roiberhöhle

das richtige blog fürs falsche leben

hörtipp: Alternativlos! #40

Jun
01
bitte unbedingt die neue folge #40 Alternativlos! mit Andrej Holm über Stadtentwicklung und Gentrifizierung anhören:

https://alternativlos.org/40/

1880, als berlin mit essig gentrifiziert wurde #FASchwartz

Nov
27

die neuen Yoga-Matten sind endlich da

Dec
17
2012-12-16 11.50.28

…mitten im wedding wurden sie abgestellt von unbekannten ökofuzzys, das wars dann wohl… (quote a.)

heute im posteingang

Jul
04

Was macht eigentlich… der Prenzlauer Berg?

Feb
27
Share Deal - gesehen irgendwo in Mitte, Dez. 2011

anleitung zum korrekten gentrifizieren

May
16
zum thema gentrifizierung hatten wir ja schon ein paar artikel hier1. also nicht neues für den aufmerksamen leser. heute wollen wir uns aber nicht mit den folgen und auswirkungen beschäftigen, sondern dem neu-berliner und neu-reichen und zugezogenem schwaben eine kleine starthilfe mitgeben. dass er nicht bei null anfangen muss mit der aufwertung. vor allem im wedding, dem neuen lieblingsprojekt der gentrificateure.

alles fing ganz harmlos an letzte woche. s. fragte an, ob wir ihm nicht helfen könnten beim ausmisten seines neuen wohnraums. oben, im afrikanischen viertel. nur ein paar schränke müssten raus. klar, warum denn nicht, man hilft ja wo man kann. und dann gings auch schon los. hat natürlich alles wieder viel länger gedauert als geplant. der teppich war fest mit den dielen verklebt, eine dicke schicht hartnäckiger NASA-weltraumkleber wurde vor 40 jahren hier getestet. entsprechend mühsam war die entfernung. der schrank im schlafzimmer bestand aus stahlbetonholz und krümmte den raum durch seine schiere masse und anziehungskraft. der ikea-schreibtisch bestand aber nur aus pappe, das war dann erleichternd.

nur musste das zeug auch irgendwo hin. eine ganze robbenpritsche voll. und weil es in berlin so wenig wald gibt, eben auf den BSR-hof. im prenzlauer berg, weils so schön nah ist. aber nein! dort schickte man uns übellaunig weg, weil wir zu voll waren – kein unüblicher zustand. man verwies uns nach neukölln. da werden wir alles los, aber nur gegen geld. weil auf den kleinen BSR- höfen nur zwei kubikmeter zeuch abgeladen werden darf. na toll. die fahrt dahin war auch nicht ohne, weil irgendwelche antifas kreuzberg blockierten und wir drumrum mussten.

irgendwann sind wir aber angekommen, gradestraße, britz von seiner schönsten seite. das gelände erinnerte eher an einen grenzübergang mit irrsinnig vielen fahrspuren und hinweisen und überhaupt. zum glück war nicht viel los. alle aussteigen, das gefährt musste gewogen werden. runter vom gummi, schrien sie. damit das gewicht nicht verfälscht wird, klar.

und dann weiter, eine rampe hoch und in eine riesige halle mit dem flair einer lego-mondstation. kunstlicht, herumfahrende bagger, sirenen. irreal, surreal, unwirklich2. dazwischen freundliche, soldatisch-anweisende mitarbeiter. der müll wird auf riesige container verteilt. gesagt, getan. es macht auch unglaublich spaß, ehemalige wohnmöbel mit gewalt auf einen haufen zu wuchten. streßabbau der kopfarbeiter. und dann wieder raus, das auto wird wieder gewogen, die differenz – stolze 700 Kilo immerhin – will bezahlt werden. eine horrende summe für müll ausgegeben, auch eine schöne scheiße. aber immerhin ein reines gewissen. wer weiß, was die tolles nun damit machen. wärme, strom, neue möbel, einen noch größeren uber-recyclinghof bauen, was weiß ich denn.

was bleibt, ist die erkenntnis, das nächste mal mehr geld in wertigere möbel zu investieren.


  1. der wedding wird bunt (Oktober 2010)
    Wird der Wedding bald Luxus? (Mai 2010)
    Gentri-was? (Juli 2008)
    schwabenbashing aus weddinger sicht (Juni 2008) []
  2. ein nicht-ort, hätte der stadtsoziologe geschimpft. der war aber gar nicht dabei []

Geschichten aus einer viel zu großen Stadt pt. 20

Apr
18
townhouses auf dem gelände des ehemaligen alten schlachthofs im prenzlauer berg (april 2011)

so siehts da jetzt aus auf dem ehemaligen alten zentralvieh- und schlachthof an der s-bahn storkower straße – da haben sich die townhäusler richtig ausgetobt und uniforme blocks hingesetzt, die ganz schön nach 60er-jahre retro-future aussehen. amerikanisches suburbania, ihr wisst schon.

dabei sah es bis vor ein paar jahren noch ganz anders aus, alte baracken und allerlei verlassenes standen rum und erzählten von einer anderen zeit. erzählten ein stück industriegeschichte. heute muss man bei döblin nachlesen oder dieses kleine video schauen.

sicher, es gibt nicht nur townhäuser, auch ein park hat sich verirrt und die ehemalige rinderauktionshalle bekommt einen subway. so schade ist das alles nicht, es ist nur wieder ein kleines stück berlin verschwunden. da muss man aber nicht traurig sein. und man muss sich eine familie im townhause glücklich vorstellen.

Kran-Porno an der ehemaligen Rinderauktionshalle (April 2011)

Tatort: Der Traum von der Au (2007) – Leitmayr & Batic

Jan
28

gentrification in münchen: in einem mehrfamilienhaus wird der nazi-hausmeister ermordert und jeder in der hausgemeinschaft hat ein motiv. war es vielleicht der schnöselige hausbesitzer? oder die dekadente WG? die thai-ehefrau, die unter ihrem quecksilbrigen mann litt? man weiß es nicht, die auflösung ist dann tatsächlich sehr überraschend. assistent menzinger entwickelt ein rätselhaftes eigenleben, man erfährt einiges über den münchner immobilienmarkt. nur das dialekt einiger darsteller nervt, aber ist halt so.

+++ LINK +++ Erstausstrahlung: 21.10.2007

[xrr rating=6/7]

berlin, deine kieze

Jul
27
wo können klischees besser ausgelebt werden als in der photographie? eine dokumentation der ressentiments…

An einem Sonntag in der Oderberger (Mai 2010)

An einem Sonntag in der Oderberger (Mai 2010)

An einem Sonntag in der Oderberger II (Mai 2010)

An einem Sonntag in der Oderberger II (Mai 2010)

Jazz im Bürgerpark (Mai 2010)

Jazz im Bürgerpark (Mai 2010)

Hinterhof im Wedding (Mai 2010)

Hinterhof im Wedding (Mai 2010)

Hinterhof im Wedding II (Mai 2010)

Hinterhof im Wedding II (Mai 2010)

Ordnung in Charlottenburg (Mai 2010)

Ordnung in Charlottenburg (Mai 2010)

Strandbar in Mitte (Juni 2010)

Strandbar in Mitte (Juni 2010)

Aufwertung in Prenzlauer Berg (Juli 2010)

Aufwertung in Prenzlauer Berg (Juli 2010)

Wird der Wedding bald Luxus?

May
16
Letzte Woche gabs eine spannende Diskussion zum Thema “Gentrifizierung im Wedding?” – ich war leider nicht da, dafür der stadtbekannte Soziologe Andrej Holm. Er hat nun die Diskussion zusammen gefasst und veröffentlicht:

Gentrification Blog: Berlin-Wedding: Im Schatten der Aufwertung (15. Mai 2010)

Nun wohn’ ich schon eine Weile hier, alle paar Jahre erklären zitty und tip den Wedding zur neuen Szene. Die DEGEWO thront wie eine Käseglocke über allem und füllt die unvermietbaren Läden mit Künstlern zum Selbstkostenpreis. Einmal im Monat ist Kolonie Wedding, da kommen merkwürdige Menschen aus anderen Stadtteilen und gucken Kunst. Das Quartiersmanagement versucht ziemlich viel, nicht nur Aufwertung, auch Integration, Sprachkurse und so Sachen.

Schrebergartenglück in Berlin-Wedding

Gartenlauben an der Panke: Wird das bald der einzige bezahlbare Wohnraum im Wedding?

Aber Veränderungen? Sicher, Roibereien und Schusswechsel sind seltener geworden. Die strukturellen Probleme aber bleiben und sind sehr offensichtlich. Armut, hoher Migrantenanteil, jahrzehntelange verfehlte Politik und mieses Image – im Wedding subsumiert sich das alles. Die Bürgersteige werden als Sperrmülldeponien missbraucht (nebenbei: die BSR leistet viel, karrt das Zeug regelmäßig weg – und die Preise steigen), Hundescheiße und aggressive Jungs. Brüllende Mütter auf Spielplätzen. Jedem Gentrifikations-Theoretiker sei ein Besuch des örtlichen Discounters ans Herz gelegt. Wer hier herzieht wegen der billigeren Mieten (Stichwort “Umzugsketten”), der sollte sich auf einiges gefasst machen. Der Ton ist rauer, prolliger und berliniger als anderswo.

Altbausubstanz im Wedding

Wolkenkulisse an der Wriezener Ecke Biesentaler

Und so schnell wird sich das auch nicht ändern. Sicher, die Mieten werden teurer, die Frage ist nur, wie schnell. Aber ob sie je das Niveau von Prenzlauer Berg erreichen, bleibt zweifelhaft. Die Voraussetzungen sind eben andere, hier gibt es keine Immobilienfirmen, die nach der Wende billig Häuser gekauft haben. Hier gibt es kaum Leerstand (und wenn, dann nur in unzumutbaren Plattenbauten). Hier gibt es (noch) keine Szenekneipen, nur künstlich erzeugtes Künstlerleben (siehe oben). Saniert wird auch, aber nicht mehr als anderswo. Viel Kaputtes wurde abgerissen nach dem Krieg und durch zweifelhafte Architektur ersetzt, die Jahrhundertwende-Häuser wurden kontinuierlich modernisiert und sind durchweg in einem passablen Zustand. Arabisch- und türkisch-stämmige Familien bleiben durchschnittlich länger in Wohnungen als beispielsweise Studenten, die nach ihrem Studium woanders hin ziehen. Alles Gründe gegen eine beschleunigte Aufwertung.

Hugo-Heimann-Bibliothek, Swinemünder Straße

zweifelhafte 70er-Jahre-Architektur: Dreck auf Knallorange mit runden Ecken

Hier im Haus haben sich die Mieter auch fast komplett ausgetauscht, im Flur stehen plötzlich Kinderwagen und alle sind jünger als noch vor ein paar Jahren. Wo sind die alten Mieter hin? Ist das schon Gentrifizierung oder ein ganz normaler Prozess in einem Mietshaus? Die Grenzen sind fließend und vielleicht bin ich auch Teil der Bewegung, Auslöser oder treibende Kraft. Keine Ahnung.

Ich finde, bei dieser Diskussion ist auch ganz viel Hass, Sozialneid und Ignoranz dabei. Klar, dass Luxuswohnprojekte scheiße sind. Aber es ist eine Entwicklung. Aufhalten kann man das nicht, schon gar nicht stoppen. Zieht man eben um, wenns einem nicht mehr gefällt. Oder hab ich irgendwo was falsch verstanden?

#kurzes

Apr
20

“Wenn in der Jugend ich studiert und nicht so viel gelottert hätte,
so hätt’ ich jetzo Haus und Bette.”1

“First of all: I am tired. I am true of heart!
And also: You are tired. You are true of heart!”2

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auf spreeblick steht, dass der wedding jetzt szene sei. das höre ich schon, seitdem ich hier wohne. und da kann man sicher von ausgehen, dass das genau nicht passieren wird. beziehungsweise nur in den grenzregionen. die bernauer und brunnenstraße sind ja schon gut fashioniert. sagt man. denn eigentlich habe ich keine ahnung davon. und noch eigentlicher ist es mir egal. und um ehrlich zu sein, wäre es besser, wenn die hypemaschine vorbei rollen würde, direkt nach reinickendorf und wittenau.3

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ganz anderes liest man hier – geschichten aus dem wedding, großartig geschrieben und immer noch aktuell, trotz aller gentrifikation.4

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ach, und diesen text muss man einfach verlinken. weil er so relevant über irrelevantes herzieht, dass er fast stimmt. auch wenn man blogger und bloggerkonferenzen aus dem weg geht.5

#

die kaffeekrise in der DDR der siebziger jahre scheint mir mehr als ein treppenwitz der geschichte. die proteste gegen den versorgungsengpass überschatteten alles bisher da gewesene.6


  1. frei aus dem Kopf zitiert nach François Villon []
  2. Dave Eggers: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität. []
  3. Sara Chahrrour auf spreeblick.com: Der Berliner Szenemensch []
  4. katerwolf: Kevin, Dschässika, Brett und Schannntalll []
  5. Bov Bjerg: Das Internet ist an seiner dicksten Stelle exakt sieben Argumente breit []
  6. wikipedia.org: Kaffeekrise (DDR) []

Spaß im Mauerpark

Apr
27
Glaubt man den Polizeiberichten der vergangenen Tage, so gibt es jeden Abend eine große Party im Mauerpark. Nun, die gab es schon immer. Sobald es nur irgendwie warm wird, sind die Wiesen voll mit Menschen, die friedlich rumsitzen, quatschen und trinken. Meist macht auch einer Musik. Die Polizei schiebt in letzter Zeit verstärkt Einsätze und wird auch tatsächlich fündig – ob es da einen Zusammenhang gibt mit der bevorstehenden Walpurgisnacht, wo es in der Vergangenheit an gleicher Stelle Rambazamba gab?

Witzig jedenfalls, dass ein Anwohner um zehn Uhr abends die Polizei ruft, um sich über Trommeln zu beschweren. Da sieht man mal, wie hipp man da wohnt…

berliner:mauerpark

Gentri-was?

Jul
07
DISCLAIMER: Meine allererste ZVS-Bewerbung lief für Stadt- und Regionalplanung an der TU-Berlin. Ich wurde leider abgelehnt und so studierte ich eben was anderes. Aber das Thema ist immernoch interessant, klar. Man muss ja auch nicht alles studieren…

Ein Gespenst geht um in Berlin: Gentrifizierung. Was klingt wie eine schreckliche Hauterkrankung plus Pickel im Genitalbereich ist in Wahrheit ein Schimpfwort für gewisse Stadtentwicklungen. Wenn beispielsweise in deiner Nachbarschaft plötzlich B-Klassige Serienschauspieler auftauchen, dann ist es schon längst zu spät. Dann bist du selbst längt gentrifiziert. Und dann steigen die Mieten und deine Ausgaben für Lebensmittel. In Berlin gab es das lange Zeit offiziell nicht. Aber die Fakten sprechen für sich. Sehr schön nachzulesen hier.

Ich bin jedenfals froh, dass sich der Wedding schon seit Jahren dem Trend widersetzt. Gut so!