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  • Carsten 13:58 on February 9, 2017 Permalink | Reply
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    kritik der technologiekritik 

    in sichtweite des ehemaligen Kaufhaus Jonaß, in dem jetzt der dekadente privatclub soho mit fitnesscenter und glamour und pipapopo ist, befindet sich die ladengalerie der linken tageszeitung junge welt. das ist ziemlich witzig, gestern waren wir da als werner seppmann sein neues buch kritik des computers vorstellte, untertitel: Der Kapitalismus und die Digitalisierung des Sozialen.

    seppmann hält nicht viel von computern und dem internet. seine kritik richtet sich weniger gegen technik, vielmehr gegen die auswirkungen. seine these, dass die zunehmende automatisierung und comuputeriesierung unseres berufslebens und alltags uns stärker in die kapitalistische gesellschaftsordnung zwängt, ist nachvollziehbar und durchaus interessant.

    wenn man jedoch die Standardsituationen der Technologiekritik (2009) von Kathrin Passig anlegt, so bleibt seppmann an der oberfläche und kritisiert computer und technolgie, so wie seit jahrhunderten technologie kritisiert wird: ängstlich, wütend und leider uninformiert. Joseph Weizenbaum, Manfred Spitzer und Nicholas Carr liefern die stichwörter. es ist zwar amüsant, wenn niemand mehr karten lesen kann, weil alle nur navis benutzen. oder keiner sich mehr im cafè anschaut, nur noch auf diplays glotzt. wenn amazon heerscharen von billiglöhnern beschäftigt, weil alle nur online shoppen und keiner mehr lokal kauft. das wissen wir alles und es wird uns seit mindestens zehn jahren erzählt. natürlich wird auch das argument des arbeitsplatzwegfalls durch roboterisierung ins feld geführt. und der aufstieg von rechtspopulisten durch soziale medien erwähnt. und natürlich der verlust von privatsphäre und zunehmende überwachung.

    bei all’ dem gegrantel bleiben die chancen des netzes unberücksichtigt: dezentrale kommunikation, zugriff auf informationen, austausch und organisation ohne nationale oder räumliche beschränkungen. dass diese chancen nicht genutzt werden und die user sich lieber auf facebook tümmeln, das liegt vielmehr am menschsein als an der technologie. bequemlichkeit siegt meist. und hier verpasst der autor den bogen zum marxismus zu spannen, den er vertritt. er steckt in seiner abneigung und ablehnung fest, verneint das neue generell.

    die frage ist letztendlich, wie können wir computer und netze für uns nutzen, um ein besseres leben für alle zu organisieren. wie können wir es schaffen, menschen nahe zu bringen, dass sie mehr im netz machen können als katzenbilder und online casinos?

     
  • Carsten 08:31 on January 13, 2017 Permalink
    Tags: Achille Mbembe, Alain Badiou, Alix Fassmann, Alon Harel, Ángela Lambea, Angela Richter, Anselm Lenz, Corinna Popp, , Graeme Maxton, Guillaume Paoli, Hans-Christian Dany, Haus Bartleby, Hendrik Sodenkamp, Ilija Trojanow, Ingrid Gilcher-Holtey, , Kira Kirsch, kritik, Lili Fuhr, Louis Klein, Nis-Momme Stockmann, Saskia Sassen, Viktor Kucharski, Volker Lösch, , Wolfgang Neskovic   

    kritik der kapitalismuskritik 

    das kapitalismustribunal ist ein spannendes projekt, hier finden seit knapp zwei jahren diskurse, theater und workshops rund um schuld und verantwortung derzeitiger krisen und falscher entwicklungen statt. immer in der form einer gerichtsverhandlung. hauptfeind ist der kapitalismus als solcher und der neoliberalismus im speziellen. es wird nach neuen regeln gesucht, die unser zusammenleben verbessern, misstände beenden undsoweiter.

    Das Versprechen des Kapitalismus’ lautete: »Allen wird es besser gehen!« Inzwischen gehen immer mehr Menschen davon aus, dass diese Annahme falsch ist. Sie beobachten zunehmend Unfreiheit, Ungleichheit und sehen den sozialen Frieden unmittelbar durch den Kapitalismus bedroht. Zugleich zeigt sich ihnen das ökologische Desaster durch die Verbrennung der Grundlagen irdischen Lebens.
    Im Kapitalismustribunal wird die Frage der Schuld des Kapitalismus’ und seiner Protagonisten fair verhandelt.

    gestern abend war lesung zum daraus entstandenen buch im roten salon der volksbühne.

    die schönen texte wurden vorgetragen, es gab einen engagierten moderator, der schöne fragen stellte. jedoch jenseits der texte wurde der diskurs zäh und träge, es wurde die besetzung des intendanten der volksbühne kritisiert, es ging um die frage, ob viele kleine verbesserungen besser seien als das große ganze im auge zu haben, vereinzelt fragwürdige zwischenrufe ließen fragezeichen in den gesichtern aufblitzen. der abend entglitt ins schwafeln und zeigte vor allem, dass es keine lösungen gibt, keine utopien, die linke ist fertig und schielt neidisch auf den populistischen ansatz der rechten und neurechten.

    am ende wieder schöne texte aus dem buch, denn das kann die linke noch, formulieren, metaphern, wortgewaltige sprachbilder erzeugen und das publikum angepannt zuhören lassen. nur der dialog blieb weit hinter den erwartungen, auch weil wir nicht nur im postfaktizismus leben sondern auch nach der theorie. der kapitalismus passt sich wunderbar an, einverleibt die kapitalismuskritik und akkumuliert gewinne. wir brauchen also nichts so dringender wie neue regeln für ihn, um ihn in die schranken zu weisen, auch dafür braucht es bücher, dialoge und solche abende, so ätzend sie auch sind.

     
  • Carsten 13:24 on October 17, 2016 Permalink
    Tags: , Bill Hader, Conrad Vernon, Evan Goldberg, , Greg Tiernan, Kristen Wiig, kritik, Michael Cera, Salma Hayek, Seth Rogen,   

    Filmkritik: Sausage Party (2016) 

    ein animationsfilm für erwachsene, der sich bei eingehender betrachtung als pubertierende variation eines einzigen wunsches heraus stellt: die verzehrende sehnsucht nach dem ersten sex. der ganze film ist getränkt mit schlechtem pubertätswitz und prolligen humor. dabei ist es unter vielem krach eine geschichte des aufbegehrens und der verweigerung: die lebensmittel verweigern sich ihrer natürlichen bestimmung und begehren auf. es gibt eine große vielfalt an besprochenen themen: nahostkonflikt, religionskritik, medienkritik, minderheiten, usw. usf. alles sehr breit und intelligent, es geht nur leider im großen gebrüll unter. ich bezweifle, dass bei der synchronisation viel sprachwitz verloren gegangen ist. es genügt den trailer zu sehen.

     
  • Carsten 00:06 on October 14, 2016 Permalink
    Tags: , kritik,   

    ökoschotter 

    ich will nochmal Wolf Lotter aufgreifen:

    “Der Kapitalismus ist entwicklungsfähig, während die Kritik an ihm stagniert.”

    man sieht das wunderschön an che guevara-bettwäsche, myfest, guy fawkes-masken – die symbole der subversiven kritik werden kommerzialisiert und konsumierbar gemacht und verlieren dabei jeden charakter. das ist wie bei den grünen, deren hehre ideale von einst sind inzwischen CDU-mainstream, die partei im grunde überflüssig, weil sie sich nicht schnell genug neue themen gesucht haben. der konservative von heute kauft bio und lebt nachhaltig. genau so, wie der kapitalismus kritisiert wird, aber bitte schön bei einem guten wein von lidl und spotify im hintergrund. selbst der nonkonformismus an sich, der marihuana-konsum ist inzwischen legal kommerzialisiert, zumindest in teilen der USA. wenn Sie heute gegen etwas sein wollen, müssen Sie schon autos oder flüchtlingsheime anzünden oder einen sprengtoffanschlag planen.

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    die linke hat sich verloren in ewigen debatten über gender und politischer korrektheit, ist im mainstream angekommen, kritik kommt nun von rechts und das ist nie gut. brüllhälse fordern die absetzung der regierung merkel, politisch klar denkende verteidigen die flüchtlingspolitik der kanzlerin, die flüchtenden ertrinken derweil im mittelmeer. es ist ein absurdes theater. die staaten der EU wollen wieder nationalstaaten sein, deutschland wartet nur auf einen bismarck. aber eigentlich benötigt es einer starken linken, die die probleme beim namen nennt, mit dem finger in der bankenwunde bohrt und die regierung hinterfragt.

     
  • Carsten 18:28 on October 4, 2016 Permalink
    Tags: , , , , , kritik, switch   

    Filmkritik: Er ist wieder da (2015) 

    Der Film zum Buch ist so zu ziemlich das unlustigste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe. Und ich ahne auch schon den Grund, bei wikipedia heißt es nämlich:

    “Im Buch erschießt Hitler keinen Hund.”

    Was im Buch und Hörbuch wunderbar funktioniert hat, weil da genug Zeit und Raum war, geht hier leider total schief: Die Balance zwischen bitterem Humor und subtiler Gesellschafts- bzw. Medienkritik. Wir begleiten Hitlers erneute Machtergreifung lediglich medial, eine Auseinandersetzung jenseits des Öffentlichen findet nicht statt. Dafür viel brachialer Humor und Gejohle, Cameo-Auftritte, Seitenhiebe und Schenkelklopfer. Am befremdlichsten noch sind die pseudorealen Straßeninterviews. Es stößt einen ab.

    Einen Metaschraubendreh weiter jedoch meine Lieblingsstelle: Im Hörbuch (gelesen von Christoph Maria Herbst) verwechselt der Kisoskbesitzer Hitler mit dem Schauspieler Michael Kessler in Switch reloaded, der dort eine Hitlerparodie (“Obersalzberg”) im Setting von Stromberg gibt. Da Stromberg von Herbst gespielt wird , ist das schon gut (haha). Im Film tritt dann Kessler als Moderator auf, es wird auch ein Ausschnitt aus Switch reloaded zitiert. – Findet das außer mir noch jemand lustig?

     
  • Carsten 13:06 on February 17, 2016 Permalink
    Tags: , , kritik, , , perspective-daily,   

    zukunft journalismus 

    wurstteller

    journalismus steckt in der krise seit der erfindung der zylinderdruckmaschine 1811. doch es gibt immer mal wieder junge frische ansätze, nach niiu 2009, den krautreportern, blendle, nun also übermedien und perspective daily. letztere haben eine schöne beschreibung unserer probleme mit heutigem journalismus:

    Stell dir vor, du sitzt an einem Puzzle. Es heißt: Bild der Welt. Die einzelnen Puzzleteile: Nachrichten. Da ist ein Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim. Du versuchst, es an die eskalierte Demonstration linker Protestler anzulegen. Es passt nicht. Du legst es stattdessen in die Nähe des Berichts über den NSU-Prozess und beschäftigst dich erstmal weiter mit dem Teil über die drohende Hungersnot in Afrika. Irgendwann wirst du die passenden Zwischenteile schon finden …

    Nach mehreren Stunden hin und her stellst du fest: Nein, die Teile lassen sich nicht verbinden. In der Schachtel waren tatsächlich Puzzleteile von unterschiedlichen Puzzles, die sich nicht verknüpfen lassen. Du beschließt, das Puzzle trotzdem fertigzustellen, nimmst den Pinsel und beginnst, die Lücken mit Farbe zu füllen. Welchen Farbton wählst du? Vermutlich tiefes schwarz, denn fröhlich sehen die Einzelteile nicht aus.

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    das ganze funktioniert vorerst als crowdfunding-projekt und wir werden sehen, ob das was wird, spannend ist es in jedem fall.

     
  • Carsten 15:49 on December 5, 2015 Permalink
    Tags: , Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, INSM, kritik, , , ,   

    Geschichten aus dem Neoliberalismus (2005) 

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    Vor 10 Jahren, unter den Linden in Berlin, da warb die Menschenrechtsorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) noch für Menschlichkeit und Wärme in Deutschland. Waren eben andere Zeite, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass Lobbyverbände halbtransparent ihre Lobbyarbeit mitten im Stadtbild machen. pft!

     
  • Carsten 23:21 on June 5, 2014 Permalink
    Tags: einkauf aktuell, , kritik, , postwurfsendung, ,   

    hier gibt es eine online-petition gegen die unsägliche einkauf aktuell, einem stapal papier in plastikfolie, der jeden samstag an milliarden von haushalten verteilt wird (wir berichteten). dabei ist die lösung viel einfacher: einfach die stapel in die dafür extra bereitgestellten sammelboxen werfen:

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    • RevolutionNow! 20:49 on June 7, 2014 Permalink | Reply

      habe heute alle exemplare aus dem treppenhaus, wie vorgeschlagen, zu den gelben sonderentsorgungstonnen gebracht.
      die idee gefällt mir.

      • Carsten 22:26 on June 7, 2014 Permalink | Reply

        das ist sehr löblich. ich werde jetzt ein wenig ruhiger schlafen, weil wir ein bisschen die welt gerettet haben.

      • Carsten 22:31 on June 7, 2014 Permalink | Reply

        übrigens lese ich bei wikipedia, dass man der zustellung widersprechen kann und das ärgerniss bei der post dann größer ist.

  • Carsten 13:44 on September 2, 2013 Permalink
    Tags: , Alan Arkin, , Ben Affleck, Bob Gunton, , , Chris Terrio, Christopher Denham, , Clea DuVall, , , , , Grant Heslov, , , Keith Szarabajka, Kerry Bishé, kritik, Kyle Chandler, , , , , Rodrigo Prieto, Rory Cochrane, Scoot McNairy, , Tate Donovan, Taylor Schilling, Titus Welliver, Tony Mendez, , Victor Garber, William Goldenberg,   

    Filmkritik: Argo (2012) 

    Nette Verfilmung einer CIA-Operation rund um die Geiselnahme von Teheran 1979-81. Mit Unterstützung aus Hollywood gelingt es einem bärtigen Ben Affleck-Hipster-Spion sechs Geiseln aus dem revolutionären Iran zu schleusen. Alles ganz lustig und dramatisch, nur eben ein bisschen zu einseitig und unreflektiert. Spannende Unterhaltung mit ein bisschen CIA-Werbung.

    [xrr rating=4/7]

    wikipedia | imdb

     
  • Carsten 15:21 on March 22, 2013 Permalink
    Tags: , , , kritik,   

    Als sich der Konsumismus selber abschaffte… 

    2013-03-20 12.37.55

    2013-03-19 18.29.53

     
  • Carsten 12:51 on December 28, 2012 Permalink
    Tags: , Arsch huh, , , , , , , kritik, , , , , Wilfried Schmickler, , Zäng ussenander   

    Statt einem Jahresrückblick: Wilfried Schmickler 

    [youtube Aa742zZ77xE]

    (via s.)

     
  • Carsten 00:18 on June 21, 2012 Permalink
    Tags: , kritik, , ,   

    Rainald Grebe – Oben 

    grebe hatten wir schon oft. aber dieses lied noch nicht. kontroverseste zeile bisher:

    “Es gab eine Zeit, da war eine Putzfrau das Allerletzte.
    “Es ist dein Dreck, den machst du gefälligst selber weg!” (stimmt ja auch)
    Jetzt kniet irgendeine Olga über meinem Klo, kratzt meine Kacke weg,
    Es hat ein bisschen gedauert aber mittlerweile, mittlerweile,
    Schaue ich ihr gern’ dabei zu.

    Unten.
    Die ist unten,
    Zurecht.
    Und das hat mit Zufall nix zu tun,
    Oder Pech.”

    da kann man sicher drüber streiten. aber recht hat er. bitter.

     
  • Carsten 18:42 on April 7, 2012 Permalink
    Tags: , , Gebrüder Grimm, kritik, , ,   

    Gebrüder Grimm-Bashing 

    gebrüder grimm-bashing

    Jacob und Wilhelm Grimm Nationalismus vorzuwerfen, ist sicher legitim, aber geschichtswissenschaftlich irgendwie schief. Immerhin war das 19. Jahrhundert ein anderes und außerdem sind sie Jahre vor Gründung des Kaiserreichs gestorben. Auf dem Werbeplakat für eine (sicherlich) mittelmäßige Hollywoodklamotte hätte ganz andere gesellschaftskritische Kritik Platz gefunden als schräger Geschichtsunterricht. Oder habe ich da was falsch verstanden?

     
  • Carsten 23:40 on November 6, 2011 Permalink
    Tags: , , André Wilms, Blondin Miguel, , Elina Salo, , Evelyne Didi, , , François Monnié, , , Jean-Pierre Darroussin, Jean-Pierre Léaud, , , kritik, Little Bob, Marcel Marx, , Pierre Étaix, Quoc Dung Nguyen, , Roberto Piazza   

    Filmkritik: Le Havre (2011) 

    ein märchen. alles ist alt, im stil von 50er-jahre filmen, die charaktere sind betagt und leben in ihrer eigenen welt. ein schuhputzer – das schon ein anachronismus für sich – muss seine frau ins krankenhaus bringen und nimmt einen jungen auf, der als illegaler immigrant vor der polizei flüchtet. um dessen ausreise nach london zu finanzieren, wird ein konzert organisiert. mehr passiert eigentlich nicht. dazwischen wunderschöne bilder und dialoge. ein film über das gute im menschen und dem zweifel am system (hier: migrationspoltik der EU).

    und es bleibt viel raum für interpretation, nicht alles ist so klar, wie es scheint. ob das ende ein traum ist oder realität? auf jeden fall: ansehen.

    [xrr rating=9/10]

    [youtube phjL9bP28FE]

     
  • Carsten 15:16 on March 22, 2011 Permalink
    Tags: , , angles, , kritik, , , phrasen, plattenkritik, , the strokes,   

    Hier schreibt der Kulturpessimist noch selbst (#14) – Plattenkritik 

    The Strokes – Angles (2011)

    das lang erwartete album ist nicht mehr als ein permutatives prozessklassen-hilfskonstrukt. dabei errinerten sich die garagenrocker ihrer abendländischen erinnerungsverpflichtungen und erschufen eine psychohygienische persönlichkeitsverdichtungsmaßnahme, die ihresgleichen sucht. die aufgabe war von anfang an definiert, die erwartungen entsprechend hoch: die schlichte notwendigkeit mit allem nachdruck alle ressourcen auszuschöpfen. doch die letzten alben wugten schwer, die konstruktive vergangenheitsakzeleration war allgegenwärtig. die zwanghafte intelligenzisometrie der verhaltenstherapeutischen bulimieidealisierung schwub wie ein damoklesschwert über der gruppierung. jedoch! herausgekommen ist eine art komplexe dunkelfeldpipeline, ein dosiertes tangentialsediment – wie so oft im leben führt die themenzentrierte regionaldeeskalation zu erfolg – schwerlich zwar, doch immerhin.

    und zwar schön trotzig-gelangweilt, so dass einem die welt nervöse blasiertheit als informierte lebensmüdigkeit durchgehen lässt.

    danke, danke, danke.

     
    • Steffen 23:24 on March 22, 2011 Permalink | Reply

      ein wenig plump und niveaulos in der wortwahl aber doch mit erkennbarem willen drückt der autor hier seine verqueren gedanken aus.

  • Carsten 02:16 on June 20, 2010 Permalink
    Tags: , Andrew Wilson, David Herman, Dax Shepard, , Dystopie, , Justin Long, kritik, Luke Wilson, Maya Rudolph, Mike Judge, , Terry Crews, Thomas Haden, , , ,   

    Filmkritik: Idiocracy (2006) 

    Schon lange nicht mehr so viel gelacht. Es geht um einen Zeitreisenden, der in der Zukunft aufwacht und auf eine Welt voller Bekloppter und Verblödeter trifft. Mehr gibt es nicht zu berichten von der Story. Und auch wenn der Film teilweise derbe unter Niveau versinkt: Die Bilder und Ideen sind so detailreich und witzig, dass man seinen ARTE-geschulten Anspruch vergisst und einfach nur noch lacht. Sicherlich wird die Gesellschaft super-überzeichnet dargestellt, die Menschen in der Zukunft sind einfach nur Stulle. Und es ist ein sehr amerikanischer Film. Aber! Er ist auch eine Warnung an uns alle. Dass wir mehr denken und lesen sollten und nicht alle glauben sollten.

    Selber gucken!

    [xrr rating=6/7]

    wikipedia | imdb

     
    • bukowski 17:55 on November 7, 2010 Permalink | Reply

      also. ich find ja die idee des films gut. aber die umsetzung scheisse. man hätte das auch bisschen ernster angehen können und es wurde viel zu
      übertrieben dargestellt. ja klar, es ist ne warnung und so an alle, aber zuviel des guten.

  • Carsten 00:15 on December 4, 2009 Permalink
    Tags: , , , , kritik, , , , ,   

    Hier schreibt der Kulturpessimist noch selbst (#12) 

    heute zum thema kulturpessimismuskritik. mein feedreader verwies heute sehr oft auf einen artikel von kathrin passig: standardsituationen der technologiekritik. und weil der text so lang ist, habe ich ihn mir ausgedruckt. das mache ich manchmal, bei langen und schwierigen texten, die nicht gleich zu verstehen sind. insofern bin ich auch ein internetausdrucker. gebe ich offen zu, kann man mir später dann nicht vorwerfen.

    nun liegen also die acht seiten internet vor mir. und die haben es in sich. lange nicht mehr soviel gescheites und bemerkenswertes gelesen. insgesamt acht argumente bzw. argumentationsstufen zählt die autorin auf. argumente gegen neue technologien. und sie zieht parallelen. zu längst etablierten technologien und deren anfänglicher kritik. mit vielen o-tönen und zusammenhängen macht sie klar: jede neue technologie wurde erstmal abgelehnt, argwöhnisch betrachtet und für tot erklärt. dass sich zum beispiel die schreibmaschine durchgesetzt hat: reiner zufall.

    und immer wieder die parallelen zum internet, denn darum geht es im eigentlichen im text. dass es immer noch genügend menschen gibt, die es ablehnen oder zumindest den sinn der weltweiten vernetzung nicht verstehen (wollen). und es gibt menschen, die kommen zwar mit dem internet als solchem klar, aber twitter und facebook lehnen sie als unnützem kropf ab. stark abhängig vom alter der autoren sei das, schreibt passig. und hat wohl recht. denn genauso gehts mir, blogs find’ ich toll, aber bei twitter habe ich den nutzen für mich selbst immer noch nicht entdecken können*.

    als ausweg formuliert sie die these vom verlernen, denn wir haben uns in unserem leben zuviele lösungen angeeignet, die teilweise oder ganz durch neue techniken ersetzt werden. zum beispiel braucht niemand mehr das know-how und die ausrüstung einer dunkelkammer, um hochwertige photographien zu produzieren. aus diesem grund haben sich am anfang auch viele gegen digitalkameras gewehrt. zum verlernen kommt dann noch die zeit dazu: die menschen werden älter und andere wachsen nach. nur in den meinungsbildenten redaktionen sitzen noch die älteren und meckern. und schreiben kulturpessimistische texte.

    aber vielleicht (und das ist jetzt meine these) brauchen neue technologien die anerkennung von kulturkritikern? immerhin bedeutet das, dass sie sich damit auseinander gesetzt haben. dass sie den sinn gesucht haben und den vorteil für sich. und auch wenn sie keinen gefunden haben und dies in langen und bösen essays kundtun: das neue wird so einer breiten masse zugänglich gemacht und hinterfragt. die anhänger des neuen reagieren und ätzen zurück, versuchen sich aber gleichzeitig zu erklären und hinterfragen somit ihre eigene meinung. und das ist doch sowas von gesund. wenn wir alles unkommentiert akzeptieren würden, dann hätten wir längst den sich selbst nachfüllenden kühlschrank und roboter für unsere zehennägelpflege.

    insofern bin ich für die beherzte errichtung eines ministeriums für kritik in wissenschaft, technik und kultur. und zwar auf alles förderalistischen ebenen dieser republik. erster minister wird dr. edmund stoiber. der ist grad frei und kann ganz ungezwungen kritisieren.

    • wobei ich mich immer öfter erwische, aktuelle ereignisse bei twitter zu suchen. die live-haftigkeit dieses mediums ist einfach unwiderstehlich…
     
  • Carsten 21:21 on May 3, 2009 Permalink
    Tags: , , , , krawall, , , kritik, protestforscher, , Roland Roth, schweinegrippe, Self-Fulfilling-Prophecy, stammtisch, swineflu, , , , wir zahlen nicht für eure krise,   

    Notizen vom Stammtisch #2 

    Gewalt löst keine Probleme. Doch ohne Protest verspüren die Regierenden auch keinen Handlungsbedarf. Es ist das alte Dilemma und es scheint nahezu unlösbar. Und auch wenn es der Protestforscher in kluge Worte fasst, das Problem bleibt:

    An Wut mangelt es nicht. Zu Hause, am Stammtisch, in der Mittagspause auf der Arbeit – da schimpfen die Menschen. Der moralische Kredit der Wirtschaftseliten ist verspielt, niemand glaubt diesen Leuten mehr irgendetwas. […] Protestbewegungen sind Teil einer demokratischen Kultur, durch die sich ausgegrenzte Interessen immer wieder Gehör verschaffen. Aktuell droht aber eher eine Erosionskrise. Dazu gehören vielfältige Ausgrenzungserfahrungen: auf dem Arbeitsmarkt, in abgehängten Regionen, in einer verfallenden öffentlichen Infrastruktur. Hierzulande wenden die Menschen solche Erfahrungen aber eher gegen sich selbst – etwa in Depressionen, Sucht oder Suizid. Wir erleben einen Zerfall des gesellschaftlichen Zusammenhalts – keine Explosion, sondern eine Implosion. (taz)

    Kein Ausweg, nirgends. Und nun ist auch die Party in Kreuzberg vorbei und die BSR räumt die Scherben auf. Was wir brauchen, ist aber eine Strukturänderung. Denn es kann nicht sein, dass die alten Männer, die nachweislich für die Krise verantwortlich sind, damit so einfach durchkommen. Und doch wird allgemein so getan, als wär nichts gewesen und so weitergemacht wie bisher.

    Das eigentlich erschreckende ist doch, dass wir diese Krise überhaupt nicht spüren. Es gibt sie und alle reden darüber, doch sie ist nicht greifbar. Das Leben geht weiter wie zuvor. Die Bahnen fahren, Geld abheben ist möglich und die Preise sind auch noch nicht gestiegen. Sicher, Kurzarbeit in den Unternehmen, Auftragseinbrüche, steigende Arbeitslosigkeit, Minijobs werden knapp – alles Zeichen für den drohenden Untergang? Oder Zeichen dafür, wie Unternehmen auf entsprechende Pressemeldungen reagieren, so genannte Self-Fulfilling-Prophecy-Effekte? Alles heißer Dampf? Wenn aber doch nicht: Wer trägt die Verantwortung und wer zahlt dafür?

    “Wir zahlen nicht für Eure Krise!” hieß es vor ein paar Wochen auf den Demos in Berlin und Frankfurt. Doch ich befürchte, dass wir zahlen müssen. Alle, ohne Ausnahmen und alle zukünftigen Generationen bis in alle Ewigkeiten, Amen. Denn die Rettungspakete und die abgewrackten Autos wollen finanziert werden. Teuer, mit Schulden. Da gibt es keine Alternative. Können wir uns überhaupt noch leisten, eine Wahl zu haben? Oder ist dies der Anfang vom Ende des Kapitalismus, wie einige behaupten? Wie kam es eigentlich dazu, dass alle von Krise sprechen?

    Lange vor dem Internet bereits haben sich in der Finanzbranche virtuelle Märkte etabliert, die mit ihren Vorgängern nicht mehr viel gemeinsam haben. Es wird gehandelt mit Werten, die real gar nicht existieren. Mit Optionen auf Tatsachen, deren Eintreten von dem Handel mit diesen Optionen beeinflußt wird. Wann fing das alles an? Ich habe keine Ahnung und bin beileibe kein Finanzmarktexperte. Doch spätestens nach der Asienkrise, nach dem Platzen der Internet-Blase vor ein paar Jahren hätte man es wissen müssen. Damals schon hätte man nach ebenjenen Regulationsinstrumenten schreien müssen, die Heute diskutiert aber doch verpuffen werden. Weil alles nur so halbherzig angegangen wird, dass man sich nur wundern kann, dass überhaupt noch irgend etwas funktioniert.

    Müssen wir Angst haben? Ich weiß es nicht. Niemand weiß das. Vorsichtshalber lenken wir uns lieber ab mit der Schweinegrippe und schieben Panik, wenn der Nachbar mal wieder Schaum vorm Mund hat. Natürlich wird unser Leben weiter gehen. Nur wahrscheinlich auf einem niedrigeren Niveau. Und das wurde sowieso mal Zeit. Die Wikipedia meint dazu lapidar:

    Die Grenze des beschränkten Wachstums kann abrupt oder durch Sättigung asymptotisch erreicht werden. (wikipedia)

    Ziemlich schnell müssen wir uns also entscheiden, wie wir in Zukunft leben wollen. Ob dann noch der unterfinanzierte Plasma-TV im Wohnzimmer stehen wird, bleibt fraglich.

    Die BSR jedenfalls wird morgen die letzten Spuren des Protestes von den Straßen kehren, somit sichern die Systemkritiker wenigstens Arbeitsplätze in einem System, das sie eigentlich bekämpfen. Und man kann diesen (scheinbaren) Widerspruch gar nicht oft genug wiederholen. Oder, auf einer anderen Ebene: Wen sollen Punks anschnorren, wenn alle das punkige Lebensgefühl angenommen haben?

    Es bleibt verzwickt, aber denken hilft. Auch in einer schweinekrisigen und finanzverseuchten Welt, machen wir das Beste draus.

     
    • artemisia 08:59 on May 4, 2009 Permalink | Reply

      Das hast Du gut geschrieben. Schappo!

    • Ole 13:11 on May 4, 2009 Permalink | Reply

      Denn es kann nicht sein, dass die alten Männer, die nachweislich für die Krise verantwortlich sind, damit so einfach durchkommen.

      Diese Aussage ist derzeit ja großer gesellschaftlicher Konsens. Ich bin sicher, auch die Politiker würden die “alten Männer” liebend gerne zur Rechenschaft ziehen (blenden wir für den Moment mal aus, dass auch einige Politiker nicht ganz schuldlos an der Situation sind). Das Problem ist doch, dass wir keine Idee haben, wie wir das machen können oder wie wir es schaffen, sie wenigstens in Zukunft im Zaum zu halten. Strafrechtlich haben sich die meisten wahrscheinlich nichts zuschulden kommen lassen. Und wenn wir sie am Geldbeutel packen wollten, hätten wir die Banken pleite gehen lassen müssen. Das wäre wohl auch nicht mehrheitsfähig gewesen.

      Ein Manager bekommt sein Mismanagement dann zu spüren, wenn er sein Unternehmen in die Pleite fährt. Nur dann ist für ihn wahrscheinlich auch Essig mit irgendwelchen Abfindungen. Gleiches gilt für die Aktionäre, die vorher am meisten von verantwortungslosen Risikogeschäften profitiert haben. Nur trifft die Pleite natürlich auch die Mitarbeiter. Wenn die Politik dann jedes Mal eingreift und das Unternehmen am Leben erhält, verzögert sie nicht nur den (notwendigen) Strukturwandel, sondern signalisiert auch dem Manager: handele möglichst riskant, um in guten Zeiten riesige Profite zu machen; wenn’s schief läuft, wirst du ja aufgefangen.

      Wie muss die Strukturänderung aussehen, um das zu vermeiden?

      • pixelroiber 15:42 on May 4, 2009 Permalink | Reply

        das sind ja eigentlich zwei fragen, die natürlich zusammenhängen. wir werden nicht um ein gesundschrumpfen herum kommen. also eine absenkung des lebensstandards? würde ich nicht sagen, eher eine verschiebung der prioritäten. unter den apekten globalisierung, ökologie und menschenrechte. wir leben nicht nur inmitten der krise eines alten systems, sondern wir haben auch die möglichkeit ein neues system zu schaffen. so richtung soziale marktwirtschaft plus demokratische grundordnung plus ökologischer weltwirtschaft. hat jemand was dagegen?

        • Ole 22:13 on May 4, 2009 Permalink | Reply

          Nee, überhaupt nichts dagegen. Gesundschrumpfen ist super. Ich frage mich nur ernsthaft, wie wir eine den Namen verdienende Soziale Marktwirtschaft hinkriegen, ohne an der Regulierung der Gier zu ersticken. Mehr Liberalismus und mehr Verantwortung für den Einzelnen wären mir lieber als Regulierung durch Verbote, aber irgendwo beißt sich das natürlich mit Sozialer Marktwirtschaft, zumindest im Verständnis vieler.

  • Carsten 11:28 on March 27, 2009 Permalink
    Tags: , , deinkiez, fas, , , kritik, , , ,   

    ein anderer kommentar 

    weil der FAZ-artikel letztens einmal mehr nur einseitig und undifferenziert berichtete, haben sich auch andere geäußert: “Der Soldiner Kiez ist kein Kiez des Verbrechens.” (deinkiez.de):

    Der Blick auf die realen Gegebenheiten führte hier zu einer Relativierung bestehender Klischees. Der Soldiner Kiez ist kein Ort des Verbrechens. Aber er ist auch kein problemfreier Kiez, und es gilt besonders, die Kinder und Jugendlichen im Kiez so zu fördern, dass ihnen eine kriminelle Karriere erspart bleibt. Projekte an den Schulen und im Kiez haben diesen Weg begonnen. Verfolgen wir ihn weiter.

     
  • Carsten 22:50 on March 26, 2009 Permalink
    Tags: , , , George Orwell, , , kritik, pläne, , , sperre, spiegelfechter, , ,   

    notizen vom stammtisch 

    eine frage habe ich noch: mussten die damen und herren von der regierung denn nicht in der schule orwells 1984 lesen? ich meine, warum nerven sie uns mit überwachungs- und sperrplänen und halten uns von den eigentlichen themen ab? sowohl kinderpornografie als terrorismus gabs ja wohl auch schon vor dem internet. das weiß man doch. und wirklich kriminelle geister können jede zensursperre und überwachung umgehen. das liegt doch auf der hand. wozu also all der mumpitz? die ganze pressefreiheit und das recht auf privatspähre opfern für ein paar totalitäre spinner und triebtäter? ist das nicht genau der falsche weg? aber die lasche waffengestzgebung nicht anrühren wollen, so sind sie, unsere gesetzgeber im wahlkampffieber. gibt es keine wichtigeren themen?

    und weil man den artikel gar nicht genug verlinken kann: Der Spiegelfechter: Schönes neues Netz – Deutschland im Jahre 2015

     
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