aufgenommen vor über zehn jahren mit einer billigen knipse auf film, den es nicht mehr gibt (mehr zum Kodak BW400CN hier). den schlecker gibts natürlich auch nicht mehr. mystische bilder aus einer anderen welt.

Film: Kodak BW400CN
Kamera: Foto-Quelle Revue 400L
Zeit: April 2010
Entwicklung: Schlecker, Prinzenallee 50, 13359 (5,91 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

heute gab es einen interessanten tweet von @annalist:

also habe ich mir die accounts mal angeschaut. es wird ja viel über bubbles gesprochen, hier haben wir eine recht überschaubare menge an accounts, die allesamt sehr monothematisch schreiben, gegen mietendeckel, den berliner senat und für mehr rechte für den vermieter. es sind keine bots, aber es würde mich nicht wundern, wenn hinter dem ein oder anderen account eine agentur stünde. aus den lautesten habe ich exemplarisch mal die folgenden 15 ausgewählt (dahinter der erstellungszeitpunkt des accounts):

das verrückte, schaut man sich die Retweets an: sie zitieren sich permanent gegenseitig. hübsch visualisiert sieht das dann so aus:

wer retweetet wen? berücksichtigt nur accounts, die mehr als 20 mal RT und quoted wurden; auf basis der jeweils letzten 1000 tweets pro account

erhöhen wir die komplexität:

wer retweetet wen? berücksichtigt nur accounts, die mehr als 5 mal RT und quoted wurden; auf basis der jeweils letzten 1000 tweets pro account

und schauen wir uns an, wer am meisten RT und quoted wurde:

wer wird retweetet? auf basis der jeweils letzten 1000 tweets pro account

schaut man sich die profile an (übrigens vorwiegend im herbst erstellt), so erkennt man doch eine gewisse monotonie, die zahlen deuten es ebenfalls an: es passiert nicht viel im leben einer vermieterin. oder sie will nicht alles der öffentlichkeit mitteilen.

benutzt habe ich übrigens accountanalysis.app von @luca (website). die bescheidenen graphiken entstanden in power bi.

Flanieren ist eine Art Lektüre der Straße, wobei Menschengesichter, Auslagen, Schaufenster, Café-Terrassen, Bahnen, Autos, Bäume zu gleichberechtigten Buchstaben werden, die zusammen Worte, Sätze, Seiten eines immer neuen Buches ergeben. ― Franz Hessel (1880-1941)

wir nähern uns der stadt, indem wir sie uns photographisch und ästhetisch aneignen. die stadt ernährt uns mit ihren eindrücken, bildern, geschichten. wir müssen nur vor die tür treten, die kamera mitnehmen und losstapfen, richtung egal. hinter jeder kreuzung eine andere welt und hinter tausend stäben keine welt. forschen schrittes erklimmen wir den prenzlauer berg, düstere wolken ziehen über die weinberge am rosenthaler. im wald unter den linden sie sonntägliche waldesruh, zieht es uns zum tore hinaus. vorbei am schloß, das sie wieder hübsch aufgebaut haben und sich selbst zitieren. ein in stein gebaute selbstreferenz, um sich zu vergewissern, noch da zu sein. leuchtend das christliche kreuz auf der kuppel, ein erbärmlicher rückgriff auf glorifizierte vergangenheit.

doch lassen wir unsere augen einstweilen auf den kleinen dingen ruhen, auf den verlorenen, unachtsam weggeworfenen. morgen oder nächste woche werden sie weggeräumt, gesammelt, vom winde verweht. momentaufnahmen der stadt, die so absolut in jenes bild passen, die der provinzler von der großen stadt hat. weil er sich nicht eine solche unordnung in seinem städtchen vorstellen kann. weil aber auch so viele menschen aufeinander hocken hier und beständig dinge brauchen, konsumieren und wegwerfen. die abgetragene damensandale auf einem stromkasten am hackeschen markt? stolpert die besitzerin nun unbeschuht ihrer wege oder hat sie längst ersatz gefunden in einer der boutiquen?

die baustellencontainer, reich illumniert, sehen aus wie in einem computerspiel, das alienmonster lauert um die ecke und muss erschossen werden. der einsame basketball zwischen baustellenmüll – wie kam er da hin, wer kann nun nicht mehr dribbeln? die frau an der bushaltestelle steigt nicht in den bus, obwohl doch alle in dieselbe richtung fahren. worauf wartet sie an diesem zugigen nicht-ort?

an einer laterne an der ecke friedrichstraße ein selbstgeschriebener zettel „UNERSÄTTLICHER HUNGER NACH VERGNÜGUNGEN…“, genau dort, wo es kein vergnügung mehr gibt. wo stadtleben genau nicht stattfindet, sondern durch büro und verwaltung und straße und trourismus verdrängt wurde. die friedrichstraße überhaupt, einst zentrum der avantgarde und ausgehzentrum ist nun ein lächerliches sträßchen voll borniertheit und provinz. die trottoirs zurück gedrängt vom automobilen individualismus. und fahrräder überall, sie stapeln sich und bilden skulpturen an den kreuzungen. sie werden auch bewegt, man glaubt es kaum, sodass sich die skulpturen wie organismen jeden tag neu formieren. eine band bläst den lustigen marsch auf der friedrichsbrücke, der sound berlins ist schwer zu beschreiben, hier klingt er nach jazz und großer welt.

jede tiefgarageneinfahrt eine kleine lichtinstallation, in szene gesetzt von neon und led. verständlich, sind doch die fassaden der neubauten beliebig und monoton geworden, da kann man sich wenigstens unten auf augenhöhe für den flaneur in szene setzen.

(mit M. durch die stadt gelaufen und photographiert wie so touristen. endlich wieder digital und mit verschiedenen brennweiten. techniken ausprobiert und gescheitert, aber ab und zu ist auch mal ein gelungenes bild dabei. einen launigen text mitten in der nacht dazu geschrieben.)

letztens bestellte ich den neu aufgelegten Kodak T-MAX P3200 (hintergrundinfo). und fuhr aus gründen mit dem fahrrad nach tegel und wieder zurück.

ich mag diese körnung, insbesondere wenn es viel kontraste gibt, es wirkt immer so dreckig und unperfekt.

Film: Kodak T-MAX P3200 abgelaufen 08/19, entwickelt bei ISO800
Kamera: Nikon F4s
Zeit: Juli 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (6,70 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

den dritten film unserer kleinen serie mit den 30 jahre alten filmen habe ich bei ISO400 mit der Nikon F90 im Spreewald / Lübbenau aufgenommen, bei schönstem tageslicht (siehe auch teil 1 und teil 2). dazu bilder vom sturm letztens, fotografiert aus dem bürofenster.

Film: Kodak T-MAX P3200 (TMZ 5054) abgelaufen am 09/1989
Kamera: Nikon F90
Zeit: Juli 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (6,70 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

[UPDATE:]

besuch in Malbork, Kartuzy und Kościerzyna, kleine städtchen in der kaschubei, pommern, polen. es ist juli, corona schwebt noch in der luft, es gibt wenige touristen.

Film: Kodak Gold GB 200-7
Kamera: Nikon F90
Zeit: Juli 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,75 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

urlaubsbilder im Kaszubski Park Etnograficzny in Wdzydze Kiszewskie, einem über hundert jahre altem freilichtmuseum. um 1900 sind die einwohner auf der suche nach arbeit richtung Weichsel-Nogat-Delta, Sachsen und Mecklenburg gezogen, zurück blieben über 50 gebäude im originalzustand, inklusive kirche, schule, mühle usw. eindrucksvoll und riesig, sodass man einen ganzen tag da verbringen kann. corona-bedingt natürlich mit abstand und weniger ausprobieren und mitmachen, aber ein besuch lohnt trotzdem.

Film: Kodak Gold GB 200-7
Kamera: Nikon F90
Zeit: Juli 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,83 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

besuch in tegel und arbeitsweg durch niederschönhausen. mal wieder in farbe, die welt ist schließlich nicht immer schwarzweiß. inklusive der ehemaligen australischen botschaft und straßenmalerarbeiten in der grabbeallee.

Film: Fuji Superia 200 (S-200) - wikipedia
Kamera: Nikon F4s
Zeit: Juni 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,83 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

der andere film von meinem ausflug an den kudamm (hier der erste) und nach wilmersdorf, güntzelkiez.

Film: Agfaphoto APX 100 4356-12
Kamera: Nikon F4s
Zeit: Mai 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (9,95 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

die bilder aus der Nikon F-401x sind keine schätze, insbesondere mit dem eingebauten blitz sehen sie recht beliebig aus. aber sie haben auch ihren reiz. lange jedenfalls war die kamera nicht in meinem besitz.

Film: Kodak Gold GB 200-7
Kamera: Nikon F-401x
Zeit: Mai 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (6,05 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

unterwegs in pankow mit der nikon F90

Film: Ilford 400 HP5 Plus
Kamera: Nikon F90
Zeit: Juni 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,35 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

höre gerade den podcast 038 Schwarzweiße Filmtypen von Absolut Analog und ok, es gibt mehr schwarzweiß-filme und -typen als ich dachte. hier eine auswahl an bildern von einer rolle panchromatischen films mit schön viel korn. eine reise an die polnische ostssee und eine einsame flasche mate.

Film: Kodak T-MAX 400 (5053 TMY)
Kamera: Nikon F4s
Zeit: Juni 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,35 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

anfang juli in gdansk, die sonne scheint, ein paradies zum fotografieren: alte gebäude, die eigentlich gar nicht so alt sind, sondern originalgetreu nach dem krieg wieder aufgebaut wurden. eine menge touristen, die den langen markt (Długi Targ) entlang schreiten. oder durch die frauengasse (ul. Mariacka) schlendern. man kann nicht viel falsch machen, einfach drauf halten.

der zweite film aus meinem experiment mit sehr altem filmmaterial (siehe auch teil 1). diesmal belichtet bei ISO 800 und tageslicht und dies auch dem Labor so kommuniziert. leicht bis mittelstark verrauscht, hier kann ich leider immer noch nicht sagen, ob das am film selbst, am alter oder am entwicklungsprozeß liegt. aber ich habe ja noch vier versuche.

themen sind diesmal coronabedingt ausflüge in die nähere umgebung:

– bürgerpark pankow
– friedhof pankow III hinterm bürgerpark
– s-bhf wollankstraße

Film: Kodak T-MAX P3200 (TMZ 5054) abgelaufen am 09/1989
Kamera: Nikon F4s
Zeit: Juni 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (6,70 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

[UPDATE:]

auf unserem ausflug nach wünsdorf kommen wir auch an der baustelle zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) vorbei. gespenstisch leer ist es und da sonntag ist, gibts auch keine (sichtbaren) bauarbeiten. nur sicherheitsleute, die uns außen rumlaufen lassen, solange wir nicht „die nasen an die scheiben drücken“ – hatten wir nicht vor, die sind nämlich ziemlich dreckig. überhaupt erinnert nicht mehr viel an eine baustelle, es hat eher den eindruck eines lange verlassenen gebäudes. gras wächst zwischen den bodenplatten, staub überall. eine stille beherrscht die szene. sommerliches vogelgezwitscher gibt es hier nicht.

am 31. oktober diesen jahres ist eröffnung. mit neun jahren verspätung. viele witze wurden gemacht, viel wurde dikutiert, das wird dann endlich und hoffentlich vorbei sein. schön ist er nicht geworden, eher zeitlos-funktional. keine ahnung, wie es innen aussieht, man hofft auf mehr ergonomie als in tegel und schönefeld. flughäfen sind keine wohlfühl-oasen, sie sollen funktionieren. und alsbald eröffnet werden.

es gibt auch ein video vom ausflug: