jedem anfang wohnt bekanntlich ein zauber inne1, in brandenburg hingegen entstehen aus gescheiterten großprojekten noch größere merkwürdigkeiten. seit 16 jahren ist die einstige luftschiffhalle nun schon ein tropischer freizeitpark. inzwischen betrieben von einem spanischen unternehmen und gut besucht. corona gibts hier nicht mehr, keiner trägt maske, nur badesachen. es ist alles ein bisschen viel und durcheinander, zu teuer und teilweise absurd. muss man mal gesehen haben, dann reichts aber auch.


  1. Hermann Hesse: Stufen, 1941 []

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guter reiseführer, hat uns bereits mehrmals gerettet vor peinlichkeit oder tod. oft weiß man ja nicht, was einen erwartet oder wie die einheimischen ticken. oft schauen wir hier rein und holen uns anregungen für die nächsten reisen. einiges ist natürlich gefährlich, vulkanausbrüche und krieg sind nicht so unseres, auch hier gibt das büchlein wertvolle tipps, zu welcher zeit es am besten ist, eine bestimmte zeit zu bereisen. ergänzt wird das ganze durch den hilfreichen informationsteil am ende.

unterwegs in pankreich mit der AGFA Sensor Optima 200 aus den 70ern. belichtung sieht gar nicht so schlecht aus, dafür dass die kamera das ohne batterien und ohne zeit- oder blendenvorwahl alleine regelt. das objektiv hat herrliche verzeichnungen, jedem lomographen sollte das herz aufgehen.

Film: Agfaphoto APX 100 4674-11
Kamera: AGFA Sensor Optima 200
Zeit: September 2020
Entwicklung: Adox Rodinal 1+50 9min 22°
Scan: Epson Perfection V330 Photo

ca. frühjahr 2001, ich bin frisch in berlin und wandere umher. ich habe zeit, nur einen ollen callcenterjob oben in weißensee und spare das bvg-ticket. die ersten sonnenstrahlen des jahres erwärmen die raue luft. eine frau mit dunkler hautfarbe steht an der ampel, augen geschlossen und genießt sichtlich die sonne. es ist ein kurzer und flüchtiger moment, augenblicke nur. gleich wird ja grün und das leben geht weiter. aber ich muss öfters daran denken, dieser kleine moment ist berlin für mich. und natürlich gibt es kein bild davon, weil ich da noch gar keine bewußte kamera hatte. nur diese kompakte billigknipse, die wir alle hatten und für die heutzutage erstaunliche preise bezahlt werden. aber das ist eine andere geschichte.

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ein buch über eine nacht in berlin. die protagonisten sind all jene, die die stadt am laufen halten. die sie sauber machen, uns das bier im späti oder die drogen im club verkaufen. die uns herum kutschen oder uns retten. die den touristen hostelzimmer vermieten oder unsere flaschen sammeln. ihre geschichten sind teilweise miteinander verwoben. meist sind es biografien voller tristesse und scheitern. nagelschmidt schafft ein deprimierendes panorama und heimlich schmuggelt er gesellschaftliche debatten hinein. das ist teilweise übertrieben und wirkt aufgesetzt. trotzdem ist es ein wichtiges buch und liest sich schnell weg. und es hat eine nachricht: schaut den leuten in die augen und bedankt euch, wenn sie euch hinterherputzen. benehmt euch nicht immer so assi, die stadt gehört schließlich allen.

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alles klein geschrieben1, aicher schreibt über seine reisen in die wüste. es ist kein zusammenhängender text, aber viele zusammenhängende texte, mal lyrisch, mal praktisch, mal abenteuerlich, mal menschlich. es sind reisen ohne technik, keine handys, kaum autos, wenig gepäck, nur viel wasser und landkarten. reisen mit sich alleine, auch er meist nicht alleine war. dazu viele tolle bilder. sie zeigen meist nur wüste, selten menschen. aber vermitteln einen guten eindruck, dass die wüste immer anders aussieht. jede düne ist in bewegung und dient doch als orientierungspunkt.

es bleibt nicht aus, dass er, fernab jeglicher zivilisation, über zivilisation nachdenkt. und unter der gleißenden mittagssonne zu erkenntnissen kommt, die leider immer noch aktuell sind:

„[über das fotografieren in der wüste:] ja, es ist eine passion. ich muß ja nicht der fiktion unserer jetzigen zivilisation nachlaufen, passion sei sex und man habe sexy zu sein bis ins alter. es gibt andersartige amouren. menschliche kultur ist erfindung von neuen passionen, leben in neuen entwürfen. ein hoher materieller standard rechtfertigt sich zuerst als basis solcher passionen. lebensstandard zu konsumieren, schafft langeweile, unmut bis zur selbstaufgabe.“ (s.101)

„die konserven blieben liegen. das war zum teil in der miserablen qualität begründet. unter dem motto >frisch aus deutschen landen< werden fleischabfälle und fettreste zu wurstbrei verarbeitet. das mag einem maurerpolier als würze zum bierkonsum reichen, bei angegriffenen kräften wird man mindestens so wählerisch wie eine katze oder ein hund." (s.89)

ist es ein reiseführer oder ein essay, eine sammlung oder ein tagebuch? ein bildband? alles das und noch mehr. man kann immer wieder drin blättern, es wird nie langweilig.


  1. meist schreibe ich auch hier im blog alles klein, aus praktischen gründen und weil internet ist. gefreut habe ich mich vor jahren, als ich bei ix einen theoretischen unterbau las. von dort auch die lektüreempfehlung []