direkt unter meinem fenster befindet sich der sportplatz einer grundschule, der auch gerne in den pausen, freistunden und auch sonst genutzt wird. den ganzen tag, auch im winter habe ich also kinderlärm. nicht schlimm, ich bins mittlerweile gewohnt.

jeden morgen jedoch werde ich hart aus meinen süßen träumen in die realität des berliner umgangstons gestoßen. tagtäglich lerne ich neue wörter. denn schon die grundschüler verstehen es mittels feiner semantischer konstruktionen auf sich aufmerksam zu machen und so die ballspiele zu koordinieren. wobei „ey, du hurensohn“ eher als platzhalter für diverse formulierungen dient. man sagt es offensichtlich so und meint was ganz anders.

wir früher™ haben immer „deine mutter…“ gesagt und das kommt wohl dem hurensohn am nächsten. und eigentlich wollte ich das ganze mit einem video noch krönen. doch da stieß ich auf folgendes. und bin immer noch ganz entzückt:

[youtube P7eR8CWEDkU]

also nehmt euch lieber vor den mitbürgern mit krückstock in acht!

schönes wochenende wünsch ich, ihr hurensöhne (und -töchter)!

wie heute mit freund c. erörtert: das einstellen von bildern in gruppen (früher: groups) ist ein schöner scheiß und mittlerweile weitesgehend überflüssig.

ein paar gründe: weil (erstens) regionale gruppen vollkommen durch geotags ersetzt werden, weil (zweitens) massengruppen schon immer sinnlos waren, weil (drittens) themenbezogene bilders mit ordentlichen tags auch so gefunden werden und weil (viertens) sich fast niemand gruppenpools anschaut.

mir ist schon klar, dass die gruppen einen wesentlichen social network-faktor darstellen. und ich hiermit neue interessante leute kennen lernen kann. darüber hinaus finden innerhalb der gruppen teilweise interessante diskussionen statt, austausch und so. doch bei der unüberschaubaren anzahl von gruppen wird das verfolgen von diskussionen auch unübersichtlich. klar, kann man alles per rss abbonieren, doch wer soll das lesen? und für die meisten (technischen) fragen reichen diverse foren. und blöde kommentare kann man auch unter die bilder setzen.

deswegen sag ich jetzt: gruppen sind tot!

dialog heute morgen in der trimm-dich-fit-tram*:

(ein testosteronschwangerer endzwanziger setzt sich gegenüber einem testosteronschwangeren endzwanziger. türen schließen. bahn fährt an.)

> ey! was willstu?
> was hab ich gemacht?
> suchst du streit oder so?
> nein mann, aber du.
> waaas? willstu auf die fresse?
> machst du mich an?
(die diskussion wird lauter)
> suchst du streit oder wie?
> ey, komm mal runter.
> was hab ich denn gemacht?
> ey, du kommst hier an und machst mich an, ey.
(…quälend lange zieht sich der dialog sokratischer tragweite hin. dann schweigen.)
> scheiß tag heute.
> wie?
> ey sorry, mann.
> was?
> ENTSCHULDIGE!
> ja.
> bin nur fertig heute.
> ja.
> läuft alles nicht so.
> mhm.
> da tickt man schnell aus.
> verstehe. morgen ist ein anderer tag.
> meinste?
> klar.
(sie nehmen sich in die arme und trösten sich.)

allmonatlicher berlinüberdruss [nicht ernstzunehmen]

*früher hießen die straßenbahnen pferdekutschen und keiner hat tram gesagt. wer hat eigentlich mit diesem unsinn angefangen?

In meiner Kehle wohnt ein Tier, das frißt die klugen Worte auf
Die ich mir beigebogen hab für einen lieben langen Tag
Was soll ich sagen, wenn da keine Worte sind
Manchmal wüßt ich gern, wer ich wirklich bin
[eoc]

vor ein paar jahren leistete ich mir einen klugen diskurs mit einem hobbypsychologen per mail*. ich traf ihn auf arbeit, bei einem job, über den ich hier besser nicht reden will**. wir schrieben über den job als solchen und im allgemeinen, über menschliche psyche und so kram. blabla halt. irgendwann kam er dann auf den trichter, mich analysieren zu müssen und so erhielt ich eine antwort, die mich (erstens) nachdenklich stimmte und die ich (zweitens) ganz schnell vergaß und (drittens) jetzt wieder ausgegraben hab‘. ein paar zitate will ich jetzt veröffentlichen, weil es (erstens) so schön formuliert und (zweitens) so zutreffend und (drittens) so ein schmarrn ist…

schon die einleitung war grandios:

Ich teile deine Selbsteinschätzung. Ich meine es jedoch nicht ironisch, sondern sehr wohl unironisch. Du bist ein Opportunist nicht aus Niederträchtigkeit, sondern vielmehr aus Unsicherheit. Bei dir besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die du versuchst mit der koketten Selbstbezichtigung des Opportunismus zu kaschieren.

chapeau! der geneigte leser wird ein muster erkennen und des autors wirklichkeit und substrat auch auf dieser seite gespiegelt wieder finden. doch lauschen wir dem fachmann noch ein paar zeilen weiter:

Ich kann auf jeder Ebene mit dir kommunizieren. Ich lehne deine „proletarische“ Ebene von meiner „wohl situierten gutbürgerlichen“ Ebene nicht ab. Du bist weder proletarisch noch bin ich wohl situiert und gutbürgerlich. Das ist ein Machtspiel. Du versuchst dich über mich zu erheben, indem du dich erniedrigst und mich erhöhst. Soll ich darauf noch weiter eingehen? Besser nicht!

ja, warum eigentlich nicht? dieser, meiner kunstgriff war nötig, um genau das zu erreichen. ich mag das spiel mit geschichtsschwangeren begrifflichkeiten und vorurteilen. und selbst-erniedrigung ist eigentlich ganz schick. doch es wird noch besser:

Deine vermeintliche Fehldeutung von Akkumulation ist aufschlussreich. Das ist wieder ein Machtspiel. Du versuchst dich über mich zu erheben, indem du mir einen Knochen zuwirfst, an dem ich knabbern darf. Du versucht dich über mich zu erheben, indem du dich in die Rolle des Schülers begibst und mir die Rolle des Lehrers zuweist. Ich danke dir für diese Ehre (Ironie). Das Spiel, welches du spielst ist sehr polemisch und aggressiv. Deine Gefühle sind wahr und richtig – die Projektion jedoch unwahr und destruktiv.

hier irrte ich mich und wollte marx bringen, ging wohl schief. projektion war im übrigen garnicht geplant.

Du bezeichnest deine Sozialisation als post-faschistoid und quasidemokratisch. Du meinst sicher pseudodemokratisch. Ich kann deine Gefühle, die du mit post-faschistoid bezeichnest nachvollziehen und ich stimme dir inhaltlich, sachlich gänzlich zu. Meine Anmerkungen sind rein sprachlicher Natur. Es ist ein repressives und diktatorisches System gewesen. Das ändert nichts an deinen Gefühlen, das verstehe ich auch. Du befindest dich in einer Ambivalenz zu deiner Sozialisation, die dir Unbehagen bereitet. Du hast Machtstrukturen und viele Aggressionen verinnerlich, die aus deiner Sozialisation resultieren. Die Machtstrukturen waren eine Notwehr und eine Überlebensstrategie. Das Problem besteht in dem Konflikt der verinnerlichten Machtstrukturen und Aggressionen die ihre ursprüngliche Grundlage verloren haben.

und hier irrt der meister. hab ihm geschrieben, in der ddr aufgewachsen zu sein und darunter gelitten zu haben. mitnichten! ich war acht beim mauerfall und hab‘ rein garnichts kapiert. insofern nervt seine einschätzung an dieser stelle. der letzte satz allerdings macht mir bis heute kopfzerbrechen:

Du hast bei mir nicht im Geringsten eine Verwirrung gestiftet. Im Gegenteil, du bist für mich ein offenes Buch. Ich kann in dir lesen wie in einem Buch, auch wenn es dir nicht schmeichelt.

so denn. wie auch immer. habe nie geantwortet. vielleicht sollte ich? bin ich denn wirklich so durchschaubar?


* damals™ formulierte man schöne sätze in mails, suchte nach begriffen und nahm sich zeit. wie noch früher™ in handgeschriebenen briefen. die zeiten sind nun vorbei und die ICQ-isierung der kommunikation schreitet unaufhaltsam voran. lolroflomg…

** kommt aber sicher noch.

Kommt Zeit, kommt Rat, kommt gute Tat
Kommt gute Fee, kommt Schnee, kommt Hass
auf alles, was früher war
Und du wartest auf irgendwas

[element of crime]

wattn dattn? hat gerade geschneit. mitte november. habt ihr das auch gesehen oder dreh‘ ich langsam durch? manchmal mache ich mir ja sorgen um meine geistige wahrnehmungsfähigkeit. und jetzt scheint wieder die sonne. kann das mal einer erklären?

meine überhaupt erste berlinerfahrung war das spacy wall-klo auf unter den linden. damals zog ich mit meinem kumpel nachts quer durch berlin und frühmorgens putzten wir uns die zähne dort. für fünfzig pfennig oder so. früher gabs auch mal öffentliche toiletten in berlin. doch dann kam wall und hat überall seine stadtmöbel aufgestellt. aber ein besuch lohnt. für fünfzig cent oder so hat man gefühlte fünf quadratmeter (schwer zu schätzen weil meist rund) ganz für sich alleine. eine halbe stunde lang. es fehlt nur der dampf beim öffnen der tür, dann wär das weltraumstation-ereignis perfekt. echt jetzt mal.

klo (rosa)

in breslau/Wroclaw gibts auch überall öffentliche toiletten (siehe bild). die sind aber noch ganz manuell und irgendwer sitzt da den ganzen tag drinnen, macht sauber und kassiert. doch das erstaunliche ist, dass es drei tarife gibt (leider kein bild davon):

  • hinsetzen
  • im stehen
  • händewaschen

ganz ehrlich jetzt. händewaschen kost‘ extra. nicht viel, aber immerhin. und insgesamt ist das ganze ereignis billiger als auf einem wall-klo. das sind so die kleinen kulturellen unterschiede. über mögliche kombinationen der einzelnen tarife lass‘ ich mich mal lieber nicht aus… jedenfalls viel spaß noch und immer schön hände waschen, wa?

bin gerade ein paar tage zuhause gewesen. klingt absurd. also anders: bin gerade für ein paar tage in der heimat gewesen. klingt schon besser. heimat ist wohl meist dort, wo man aufgewachsen ist. seinen ersten rülpser getan, sein erstes bier getrunken und das erste mal händchen gehalten hat. ob man später irgendwann zurück in die heimat will, hängt stark von einem selbst ab und ist keine hinreichende bedingung für heimatgefühl.
mir jedenfalls reichen ein paar tage im jahr. aber dafür kommen dann die erinnerung umso konzentrierter und plötzlicher wieder und scheinen einen zu erschlagen. man färt mit dem auto über die dörfer ( bin ja eher so der provinz-heini ) und entdeckt die stellen, mit denen man erinnerungen verbindet. dabei werde ich immer ein bisschen melancholisch, nachdenklich und schweige erstmal mürrisch vor mich hin.
anderseits ist es auch witzig, in den alten trott zu verfallen. zu sehen, wie verinnerlicht die früheren denkstrukturen eigentlich immer noch sind. da habe ich ernstlich überlegt, mir ein auto zuzulegen! so ein quatsch. oder im elterlichen haus abends heimlich am fenster zu rauchen. wie aufregend! den nachbarn zu grüßen und einen smalltalk nach streng festgelegten regeln zu halten ( in berlin gibts dafür was auf die fresse ).
überhaupt die menschen, die offenbar noch genauso leben wie vor ein paar jahren. die zurückgebliebenen. die es nicht geschafft haben. oder wollten sie es nur nicht? kann ja nicht jeder wegziehen. wird ja dann nur voll irgendwo und irgendwo anders leer. so ganz logisch gedacht.
warum ist das nur so? woran liegt das wohl und geht es den geneigten lesern da genauso?

„Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass Ihr Konto leer ist. Abgewickelte Transaktionen für das gestrige Kaufen haben alle verfügbaren Geldmittel verbraucht. Um die früher bestellten Waren bekommen zu können, bitten wir Sie sich mit unserem Manager in Kontakt zu kommen, eine evtl. Nachzahlung abzustimmen oder den Kauf gar abzulehnen. Die Empfangsbescheinigung sowie die Kontaktdaten des Managers können Sie jederzeit hier abrufen.“
[an dieser stelle war ein link auf eine quittung.exe, die vermutlich
schadcode enthält, …übrigens eines der schönsten wörter der deutschen sprache]

aber um mich zu beroibern, sollte man schon früher aufstehen… was ist eigentlich das gestrige kaufen für eine geschickte grammatikalische verwurstung? germanisten vortreten! die deutscheste aller sprachen geht gerade kaputt…

ostPUNK! / too much future (2006)
Regie: Michael Boehlke, Carsten Fiebeler
http://www.toomuchfuture.de (imbd)
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Am Ende kommen Touristen (2007)
Regie: Robert Thalheim
(imbd)
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zwei deutsche fime wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. trotzdem ähneln sie sich, indem sie sich mit vergangenheit beschäftigen. vergangenheit wie sie wahrscheinlich nur in diesem land eben nicht vergangenheit sein kann. der eine berichtet unaufgeregt und differenziert über das leben in OÅ›wiecim, besser bekannt als auschwitz. mit jungen und engagierten schauspielern wird versucht, ein stück normalität darzustellen. doch der film scheitert genau wie seine protagonisten und heraus gekommen ist netter spielfilm mit kulturellem anspruch plus zarter lovestory. mehr auch nicht. im übrigen ist das dämliche lächeln der hauptdarstellerin schon nach zehn minuten nur noch nervig. der andere film erzählt von punk in der ddr. das ist das land, dass so spießig war, dass selbst honecker vor lauter langeweile am ende einfach gestorben ist. ein paar punks gab es aber dennoch und in dem film kommen sie noch einmal zu wort, guido knopp-mäßig werden sie interviewt, erzählen mit glasigen augen von früher und von ihrem leben. das klingt spannend, ist aber leider nicht. denn obwohl punk zu sein in der ddr das wahrscheinlich spannendste war, sind die geschichten dann doch eher ernüchternd. aber die bilder! der schnitt! ein traum. echt jetzt mal. viel besser als bei der unvergleichlich aufwendigeren clash-doku letztens. aber dafür ins kino? nein, das kann ich wirklich nicht empfehlen. bei beiden filmen nicht.

trittin ist schuld. früher war alles anders. da drückte man die dose gegen die stirn und sie war platt (zugegeben, ich konnte das nie, aber andere!). in der freistunde vor sport gingen wir in den lokalen supermarkt, kauften ciabatta , rissen es auf und legten eine komplette schokolade rein. dazu gabs cherry coke aus der dose. lecker und tierisch ungesund. abends dann bier aus der 0,5l-dose. leer landeten sie im müll. manche lagen auch rum, die konnte man dann so schön kicken. doch das ist längst vorbei, keine dose liegt mehr rum. und wenn doch, wird sie schnell weggesammelt. letztes jahr zur fusi-WM gabs mal kurz the return of the bierdose. seitdem ist es ruhig geworden. zuviel pfand, zu eklig, sie leer im rucksack nach hause zu transportieren. aber es gibt alternativen:

[youtube 4Mk6qt0ZpLQ]
(via kati)