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2013-03-09 22.17.45

Ein Krimi, der im Wedding spielt? Her damit. Und tatsächlich, die Orte sind authentisch und die Figuren wohnen da, wo wir sie vermuten: Die betuchten Anwälte und Politiker im Prenzlauer Berg, die Verlierer im Wedding und der Kommissar in Charlottenburg. Das sind Klischees, klar. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir: Menschen leben gerne in Klischees und so wirken die Charaktere realistisch, plastisch und man hat sie gerne, oder (wie im Fall des schmierigen Politikers) man hasst sie. Eine Menge Themen werden angeschnitten: Die Gentrifizierung droht den Wedding zu überrollen, junge Neu-Berliner verrichten unbezahlte Praktika, der Sozialstaat vernachlässigt die Abgehangenen. Dazu der Kommissar, der, im Gegensatz zu seinen Tatort-Kollegen, nicht gleich zur Waffe greift und auch mal Papierkram erledigen muss. Seine Kollegin, die zwischen Job und Kindergarten-Schließzeit hetzt. Und ein Berlinbild, das weniger von hippen Szenemenschen als vom tristen Alltag erzählt. Sehr schön zu lesen, Kommissar Robert Mannheim erinnert ein wenig an Eberhard Mock aus den Romanen von Marek Krajewski.

Die Auflösung der Morde war mir dann ein wenig zu banal, doch keine wilde Verschwörungstherie bis in die obersten Regierungskreise, wie der Titel vermuten lässt, eher menschliches Versagen. Aber wahrscheinlich ist das realistischer.

Auch lesenswert: Das Blog mord & totschlag des Autors.

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