der besuch in essen war kurz, schmerzlos und eigenartig nichtssagend. quartiert waren wir im stadtteil altenessen am karlsplatz, eine ecke, die aussieht wie der wedding, nur mit noch mehr spielhallen und weniger kulinarischer vielfalt. sämtlicher einzelhandel wurde vom großen einkaufszentrum gefressen und so will man da auch schnell wieder weg. dann noch messegelände, das ist aber unspektakulär und sieht aus wie alle messegeländer dieser welt. der hauptbahnhof ist vor allem voll.

die rückreise von essen war dann eher eine odyssee: da in berlin ein stellwerk ausgefallen ist, gab es keine ICEs von köln nach hamm. logisch, oder? also verstopfter regio über bochum, dortmund und noch mehr ruhrgebiet. schön und entspannt reisen ist was anderes.

> du hast dein handy dabei?
> ja, ich schau‘ grad‘ mal, ob ich hier empfang habe.
> und?
> ja, hab ich.
> willste jemanden anrufen?
> nein.
> ruf‘ doch mich an.
> warum? du sitzt doch neben mir.
> warum nicht?
> …
> dann seh‘ ich, welchen klingelton ich habe.

stell‘ dir vor, es ist politik und alle machen was sie wollen: der eine bombardiert zivilisten und will bis zuletzt keinen fehler darin erkennen. der andere säbelt einen journalisten ab, nur weil der ihm nicht gefällt. am nürburgring soll es nicht mit rechten dingen zugegangen sein, usw, usf…

eine positive nachricht findet sich dann doch noch zwischen all‘ dem unsinn:

Daniel Dettling, Geschäftsführer der umstrittenen Denkfabrik „berlinpolis“, hat erstmals öffentlich zugegeben, dass seine Firma mit der Lobbyarbeit im geheimen Auftrag der Deutschen Bahn und weiterer Kunden im Jahr 2007 „einen Fehler“ begangen habe. (tagesspiegel)

übrigens musste erst lobbycontrol den schwindel aufdecken.

Piktogramme in der Deutschen Bahn - November 2008

und zwar genau hier. aber angenehm war das nicht, ditt könnt ihr mir globen. das krisenmanagement der deutschen bahn war jetzt auch nicht so großartig, immer wieder rinn in zug, raus, dann sollte angeblich ein schienenersatzverkehr mit bussen eingerichten worden sein, stattdessen gings nach einer halben stunde wieder in den zug. und dazwischen das schlecht gelaunte brandenburgische publikum, spaß geht jedenfalls anders. immerhin habe ich den bahnhof in luckenwalde kennen gelernt, hat auch was. am ende hatten wir dann vier stunden verspätung, auch nicht schlecht. zum glück habe ich nur den polizeiruf verpasst…

interessant zu wissen:

Eine bestimmte Schokoladensorte fällt beim Röntgen durch die Spezialisten regelmäßig als sprengstoffverdächtig auf.

[nachtrag:] im oktober kam es in luckenwalde zu einem bösartigen gaunerstück:

„…entwendete ein 30-jähriger Besucher in einem Restaurant […] Chilischoten eines anderen Gastes.“

Gestern in der Regionalbahn der Grausamkeiten: Hinter mir eine Horde bayerischer Punks, auf dem Weg in die Punkhauptstadt Berlin. Mit Kasettenrekorder und passender Musik. Neben mir ein Freak, der ständig seinen Rubikwürfel löst und immer wieder neu verdreht. Und dazu Sven Regeners kleiner Bruder, in dem Frank nicht den Unterschied zwischen Hippies und Punks erkennt oder erkennen will. Der Bahnhofskiosk in der kleinen Stadt hatte geschlossen und so saß ich ohne Bier im Zug. Die Punks hatten natürlich welches und Frank und seine neuen Freunde trinken auch ständig. Schultheiss zwar, aber was solls. Irgendwann kam dann ein Punk an und schnorrte Zigaretten. Blieb beim Rubik-Freak stehen und starrte zehn Minuten auf dessen Zauberkünste. Derweil schleppen Frank und Karl den Dr. Votz-Bassisten Martin durch das nächtliche Kreuzberg. Die Punks stiegen dann am Südkreuz aus, wobei sie den Zug geschlagene drei Minuten aufhielten, weil sie es verpeilt hatten. Einer von ihnen musste heute zur Schuldnerberatung, ob er es geschafft hat mit dem Aufstehen? Wir wissen es nicht. Der Rubikwürfel ist sicher schon wieder gelöst und in Kreuzberg dämmert es bereits…

in was für einer welt leben wir eigentlich? die deutsche bahn schmeißt kinder aus zügen, unser atomdreck lagert nicht unter, sondern über der erde und gleich ist faschingsanfang. helau. ich mag weder pfannekuchen noch verkleidung. hab ich eigentlich schon erzählt, wie ich mal als kind sherlock holmes war und mich ein anderes kind für biene maja hielt? psychologischer abgrund, das.

reisebild #1

Guten Tag meine Damen und Herren, das Bordpersonal begrüßt Sie herzlich im Regionalexpress der Existenzängste über Depression und verpasste Chancen Hauptbahnhof.

Unsere fahrplanmäßige Ankunft wird auch Ihr vorläufiges Ende sein. Sie haben Anschluß an die Züge nach Todesangst und Soziales Elend. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der Zug nach Hoffnung ersatzlos gestrichen wurde und nicht wie geplant fünf vor zwölf abfahren wird. Wir entschuldigen uns schon jetzt für diese Unannehmlichkeit.

Im mittleren Teil des Zuges finden Sie ein reichhaltiges Angebot an kalten und warmen Krisen. Schauen Sie nicht aus dem Fenster und steigen Sie nicht zwischendurch aus. Rauchen Sie nur, es wird Ihnen nichts nützen. Und bitte beachten Sie das allgemeine Gesprächsverbot mit den Mitreisenden.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise und hoffen, Sie schon bald wieder in unseren Zügen begrüßen zu dürfen.

ACHTUNG! hochwertiger ringbahn-content. jetzt und hier! festhalten:

der tagesspiegel faselte letztens was von 8000 runden pro sekunde (wenn die s-bahn auf dem ring lichtgeschwindigkeit fahren würde). allerdings sind hier nicht die haltestellen eingerechnet. und wenn mal wieder ein museumszug steckenbleibt ists auch aus mit den schnellen umrundungen… ein schwacher trost: verprügelt werden wir nicht mehr. aber nur nicht in der s-bahn.

und mal ehrlich, wer braucht schon service und korrekte zugzielanzeigen, wenn er mit unglaublicher geschwindigekeit berlin umrundet. hä?

Morgens früh um sieben stehen wir im kalten Wind
und warten auf die Schweine die nichr solidarisch sind
auf die, die nichts kapieren
und immer noch parieren.
Die ham die Bundesbahn verschleudert, die telekom dazu
ganz einfach weil sie pleite sind, der nächste der bist du!
Die sind nicht mehr solvent;
drum heißt es : „Zahl, fauler Student!“
Und solls ein ganzes Jahr uns kosten,
wir stehen auf dem Posten.
Im Westen und im Osten
Streik, Streik, Streik!
Wir lassen uns jetzt nicht mehr unsere Zukunft ruinieren,
um Eurofighter, Euro und Berlin zu finanziern.
Wenn ihr so weiter macht,
dann Deutschland: „Gute Nacht!“
Und solls ein ganzes Jahr uns kosten,
wir stehen auf dem Posten.
Im Westen und im Osten
Streik, Streik, Streik!
Morgens früh um sieben stehen wir im kalten Wind
und warten auf die Schweine die nichr solidarisch sind
und wenn wir hier überwintern,
ihr kriegt Feuer unterm Hintern.
Und solls ein ganzes Jahr uns kosten,
wir stehen auf dem Posten.
Im Westen und im Osten
Streik, Streik, Streik!
Streik, Streik, Streik!

[Joint Venture]

als ich mich gestern in der großen gelben ersatzverkehr-limosine durch den streikbedingten feierabendverkehr quälen musste, kaum platz zum atmen hatte, beklemmung empfand und ständig körperteile von anderen fahrgästen spüren musste, da wurde mir eines schlagartig klar, denn egal wie dieser streik ausgeht, egal ob die lokführers irgendwann mehr geld bekommen oder eine andere berufsgruppe, die gefickten sind immer die anderen, in diesem fall die fahrgäste, wie in einer ölsardine quetschen sie sich in einen bus und kommen überall zu spät, das ist jetzt keine neoliberale meinung und ich bin auch für reprivatisierung der bahn und gegen einen börsengang, doch was nützt ein halbstreik, wenn die bahnen trotzdem voll sind? Generalstreik bitte. jetzt.

gestern kurz vor arbeit hatte ich es endlich geschafft, meine ganz persönliche besichtigstour des neuen superbahnhofs. vor ein paar wochen war ich schon mal dort, da gabs aber noch ganz viel zu tun: schon von weitem kann man ihn sehen, dieses risengroße monster aus metall und glas. kaum war ich drinnen, hab ich auch schon wieder rausgeschaut, hier der blick nach norden.

 

drinnen gabs noch mehr zu glotzen und so stand ich zwischen hunderten reisenden, die ein wenig verzweifelt ihre züge gesucht haben. stimmt schon, verwirrend ist er, unser klotz im märkischen sand. aber das müssen bahnhöfe sein. reisen bedeutet abenteuer. und wenn die züge immer zuverlässiger werden, müssen die bahnhöfe eben mehr bieten. ein geflecht aus unzähligen aufzügen und rolltreppen bringt die reisenden genau auf jene bahnsteige, auf die sie garantiert nicht wollten.

der blick nach oben entschädigt aber für vieles. blöd nur, wenn man ihn dann auch noch sieht, den zug, mit dem man eigentlich reisen wollte.

aber ich war ja auch nur zu besuch und ließ mich treiben. auf einmal war ich ganz unten und das licht war ein wenig schummrig. gemütlich fast. so stell ich mir die roiberhöhle vor… wie gut, dass man den telekom(m)unikationsdienstleister seines vertrauens und die futtermöglichkeit nummer eins immer in seiner nähe weiß.

 

am haupteingang gabs noch mehr zu stauen. da hatte sich pacman als fußball verkleidet. aber ich hab ihn trotzdem erkannt. als er es gemerkt hat, fraß er schnell die tussi in seinem innern und ward nie wieder gesehen…

 

 

auf einer anderen ebene gings wieder raus und – siehe da – es wird noch gebaut. doch noch nicht fertig mit dem superbahnhof. zum glück war ich mit der kamera dabei und habe es für die welt herausgefunden… [note: zeitgleich zu dieser entdeckung gähnt in china ein reisbauer und hält den sack voll reis fest]

 

mit gigantischem aufwand, unter hochdruck und mit dem einsatz der neuesten technischen gerätschaften arbeitet die deutsche bahn tag und nacht an dem perfekten bahnhof. jeder handgriff sitzt und alles sieht so dermaßen professionell aus, dass einem fast schlecht wird.

 

was kann da eigentlich noch schief gehen? achso, die liebe technik zickt ein wenig. aber wen wunderts? schuld ist sicher wieder ein doofer benutzer…

 

fast hätte ich die lämpchen vergessen. die können ganz dolle sachen: fahren aus der decke und leuchten, wenn die sonne nicht mehr reicht und simulieren so das tageslicht. erinnert ein wenig an ein gebäude in der nähe, das gerade abgerissen wird…

 

und was bleibt? ein bahnhof, an den wir uns ganz allmählich gewöhnen müssen. alternativen gibt es keine. grinsebacke helmut mehdorn hat es geschaff, das ding vor der WM fertig zu stellen und wir sollten eigentlich ein wenig stolz und dankbar sein. aber keine angst, kommt noch.

 

 

mehr bilder gibts hier