#urad

wir waren in urad, der polnischen seite des dörfchens aurith. beide dörfer sind durch die oder getrennt, früher gab es eine fähre, seit 1945 nicht mehr. wir lasen darüber vor jahren in einem schönen büchlein von Tina Veihelmann.

wir sitzen auf der kaimauer und der wind bläst ordentlich, die oder fließt schnell und ist auch ganz schön voll.

drüben ist deutschland, ab und zu kommen dort menschen, stehen ebenfalls auf der kaimauer und blicken zu uns herüber, gehen wieder. auf unserer seite kommt niemand, wir bleiben alleine. eine schwanenfamilie passiert den grenzfluss, ohne sich über die komplexe deutsch-polnische geschichte gedanken zu machen. ein wassermotorrad lärmt vorbei und durchbricht das idyll. sonst fahren keine schiffe.

vor jahren haben wie mal eine brücke bauen wollen und sind gescheitert. eine fähre gibt zur zeit nur einmal im jahr zum sommerfest. offenbar wird sonst keine gebraucht.

#Szrenica

Wir fahren von Szklarska Poreba (Schreiberhau) mit dem Lift auf den (die?) Szrenica (Reifträger) – immerhin 1362m hoch. Oben überblickt man Riesengebirge, die polnisch-tschechische Grenze und die Täler. Es ist sonnig, aber langsam ziehen Regenwolken auf. Nur wenige Wanderer sind unterwegs an diesem Pfingstmontag. Am Gipfel steht eine Baude und eine Wetterstation. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg nach unten. Einem gepflasterten Weg, es ist anstrengend, ungefähr zehn Kilometer bergab, sodass wir am nächsten Tag noch Muskelkater haben werden. Wir kommen am Wodospad Kamienczyka (Zackelfall) vorbei, den hatten wir uns vor Jahren bereits angesehen.

#warszawa

Der Berlin-Warszawa-Express fährt achtmal am Tag in unter sechs Stunden und verbindet die beiden Hauptstädte. Eine Foto-Love-Story.

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Der Bahnhof Warszawa Centralna ist unterirdisch und entstand lange vor Stuttgart 21. Du kommst im Keller an und musst Dich durch ein verwirrendes Gewirr von Tunneln und Durchgängen an die Oberfläche arbeiten.

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Der Bahnhof ist umgeben von zahlreichen Straßenbahnlinien, mehrspurigen Straßen, auch auf Viadukten, es gibt keine Fußgängerampeln. Also wieder zurück in die Tunnel. Vorbei an den Hauptstädtern, Reisenden, Liegengebliebenen, kleinen Läden.

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Draußen ist bereits dunkel und Du stehst vor Hochhäusern und einem etwas derangiert wirkendem Gebäude, dem Kulturpalast. Sieht aus wie die Karl-Marx-Allee, nur als Haus.

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Weitere imposante Gebäude, meist Hotels, umrahmen das attraktive Ensemble aus vielspurigen Straßen, Hauptbahnhof und Kulturpalast.

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Ganz in der Nähe gibt es auch eine U-Bahn, tief in der Erde, sehr neu, sehr schnell, sehr schön. Aber eben eine U-Bahn, wie es sie überall auf der Welt gibt.

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Die U-Bahn bringt Dich in den historischen Stadtkern, der – wie alles in Warschau – nahezu vollständig zerstört war und nach historischen Ansichten wieder aufgebaut wurde. Ein bisschen wie in Disneyland, nur viel weniger Touristen sind unterwegs. Auch kaum Einheimische, immerhin ist es Freitag Abend.

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Die Straßenbahn bringt Dich dann nach Hause, Google Maps kennt alle Linien und Abfahrtzeiten, Du musst nicht mehr rumfragen und hilflos gucken.

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Am nächsten Morgen auf ins Touri-Programm. Im Hinterhof fallen Dir die vielen Fahrräder auf, sehr ungewöhnlich für Polen. Das sieht ja aus wie im Friedrichshain!

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Und wenig später fallen sie Dir auf, die Hipster sind schon lange da, Berlin wirkt hier wie eine billige, kleinstädtische Kopie.

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Aber es gibt auch noch das historische Warschau, wenn man länger sucht. Sozialistische Ansichten und alte Leute. Man muss halt eben nur suchen.

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Im Grunde lebt diese Stadt von den krassen Gegensatzpärchen. Kapitalismus trifft Sozialismus-Moderne, die Architektur ist ein bunter Mix aus allem der letzten 70 Jahre.

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Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Sie ständig durch Tunnel und Unterführungen gehen?

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Man sagt übrigens, dass der Kulturpalast nicht nur stalinistische Architektur-Einflüsse hat, auch die Wolkenkratzer in Manhatten werden zitiert.

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Drinnen wird noch mehr zitiert, polnische Schlösser, historische Paläste, Stadtansichten. Ein Metagebäude sozusagen. Breschnew war hier, die sozialistischen Führer haben hier gefeiert, es riecht noch leicht nach kaltem Zigarettenrauch, das Parkett ist zerschrammelt, man ahnt wilde Feste, während draußen Knappheit herrschte.

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Von oben kann man übrigens nach unten gucken. Da bekommt man einen guten Eindruck, was man alles Tolles mit den Werkstoffen Beton, Stahl und Glas anstellen kann.

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Übrigens gibt es überall guten Kaffee, Essen kann man auch gut und die Touristen fotografieren sich gegenseitig.

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Im Sommer entspannt man an der Weichsel, im Spätherbst eher nicht.

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Die folgende Ruine war mal Panorama-Bild, Theater, Autowerkstatt.

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Es gibt Radwege, immer mehr!

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Es folgen Bilder aus der touristisch wunderbaren Straße Krakowskie Przedmie?cie. Da sind Botschaften, der Präsidentenpalast, Uni und noch mehr:

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Wir überall gibt es auch in Warschau die allseits beliebten Malls. Obszön, teuer, verglast.

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Abends dann zu Kult im Klub Stodo?a. Drei Stunden hat Sänger Kazik volles Programm gemacht, lange nicht mehr so gefeiert.

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Vorband waren die Berliner U-Bahn-Musiker Illegal Boys (Video) – welche Ironie.

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Nachrichten vom Untergang des Kapitalismus

auf einem Flohmarkt in Jelenia Góra (Polen) im Juli 2013
auf einem Flohmarkt in Jelenia Góra (Polen) im Juli 2013

viele polen glauben an deutsche waschmittel und reimportieren sie fleißig. hier steht mehr darüber. und auch wenn die hersteller dementieren, der glaube hält sich. die unsichtbare hand des marktes von adam smith ist zumindest sauber, rational handelt sie jedoch nicht.

Berlin ist woanders. Heute: Swieradów-Zdrój

der ort in polen nahe der tschechischen grenze hieß mal Bad Flinsberg, in jener zeit als der teil polens noch deutsch war. das ist lange her, ein paar gebäude erinnern noch an die vergangenheit, sonst nichts.

es gibt eine trinkhalle von 1899, in der mineralwasser aus dem berg ausgeschenkt wird, aber kein bier. es gibt kirchen, einen park und viele tourigeschäfte. eine stadt wie ein museum, in berlin heißt das nikolaiviertel. kann man sich anschauen, kann man aber auch links liegen lassen.