märz 2020, ich habe leider vergessen, wo ich das bild aufgenommen habe. wo war ich da? es war jedenfalls sonntag und pandemie war erst eine woche später. mhmm. vermutlich geht es den damen und herren im bild ähnlich, auch sie wissen nicht so recht, wo sie sich befinden.

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Kisten
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Kisten gäbe
und hinter tausend Kisten keine Welt.

logische fortsetzung des vergangenen. ich überlege immer noch, die bücher aus den verschenkekisten zu katelogisieren und daraus charts zu erstellen. man könnte einen bücherpreis des deutschen kistenhandels etablieren – der häufigste autor bekommt eine schöne neue umzugskiste.

und liebe leute, schmeißt euren müll in die tonne. niemand wird sich erbarmen, euer schlechtes gewissen zu entlassen.

aus nicht mehr nachvollziehbaren gründen suche ich mit herrn ackerbau den maulbeerbaum im bürgerpark. nun könnte man durch den park streunern und rinden vergleichen. oder man nutzt die baumbestandskarte und filtert sich das zusammen.

tldr: es gibt keinen maulbeerbaum im bürgerpark – zumindest nicht online.

doch wie geht das? So:

  1. Link klicken
  2. dort rechts in der kleinen berlinkarte pankow klicken (link)
  3. dann dieses icon klicken und warten und warten und warten
  4. dann filtern nach gattung und bezirk
  5. theoretisch könnte man die bäumchen auch anzeigen, habe ich nicht hinbekommen

wie kamen wir drauf? wikipedia erwähnt den maulbeerbaum ohne angabe von quellen, hat aber offensichtlich hier abgeschrieben

beim herumstromern durch pankreich fallen immer wieder die zu-verschenken-kisten auf. sie sind prall gefüllt mit dem wohlstandsmüll der nachbarn. überflüssige dinge müssen raus für neuen scheiß. wobei sich die kisten von viertel zu viertel unterscheiden und wir langsam mal einen wirtschaftsindex bauen sollten, der auf weggeworfenem basiert. ein paar straßen weiter im wedding wird anders weggeworfen und ich mag mir nicht ausmalen, was in zehlendorfer kisten landet. hier also eine nicht repräsentative auswahl:

september, früher nachmittag, die sonne hängt schon tief, der blaue himmel wolkenverhangen, wir düsen durch adlershof. viel industrie und weite flächen. hier hat berlin noch platz und dehnt sich aus. die grenze zu schönefeld kaum sichtbar, es geht nahtlos ineinander über. immer wieder große wohnblocks und verwunderung darüber, wo überall menschen wohnen. hier fährt man durch oder steht im stau, für andere ist es heimat und bezugspunkt.

sicherlich waren gestern nicht alles nazis und schwurbler auf den beinen. man darf, muss und soll die coronamaßnahmen der bundesregierung kritisch hinterfragen. was im märz aufgrund fehlender fakten beschlossen wurde, muss im august nicht unbedingt richtig sein. lockerungen und ein warmer sommer haben den anschein erweckt, der virus sei doch gar nicht so schlimm und die maßnahmen überzogen. nun kommt der herbst und wir werden sehen. ich will und kann das nicht bewerten, dafür gibts experten und wissenschaftler, auf die wir endlich mal hören sollten. gewißheit gibt es nicht, vorhersagen sind auch nach monaten immer noch schwierig. ich verstehe die kritik, auch mich nervt maske und fehlende veranstaltungen. persönlich bin ich darüber hinaus nicht betroffen, habe keine einnnahmeeinbußen oder -ausfälle. andere sind stark betroffen, bis hin zu existenzieller not. gefühle wie wut, enttäuscheung, angst, kann ich nachvollziehen. hinzu kommen die unterschiedlichen signale der politik – hier stört der förderalismus, in dem jedes bundesland eigene entscheidungen trifft. rettung von großen unternehmen wie lufthansa stehen unzureichenden geldern für einzelunternehmern gegenüber. anderseits gab und gibt es schnell und unbürokratisch hilfen. auch hier natürlich gibt es schwere einzelschicksale, keine frage. und das alles nur, damit menschenleben gerettet werden. wir werden nie erfahren, was in D. passiert wäre, hätte es die maßnahmen nie gegeben. ein blick auf die todesraten in usa und brasilien jedoch lässt zumindest erahnen, dass es hierzulande anders gekommen wäre. so einfach ist das. ein spiel mit vielen unbekannten und unbekannten ausgang. nicht beherrschbar und unübersichtlich. man kann dagegen sein, klar. man kann dagegen demonstrieren, naklar. seinen unmut heraus schreien. ob man dazu die reichskriegsflagge braucht und den reichstag stürmen muss – zweifelhaft. ob man wegen hygieneschutzgesetzen und maske das system infrage stellen und gewaltsam stürzen sollte? nun, es wurde schon wegen weniger geputscht in der geschichte, aber naja. wenn wir uns die bilder der demo anschauen, dann sehen wir frustrierte menschen, aggressive menschen. sie schreien und brüllen und erinnern an pegida. wir sehen aber auch familien und hippies und ökos und regenbogenfahnen. ein breites bündnis, vereint im kampf gegen ein virus, an das sie nicht glauben? manche möchte man in den arm nehmen und trösten, andere schüttlen und mit den aggros, naja, lieber nichts machen. die relativ kleine teilnehmerzahl spricht derzeit noch für wenig akzeptanz in der bevölkerung, im umkehrschluss ist der großteil der bevölkerung also vernünftig. die frage ist, kippt das irgendwann? ist das, was wir gestern gesehen haben, die zukunft deutschlands? wollen wir das? wissenschaftsverweigerung und kaisertreue? oder ebbt das wieder ab, wenn eine kritische menge auf der intensivstation liegt? wo waren vernunft und rationalismus gestern?