rollstuhl sitzt und nun einen neuen betreuer findet, der so ganz und gar keine erfahrung vom job hat, dafür umso mehr vom leben. bisschen wie im märchen. oder wie beim prinz von bel air. aber beruht auf einer wahren geschichte – manchmal ist das leben eben so. gut und überzeugend gespielt, wird nicht langweilig.

[xrr rating=5.5/7]