neues aus der roiberhöhle
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geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 8: gottesbeweis. aber sowas von.

16.11.07

ich habe IHN gesehen! ganz ehrlich jetzt. und er hat mich so verwirrt, dass ich garnicht weiß wo ich anfangen soll. aber alles der reihe nach. eigentlich wollte ich nur nach hause. nach einem weniger erfüllten aber doch anstrengenden arbeitstag. nach innerer aufregung über die lokführer und überfüllten s-bahnen. stand ich jedenfalls an der bushaltestelle und wartete auf den M27. um mich herum gefühlte tausend menschen und langsam wurde es kalt. irgendwas stimmte nicht, denn der bus kam nicht. ob die bvg wieder schuld war? zu müde um intensive überlegungen anzustellen und gefühllos starrte ich in die berliner kälte. autos rauschten vorbei und nervös zuckende blicke kreutzten sich. kurz: diese typische berliner abgenervtheit für die uns relaxte städte wie hamburg und castrop-rauxel nunmal beneiden. dann kam ER. lange weiße und verfilzte haare. nachlässig gekleidet und einen ominösen anhänger um den hals. zuerst trat ER nur gegen das haltestellenschild. und gluckste unverständliches. was macht man in einer solchen situation? wegdrehen und die blicke der anderen checken. ah, sind auch abgenervt. dann ist ja alles in ordnung. denn meistens gibts einen, der den helden spielt und sich rumstreiten will. wollte aber keiner. gut so. plötzlich und unerwartet drehte ER sich zu uns rum und sah uns mit blitzenden augen an. mit dröhnender, leicht brüchiger stimme schrie er fast: “die streiken doch garnicht! die streiken doch garnicht!” und meinte damit die bvg. recht hatte ER. denn es sind ja nur die lokführer, die stress machen. kopfnicken und leichtes gemurmel um mich. die situation spitzte sich zu. schnell war der innere feind gefunden. jetzt braucht es nur eines funkens und die ganze geschichte eskaliert. doch dazu kam es nicht. ER trieb unsere gedankengänge weiter, die neuronen galoppierten und ich fiel IHM fast vor die füße, als ER sagte: “und schaut euch die typen in den autos an, wie sie vorbeifahren! sie müssten euch mitnehmen, jeden einzelnen von euch!”. das wars. bumm. ich liebte ihn dafür. im grunde hat er das ausgesprochen, was ich die ganze zeit (unterbewußt?) dachte: da gibts die einen (warten auf den bus) und da die anderen (im auto). und beide gruppen werden sich nie verstehen, verabscheuen sich gegenseitig und würden sich nie und nimmer gegenseitig helfen. wie recht ER also hatte. und wie er sich selbst ausgenommen hat von seinen bescheidenen forderungen! unglaublich! der messias ist zurück und wohnt im wedding! am nettelbeckplatz. ganz ehrlich, ich habe IHN gesehen. denkt mal drüber nach, denn im grunde ist es im leben immer so: die einen sitzen im auto und die anderen warten auf den bus.

[nachtrag:] der bus kam eine halbe stunde später. gleich drei hintereinander. irgendein kack unfall auf der reinickendorfer oder so. wasweißich. IHN habe ich dann nicht mehr gesehen. ein messias muss nicht bus fahren…

-————— Now playing: Tom Waits - God’s away on business

mein bravo-psychotest für heute

14.11.07

weihnachten naht. und ich muss mir jetzt schon einen kopf machen, was ich mir unters bäumchen packe. und das solltet ihr auch. denn wenn nämlich die lokführer streiken und der güterverkehr stillsteht gibts auch keine geschenke mehr in den läden. also ran halten! ich jedenfalls das shoposkop befragt und - siehe da - ich bin ein feingeistiger nerd. was es nicht alles gibt! und in der typanalyse heißt es dann noch:

“Wenn es den Computer nicht schon gäbe: Sie hätten ihn erfunden. Bloß in besser. Denn egal ob das Fahrrad, die Waschmaschine oder Windows nicht geht - Sie wissen, wie man das wieder hinkriegt. Form follows Function lautet Ihr Motto und die Welt von Morgen ist Ihr Zuhause. Doch vergessen Sie dabei eins nicht: Stil und Understatement. Zwar winkeln Sie nicht Ihren kleinen Finger ab, wenn Sie eine Banane essen - ein kultivierter Kopfmensch sind Sie aber dennoch. Wenn es dann aber kalt und ungemütlich wird, sehnen Sie sich nach ihrem heimischen Nest. Und sinnieren dort, mit Tee und Wärmflasche, über das Muster für Ihren neuen Quilt.”

die geschenkempfehlung für mich selbst war dann ein fernsehdings für den pc. also fernsehgucken ohne fernseher. will ich zwar nicht haben, aber woher weiß das orakal das? langsam bekomme ich angst. kann jemand helfen? und: was soll ich mir nur zu weihnachten schenken?

empfehlungen des hauses:

14.11.07

ich weiß, leseempfehlungen riechen immer nach bevormundung und intellektueller angeberei. noch dazu ein link auf einen artikel der zeit. aber diese story über und aus dem prenzlberg ist ganz groß. also lesen oder mund halten. und mal wieder im wedding wohnen.

zeit.de - Bionade-Biedermeier. Von Henning Sußebach

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jetzt noch schnell packen, aktion läuft nur bis zum samstag. macht doch mal was.

weihnachten im schuhkarton

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und weil ich garnicht so bin, noch ein veranstaltungs-hinweis für morgen und das wochenende:

==================== Wiederaufbau für Kreditanstalt is opening on Nov 15 at 9 p.m. and you are very much invited. ====================

“Business. Always business.”

--The Greek

==================== Wiederaufbau für Kreditanstalt Mauerstraße 68, Ecke Leipziger U2 Mohrenstraße, U6 Stadtmitte ====================

(link und mehr infos)

hier schreibt der kulturpessimist noch selbst:

13.11.07

den ball flach halten, abflachende wirkung, flachbildschirm - kein wort wird mehr vergewaltigt wie flach, in allen seinen unerträglichen beugungen und zusammensetzungen. die krönung des ultraflachen sind die flatrates. wiki eiert rum und wird sich nicht klar über den ursprung des begriffs. sicher wieder ein sch(w)eineanglizismus. mögen wir zwar nicht, sagen aber dann doch hin und wieder handy. nun, seit wann also flatrates? den anfang machte das fernsehen. da gibts seit jahrzehnten unbegrenzt rotz für eine läppige gebühr. wird zwar nicht gerne gezahlt, aber die gebührenknechte bemühen sich. dann kamen der öffentliche nahverkehr, das telefon und internet. und wohl auch saufen. also soviel wie möglich für einen festpreis. das konzept allerdings ist mindestens so alt wie der urknall: seitdem gibts kohlenstoff, soviel wie du eben bist. also nix sonderlich neues. den höhepunkt bildet zweifelsfrei die praxisgebühr. und so dringt die flatrate in alle unsere lebensbereiche ein und unterhölt das eiserne gesetz vom preis. denn: können wir den wert einer sache überhaupt noch schätzen, wenn er ständig und überall verfügbar ist? wird der kaffee besser, wenn er immer gleich nachgebrüht wird? wird ein zoobesuch aufregender mit einer jahreskarte? was kommt als nächstes? die gammelfleisch-flat beim örtlichen discounter? wohnen in einer wohnung für einen monatlichen festpreis?

irgendwann muss das ein ende haben, verehrte leserschaft. denn wenn wir den wert einer sache garnicht mehr einschätzen können, was sind wir dann überhaupt noch selber wert? wann kommt die flatrate auf die flatrates? es wird zeit, dass wir uns darüber gedanken machen. die kulturflatrate scheint mir da der falsche weg.

-————— Now playing: Knorkator - Alles ist Scheiße

Trend: Weg vom Komma. Interview mit dem Erfinder [1999]

09.11.07

[vorbemerkung in ureigener sache: diesen text schrob ich vor ungefähr acht jahren. also im ganz und gar unschuldigen alter. für mich und meine damalige freundin. für die welt also. doch erst jetzt scheint ebenjene welt reif für ihn. behutsam rechtschreiblich korrigiert trifft er nun also auf ein dankbares millionenpublikum. viel spaß beim lesen und schönes wochenende.]

JOURNALIST: Mit 17 hat man noch Träume. Erinnern Sie sich, welche?

MANN: Schon früh war mir klar: Ich werde einmal der große Satzzeichen-Erfinder, den die Welt je hervorbrachte.

J: Ist das nicht ein bisschen arrogant und sehr von sich selbst eingenommen?

M: (lacht) In unserem Gewerbe ist das oberstes Gebot, um wirklich innovative Ideen zu etablieren, bedarf es ein gesundes Selbstvertrauen.

J: Vertreter völlig neuer Erfindungen haben es meistens schwer, ihre Ansichten durchzusetzen…

M: (seufzt) Ja, am Anfang, ich kann mich noch genau erinnern, das war im Winter 1604, niemand war an meinem Komma interessiert, es war zum Ausflippen, zumal sich meine soziale Lage immer mehr zuspitzte, es war ein kalter Winter und niemand hatte mehr was zu Essen, ich hatte den ganzen Sommer darauf verwendet, die Kommaregeln auszutüfteln und natürlich keine Zeit zum Arbeiten gefunden.

J: Aber es kam dann doch letztendlich zum Durchbruch und dem Einmarsch des Kommas in die Bücher…

M: Es war Thomas Mann, der die Kommasetzung gesellschaftsfähig machte, meines Erachtens hat er an mancher Stelle aber sehr übertrieben.

J: Große Erfindungen wurden meist fehlgedeutet oder nicht im Sinne des Erfinders gehandhabt. Wie sieht es zur Zeit beim Komma aus?

M: Es geht, der Trend im Moment geht zwar etwas weg vom Komma, aber es gibt noch genug Gymnasial-Lehrer, die den Schülern das Komma einprügeln, dem Erfinder des Apostroph, übrigens ein sehr guter Freund von mir, geht es da schlimmer, was da zur Zeit auf dem Markt ist, treibt einem schon die Zornesröte ins Gesicht.

J: Sie verdienen an jedem Komma 5 Pfennig, ihr gegenwärtiges Vermögen wird auf mehrere Milliarden geschätzt…

M: (lacht ausgelassen) Über Kommas redet man nicht, die setzt man.

J: Es scheint sich wirklich zu lohnen, neue Satzzeichen zu etablieren. Was raten sie Neulingen in der Branche?

M: Die Marktzahlen sind leicht rückläufig, aber ich denke es ist noch Potenzial für neue Ideen vorhanden, auf jeden Fall dranbleiben und nicht verzweifeln, irgend ein Schriftsteller wird das neue Zeichen schon für sich entdecken.

J: Sind sie glücklich?

M: (grinst) Jedes Mal, wenn ich einen Satz mit Komma lese.

J: Wir danken ihnen für dieses Gespräch.

das beständigste ist der wechsel

02.11.07

Alles verändert sich, wenn du es veränderst. Doch du kannst nicht gewinnen, solange du allein bist! [rio reiser]

achtung, pathos: es gibt nicht viel, was sich nicht ändert im leben eines menschen. mitmenschen kommen und gehen, soziale umstände geben sich die klinke in die hand und ab und zu zieht man auch einfach mal um. und diese veränderungen sind wichtig, sehr geehrte zuhörer. wichtiger vielleicht noch als das, was wir tatsächlich machen und nicht machen. am anfang nennen wir es ausprobieren und wenn es uns gefällt, machen wir damit weiter. nach einiger zeit wirds langweilig und wir suchen neue wege, neue erfahrungen. wichtig dabei ist womöglich, dass wir uns selber treu bleiben. wir selber bleiben und nicht aufhören, die umstände zu hinterfragen. und wir sollten die geschichten, die erfahrungen nicht vergessen. um aus ihnen zu lernen. und um beim nächsten mal genau den selben fehler zu machen. denn das geschieht ganz automatisch. wir ändern uns nicht, können nur so manches unterdrücken. doch worauf will ich eigentlich hinaus? wozu das alles? meine lieben leser, schon lange habe ich darüber gegrübelt, jetzt will ich es als theorie formulieren. als weltumspannende these spucke ich es in den weltraum und warte auf gegenargumente oder vorbehaltlose zustimmung. dieser text wird entweder gnadenlos ignoriert von den verantwortlichen oder er wird in die (musik-)geschichte eingehen. als abrechnung, als schonungslose aufdeckung der wahren wahrheiten dieser unserer zeit. es wird leute verstören, die verantwortlichen werden endlich zur verantwortung gezogen und pixelroiber wird von den titelseiten der zeitungen des landes herunter grinsen. als entdecker und schonungsloser aufklärer. doch zum wesentlichen, meine damen und herren. lange hab ich nachgedacht und es brauchte mehrere lebensjahrzehnte, um die theorie so knackig zu formulieren und um sie scheinbar so achtlos hier hinzuspucken:

die kosmologische konstante existiert

ich habe sie entdeckt und will sie in kurzen, prägnanten sätzen formulieren: schaltet man das radio ein, und dabei ist es egal, wo auf dieser welt und welcher sender und welcher kultureller backround und soziales umfeld, jedenfalls, wenn man das radio einschaltet, dann ist es mit vollkommener und auch erschreckender! logik sicher, dass eine der folgenden bands gespielt wird: Radiohead, U2 und REM. innerhalb der ersten zehn minuten. und jetzt mögen sie kichern, ob der nichtigkeit meiner entdeckung. aber halt! sehen sie denn nicht den großen zusammenhang dabei? dass es womöglich einen größeren sinn dabei gibt? dass sie mit ihrem beschränkten (hüstel) geist gar nicht den gesamtkontext sehen? bei mir jedenfalls hat sich ein tiefer hass in die seele gebrannt und nun verwechsel ich die bands immer wieder und bringe sie durcheinander. ganz ehrlich. und schuld daran ist diese große mediale verschwörung im äther. wer kann helfen?

-————— Now playing: Radiohead - House of Cards