Farbe: schwarz

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Hotel „Zum verunglückten Bergsteiger“

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originaltitel: Отель „У погибшего Альпиниста“ | alternativer dt. titel: Hotel „Zum verunglückten Alpinisten“ | verfilmung von 1979

absurder krimi, spielt irgendwo in einem nicht näher genannten skigebiet. eine lawine zwingt die bewohner eines hotels noch länger zu bleiben und es passieren mysteriöse dinge. das ermitteln wird zur qual, alle machen sich verdächtig. wie agatha christie auf lsd. am ende ist der leser verwirrter als zuvor.

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Blinded by the Lights

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kuba, the ex-student of arts is dealing premium cocaine to the upper class in warsaw. he is making good money but now he wants to take a break in argentinia. in the last week before christmas everything gets fucked up, clients make problems, colleagues make trouble, girls want more. and dario, an old entrepreneur of the underworld gets out of prison and wants his share.

written as a high speed coke induced thriller we accompany kube through the nights of warsaw. and we see him failing, control is running through hands. the hidden protagonist is the post post communist era city and their dodgy night clubs, dubious streets and of course many of their shady residents.

now a tv show on HBO this book gets us a good impression of the dark side of cities, the crimes that happen in secret after we went to bed.

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Verlaufen in Berlin

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vom autor kannte ich bisher nur kleine gelbe sukultur-ausgaben. hier versammelt er kleine und größere geschichten über spaziergänge durch berlin, teilweise aktuell mit pandemieeinfluss, teilweise älter. wir laufen zu bekannten und unbekannten plätzen, treffen menschen, manchmal sind wir mit unseren gedanken alleine. ganz unaufgeregt erfahren wir neues, sehen altbekanntes und gucken hinter die kulissen einer viel zu großen stadt. so manches im büchlein beschriebenes ist schon wieder verschwunden, um so besser, wieder erinnert zu werden. und der vorsatz fürs nächste jahr, wieder mehr durch die stadt zu flanieren, um neues zu entdecken.

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Good Home: Stories (Hörbuch)

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wie tickt amerika? die vergangenen wochen haben wir uns wieder mit den USA beschäftigt, viel über land und leute gelernt. und doch wissen wir wenig über dieses land, das heterogener ist, als uns erzählt wird. die spaltung der gesellschaft ist, denke ich mehr als schwarzweiß und ein wenig komplexer als es in eine auslandsreportage im vorabendprogramm passt.

abseits von der bipolaren politik gibt es nämlich noch die menschen. und den meister, der seit jahrzehnten bücher und kurzgeschichten über diese menschen schreibt. scheinbar harmlos und belanglos fangen sie an und schrauben sich oft ins existenzialistische, ins zumindest reflektierte. aktuelle themen werden behandelt. jeder protagonist – es sind meist männer aus der mittelschicht, man kann ihm das vorwerfen, anderseits kennt er sich da besonders aus-, jeder protagonist jedenfalls hat seine macke, oft eine düstere vergangenheit, oder ist mit einem großen bruch konfrontiert. manchmal schimmert auch humor durch, schwarzer zumeist. wer eine definition für kurzweilige unterhaltung sucht und nicht auf tiefgang verzichten will, wird hier fündg.

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QualityLand 2.0 (Hörbuch)

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der zweite teil setzt die story des ersten nahtlos fort. viele kleine geschichten, seitenhiebe auf aktuelle entwicklungen, diskussionen, anspielungen und zitate, ergänzen die eigentliche story um kiki und peter, seinen maschinen und weiteren obskuren charakteren in dieser nicht allzu fernen zukunft. ein großer spaß für jung und alt, muss ich nochmal hören. kann man auch immer wieder hören. und auch wenn das vorlaute känguru nicht dabei ist, so ist es doch wieder dabei. aber hört selbst.

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Alles richtig gemacht (Hörbuch)

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ein buch über pankow! da wohnt einer in der esplanade in einem ehemaligen botschaftsbau, ist rechtsanwalt und hat eigentlich alles. nur ist ihm seine frau weggelaufen und ein alter freund taucht auf. wir tauchen ab in eine geschichte über freundschaft und die wirren der nachwendezeit. alles beginnt in rostock, wo zwei jungs zusammen aufwachsen, die mauer fällt und alles ist aufregend und anders.

die große geschichte wird im kleinen erzählt. die ausschreitungen in rostock-lichtenhagen bspw. bekommen sie nur am rande mit, später ist es ähnlich mit dem 11. september, dem g8-gipfel in heiligendamm – es bleiben markierungspunkte in der geschichte, mit denen man sich als leser gut identfiziert.

man zieht nach berlin in den abgerockten altbau schönhauser ecke bornholmer und hat eine gute zeit, die liebe wohnt auch schon mit und später kommen die kinder, der freund ist irgendwann weg, man hat sich aus den augen verloren. gut erzählt in verschiedenen rückblenden und zeitebenen, immer aus sicht des protagonisten thomas.

am rande ist es auch eine erzählung von gentrifizierung und verdrängung, von depression und rechtssystem, aber nie aufdringlich. und die besten grillhähnchen gibts im wedding, klar.

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Arbeit

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ein buch über eine nacht in berlin. die protagonisten sind all jene, die die stadt am laufen halten. die sie sauber machen, uns das bier im späti oder die drogen im club verkaufen. die uns herum kutschen oder uns retten. die den touristen hostelzimmer vermieten oder unsere flaschen sammeln. ihre geschichten sind teilweise miteinander verwoben. meist sind es biografien voller tristesse und scheitern. nagelschmidt schafft ein deprimierendes panorama und heimlich schmuggelt er gesellschaftliche debatten hinein. das ist teilweise übertrieben und wirkt aufgesetzt. trotzdem ist es ein wichtiges buch und liest sich schnell weg. und es hat eine nachricht: schaut den leuten in die augen und bedankt euch, wenn sie euch hinterherputzen. benehmt euch nicht immer so assi, die stadt gehört schließlich allen.

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Lachs im Zweifel – Zum letzten Mal per Anhalter durch die Galaxis (Hörbuch)

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das letzte buch des großen Douglas Adams blieb leider unvollendet. und ist hier in teilen enthalten, dazu kolumnen, interview uns kürzere texte. interessant ist, wie adams weitsichtig die rolle des internets und der vernetzten kleinrechner sah. als apple-fan sah er bereits ende der neunziger viele entwicklungen voraus. es ist schade, dass er so früh gestorben ist, wir hätten noch viel von ihm lernen können.

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Saisonarbeit

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die autorin hat vor ein paar jahren mal bei amazon als aushilfe gearbeitet und schreibt darüber sehr reflektiert und nachdenklich. das ist kein text voll oberflächlicher kapitalismuskritik. sehr geschickt werden die rollen verteilt, der leser wird zum aushilfsjobber und die autorin begleitet uns dabei. wir erleben unseren ersten tag, die einführung, lernen die kollegen kennen. und wir arbeiten ein paar wochen in dr großen halle, in der es doch so zieht. wir werden auch krank und müssen zuhause bleiben. es ist gerade vorweihnachtsgeschäft, es gibt viel zu tun. was uns rettet, ist die distanz, denn wir wissen, das ist nicht auf dauer, nur, bis sich das konto wieder etwas erholt hat, und außerdem haben wir ja noch einen richtigen job. nur die neuen kollegen, von der arbeitsagentur geschickt, von weit hergependelt, die haben nicht diese hängematte. die sind hier hauptberuflich.

die zustände sind erwartbar katastrophal: die belegschaft wird schikaniert, überwacht und entmenschlicht. es sind menschen in leitenden positionen, die da nicht hingehören. die arbeit banal und wiederholt sich ohne herausfordernd zu sein, reine akkordarbeit.

die autorin schafft es, ihre gefühle und antipathien uns unterzuschieben und wir als leser fühlen uns ertappt, denn solche jobs haben wir alle schon gehabt und jeweils auf das ende der schicht gehofft, das ende der woche, das lebensende, es soll nur vorbei gehen.

dazwischen immer wieder zitate von autoren, die die arbeitswelt bereits beschrieben haben.

ein kluges, überlegtes buch, trotz dem banalen thema.

Website der Autorin.
Buch auf der Website des Verlags.
Autorenlesung auf youtube.

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Die wahre Traurigkeit der Erwachsenen (Hörbuch)

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Sammlung von vier Texten von Wallace, gelesen von Lars Eidinger, Christian Ulmen, David Nathan und Moritz von Uslar. Während Trillaphon einer der ersten Texte ist, ist This is Water einer der letzten. Während Trillaphon eine introperspektivische Sicht nach innen ist, sind der rote Sohn und Hummer Reportagen und This is Water eine Rede. Also schöner Querschnitt. Aber auch ein bisschen enttäuschend, weil es nicht die stärksten Texte sind die Romane zum Thema in meinen Augen mehr zu bieten gehabt hätten.

  1. Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache
  2. Der große rote Sohn
  3. Am Beispiel des Hummers
  4. This is Water/Das hier ist Wasser

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Sein Zimmer für mich allein

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ist es creepy, wenn jemand nach dem onenightstand das zimmer umräumt und bilder macht von der wohnung und der neuen (un)ordnung? ja, aber es ist auch spannend, den anderen kennen zu lernen, ohne sich mit ihm\ihr abgeben zu müssen. was treibt die Protagonistin an? wir erfahren es nicht, staunen aber ob ihres erfindungsreichtums, umzugestalten. sie kauft sich extra eine kamera und hängt die bilder zuhause auf. spannender jedoch als die technische umsetzung ist die ausdauer, mit der sehr in fremdes eindringt, analysiert und dekonstruiert. und ständig die vorstellung, was der besitzer der wohnung davon halten soll, wenn er nach hause kommt, die feinen arrangements vorfindet und sich am kopf kratzt, eine geste der ungläubigkeit und irritation, die einzige die hier passt. es fehlt ja nichts, evtl. sind ein paar dinge kaputt gegangen.

eine kurzgeschichte, ein kleiner schatz in zeiten von dicken hardcovern, in denen viel geschwafelt wird und viel passiert, aber keine geschichten erzählt werden.

gekauft, gelesen und bewertet bei mojoreads.

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Fleischers Blues

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Als Herr Lehmann noch gar nicht in Berlin war, da ging es ähnlich wild und anarcho-syndikalistisch zu in Kreuzberg und Schöneberg. Hauptvogel erzählt teils biographisch von einer längst vergangenen Zeit. Das Buch ist wie ein Kneipenabend, am nächsten Morgen hast du schon wieder alles vergessen, aber das Grundgefühl bleibt. Irgendwas mit Drogen und Frauen und Hausbesetzung. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht mehr, aber es war gut.

Der Tagesspiegel war 2016 mal mit Hauptvogel unterwegs.

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Die Versteigerung von No. 49

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mein erster Pynchon und gleich gleich so großartig, soll ja sein eingängigstes werk sein, sagt man. Oedipa Maas soll die erbschaft einer ehemaligen affäre verwalten und gerät in eine dunkle verschwörung um eine jahrhunderte alte gesellschaft von menschen, die das staatliche postwesen verabscheuen und bekämpfen. dazwischen skurrile begegnungen und situationen. ein bisschen literaturgeschichte, philosophie, physik und seitenhiebe auf die amerikanische gesellschaft. abgesehen von einigen technischen geräten der damaligen zeit, liest sich das buch frisch und aktuell, obwohl es vor über 50 jahren erschienen ist. einige elemente haben es dann auch später in andere bücher oder in die popkultur geschafft. es ist dünn, knapp 200 seiten und linear, im gegensatz zu manch anderem werk der postmoderne. ich musste mehrmals laut schmunzeln.

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Der Boxer

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ein buch für das man sich die nacht um die ohren schlägt. weil sich die protagonisten ebenfalls die nächte um die ohren schlagen. im bordell bei ryfka, auf den straßen warschaus, bei boxkämpfen. meist zugedröhnt mit alkohol, drogen und adrenalin. die gangster sind jüdisch und sehen sich mit zunehmenden antisemitismus im noch jungen polen konfrontiert. es ist ein ungleicher kampf und nur in den jüdischen vierteln zu gewinnen.

die handlung orientiert sich an den sozialen und politischen verhältnissen der späten dreißiger jahre, unstabile regierungen, polizeigesetze, rechtsruck, dekadenz und armut machen es gangstern leicht, jüdische gangster allerdings geraten zunehmend unter druck.

im mittelpunkt der geschichte steht jakub shapiro, boxer und rechte hand des bosses. gewalttätig, agressiv, aber auch intelligent und rechtschaffen. ein frauenheld und guter vater. seine inneren und äußeren konflikte sind der treibstoff für das buch.

eingewoben in eine interessante und überraschende rahmenhandlung ist das buch schnell und gut geschrieben, aber nichts für schwache nerven. zudem orientiert sich der schreibstil an unseren sehgewohnhiten, der leser hat permanent das gefühl, im kino zu sitzen und einen mafiaschinken zu sehen.