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Filmkritik: Die Wütenden – Les Misérables (2019)

das leben in pariser vororten (hier: Montfermeil) ist anders als im zentrum der stadt der liebe. inspiriert von den unruhen 2005 spannt dieser film eine geschichte um einen trupp polizisten und ein paar unzufriedene kids, es eskaliert und am ende gibt es nur verlierer. trotz aller fiktion fühlt es sich echt an, authentisch und nah. und das ist das beklemmende, es gibt keine einfachen lösungen, die decke der zivilisation ist da am dünnsten, wo armut und hoffnungslosigkeit auf engstem raum zusammen wohnen. wo der ordnende staat keine macht hat bzw. mit zwielichtigen gestalten zusammen arbeitet (der film deutet es nur an). beklemmende stimmung nach dem ende, betroffenheit und die gewissheit, schnell wieder in den stadtteil mit bürgerlicher ordnung fahren zu können. was uns zur frage führt, wie filme wirken und welche wirkung sie haben dürfen / sollen. zahlreiche preise hat er bekommen, aber an den zuständen vor ort wird er nichts ändern.

Der verpixelte Frankreichkorrespondent informiert

Die Bewegung „Nuit Debout“ und ihre Erfolge wurden ja von den deutschen Leitpropagandisten kaum beachtet. Es wurde zwar gelegentlich mal erwähnt, aber im Vergleich zu anderen, teils unwichtigeren Themen habe ich die Situation in F eher als Randthema wahrgenommen.
Aber gut – es dürfte ja keinen mehr überraschen, dass Berichte über wirksame Proteste in anderen, vor allem in angrenzenden Ländern eher dürftig in den deutschen Medien vertreten sind.

Nun hat aber SPON überraschender Weise vor ein paar Tagen das Thema mal wieder kurz aufgegriffen und berichtet, dass das Benzin im Norden und Westen Frankreichs rationiert werden muss und die Leute nicht mehr volltanken können, weil drei der acht Raffinerien und Treibstoffdepots blockiert werden.
Straßenblockaden gegen Raffinerien: Frankreich rationiert Benzin

Gestern – das haben alternative, französische Medien berichtet (vergleichbar mit z.B. nachdenkseiten.de in D) – wurden bereits 6 der Treibstofflager blockiert und die Regierung bat die Leute nicht scharenweise Benzin von den Tankstellen zu holen.
Heute gibt es auch hier im Süden in ca. 50Km Umkreis (soweit ich weiß) kein Benzin mehr.

Inzwischen ist es auch nicht mehr nur Nuit Debout. Alle möglichen Gruppierungen haben sich den Protesten angeschlossen und es geht längst nicht mehr nur um die geplante Arbeitsmarktreform.
Irgendwann Mitte bis Ende Juni soll es auch eine landesweite Demonstration geben und auch eine große Aktion in Paris ist geplant.

Die Regierung weiß nicht was sie tun soll. Mit Polizeigewalt geht es nicht mehr, weil der Protest zu groß ist. Das kann der Beginn eines überfälligen Umsturzes sein. Der Beginn eines besseren Systems vielleicht sogar.
Die Frage, was danach kommen soll, passt vom Umfang her nicht mehr in diesen Artikel. Regelmäßige Leser werden sich aber an entsprechende Kommentarspaltendebatten erinnern können.

Man sieht also: Protest ist wirksam.
Man muss nur, wie bei allem was man tut, die nötige Motivation haben, das ganze auch durchzuziehen.
Und besonders für Deutschland gilt, dass man endlich von diesem elenden zivilen Gehorsam wegkommen muss, wenn man soetwas wie hier in F erreichen will.

Außerdem hat die Schwarmintelligenz im Internet auch wieder ein neues Crash-Datum ausgespuckt. Am 28. Mai soll ganz klar und hundertprozentig der Dollar crashen. Sogar der Vorzeigeintellektuelle Donald Trump warnt davor.
Also jetzt noch schnell protestieren und revoltieren, bevor der Turm in vier Tagen sowieso einstürzt (Hallelujah).
Ich drücke die Daumen.

UPDATE
Ein paar Stunden später war ich jetzt nochmal im nächstgelegenen Ort und es gab wieder Benzin. Teurer, aber nicht rationiert. Allerdings standen schon fünf Autos da, als wir kamen. Für diese Tankstelle vermutlich ein Rekord. Als wir wieder los sind, waren es sogar schon acht Autos. Unvorstellbar, wa?

redaktionelle richtigstellung zu irreführendem artikel

der höhlenhäuptling wird, wie regelmäßige leser wissen, in einem der vielen freiluftgehege mit angeschlossener sklavenzucht gefangen gehalten, die aus propaganda- und marketinggründen als großstädte verkauft werden.

durch diesen umstand hat er, wie auch die meisten mitgefangenen, das leben außerhalb von gefangenschaft fast völlig verlernt und müsste erst mühsam wieder an ein leben in der natur gewöhnt werden.

für die befriedigung der genetisch noch veranlagten sehnsucht nach lebendiger natur, gibt es in und um diese massensklavenhaltungseinrichtungen kleine grünflächen mit bäumen.

und jetzt hat unser armer höhlenhäuptling eine dieser flächen als wald bezeichnet. vermutlich geschah dies als folge chronischer überarbeitung in verbindung mit hektik, stress, bombardierung mit irrelevanten informationen usw.

menschen, die das glück haben in natürlicher weise ein psychisch und physisch relativ freies leben zu führen, wird das eventuell merkwürdig vorkommen – daher dieser relativierende artikel.

und als entschädugung gibt’s noch bilder von echtem wald (für europäische verhältnisse).
teilweise zwar nur von außen, aber dafür mit filtern und solchen spielereien, so wie es die pixelregeln vorsehen.

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#NuitDebout

nach dem ende der geschichte gibt es doch noch eine soziale bewegung. in frankreich sitzen sie seit ein paar wochen, literally. von den internationalen medien gefeiert als wiederkehr von #occupy und arabischem frühling. die kommunisten jedoch geben sich zerknirscht:

Die Arbeiterklasse braucht weder eine „Kitschversion von 1968“ noch eine weitere pseudolinke Partei wie Syriza, die die Angriffe auf die sozialen und demokratischen Rechte der Arbeiter fortsetzen wird. Französische Jugendliche, die gegen Sozialkürzungen und die PS kämpfen wollen, müssen die -Bewegung zurückweisen. Sie ist ein politisches Ablenkungsmanöver und eine Falle, die von zynischen Taktierern aus dem Umfeld der PS organisiert wird. Einen Fortschritt kann es nur durch die Mobilisierung aller Arbeiter auf der Grundlage eines sozialistischen Programms und in Opposition gegen den ganzen Sumpf pseudolinker Verteidiger der PS-Regierung geben.

während hierzulande politikverdrossenheit und frustwählen angesagt ist, die große koalition unter merkel nicht hinterfragt wird, formiert sich alternativer protest jenseits von euroskeptizismus und blödem nationalismus in frankreich. man kann nur hoffen, dass es auch in anderen ländern losgeht.

#frankreich #franke #frankow

witzig, wie sich da oben im titel gleich ganz neue inhalte ergeben, wenn man das „p“ konsequent durch „fr“ ersetzt.

aber eigentlich wollte ich ja was ganz anderes. bilder von schrottigen fahrzeugen sind ja hier in der höhle immer wieder gern gesehen, deshalb mach ich das auch mal.
man sagt ja immer, die franzosen rosten so schnell – ich glaube das stimmt:

aber dafür sind die designkonzepte rischtisch cool:

Filmkritik: Mindnight in Paris (2011)

Ich glaube, ich komme langsam ins Alter, in dem man Woody Allen-Filme versteht. Das kann man auch gut finden. Vorliegender Fall ist ganz nett, hatte mir aber mehr erwartet. Die Lovestory um die frisch Verlobten, die mit ihren Eltern aus den USA nach Paris kommen und sich auseinanderleben, ist ganz witzig. Die Geschichte um die nächtlichen Trips in die Pariser Vergangenheit mit den ganz Großen der 20er Jahre dagegen ist toll. Literarische Zeitreise zu den Koryphäen. Das macht Spaß, ist großartig und überzeugend gespielt.

Ein netter Film, ja. Aber kein Überflieger und eigentlich auch keinen Oscar wert. Aber vielleicht bin ich ja doch noch zu jung für Woody Allen.