bastelzeit:

ich mag notizbücher und kalender und schreibe mir viel auf. notizen und listen auf kleinen geräten oder dem rechner zu haben, find ich doof. komm’ ich nicht klar. aber was machen, wenn digitale informationen ins notizbuch wollen? für solche fälle gibts das MSK auf der moleskine-site und pocketmod. (via, da auch ausführlicher beschrieben)

Was machen eigentlich NiederschlagsbeobachterINNEN?

Sie beobachten den Niederschlag und schreiben alles auf. Inklusive Wetterverlauf und besonerer Wittererungsbedingungen. Jeden Tag, Monat für Monat und so weiter bis in alle Ewigkeiten…

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[Symbolbild: Wetter]

Und so darf Niederschlagsbeobachterin Käthe Burde aus Rheinsberg zu Präsident Köhler. Solche Ehre! Da blickt man neidisch auf die NiederschlagsbeobachterINNEN, gelle?

Uff!

Eigentlich wollte sollte hier ein Beitrag stehen über den aktuellen Nahostkonflikt und über den Tatort letzten Sonntag. Ein Pamphlet gegen die Ignoranz und Unmenschlichkeit. Ein Rundumschlag. Gegen alle Beteiligten. Weil es keinen Sinn macht, Partei zu ergreifen. Die Wörter gären nur so in mir und wollen aufgeschrieben werdern. Und je mehr ich darüber lese, je mehr Nachrichtenbilder ich sehe, desto höher steigt die Wut. Wut über so viel Intoleranz, über die verquere Logik von Religionen. Und Wut auch über die eigene Machtlosigkeit. Aber meine Wut hilft niemandem (genausowenig wie meine Worte jemandem helfen). Immerhin geht es nicht nur mir so.

Was aber hingegen in diesem sogenanntem Internet zu lesen ist an so manchen Stellen übersteigt dann doch die Vorstellungskraft. Bitte aufschreiben: Islamophobie ist Rassismus. Kritische Auseinandersetzung jedenfalls geht anders. Ich verzichte jetzt auf Links, muss ja nicht sein. Aber ich schäme mich für so viel geistigen Dünnschiss in den Blogs und Foren. Geht mal wieder raus. Das hilft.

der pixelroiber geht heute weg und dann kommt er wieder

heute abend spielt nämlich einer, der sein inzwischen drittes soloalbum veröffentlicht hat. ein alter hase im populärmusikalischen hiphop-geschäft. laut.de schreibt über ihn:

Er hat die Mechanismen flüchtigen Ruhms ebenso durchschaut wie die überaus berechenbare Vorgehensweise der Medien. Während andere nach ihren “15 Min. Of Fame” gieren, schlendert er zu Gitarren- und Banjo-Klängen gemütlich in den Sonnenuntergang.

und auch der pixelroiber wird – wenn er denn wieder heil zuhause angekommen ist – wieder eine jener verkorkstkopfigen kritiken schreiben, die nur im musikbusiness erlaubt sind – und vielleicht im ZEIT-feuilleton (das wort musste ich erstmal nachschlagen). link wird nachgereicht.

ich hab’ noch einen döner in neukölln

so wird es heißen, mein neues buch. das ich noch nicht geschrieben habe. und von dem ich keinen blassen schimmer habe. was ich da reinschreiben soll. und ob es überhaupt jemals geschrieben werden wird. aber zumindest habe ich mir jetzt die rechte am titel gesichert. das ist doch schon mal was! und jetzt klopfe ich mir noch ein bisschen auf die schultern. ihr entschuldigt mich also…

gurxmurx der woche

ganz eigentlich wollte ich was über döner schreiben. der hauptstädtische fleischfladen geht immer. aber die hölzernen kollegen waren wieder schneller. schon länger hat berlins tagesspiegeligstes internetdings eine kommentarfunktion unter den artikeln. und das ist nicht gut so. denn menschen haben die schlechte angewohnheit, kommunizieren zu wollen. und auch und gerade und überhaupt im internet. was da tagtäglich an müll aufläuft, übersteigt sogar den müll, den die verzapfen, die dafür bezahlt werden. und dabei war ich heute noch garnicht im heise-forum!

es könnte also passieren, dass uns das internet doch irgendwann verblödet. aber das merken wir ja dann nicht mehr, sondern kommentieren es nur achselzuckend mit “Danke für den Hinweiss , aber ich wußte das bereits – aber darum geht es mir auch nicht.”

unterwegs mailen

emails schreiben, lesen und beantworten, das alles nervt doch, wenn man ständig auf den webportalen der freemailer unterwegs ist. outlook kann man nicht mitnehmen, aber den thunderbird! den gibts nämlich in der portablen edition für den usb-stick. runterladen, dateien auf dem stick installieren, konten einrichten, fertig. master-passwort setzen, falls der stick mal verlorengeht. und nicht vergessen, das häkchen bei “mails auf dem server belassen” setzen. sonst kommen sie zuhause nicht an. oder statt pop3 lieber IMAP benutzen. sogar addons und themes lassen sich installieren. wenn alles fertig eingerichtet ist, noch schnell ein backup machen und schwuppsdiwupps, fertig ist der mobile mailclient fürs internet-café und unterwegs.

Mozilla Thunderbird, Portable Edition

einziger wermutstropfen womöglich: die erhöhte lese- und schreibfrequenz könnte die lebensdauer vom stick verkürzen. aber das ist bei den hardwarepreisen fast schon zu vernachlässigen.

Blogparade: Vermeidbare Fehler beim Fotografieren

…und was ich daraus gelernt habe.

der fotografr rief zum schreiben auf. über fehler beim knipsen, über die man sich hinterher den arsch blau ärgert. da hat sich schon allerhand angesammelt, ich geb mal meinen senf dazu:

jeder noch so blöde technik-/handwerks-fehler ist verschmerzbar, solange nur ein bild rauskommt. und mitunter ist es doch ganz interessant was da rauskommt. sehe ich also nicht so eng. viel schlimmer ist es, wenn die bilder nichts werden, kein film eingelegt war oder die speicherkarte defekt ist.

was aber richtig nervt und mich regelmäßig an den rand der verzweiflung treibt, ist, gar kein bild gemacht zu haben. da siehst du ein tolles motiv, eine spannende situation und dann lässt du die knipse in der tasche. weil du keinen arsch hast, weil du dich nicht traust oder du gerade keine lust hast zu fotografieren. und wenn ich ehrlich bin, angesprochen habe ich noch niemanden, ob ich ihn ablichten darf, für sowas fehlt mir einfach der mut. komisch, oder? kann man das trainieren?

das ist vermeidbar (nämlich manchmal einfach machen) – und wie oft habe ich mich schon über bilder geärgert, die ich nicht gemacht habe! es gab da mal eine seite irgendwo im netz, da konnte man seine bilder beschreiben, die man gerne gemacht hätte – hat vielleicht jemand den link?

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für neue leser: meine bilder findet ihr bei flickr!

montagsnotizen

eigentlich wollte ich ja diese woche meine klappe halten, geht aber nicht. immerhin nur kurz notiert:

  • am wochenende haben wir eine halbe kiste bionade für die umzugshelfer gekauft. die verkäuferin raunte uns in verschwörerischem halbton zu, dass wir besser die kiste auffüllen sollten, denn ab montag wird das zeug noch teuerer. naja. ein interview mit dem geschäftsführer Peter Kowalsky gibts hier.
  • in dortmund war loveparade. kurz reingeschaut bei der liveübertragung, superpeinlichen auftritt von moby gesehen. geht gar nicht. sonntag mittag saßen die raver müde und zerstört in den zügen der republik und starrten vor sich hin. kurioserweise waren schuhe und hosen der zappelnden mitmenschen total verdreckt, verschlammt gar.
  • tolle bilder aus deutschlands verlassenem osten finden sich in diesem flickr-set (via).
  • der prenzlberg hat nun sein eigenes radio. auf 95,2MHz. hat da schon mal einer reingehört?
    funkwelle (via, via)

und nein, ich werde nichts schreiben über studivz, facebook, spiegel, verärgerte blogger, usw. das machen viele andere mehr…

neues von mieze

miaeigentlich wollte ich heute was schreiben. über mieze, frontfrau von mia. mia fand ich mal toll. so wie 2raumwohnung und wir sind helden und all’ die anderen dollen bands, die unheimlich deutsch singen und frisch klangen damals™, vor gefühlten zwanzig jahren. aber ehrlich gesagt konnte ich die bands nie auseinanderhalten. ist aber auch wurscht. coldplay und radiohead klingen für mich auch identisch.

jedenfalls gestern hat mia-mieze ihr neues album vorgestellt. nur für freunde. und fans und pressefutzis. und getrandete subjekte wie mich. und so war der admiralspalast ordentlich voll. und das bier ordentlich teuer. so teuer, dass man sich nicht mal besaufen konnte, um die dreiviertelstunde warten zu überbrücken.

und dann kam die band. wobei: eigentlich gehts um die frau. die band ist nur da. irgendwie. musik gibts auch. irgendwas. aber eigentlich gehts um die stimme. und die texte. sie sang tatsächlich so was wie: “die katze lässt das mausen nicht…” oder so. und zog sich vor jedem lied komische kleider an.

deutschpop klingt immer wie eine mischung aus rammstein, rosenstolz und …naja… udo jürgens.

ach, wisst ihr was? es langweilt mich.

warum haben erfolgreiche bands nicht den arsch in der hose, sich ständig neu zu erfinden oder mal was politisches zu machen? gibt ja genügend themen.

keine provinzposse

da ist man ein paar tage weg, in der mitteldeutschen provinz. ganz ohne internet und mail. man fährt stundenlang mit dem regio durch landschaften und überall siehts gleich aus. die mitreisenden nerven, weil es meist nur halbstarke bundis oder gewaltbereite omis sind und die bahnhöfe werden immer trostloser. man denkt über den hundertsten artikel über die provinz nach. formuliert sätze im kopf. wird sarkastisch und bitterböse. wieder zuhause wird das nichts mehr aus der satirischen abrechnung mit dem landleben. weil der feedreader überquillt, die mails schon überlagert riechen und auf beantwortung warten oder ein fußball-em-finale um aufmerksamkeit buhlt. und ein paar tage später hat man dann keine lust mehr. und die sonne lacht draußen. und man hat keinen arsch in der hose um ICH zu schreiben, sondern schreibt nur noch MAN.

reisebild #1

so geht das jedenfalls. heute ist dienstag. im juli. draußen ist sommer. und hier drinnen arbeit. ich wünsch euch was. genießt es. ich mach dann mal weiter.

die angst vor der leerung

immer wenn ich nach hause komme erwartet mich mein kleiner weißer freund ohne namen. er ist still, sagt kaum was und schaut mich meist traurig mit seinen großen augen an. oft will ich widerstehen und nicht in sein inneres schauen – allein, es gelingt mir nicht. angst, schweiß, wutausbrüche, schwitzige hände, kalte füße, nackenhaarfrisur und gänsebratenhaut überfallen mich, ich drehe den schlüssel und entdecke doch meist nur unsinn, unwichtiges oder lästiges. nein, ich und mein briefkasten, wir haben es schon nicht leicht zusammen.

aber zum glück – ich bin nicht alleine.

140 zeichen p0rn

in der aktuellen ausgabe der mindestens haltbar geht es um peinliche jobs in der jugend. das brachte mich auf einen text, der schon lange geschrieben werden wollte:

das bewerbungsgespräch im herzen berlins entpuppte sich als infoveranstaltung. mit dreißig leuten quetschten wir uns in einen kleinen raum voller rechner. an den rechnern saßen dieselben leute wie wir und arbeiteten. kurze einführung ins thema, blabla. ich hab garnicht richtig zugehört. die ersten bewerber standen wutschnaubend auf und verließen grußlos das büro. andere lachten irritiert oder spielten das ist-mir-alles-scheißegal-spiel. es ging um mehrwertdienste per SMS. was diese worthülse bedeutete ging mir dann am ersten arbeitstag auf. ich nahm den job natürlich an, brauchte das geld, freiberufliche festanstellung sozusagen. dann einteilung in schichten und los gings.

am ersten tag sollte ich einer tussi über die schulter schauen und lernen, was man denn so schreibt. was folgte, waren die schrecklichsten stunden meines lebens, guantanamo ist wahrscheinlich nix dagegen. ich sitze also neben einem attraktivem mädel und schaue irritiert auf ihre sätze, die sie ins system hämmert. es sind kurze, knappe sätze. 140 zeichen mehrwert-SMS mit erotischem inhalt. ab 18. irgendwo da draußen in der welt sitzt einer und schreibt für knapp zwei euro eine SMS und die frau neben mir beantwortet sie, ohne gefühlsregung, quatscht nebenbei mit den anderen oder knabbert an ihrer stulle. und ja, ich war verwirrt. mein sexueller horizont erweiterte sich innerhalb einer stunde um 150%.

und dann war ich dran. erst zögerlich, dann voller abscheu, schrieb ich auf, was mir einfiel. im grunde musste man nur das schreiben, was der kunde hören wollte. er gab ja die richtung vor, ich reagierte und meine sätze platzten fast vor geilheit. meistens war ich eine frau mitte zwanzig und zu allem bereit. naja, zu fast allem. ein paar tabus hatten wir schon, kinder und tiere und so. aber ansonsten gings immer rund. die teamleiterin saß mir im nacken und verlangte qualität.

nach einer woche war ich genauso abgebrüht wie die kollegen und schrieb die sätze, so als hätte ich nie was anderes in meinem leben getan. vielleicht hasste ich mich selbst, ob meiner verdorbenheit und unaufrichtigkeit – immerhin glaubten die kunden ja, mit “echten” frauen zu simsen. aber im grunde war mir es nach einer woche egal. es ging ums geld. sehr üppig war der job nicht bezahlt, aber immerhin konnte man rund um die uhr arbeiten gehen. ein paar perverse waren auch dabei mit irgendwelchen abgefahrenen fetischen, aber irgendwann wird auch das normal. und kurioserweise waren auch frauen dabei. dann war ich meist ein mann in seinen besten jahren. klar, oder? einige kunden haben sich verliebt und wurden so zu stammkunden. übrigens war uns auch untersagt, von liebe zu sprechen. ganz in echt! traurig das alles.

aber ich habe es ausgehalten. fast zwei jahre. gewissensbisse? nö. abstumpfung? wahrscheinlich. aber irgendwann wird auch ein arschfick per sms so langweilig wie jeder andere job. arme menschheit.

kurze wahrheiten #2

  • “schadenfreude” ist ein lehnwort im englischen und meint dort dasselbe #
  • farin urlaub erklärt den schwäbischen grundfehler #
  • am samstag spielen die Mothers Little Helpers in berlin und ich hab da keine zeit (beziehungsweise muss ein gewisser jemand da schon im bett sein) #
  • SPON hat ausnahmsweise mal recht: der film once ist gequirlter mist. echt jetzt mal #
  • SPON hatte heute (und nicht nur heute) totalen quark geschrieben. und alle schreiben ab #
  • der pfeilgiftfrosch ist nur bedingt gefährdet und PETA darf man nicht immer glauben #
  • schmeißt heute schon eure mäuse weg #
  • wie der spruch Brot für die Welt – Fleisch für mich zum karrierekiller wird #

[die erste ausgabe der kurzen wahrheiten war auch schon heiß diskutiert…]

Filmkritik: Das jüngste Gewitter (2007)

ok. gestern abend also kino. hat nicht jedem gefallen. aber muss ja auch nicht immer. und wäre ja auch scheiße, wenn alle den selben geschmack hätten. uniformität ist auch ohne uniformen blöd. ich jedenfalls begeistert von dem film. eher ein märchen, story gibts wohl keine. und ruhig ist er. lustig bis lächerlich. großartige kamera (heißt in diesem film: sie bewegt sich einfach nicht). und sehr grotesk. oft auch bitter. so halt. also unbedingt empfehlenswert. nicht für alle, aber für einige (siehe oben). anschauen!

preisfrage: warum muss man eigentlich zu unkonventionellen und grotesken filmen völlig unverständliche kritiken schreiben? und noch dazu mit philosophischem schwachsinn schwängern? steht das in den redaktionsstatuten? einige beispiele:

Die Starrheit der Kamera, die fast unbemerkt einige Male doch zoomt, die Tristesse der Dekors, die gebrochene, grau-grüne Farbpalette, die den Film beherrscht, das kalte Neonlicht und die starren, emotionslosen und kreideweißen Gesichter der Darsteller – dies alles macht den Eindruck einer Vorhölle, eines Wartens auf das ersehnte Hereinbrechen einer Apokalypse, die einem reinigenden Gewitter gleich diesen Haufen trostloser Gestalten endlich erlöst. [kino-zeit.de]

Am besten alles im ständigen Wechsel, ansonsten könnte man winzige bedeutungsvolle Details übersehen, die Anderssons existentiellen Bestands- und Notaufnahmen häufig einen doppelten Boden verleihen und sie trotz repetitiver Motive und Verlaufsprinzipien nie eintönig werden lassen. [critic.de]

Das “Niemand versteht mich”, das mehrere der Figuren dem Publikum entgegen schleudern, ist in der Welt, die Roy Andersson uns zeigt ohne Zweifel wahr. Die Kraft des Lebendigen ist in ihr aber viel stärker als die Verzweiflung und fern von Zynismus. [filmstarts.de]

Dabei sind seine Bilder auf ihre kalte Art üppiger, barocker und felliniesker als die des in diesem Sinne viel protestantischeren Franzosen… [welt.de]

…unbeteiligte Gesichter und lange statische Einstellungen erzeugen auch hier jene tragikomische Lakonie, die keiner meisterhaft zu inszenieren versteht wie die nördlichen Filmemacher. [br-online.de]

Der Film zeigt den Menschen in allen seinen Aspekten voller Selbstsucht, Arroganz, Gleichgültigkeit und Opportunismus aber auch voller Mitgefühl, Großzügigkeit, Zärtlichkeit und Liebe. [jetzt.de]

Die renitente Alkoholikerin bringt da schon mehr Druck in ihre unmittelbare Umgebung. [tagblatt.de]

…als würde Ingmar Bergman ‘The Big Lebowski’ verfilmen. (faz)

undsoweiter. übrigens ist es auch total schick, absurde querverweise in die kritiken einzubauen. zum beispiel wurden erwähnt:

Johan Wolfgang von Goethe (3x)
Luis Buñuel
Franz Kafka
David Lynch
Samuel Beckett
Max Beckmann
Otto Dix
Aki Kaurismäki (2x)
Bent Hamer
Robert Bresson
Federico Fellini
Alexander Payne
Loriot

viel zu viel zeit am mittwoch nachmittag

die taz blättert in der neon und findet keine schönen worte. und trotzdem ich weder taz noch neon lese, bleibt ein ungutes gefühl: zur generation umhängetasche gehören zu müssen. urx. aber wie recht sie haben, wenn sie schreiben:

Also bleibt man lieber im Zustand der Langzeitadoleszenz hängen, was natürlicherweise nicht ganz ohne Redundanzen durchzuhalten ist – frei nach Heiner Müller: Gesucht wird das Neue in der Wiederkehr des ewig Gleichen…

auch ich bekomme in schnöder regelmäßigkeit nichts auf die reihe oder verplempere meine zeit mit unwichtigeren dings. wie hier. oder woanders. oder überall sonst.

ich behaupte mal vor mich hin: nie war ablenkung und unnützes so spannend und unterhaltsam wie heute. da verzocken wir doch gerne ganze lebensläufe und mäandern ziellos vor uns hin. jawohlja! denn wir haben nur dieses eine leben. und zu allem unglück ist auch noch sonne. da werd ich mal rausgehen, natürlich mit umhängetasche!

ausgelesen

heute ist tag des buches. und dass es bedruckten wald überhaupt noch gibt, dass ist erstaunlich. noch erstaunlicher ist, dass sich menschen noch hinsetzen und sie lesen. und ein paar andere schreiben sie. wenn ich in einer buchhandlung stehe, komme ich da so schnell nicht wieder raus. viel zu viele bücher gibt es. kann man garnicht alle lesen. nun, es gibt auch viel schrott. aber das gibts woanders ja auch. ein paar will ich in den kommenden wochen vorstellen.

ein stadtbekannter vorleser und taxifahrer erzählt in gefühlten hundert kurzgeschichten über das (zusammen- und nebeneinander-) leben in neukölln. dabei stapft er in der tradition bekannter lesebühnenautoren. für das buch braucht man ungefähr eine stunde. ganz stilsicher liest man es in der u8. da fällt es auch nicht auf, wenn man mehrmals laut auflacht, denn das publikum in berlins skurilster linie ist selber schon verrückt genug. und so lesen wir von der kategorisierung des öffentlichen murmelns, vom richtigen rumlungern und der fabelhaften schlorkmaschine. das!ist!witzig! ehrlich jetzt. wobei die geschichten viel zu kurz sind und das buch viel zu schnell ausgelesen. der autor baut jedesmal eine phantasiekulisse auf und dehnt die situationen ins groteske. sowas mögen wir. mehr davon. und ich besuch auch mal wieder neukölln, versprochen.