auf unserem ausflug nach wünsdorf kommen wir auch an der baustelle zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) vorbei. gespenstisch leer ist es und da sonntag ist, gibts auch keine (sichtbaren) bauarbeiten. nur sicherheitsleute, die uns außen rumlaufen lassen, solange wir nicht „die nasen an die scheiben drücken“ – hatten wir nicht vor, die sind nämlich ziemlich dreckig. überhaupt erinnert nicht mehr viel an eine baustelle, es hat eher den eindruck eines lange verlassenen gebäudes. gras wächst zwischen den bodenplatten, staub überall. eine stille beherrscht die szene. sommerliches vogelgezwitscher gibt es hier nicht.

am 31. oktober diesen jahres ist eröffnung. mit neun jahren verspätung. viele witze wurden gemacht, viel wurde dikutiert, das wird dann endlich und hoffentlich vorbei sein. schön ist er nicht geworden, eher zeitlos-funktional. keine ahnung, wie es innen aussieht, man hofft auf mehr ergonomie als in tegel und schönefeld. flughäfen sind keine wohlfühl-oasen, sie sollen funktionieren. und alsbald eröffnet werden.

es gibt auch ein video vom ausflug:

besuch in wünsdorf, der bücher- und bunkerstadt im süden berlins.

wir nehmen an tour 1 teil und sehen die bunkeranlagen maybach I und zeppelin. viel geschichte und noch mehr beton. was für irrer scheiß, die bunker im landhausstil zu bauen mit dicken stahlbetonwänden. unvorstellbar auch, dass bis vor 25 jahren noch eine hunderttausende russischer soldaten da stationiert waren.

in ein antiquariat gehen wir rein, aber macht kein spaß bei der hitze mit maske. für büchernerds aber unbedingt empfehlenswert, haben eine gute mischung, leidlich sortiert.

bonus: an einer garage eine waschmaschine, weiß in weiß:

der obligitorische plastikstuhl:

ein ein-mann-bunker ist umhäkelt:

bilder aus der coronazeit, in der wir täglich die nähere umgebung spazierend erkundeten. wenn man bisschen aufpasst, kommt einem reichlich absurdes vor die linse.

Film: Agfaphoto APX 100 4356-12
Kamera: Nikon F4s
Zeit: April 2020
Entwicklung: rossmann, Rathaus Center Pankow (9,75 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

in der kürzlich gebraucht gekauften Nikon F4s war noch ein diafilm, teilweise belichtet. offenbar ein urlaub, ansichten einer stadt am mittelmeer(?). bilder aus dem flugzeug. die lumix-kamera in der hand der frau sagt uns, dass es noch nicht so lange her sein kann. der film jedoch hat gelitten und ist durch die zeit grünstichig geworden. lag halt nicht im kühlschrank und ist nicht so robust wie ein s/w-film.

Film: Kodak Elitechrome EB-3
Kamera: Nikon F4s
Zeit: unbekannt
Entwicklung: rossmann, Rathaus Center Pankow (3,55 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

meine bilder sind auch grün geworden und zeigen Cameron Carpenter bei seinem konzert am bürgerpark im april auf einer auf einem lkw montierten orgel.

das folgende ist ein experiment. auf ebay kaufte ich mir 6 längst abgelaufene filme, laut verkäufer zumindest teilweise kühl gelagert. abgelaufen heißt hier vor über 30 jahren, im jahr 1989. da stand die mauer noch, deutschlands gab es zwei und die sowjetunion sowieso. George H. W. Bush war gerade 41. präsident geworden. die kamera ist übrigens aus der selben zeit.

der film selbst ist ein multispeed, d.h. er kann bei verschiedenen ISO-werten belichtet werden, entsprechend muss man dann die entwicklung anpassen. seit ein paar jahren wird er wieder unter dem selben namen produziert. da ich nicht selbst entwickle, sondern in die drogerie trage, ist mir das aber egal. sollte es jedoch nicht.

der film selbst hat noch keine DX-codierung, ich stellte die kamera also auf ISO3200 und zog meine runde um den zoo und die gedächtniskirche an einem lauen maiabend. im grunde ist er gar kein ISO3200-film, sondern heißt nur so, wie hier beschrieben ist.

dann gab ich ihn zum entwickeln, ohne zu kommunizieren, wie sie ihn entwickeln sollen oder wie ich ihn belichtet habe. und jetzt bin ich so schlau wie vorher, das ergebnis ist ernüchternd und ich weiß nicht, ob es am alter des films liegt oder an der falschen entwicklung.

aber zumindest gibt es ein ergebnis, alle 37 bilder sind geworden, wenn auch körnig oder unterbelichtet. eine auswahl der ergebnisse unten. der nächsten rolle gönne ich tageslicht und professionelle entwicklung statt der drogeriekette.

die papierabzüge hat dm/cewe übrigens total verkackt, da sind auf einem abzug jeweils eine hälfte von einem und vom nächsten bild. sieht aber total schick nach absicht und independent arthouse film noir aus. will jemand eine schöne postkarte bekommen?

Film: Kodak T-MAX P3200 (TMZ 5054) abgelaufen am 09/1989
Kamera: Nikon F4s
Zeit: 27.05.2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (7,95 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

Besuch am Potsdamer Platz und Streifzug durch den Wedding. Balkone scheinen meine Leidenschaft gewesen zu sein.

Film: Ilford 100 Delta Professional
Kamera: Olympus OM-10
Zeit: April 2004
Scan: Epson Perfection V330 Photo

Ein paar Fingerübungen mit der neuen Nikon F4 während des Lockdowns bei den nachmittäglichen Spaziergängen. Viel grüner Bürgerpark und Florakiez.

Film: Kodak GB 200-7
Kamera: Nikon F4
Zeit: Mai 2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (3,83 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

twitter nutzerin @tikerscherk hatte mich eingeladen zu #PhotosOfMyLife, die regeln:

Eine Woche lang jeden Tag ein Foto. Keine Menschen, keine Erklärungen. Jeden Tag eine Einladung. Keine Verpflichtung.

dem bin ich nachgekommen, hier die bilder:







Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt am Alex, eine Kutsche am Fernsehturm, die Berlinale am Zoo Palast, das Stelenfeld – viel hat sich nicht geändert seitdem.

Film: C83 200 CA24
Kamera: unbekannt
Zeit: Anfang 2008
Entwicklung: Schlecker, Soldiner Str. 65-66 (3,19 €)

Ein Filmdreh in der Buttmannstraße, Tauben an der Panke, Besuch im Naturkundemuseum. Den Film habe ich im tiefsten Bayern entwickeln lassen.

Film: Kodak FB 400-8
Kamera: unbekannt
Zeit: Oktober 2005
Entwicklung: Schlecker, 93462 Lam (5,93 €)

Besuch im Tierpark Berlin und im Mauerpark. Wahrscheinlich mit Tele, starke Abschattungen am Rand spricht nicht für gute Qualität des Glases.

Film: Kodak FB 200-6
Kamera: unbekannt
Zeit: Juli 2005
Entwicklung: Rossmann, Schönhauser Allee 101 (5,35 €)

Irgendwo in Berlin auf einem Friedhof, auf dem Bahnsteig, am Potsdamer Platz, in den Rehbergen, am Amtsgericht Wedding. Die Kamera hat Lichteinfall.

Film: 400N H32 CH25
Kamera: Praktica BC 1 + Sigma 28-70mm
Zeit: Herbst 2010
Entwicklung: drospa, Steglitz (4,33 €)

Scans von Negativen aus einer längst vergangenen Zeit. Bilder einer Demo mit J. auf den Treppen des Reichstags – gegen Vorratsdatenspeicherung oder so. Bilder vom Autor und seiner Wohnung.

Film: Kodak FB 200-7
Kamera: unbekannt
Zeit: Februar/März 2008
Entwicklung: Schlecker, Soldiner Str. 65-66 (3,07 €)

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erschienen: - ISBN: - Farbe:

eine gezeichnete liebeserklärung an Olaf Gulbransson (1873-1958), einem norwegischen maler, grafiker und karikaturist, der vor allem für die deutsche zeitung simplicissimus arbeitete und in der nähe von münchen lebte.

100 Jahre nachdem Gulbransson nach deutschland kam, besuchen Fiske und Kverneland seine stationen, von münchen nach tegernsee und berichten über diese reise in comic-form. es wird viel bier und calvados getrunken und vor allem schwein gegessen, sie stoßen dabei an ihre grenzen, das ist sehr witzig. vor allem aber erzählen sie das leben und werk des großen künstlers. teilweise mit originalgrafiken und karikaturen Gulbranssons und seiner freunde. dieser bruch mit den verschiedenen stilen (es werden auch foros der reise nachgemalt) macht den band sehr eindrucksvoll und liebenswert. ein kleiner schatz.

diese kamera versprüht den geist der frühen 90er-jahre, der fette schriftzug auf dem griff, das billige plastik, die ganze lieblosigkeit der anordnung der bedienelemente – es ist zum heulen. dabei war sie (fast) die erste nikon-slr mit autofocus. es gibt keinen display, alles wird mit rädchen eingestellt, nur im sucher erscheint entweder -/+ oder ein rotes oder grünes lämpchen1. zielgruppe waren jedenfalls keine profifotografen. canon hatte damals mit der T-serie schon länger elektronische kameras mit autofocus im angebot – ebenfalls keine schönheiten.

es gibt sie gebraucht für kleines geld, man kann damit fotos machen, aber es macht keinen spaß, fühlt sich eher so an wie diese billigknipsen ohne wechselobjektiv, mit denen wir in den 90ern unterwegs waren.

H I N W E I S: es wird nun wieder mehr zum thema 35mm geben, weil ich mal wieder bock drauf habe. weil ich noch viele dias und negative habe, die gesichtet und gescannt werden müssen. und weil das geräusch beim auslösen bei analoger photographie einfach besser klingt.


  1. mehr dazu bei Herrn Hauschild []

bisher: Wien – letzter Tag (29.12.2019)

unsere reise beginnt am ersten weihnachtsfeiertag 2019 spätabends in wrocław. wir steigen in den nachtzug und pennen. frühmorgens, nach gut sieben stunden, es dämmert bereits, rollen wir durch die vorstädte wiens. natürlich sind wir nicht ausgeschlafen und die harten liegen des zugs stecken uns in den knochen.

tasche ins schließfach, erster kaffee und mit der u1 zum stephansplatz, noch menschenleer. nur die stadtreinigung ist schon fleißig. nächster kaffee im drechsler am naschmarkt. dann ins kunsthistorische museum zur ausstellung Caravaggio & Bernini. harter stoff, aber wir hatten unsere ruhe, die massen kamen erst später.

dann noch touriprogramm, hofburg, albertina, diesdas. im beer saloon in der griechengasse gabs bier. in der mariahilfer straße gabs touristen. früh ins bett in der franzensgasse im 5. bezirk.

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die kommentierten und gekürzten erinnerungen des rudolf höß, geschrieben in gefangenschaft kurz nach dem krieg und kurz vor seinem tod. keine schöne literatur, eher eine qual. aber ein wichtiges zeitzeugnis für uns nachgeborene. höß war mitnichten der dämon oder sadist, den man sich vorstellt, wenn man sich einen auschwitz-kommandanten vorstellen soll. eher ein bürokrat, der übereifrig jeden befehl seines vorgesetzten umsetzt. sehr technisch und nachvollziehbar beschreibt er die unwegsamkeiten und bisweilen auch die ethischen und moralischen bedenken (spoiler: es waren derer nicht viele). es ist eher ein großes herumopfern: himmler befiehlt den massenmord vage aber bestimmt und höß muss sich um die realisierbarkeit kümmern.

das ergebnis ist eine fast perfekte tötungsmaschine, eine mordfabrik, auf die er kurz nach kriegsende immer noch stolz ist, es gibt wenig selbstkritik. geboren 1900, freiwillig und sehr jung an die front im ersten weltkrieg, danach lange freikorps und gefängnis. ein leben in der demokratie hatte er im grunde nie, dann gleich SS und karriere in diversen lagern, bis er 1940-43 auschwitz perfektionierte.

[in eigener sache:] im herbst letzten jahres besuchen wir birkenau und auschwitz, da entstanden auch obige fotos. es ist ein monument der entmenschlichung und wird dem wahren ausmaß wahrscheinlich nicht gerecht. es war nicht hitler und himmler, es waren solche bürokraten wie höß, die sich das ganze ausgedacht und perfektioniert haben, keine monster oder sadisten, sondern angestellte, die funktioniert haben, um ihren eigenen kopf zu retten. und das gilt es in zukunft zu verhindern.

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tolle geschichte über österreichs unterwelt kurz nach dem krieg. erzählt mit viel schwarzem humor und witz. die erdberger-bande fand sich schon vor dem krieg, kam ins KZ und legte nach kriegsende richtig los. bis zu ihrem untergang in den sechzigern erleben und formen sie das unterwelts-wien der besatzung und neutralität. im mittelpunkt der krutzler, der seine morde immer als notwehr deklariert und damit durchkommt. seine desaströse liebe. dazu allerlei andere schillernde figuren und das menschlich-abgründige. vielleicht nicht historisch-sauber, aber auf jeden fall ein literarisches schmankerl.