symbolbild: gewalt in der buttmannstraße

berlin ist erschüttert und der rbb treibts auf die spitze. ich war vor kurzem selbst in der grausamsten straße der welt einen trinken. mir ist nichts passiert. c. sah auch noch ganz in ordnung aus. was ist hier los? füllt da wer ein sommerloch? oder ist das schon höhere dialektik, die sozialen probleme einer stadt oder eines ganzen landes auf eine einzelne straße zu komprimieren?

und weil ich unbedingt falsch verstanden werden will: mir gehen sowohl hormongesteuerte kids, karrieregeile reporter, gutmenschelnde aktivisten und labernde ‚politiker‘ auf den keks. zeit für ein paar alternativen und lösungsansätze. meint ihr nicht?

ich gehe jetzt in die buttmannstraße einen trinken. ihr könnt mich alle mal.

Die falschen Käufer für seinen Pkw suchte sich ein 30-Jähriger heute Vormittag in Neukölln aus. Der Mann hatte gegen 11 Uhr auf der Hermannstraße ein vor ihm fahrendes Fahrzeug mehrfach angehupt und den Insassen seinen „Golf“ laut rufend zum Verkauf angeboten. Statt auf das Angebot einzugehen, entpuppten sich Fahrer und Beifahrer als Polizeibeamte in Zivil und stoppten ihn. Der 30-jährige Mann war stark angetrunken und hatte keinen Führerschein. Den hatte er nach einem Unfall unter Alkoholeinwirkung vor zwei Monaten abgegeben. Die Beamten brachten ihn zur Blutentnahme und schrieben eine Anzeige. Den „Golf“ nahmen sie doch noch mit; damit der 30-Jährige nicht noch einmal betrunken fährt, wurde der Wagen beschlagnahmt. [link]

BLÖDonline zitiert einen 22-jährigen und findet das wahrscheinlich noch witzig:

Nicht alle jungen Menschen erwiesen sich als geschichtsfest

„Das ,R‘ in DDR steht für Republik, Bonn war die Hauptstadt. Hitler war der Boss, ließ eine Mauer um sein Reich bauen. Wenn die Ostdeutschen in den Westen wollten, mussten sie ein Formular ausfüllen. Berlin war mal DDR, Sachsen gehörte glaub ich auch dazu.“

[link]

und am wochenende gabs im wedding action. die berliner zeitung schreibt:

In der Buttmannstraße in Wedding kam es bei einer Festnahme zu Tumulten. Das ist dort öfter so, sagen Anwohner

der rbb dreht einen film:

Um die wütende Menge in den Griff zu bekommen, musste die Polizei Verstärkung anfordern. Der Ort des Geschehens: die Buttmannstraße. Hier leben Menschen unterschiedlichster Herkunft: Sozialer Zündstoff. Das Problem: für die Straße fühlt sich keiner verantwortlich.

und einen tag später dann die diskussion. unbedingt lesen!

Wir sind sehr erfreut über die große Resonanz auf unser Thema. Wir werden in der Abendschau heute erneut darüber berichten und nach Lösungskonzepten fragen. Einige Kommentare mussten wir wegen offen ausländerfeindlichen Inhalts löschen. Dennoch wollen wir die wichtige Diskussion möglichst offen und kontrovers zulassen.

ein paar zitate, ein bischen diskussion. und das im sommerloch. trotz oder wegen ist doch eigentlich egal. erst verblöden wir uns freiwillig mit medienscheiße und dann kloppen wir uns. und am ende ruft einer nach dem starken staat und wills endlich mal wieder wissen. nee, das ist doch doof. nervt voll. echt jetzt mal.

die heutige dosis wahnsinn:

  • TP: allianz vs. nena
  • MP3 Playlist at nicorola musikblog: Rock-a-hula Baby
  • – FreeBeer ist kein freibier
  • – proust-o-meter: wann wird er weiterlesen?
  • – berlincityblues.com: The Streets of Wedding
  • – MediaMan Central: Latest Version
  • buchstaben rumdrehen

[youtube O2isV6L-sAM]

Kiez Avantgarde Kunstschule, part II: THE PUNISHMENT (2005)

Kiez Avantgarde Kunstschule is a contemporary art project involving pre-teen children from Soldiner Kiez in Berlin, Germany. During a summer workshop, the artists Ondrej Brody (CZ), Ivars Gravleis (LAT), Kristofer Paetau (FIN) and Avdey Ter-Oganian (RUS) planned to introduce a group of children into the practice of contemporary art…

backinfos

weil das internet sich gerade eintickert: ich jetzt auch.

[06:00] nachdem die ganze nacht hindurch wichtige und empfindliche infrastrukturen meines auges blockiert waren, kann der zuständige einsatzleiter erstmals von einem erfolg sprechen: "wir haben die blockade gelöst, es gab immer wieder einzelne anfälle von akuter schläfrigkeit, aber durch den gezielten einsatz modernster technik, speziell dem sogenannten WECKER können wir nun einen störungsfreien tag erwarten."

[06:11] kaffee für die seele, mails und rss im halbschlaf checken und auf keinen fall bloggen. da kommt nur mist bei raus. es werden einzelne rufe nach frühstück laut, was ich erfolgreich unterdücken kann. die forderungen der kritiker sind auch wirklich überzogen.

[06:58] einsatzbereit und in voller kampfmontur für den tag, betrete ich den hinterhof. alles ruhig. ein vogel sitzt auf dem sperrzaun. durch einen gezielten bösen blick kann ich ihn verjagen. laut twitternd zieht er ab.

[07:10] sitze auf meinem fahrrad, der wedding schläft noch und ich rolle gemütlich am wasser lang. die marine in der panke lässt sich nicht blicken. murmelnd lobe ich ihre einsatzstrategie. ein fußgänger schaut verwirrt.

[07:30] erfolgreich kind abgeschoben. keine proteste. mit den anderen eltern kanstatierten rückzug geplant und erfolgreich durchgeführt. es flogen vereinzelt bunte holzklötze, doch die gewalttäter konnten schnell identifiziert und mit kakao ruhiggestellt werden. entgegen einer dpa-meldung hat ein kind nicht gesagt, dass es den obstkorb in den frühstücksraum tragen will.

[07:37] der örtliche polizeiabschnitt speit immer wieder neue einsatzkräfte aus. dienstbeginn. von den angekündigten hundertschaften sehe ich nichts. muss eine gezielte falschmeldung sein. ich warte an einer roten ampel.

[08:01] zweite kanne kaffee des tages. überlege mir ein neues blogposting. komme auf die idee, die unsitte mit den live-tickern zu verwursten. fange an mit schreiben […]

anmerkung: hier enden abrupt die aufzeichnungen. der autor ist wohl in eine der gefürchteten zeitschleifen geraten, weil er mal wieder so furchtbar selbstreferenziell war. selber schuld. außerdem muss er gleich arbeiten und begibt sich umgehend in die arme des kalten, nakten und grausamen  kapitalismus.

es hat gebrannt. und zwar richtig doll. nicht heute und nicht gestern und auch nicht morgen. vor fast anderthalb jahren. es war ein gemütlicher abend, ich saß vor dem rechner. plötzlich roch es ganz eigenartig. ich also den rechner ausgeschaltet und geschnüffelt – nichts. trotzdem wurde der geruch immer beißender. irgendwann kam ich dann auf den gedanken, mal das fenster aufzumachen. draußen jubel, trubel, heiterkeit – im wedding spätabends nichs ungewöhnliches. und doch! da standen sie unten und winkten mir zu, feuerwehrmänner, polizei und nachbarn. ich winkte zurück. sie winkten wieder. nun wurde es mir zu blöd und ich fragte nach, was denn eigentlich los sei. feuer. und ich solle auf keinen fall die tür aufmachen und schön am fenster bleiben. an meiner tür polterte und krachte es. ich bekam panik, zog mir meine jacke an. und lief hin und her. was nun? dauernd dieses gepolter vor der wohnungstür und die panischen nachbarn unterm fenster…. ich ging also zur tür und machte auf. eine dicke wand aus nebelrauch kam mir entgegen, ich wollte die tür wieder zu machen. es ging nicht. plötzlich dieses röcheln nach luft und panisches zum fenster-gerenne. jetzt musste der feuerwehrmob unten was unternehmen und schickte zwei darth-vader hoch. na toll. sie zogen mir eine gasmaske über den schädel und schleppten mich richtig gestapo-mäßig die treppe runter. ich erkannte, was sie da geklopft und gepoltert haben: sie haben einfach die wohnungstüren der mitmieter zertrümmert. draußen schnappte ich nach luft und die feuerwehrleute guckten mich grimmig an. ich fühlte mich wie ein trottel. die mitleidige polizistin fragte mich aus. ich fühlte mich ziemlich besoffen. der notarzt untersuchte mich und ich fühlte mich ziemlich krank. ab gings mit blaulicht ins jüdische krankenhaus. ich schrie panisch nach morphium. dort wartete ich mit den anderen pechvögeln und besoffenen dieser so typischen berliner nacht in der notaufnahme. wurde wieder untersucht, durfte mich waschen und wieder gehen. da stand ich dann stocknüchtern, aber völlig breit mit einer art asthma-spray in der hand halb drei in der nacht rum. ich lief noch ein bischen durch die stadt der städte, machte ein paar blöde bilder und fiel in ein bett, ein anderes, weil es bei mir unglaublich stank. der gestank war nach einer woche weg, ich schrubbte und pinselte die wohnung wieder sauber. drei monate später hat sich eine malerfirma bei mir gemeldet und wollte streichen. vier monate später sah der hausflur aus wie neu. manchmal wache ich heute noch im traum auf und schreie nach morphium.

edit: und wer jetzt meint, ich will mit derlei purer effekthascherei und blöden ollen kammellen besucherzahlen generieren, der spinnt. und hat natürlich recht. 

update: "Mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung musste gestern gegen 23 Uhr 30 ein 23-Jähriger ins Krankenhaus gebracht werden. In einer Nachbarwohnung des Mehrfamilienhauses in der Soldiner Straße in Wedding war aus noch ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Die Mieter der im 3. Stockwerk gelegenen Brandwohnung waren nicht zu Hause. Der 23-Jährige musste mit einer Fluchthaube aus dem 4. Stockwerk vor dem Qualm in Sicherheit gebracht werden." [polizeibericht, 15.12.2005]

1907 stürmten die Pankgrafen aus dem Berliner Wedding nach Rüdesheim. Eine Meute munterer Männer, die weniger dem Rittertum, sondern mehr dem Riesling frönte. […] Doch was haben die Pankgrafen, die noch nicht einmal einen echten Adelsanspruch haben, in Rüdesheim zu suchen? Heinrich Schleif, Sektfabrikant in Rüdesheim, wurde auf die spaßigen Grafen aufmerksam, die nicht nur die mittelalterliche Tradition mit Scheinbelagerungen anderer Städte pflegten, sondern sich besonders wegen ihrer Trinkgelage einen Namen machten. Der geschäftstüchtige Schleif lud prompt die fidelen Berliner nach Rüdesheim ein. Rund 200 Pankgrafen, gekleidet in landknechtsähnlichen Kostümen und hohen Stiefeln, folgten gerne der Einladung im Jahr 1907 nach Rüdesheim, riefen "Hurra" und ließen die Böllerschüsse krachen. Der Ausflug gipfelte in einem Commers mit 1200 Gästen. Ganz Rüdesheim stand Kopf. Als Dank für die Gastfreundschaft am Rhein brachten die Pankgrafen das 1,70 Meter hohe Standbild mit. [quelle ]

We are gathered here together to break bread

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schmeckt. und ist gesund. meist mit körnern. oft mit butter und wurst und käse und fisch und paste und süßem und sowieso. alkohol ist auch drin (bis 0,3 % Vol.), trotzdem ist brot kein festes bier! woanders wird nach zutaten gefragt. bei mir nicht. brot kann man auch selber machen. bei den simpsons gabs mal einen brotbackautomatenautomaten. echt wahr. also insgesamt eine runde sache das.

Hi, this is mr.roiber, and I’m talking to you from my office at pixelroiber International Headquarters in Maryland. You know, I’ve had a lot of great comments on that first blog. Thank you for participating and for letting me know how you feel. [source].

zugegeben, die google-geschichte ist lustig, dabei ist eigentlich das ganze land wieder im wm-rausch. am freitag feiert der wedding sich selbst. und noch was, auch wenns leider nur spam ist: wer sich durch diesen text quält und mir folgende drei fragen richtig beantwortet, bekommt meinen vollen respekt. (per mail)

  1. 4. woran erinnert die Diskussion in Rastatt?
  2. 67. was passiert, noch bevor der eine angezogen ist?
  3. 34,4398 was sagt die staatsanwaltschaft zum dönerfleisch?

gefunden im dwds. übernehme ich jetzt mal unkommentiert:

„…Ein reicher Kindersegen wurde dem im Hause Soldiner Straße 37, zweiten Seitenflügel vier Treppen wohnhaften Tischler Krause -‚ schen Eheleuten zu Theil; die sieben lebende Kinder besitzende Familie wurde in der Nacht vom 4. zum 5. d. Mts….“ In: o.A., o.T. [Die Ankündigung, die …], in: Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe) 06.03.1903, S. 7

heute morgen im waschslon: militante hausfrauen belegen alle maschinen und vergreifen sich dann auch noch an meiner wäsche. ein gelangweilter rentner grint mich doof an, als ich gerade gehe, um dann im letzten moment auszurufen: ‚haben wir nicht was vergessen?‘, zeigt dabei auf eine verlorene socke. menschen gibts. die gibts nur montag früh.

dose es muss vor ein paar monaten gewesen sein, wir saßen im örtlichen döner und tranken das letzte absturz-bier des abends. da sprach uns sylwester an, er hatte schon viel zu viel getrunken und so erfuhren wir in einem halbstündigen vortrag seine lebensgeschichte. argumentativ nicht mehr ganz auf der höhe, blieb uns nichts anderes übrig, als pflichtbewußt zu nicken. leider verstanden wir nur bruchstücke seiner ausführungen, er war wohl mal lastwagenfahrer und ist durch ganz europa getourt. natürlich zählte er die länder auf, die er schon gesehen hatte, und natürlich zeigte er seine ausweise, seinen führerschein und noch eine handvoll andere dokumente. irgendwann verabschiedeten wir uns, obwohl er sicher noch die ganze nacht weiter erzählt hätte. da zückte er aus seiner jackentasche eine dose ölsardinen und eine packung sesamcracker. ablehnen ging nicht und so fand ich heute die dose in der küche und musste die geschichte einfach mal aufschreiben. wer mir sagen kann, welcher herkunft der name sylwester ist, gewinnt die dose. oder zumindest das bild davon.

das erste mal seit wochen wieder einen freien vormittag. zeit also, ganz witzige und komplett andere dinge zu machen als sonst: aufräumen, abwaschen, körperpflege, bloggen, alte bohrlöcher mit papierkügelchen stopfen, frühstücken, ein backup der wichtigsten daten, die hausverwaltung mit der fehlerhaften nebenkostenabrechnung konfrontieren, weltfrieden schaffen, endlich die unterlassungserklärung gegenüber dem berliner zoo unterschreiben („nein, die ziegen im streichelgehege stinken nicht“), decke streichen, die beteiligungsstruktur der metro-gruppe näher unstersuchen, den newsletter von bol.de abbestellen,…

berlinblueskyline

das naheliegendste ging leider nicht: ausschlafen. dafür gabs einen morgendlichen spaziergang durch den wedding. früh am tag zeigt der problembezirk sein jungfräuliches antlitz: die unterschicht trinkt sich mit plastikbecher-kaffee nüchtern und fit. es sind mehr knallgelbe spongebob-rucksäcke zu sehen als bierflaschen. und der frust der straße hat sich in die autos der mittelschicht zurückgezogen weil schlecker gerade eine lieferung bekommt. die prinzenallee staut sich bis pankow… nur die busfahrer bleiben gelassen und sind wie immer. die herbstsonne zaubert lächeln auf die gesichter der nachbarn und das leben im wedding macht wieder spaß.

absoluter soundtrack des morgens