jetzt wird es persoenlich und auch ein bisschen creepy. man moege mir verzeihen und auch der amerikanischen tastatur, die keine umlaute kennt. also passt auf. ich sitze im hotelzimmer in bielefeld (sic!) und frage mich also, ob tom waits, held laengst vergangener tage, noch tourt und vielleicht auch nach berlin kommt (spoiler: seit 2008 schon nicht mehr) und besuche seine seite. erfahre dort, dass der grosse daniel johnston kuerzlich gestorben ist. gott moege sich seiner annehmen. also spotify auf shuffle und volle lautstaerke, die haben wirklich alle alben. und durch wen kenne ich johnston? Dr. Juergen Kuttner! ich schrob dereinst 2009 ueber sein buch:

Kuttner hat mich sozialisiert. Jahrelang Sprechfunk, Dienstag nacht von 22 bis 1 auf Radio Fritz – ich meine: dieser Mann hat mich Denken gelehrt und beeinflusst wie nur wenige. Großartige Denk- und Sprechakrobatik, man kann ihm nicht dankbar genug dafür sein.

und was erfahre ich beim losen herumgooglen? ab morgen wird es wieder den sprechfunk geben, diesmal auf radioeins. podcast ist abonniert, ich weine ein bisschen.

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andy weirs marsianer habe ich vor ein paar jahren verschlungen, das neue buch nun also als hörbuch.

die menschheit hat es geschafft, eine kolonie auf dem mars zu errichten, die unterstützungsflüge starten von kenia aus (nähe zum äquator!). die protagnoistin ist auf dem mond aufgewachsen und wäre gern in der EVA-gilde, also jene, die ausseneinsätze absolvieren. nur leider schafft sie es nicht und muss also weiterhin transportaufträge mit kleinen schmuggeleien machen. viele geld wird ihrversprochen für einen sabotageakt, der später die ganze kolonie gefährdet.

das buch ist strikt linear erzählt, es gibt zwar rückblenden und allerlei erklärungen, aber es geht nur vorwärts. es ist ein wirtschaftskrimi mit allerlei wissenschaft. denn wie im marsianer liegt in den physikalischen und astromischen erklärungen das herz des buchs. schweißen in der schwerelosigkeit? kein ding, gib einfach mehr sauerstoff dazu. die produktion von aluminium verbraucht zwar 80% unserer energie, aber als nebenprodukt erhalten wir den sauerstoff für die kolonie gratis. und so geht es weiter. es ist schauerlich präzise – ich habe keine rechte ahnung davon, aber es klingt plausibel – oder zumindest gut erklärt.

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die autorin hat vor ein paar jahren mal bei amazon als aushilfe gearbeitet und schreibt darüber sehr reflektiert und nachdenklich. das ist kein text voll oberflächlicher kapitalismuskritik. sehr geschickt werden die rollen verteilt, der leser wird zum aushilfsjobber und die autorin begleitet uns dabei. wir erleben unseren ersten tag, die einführung, lernen die kollegen kennen. und wir arbeiten ein paar wochen in dr großen halle, in der es doch so zieht. wir werden auch krank und müssen zuhause bleiben. es ist gerade vorweihnachtsgeschäft, es gibt viel zu tun. was uns rettet, ist die distanz, denn wir wissen, das ist nicht auf dauer, nur, bis sich das konto wieder etwas erholt hat, und außerdem haben wir ja noch einen richtigen job. nur die neuen kollegen, von der arbeitsagentur geschickt, von weit hergependelt, die haben nicht diese hängematte. die sind hier hauptberuflich.

die zustände sind erwartbar katastrophal: die belegschaft wird schikaniert, überwacht und entmenschlicht. es sind menschen in leitenden positionen, die da nicht hingehören. die arbeit banal und wiederholt sich ohne herausfordernd zu sein, reine akkordarbeit.

die autorin schafft es, ihre gefühle und antipathien uns unterzuschieben und wir als leser fühlen uns ertappt, denn solche jobs haben wir alle schon gehabt und jeweils auf das ende der schicht gehofft, das ende der woche, das lebensende, es soll nur vorbei gehen.

dazwischen immer wieder zitate von autoren, die die arbeitswelt bereits beschrieben haben.

ein kluges, überlegtes buch, trotz dem banalen thema.

Website der Autorin.
Buch auf der Website des Verlags.
Autorenlesung auf youtube.

friedrichshain im november 2019: aus der hipster-kaufhalle an der warschauer kommen die metalheads in ihren kutten und werden heute abend spaß haben. die m10 hat ersatzverkehr, die busse sind überheizt und voll, aus der sbahn strömen mehr partyhungrige, sie alle haben ein ziel: den samstag abend zu dem ihren machen.

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Ich habe das Hörbuch (15h) angefangen, jedoch nicht zuende gehört. Das Hörspiel (5h) ist kompakter und auch lebendiger durch diverse Schauspieler. Das Buch selbst ist schon ein kleiner Schatz: Juli Zeh hat einen eigenen Kosmos in der brandenburgischen Provinz geschaffen. Sämtliche Protagonisten erzählen ihre Sicht der Dinge und treiben so die Geschichte voran, in der geht es um große Weltpolitik, aber auch um den Mikrokosmos eines Dorfes. Ein bisschen wie Dogville von Lars von Trier (2003).

Zugezogene und Investoren bringen die jahrelang unter den Teppich gekehrten Konflikte zutage, krasse Geschichten der Nachbarn, von denen jeder ahnte, niemand aber jemals sprach. Dazu immer wieder der große Bruch 1989/90, bei dem es Gewinner aber auch Verlierer gab. Eigentlich passiert gar nicht viel, es sind die Figuren und ihre Gedanken, die das Buch über lange Strecken tragen. Wie menschlich sie von ihren Ansichten selbst überzeugt sind, wie absurd so manche Entscheidung gerechtfertigt wird. Wie nachvollziehbar das ist. Aber auch: Wie empfindlich und komplex das Soziale ist, gerade in einem kleinen Dorf.

Subtext: Ein Artikel von Juli Zeh in der Zeit sorgte letzte Woche für Trubel in sozialen Medien, nicht das erste Mal werden ihre Positionen kritisch diskutiert. Darum solls hier jedoch nicht gehen.

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über emanzipation kann man so schön schreiben wie Margarete Stokowski oder man ätzt wie Alice Schwarzer. Sophie Passmann allerdings geht einen anderen weg: sie befragt alte weiße männer, also jene, die verlieren, wenn das matriarchat dereinst wieder gewinnt. wobei, und man kann das gar nicht oft genug schreiben, alter weißer mann ein art symbol ist, für die gesellschaftliche klasse an männern, die auf der nordhalbkugel das sagen haben, in chefetagen, politik und gesellschaft. eigentlich gehts garnicht um altersdiskriminierung oder hautfarbe, sie sind halt nur alle ZUFÄLLIG alt bis mittelalt und männlich, die sogenannten entscheider.

passmann befragt die männer, beschreibt die interviewsituationen, mal persönlich, mal grotesk und lässt sie zu wort kommen. jeder darf ausreden und sich erklären. mal schlau, mal platt. man merkt auch an ihrer kommentierung (sie liest das hörbuch selbst), wen sie mag, und wen nicht. aber ist es persönlich und plötzlich spürt man die verletzlichkeit und menschlichkeit. die rituale, sich hinter plattitüden zu verstecken oder ehrlich zu sein.

das ist keine soziologische studie, aber eine unterhaltsame übersicht über die denkweise männlicheer deutscher intellektueller und entscheider im jahr 2019. was denken sie über emanzipation, wo sehen sie sich in der gesellschaft. und wir kommen zu dem schluß: es gibt noch viel zu tun.

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vorweg: das habe ich nicht zuende gehört. zu langatmig, schwafelnd, ohne ziel und unterhaltung. es geht um einen reichen broker, der seine lebensgeschichte aufarbeitet, während er bus fahrend vor seiner frau flieht. der new york times-bestseller ist irgendwie politisch, aber auf einer sehr verkopften ebene und als europäer schwierig zu dechiffrieren. ähnlich erging es mir beim buch Kleiner Versager vom selben autor.

endlich befreit. als ich mein handy neu bespielte, flog auch ganz viel unnötiger ballast weg. nennen wir das kind beim namen: instagram. gelöscht ist sie, die blöde app. viel zu viele berechtigungen für eine simple foto hochladen-funktion. eine toxische community, influencer und celebrities buhlen um die teenager und likes, es ist so traurig. unklare geschäftsbedingungen (wem gehört das bild nach dem upload?) und überhaupt facebook als betreiber. da stelle ich mein bild doch lieber in das eigene blog. was uns zur frage führt: wenn keiner das blog liest, existiert das bild vom wald überhaupt? jedenfalls im wald gewesen, da war es neblig und kalt und pilze gabe es nur ein paar. aber unschlagbar: die stille. die schweren wanderstiefel erzeugen ein knacken, das wars, ab und zu vogelt ein vogel im geäst, die bäume machen auch geräusche im wind, sonst ist stille. du bist mit dir und deinen gedanken alleine. in der stadt ist ja immer was, und wenn es deine kopfhörer sind, die deine ohren zumüllen. jaja, wald ist toll.

in der koloniestraße, ecke kühnemannstraße in berlin gesundbrunnen gibt es ein hotel. das war früher mal ein wohnhaus und jetzt kommen schulklassen und touristen. darüber müssen wir uns aufregen, denn in wohnhäusern, die nun hotels sind, kann keiner mehr wohnen.
schaut man sich die bewertungen an, so hat man viel amüsemang. denn oft sind die gäste vom fluglärm genervt – was ziemlich witzig ist, es kommen vermutlich viele mit dem flugzeug angereist.

Screenshot von google.de

das chinesische telefon läuft schon länger mit lineageos (vorher: CyanogenMod). nun habe ich es geschafft, beim upgrade auf android 9 pie auf die google dienste zu verzichten – dank dem microg-projekt und viel gefummel läuft nun alles rund und ohne dass google meine daten bekommt. microg ist leider erforderlich, um zugang zum play store zu haben (via aurora droid), da der sonst sehr empfehlenswerte f-droid store nicht alle apps hat. eine menge alternative apps verrichten nun ihre stummen dienste und ich kann besser schlafen. einen einstieg bietet mike kuketz, in wahrheit ist es viel ausprobieren, versuch und irrtum. und natürlich viel weniger komfort. denn schon allein die schnöde deutsche bahn-app verweigert den login ohne play services-zugang – da fragt man sich, warum und greift auf die website zurück. oder die taxi-app freenow (früher mytaxi) – warum nur mit google? insgesamt läuft alles schneller und mit magisk und adaway sehr viel abgeschotteter. danke, community.

Soziologe über Thüringen-Wahl: "AfD-Wählern geht es wirtschaftlich gut" - SPIEGEL ONLINE - Wissenschaft (SPIEGEL ONLINE)
Wer ökonomisch abgehängt ist, wählt eher AfD? Falsch, sagt der Soziologe Alexander Yendell. Der wahre Grund für den Erfolg der Rechtspopulisten in Thüringen ist demnach Rassismus.

Arbeitslosigkeit und niedrige Einkommen spielen überhaupt keine Rolle. Wirtschaftliche Benachteiligung erklärt nicht den Erfolg der AfD. […] Viel wichtiger ist eine grundsätzlich fremdenfeindliche Einstellung – besonders gegenüber Muslimen – gepaart mit der diffusen Angst der Überfremdung. Die Diskussion über wirtschaftliche Gründe für den Erfolg der Rechten führt also in die Irre. Das verbindende Element der AfD-Wähler ist Fremdenfeindlichkeit.

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Nach Die Versteigerung von No. 49 mein zweiter Pynchon (an Gravity’s Rainbow lese ich noch, aber es ist nicht so eingängig). Es geht um die Zeit Ende der Sechziger in Kalifornien, Drogen, Musik und allerlei Kram, der damals aktuell war. Das Buch wurde vor zehn Jahren veröffentlicht, also mit großem zeitlichen Abstand. Das macht es für den Leser etwas einfacher, da damalige Entwicklungen in den Kinderschuhen steckten, die heute groß sin – bspw. wird mehrmals das Arpanet erklärt und benutzt, ein Vorläufer des Internets. Das ganze liest sich wie ein Film, eine Mischung aus Jacky Brown, Fear and Loathing in Las Vegas und Better Call Saul. Es geht um einen Privatdetektiv, der viel kifft und von einer absurden Situation in die nächste stolpert. Unzählige Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, die Story ist verworren und Logik sollte man woanders suchen. Nichtsdestotrotz sollte man es nüchtern lesen, da die Dialoge und Gedanken großartig sind. Vermutlich ist viel bei der deutschen Übersetzung verloren gegangen, aber es bleibt genug Komik und Verdrehtheit übrig.

Das Buch wurde 2014 verfilmt.

Es gibt auf Spotify eine Playlist mit den Liedern, die im Buch erwähnt werden.

ix glaube ja, dass es … - wirres.net by ix (fachblog für irrelevanz)
ix glaube ja, dass es wichtig ist, alle die da (freiwillig) mitmachen, konsequent mit verachtung zu strafen, auch die, die daran arbeiten dem drecksblatt ein besseres image zu verpassen, z.b. mit unkritischen, menschelnden, empathischen interviews/portraits der (mit)macherïnnen. / Ich kehre dann auch wieder zu meiner bew&228;hrten Tradition zur&25 …