vierter teil der kleinen serie mit den abgelaufenen filmen (siehe auch teil 1, teil 2 und teil 3). diesmal im mauerpark mit claudius. an dem abend entstand auch dieses video.

Film: Kodak T-MAX P3200 (TMZ 5054) abgelaufen am 09/1989 – entwickelt bei ISO 800
Kamera: Nikon F4s und 50mm 1.8
Zeit: Juli 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (6,70 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

[UPDATE:]

einziger film mit der Nikon EM, teilweise doppelt belichtet, weil belichtungsmesser am anfang nicht ging. film war schon 8 jahre abgelaufen. besuch in der jungfernheide.

Film: Agfa Vista Plus (CA24 200N C31) – abgelaufen 2012
Kamera: Nikon EM und 50mm 1.8
Zeit: Juli 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,91 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

juhu! mein erster selbst entwickelter film. gar nicht so schwer, obwohl ich sicher gut 20 minuten gebraucht habe, den film aus der dose zu bekommen und ihn einzuspulen. im dunkeln in der kleinen abstellkammer bei sehr sommerlichen temperaturen, schweißtreibend, sag ich euch. zum vergleich: die ergebnisse mit dem gleichen film bei dm entwickelt: 079402 und 029612.

Film: Agfaphoto APX 100 4356-11
Kamera: Nikon F4s 50mm 1.8
Zeit: August 2020
Entwicklung: Adox Rodinal 1+50 10min 20°
Scan: Epson Perfection V330 Photo

habe nun die app stadtradeln auf dem telefon und tracke meine gefahrenen kilometer. im september nehme ich für berlin / team pankow am wettbewerb teil. jeder kann mitmachen, jeder gefahrene kilometer zählt für das team bzw. die kommune. man sieht aber jetzt schon die gefahrenen kilometer, letzte woche waren es 29 km in 9 fahrten.

im blog von ricarda kiehl gibts die kategorie nicht gemachte bilder. es gab das konzept auch mal als website, wo nutzer selbst eintragen konnten, das finde ich leider nicht mehr. jedenfalls will ich das jetzt auch. zuviele ungenutzte gelegenheiten, zu viele verpasste chancen. zu schade, um nicht dokumentiert zu werden:

eine ordensschwester/nonne mit schleier und blütenweißem mundnasenschutz sitzt in der straßenbahn und lehnt ihren kopf gegen die scheibe, die augen sind geschlossen. ich radle nebenher, es ist zu schnell und zu riskant, das telefon aus der tasche zu holen.

aufgenommen vor über zehn jahren mit einer billigen knipse auf film, den es nicht mehr gibt (mehr zum Kodak BW400CN hier). den schlecker gibts natürlich auch nicht mehr. mystische bilder aus einer anderen welt.

Film: Kodak BW400CN
Kamera: Foto-Quelle Revue 400L
Zeit: April 2010
Entwicklung: Schlecker, Prinzenallee 50, 13359 (5,91 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

heute gab es einen interessanten tweet von @annalist:

also habe ich mir die accounts mal angeschaut. es wird ja viel über bubbles gesprochen, hier haben wir eine recht überschaubare menge an accounts, die allesamt sehr monothematisch schreiben, gegen mietendeckel, den berliner senat und für mehr rechte für den vermieter. es sind keine bots, aber es würde mich nicht wundern, wenn hinter dem ein oder anderen account eine agentur stünde. aus den lautesten habe ich exemplarisch mal die folgenden 15 ausgewählt (dahinter der erstellungszeitpunkt des accounts):

das verrückte, schaut man sich die Retweets an: sie zitieren sich permanent gegenseitig. hübsch visualisiert sieht das dann so aus:

wer retweetet wen? berücksichtigt nur accounts, die mehr als 20 mal RT und quoted wurden; auf basis der jeweils letzten 1000 tweets pro account

erhöhen wir die komplexität:

wer retweetet wen? berücksichtigt nur accounts, die mehr als 5 mal RT und quoted wurden; auf basis der jeweils letzten 1000 tweets pro account

und schauen wir uns an, wer am meisten RT und quoted wurde:

wer wird retweetet? auf basis der jeweils letzten 1000 tweets pro account

schaut man sich die profile an (übrigens vorwiegend im herbst erstellt), so erkennt man doch eine gewisse monotonie, die zahlen deuten es ebenfalls an: es passiert nicht viel im leben einer vermieterin. oder sie will nicht alles der öffentlichkeit mitteilen.

benutzt habe ich übrigens accountanalysis.app von @luca (website). die bescheidenen graphiken entstanden in power bi.

Flanieren ist eine Art Lektüre der Straße, wobei Menschengesichter, Auslagen, Schaufenster, Café-Terrassen, Bahnen, Autos, Bäume zu gleichberechtigten Buchstaben werden, die zusammen Worte, Sätze, Seiten eines immer neuen Buches ergeben. ― Franz Hessel (1880-1941)

wir nähern uns der stadt, indem wir sie uns photographisch und ästhetisch aneignen. die stadt ernährt uns mit ihren eindrücken, bildern, geschichten. wir müssen nur vor die tür treten, die kamera mitnehmen und losstapfen, richtung egal. hinter jeder kreuzung eine andere welt und hinter tausend stäben keine welt. forschen schrittes erklimmen wir den prenzlauer berg, düstere wolken ziehen über die weinberge am rosenthaler. im wald unter den linden sie sonntägliche waldesruh, zieht es uns zum tore hinaus. vorbei am schloß, das sie wieder hübsch aufgebaut haben und sich selbst zitieren. ein in stein gebaute selbstreferenz, um sich zu vergewissern, noch da zu sein. leuchtend das christliche kreuz auf der kuppel, ein erbärmlicher rückgriff auf glorifizierte vergangenheit.

doch lassen wir unsere augen einstweilen auf den kleinen dingen ruhen, auf den verlorenen, unachtsam weggeworfenen. morgen oder nächste woche werden sie weggeräumt, gesammelt, vom winde verweht. momentaufnahmen der stadt, die so absolut in jenes bild passen, die der provinzler von der großen stadt hat. weil er sich nicht eine solche unordnung in seinem städtchen vorstellen kann. weil aber auch so viele menschen aufeinander hocken hier und beständig dinge brauchen, konsumieren und wegwerfen. die abgetragene damensandale auf einem stromkasten am hackeschen markt? stolpert die besitzerin nun unbeschuht ihrer wege oder hat sie längst ersatz gefunden in einer der boutiquen?

die baustellencontainer, reich illumniert, sehen aus wie in einem computerspiel, das alienmonster lauert um die ecke und muss erschossen werden. der einsame basketball zwischen baustellenmüll – wie kam er da hin, wer kann nun nicht mehr dribbeln? die frau an der bushaltestelle steigt nicht in den bus, obwohl doch alle in dieselbe richtung fahren. worauf wartet sie an diesem zugigen nicht-ort?

an einer laterne an der ecke friedrichstraße ein selbstgeschriebener zettel „UNERSÄTTLICHER HUNGER NACH VERGNÜGUNGEN…“, genau dort, wo es kein vergnügung mehr gibt. wo stadtleben genau nicht stattfindet, sondern durch büro und verwaltung und straße und trourismus verdrängt wurde. die friedrichstraße überhaupt, einst zentrum der avantgarde und ausgehzentrum ist nun ein lächerliches sträßchen voll borniertheit und provinz. die trottoirs zurück gedrängt vom automobilen individualismus. und fahrräder überall, sie stapeln sich und bilden skulpturen an den kreuzungen. sie werden auch bewegt, man glaubt es kaum, sodass sich die skulpturen wie organismen jeden tag neu formieren. eine band bläst den lustigen marsch auf der friedrichsbrücke, der sound berlins ist schwer zu beschreiben, hier klingt er nach jazz und großer welt.

jede tiefgarageneinfahrt eine kleine lichtinstallation, in szene gesetzt von neon und led. verständlich, sind doch die fassaden der neubauten beliebig und monoton geworden, da kann man sich wenigstens unten auf augenhöhe für den flaneur in szene setzen.

(mit M. durch die stadt gelaufen und photographiert wie so touristen. endlich wieder digital und mit verschiedenen brennweiten. techniken ausprobiert und gescheitert, aber ab und zu ist auch mal ein gelungenes bild dabei. einen launigen text mitten in der nacht dazu geschrieben.)