2009 schrob ich über einen trödelmarkt auf einem ehemaligen brauerei-gelände, seit ein paar jahren ist dort ein biergarten und was mit kunst, da sind wir gerne und oft. es wird gebaut, weil der neue eigentümer was neues bauen will (siehe auch).

so geht das in einer stadt, man kann es verdrängung oder gentrifizierung nennen oder wandel oder metamorphose. das alte geht kaputt und macht platz für neues. und irgendwann wird auch dies verschwinden und neues wird entstehen. das alte landet im gedächtnis oder im museum. übrigens, bei google street view sieht man noch den flohmarkt.

bisher hielt ich 3D-drucker für scheiß und das ist es wohl auch. letztens traf ich einen, der im mauerpark 3D gedrucktes plastikzeugs als Kunst verkauft und ja, vielleicht kann er davon leben. ab und zu gibts im internet nette ideen, wie die von der blumenvase. aber so richtig hat mich noch nichts vom hocker gerissen. vielleicht verschlafe ich aber auch gerade eine revolution, wer weiß.

eine drehbuchidee. für einen konzeptionellen konzeptfilm. eine metaliteraturverfilmung mit autobiographischem hintergrund.

blauer raum  - febr 2007

wir sehen eine renovierungssituation. ein mann steht auf einem stuhl, streicht mit einer farbrolle die wand weiß. unter ihm zeitungspapier, farbkleckse, farbeimer, pinsel. seine klamotten sind unspektakulär, jeans, t-shirt, beides fleckig, vollgekleckst, alt, speckig.

nachdem die kamera eine weile ruhte, ihn still beobachtete, zoomt sie langsam an sein ohr, der blick fällt auf seine kopfhörer, kleine in-ear-dinger, die vorher nicht auffielen.

aus dem off dringt leise, aber immer lauter werdend, Peter Matić‚ stimme:

Aber wenn von einer lang zurückliegenden Vergangenheit nichts mehr übrig ist, nach dem Tode der lebendigen Wesen, nach der Zerstörung der Dinge, verweilen ganz alleine, viel fragiler, aber lebenskräftiger, immaterieller, ausdauernder, treuer, der Geruch und der Geschmack noch lange Zeit, wie Seelen, entsinnen sich, warten, hoffen, auf den Ruinen von allem übrigen, und tragen, ohne zu wanken, auf ihren kaum wahrnehmbaren Papillen den ungeheuren Bau der Erinnerung.
Combray, S. 72, Übersetzung Kleeberg, 2002 –1

die kamera zoomt wieder heraus, auf dieselbe einstellung wie am anfang. wir schauen dem mann beim streichen zu. stoisch, scheinbar ohne müdigkeit, streicht er. unterbrochen nur von seinen regelmäßigen eintauchen der farbrolle in den eimer. währenddessen immernoch Matić‘ stimme aus dem off

weißer raum - febr. 2007

dann der fall, nach einem erneuten abstieg und eintauchen der rolle in den eimer und wieder-auf-den-stuhl-steigen, passiert es: er rutscht, der stuhl kippelt bedenklich, der mann stürzt, ungebremst und nirgends festhaltend zu boden, auf den rücken. bleibt da liegen. schnitt. die kamera an der decke, sehen wir den mann zwischen seinen werkzeugen liegend von oben. teilweise weiß, weil der eimer kippte. er kann sich nicht bewegen. ist er gelähmt? die off-stimme wird wieder lauter:

Im Zustand der Krankheit merken wir, daß wir nicht allein existieren, sondern an ein Wesen aus einem ganz anderen Reich gefesselt sind, von dem uns Abgründe trennen, das uns nicht kennt und dem wir uns unmöglich verständlich machen können: unseren Körper.
– Guermantes S.417 –

und so geht das dann weiter. auf seinem mp3-player befindet sich die 7 tage nonstop lesung von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. die frage ist nun, ob er zuerst dehydriert oder seinem player der akku ausgeht.

ich finde offenes ende besser. und ihr so?


  1. zitate geklaut von dieser seite: []

im internet, da gibts alles. da darf jeder reinschreiben und reintun, was er will. egal, ob es interessant ist oder jemals gelesen oder angeschaut wird, da kümmert sich keiner drum. und so muss man zwischen all‘ dem scheiß die perlen suchen. die es zweifelsohne gibt. zum beispiel das Museum of Anti-Alcohol Posters von Yuri Matrosovich.

nach dem museumsbesuch hat man einen ganz anderen blick auf das thema, ist sensibilisiert und hört sofort auf mit trinken. um nichts anderes geht es doch in der kunst!

(via)

woweezowee. endlich mal gesehen und gar nicht mal so doof gemacht. mit dem fiktiven dokufilmer, der selbst zum streetartisten wird. mit den großen der szene, mit banksy selbst natürlich und kunstmarktkritik. nun könnte man dem großmeister geltungszwang und hybris vorwerfen ob soviel selbstbezogenheit. aber lassen wir das. hören wir lieber auf die taz:

„So weitet sich sein um drei Ecken gedachtes Straßenspektakel zur multiperspektivischen Bestandsaufnahme eines Kunstschlussverkaufs.“

+++ imdb +++ official +++ wikipedia +++

[xrr rating=6/7]

bonustrack: was ganz ähnliches hatte ich hier auch schon mal…

Es gibt eine Art Lieder zu covern, die mir persönlich echt gut gefällt.
Man nimmt ein bekanntes Musikvideo und schreibt den Text so um, dass er beschreibt, was im Video zu sehen ist.

Das Ganze klingt dann fast wie das Original, nur in lustig.
Im folgenden Video wurde „Meatloaf“ mit „Anything For Love“ gecovert. Ein Traum.

Ich musste laut lachen, als ich das gesehen habe.
Unbedingt empfehlenswert!

Da staunte Mitte Juni im Haller Globe-Theater der aus Bulgarien stammende Allerweltskünstler Christo nicht schlecht, als ihm vom ersten Rang herunter das Berliner Reichstagsgebäude entgegengehalten wurde – zünftig verhüllt und als Miniaturausgabe. Gefertigt wurde das Imitat in Gelb vor sieben Jahren von Anna Baur in Bad Wimpfen als bestens benotete Abitursarbeit. Der 75-jährige Witwer wollte das Modell nicht signieren, schließlich war dies ja nicht sein Original-Opus „Wrapped Reichstag 1995“. Mehr Glück hatte da RUNDSCHAU-Mitarbeiter Hans Kumpf. Christo veredelte und adelte ein im Mai 2001 bei der Einweihung der Kunsthalle Würth aufgenommenes Foto höchstselbst am oberen Rand mit seiner Unterschrift.

Dieser Artikel aus der Südwest Presse wirft Fragen auf: Warum nur wird Christo als Allerweltskünstler bezeichnet? Warum ist das Imitat in Gelb und wurde auch noch als bestens benotet? Hat Anna Baur aus Bad Wimpfen nichts besseres zu tun? Und wie dreist ist die Erwähnung der Unterschrift auf einem mittelmäßigem und derb bearbeiteten Foto?