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Wie Teil 1 bereits eine anstrengende Reise durch die Gefühlswelt des Autors. Dieser Blick nach innen ist keine schöne Literatur und streckenweise ätzend. Es geht um Trennung und neue Liebe, Zusammenleben und vertrocknende Leidenschaft. Das ist kein wildes Rock’n’Roll-Leben, hier wird Alltag beschrieben. Das aber macht das Buchprojekt so faszinierend. Es gibt keine spektakulären Morde, keine Helden, keine Erfolgsstorys. Es gibt einen Autor, Vater, Ehemann, der mit sich ringt und dieses Ringen niedergeschrieben hat. Schonungslos. Man braucht ein bisschen Zeit, die über 800 Seiten lesen sich nicht an einem Stück.

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eine unglückliche frau findet einen mann, wird ein bisschen un-unglücklicher, der mann stirbt. in zwei erzählsträngen erzählte erzählung. düster bis flapsig geschrieben, mit vielen traurigen momenten, trockenem sarkasmus und bitterem humor. ist es ein gemälde über paarbeziehungen, eine gesellschaftskritik, eine erzählung über depressionen? all’ das und doch lässt es sich nicht kategorisieren. unbedingt mehr von frau berg lesen müssen.

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aus skandinavien (hier: norwegen) müssen also nicht nur düstere krimithriller kommen. vorliegendes buch ist eine sechshundertseitige reise in die vergangenheit des autors. immer aus heutiger sicht erzählt mit zahlreichen zeitsprüngen. es geht um seinen vater, der sich verändert hat, um ihr verhältnis im innen und im außen, es ist kompliziert. der tod des vaters kündigt sich früh an. situationen, kindheitserinnerungen, träume und wünsche und ängste werden beschrieben und analysiert. manchmal erschütternd, tragisch, oft auch komisch, eher lakonisch. tief und sprachlich anspruchsvoll geschrieben, sodass ich die anderen bücher dieses autobiographischen projekts auch lesen muss.

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wahnsinnig trostlose story über zwei kerle, die sich in den umbruchjahren zwischen mauerfall und jetzt mit schmuggel und handel übers wasser gehalten haben. die globalisierung frisst sich auch in die letzten dörfer ost- und südosteuropas. chinesen importieren billiger als die beiden helden und sie geraten in die hände eines menschenhändlers. sie sind auf den straßen unterwegs zwischen polen, slowakei, ungarn und rumänien. mit einem alten lieferwagen, der erstaunlicherweise das ganze buch durchhält. erdrückend erzählt der roman ein primitives leben, wirft mit rassistischen ressentiments nur so um sich. in zahlreichen rückblenden wird die zeit kurz nach 1989 glorifiziert, als die grenzen zwar offen waren, aber schmuggel gefährlich und höchst lukrativ. wer einmal auf einem markt in osteuropa in den neunzigern stand, kennt dieses gefühl. windige kerle wittern jede gelegenheit, es gibt alles zu kaufen und nie fragt einer, woher es stammt.

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boehmernann

Die Neuausgabe des Klassikers von 2009 ist auch nicht viel besser geworden. Der blasse Junge versucht sich zynisch und pseudointellektuell an Themen, die er noch nicht vollständig durchdrungen hat. Plattitüden und Vorurteile geben sich die Klinke in die Hand. Dabei versteht es Herr Bommselmann auch jeden noch so flachen Witz zu versemmeln. Die Aktualisierungen jetzt, sechs Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage, sind auch kein Glanzstück des teutonischen Humors. Offenbar wird hier versucht, auf Kosten des kritischen Lesers, Geld zu machen mit alten Kalauern. Das funktioniert leider nicht, da sich sowohl Rezipient als auch Autor inzwischen weiterentwickelt haben.

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2014-02-04 15.31.03

erinnerungen von ganz verschiedenen typen und mädels an die zeit vor dem mauerfall, an ihre kindheit und jugend, an früher eben. und so verschieden wie die menschen sind auch die erinnerungen an das eine, längst untergangene land. im typischen flix-stil gezeichnet und wunderbar ironisch-komisch, aber ehrlich.

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ein buch wie auf drogen: ein ehemaliger gangster erzählt sein leben, nun arbeitet er – dank des zeugenschutzprogramms – als arzt im krankenhaus. nur leider holt ihn seine vergangenheit in form eines patienten und ehemaligen kollegen wieder ein. diese kombination aus dr. house auf speed und epischer mafiaromantik macht das buch wahnsinnig spannend, zudem ist es noch toll geschrieben und übersetzt.

[xrr rating=6/7]

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was für ein schwachsinn: die welt ist in der hand pöser konzerne, die gesellschaft ist gespalten in arm und reich und die natur ist extrem kaputt wehrt sich mit katastrophen. in afrika wird wasser entdeckt und die lokale regierung wird vom konzernchef erpresst. dazu allerlei technikzeugs, das aber tendenziell unsinnig oder von schurken eingesetzt wird. dazwischen voodoo-zauber und die unvermeidlichen sex-szenen, die eher peinlich als alles andere sind.

schönes thema, die kommerzialisierung von wasser, grandios schlecht umgesetzt. ein trostpunkt für das nazi-outlaw-camp im ruhrgebiet.

[xrr rating=1/7]

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Ein Krimi, der im Wedding spielt? Her damit. Und tatsächlich, die Orte sind authentisch und die Figuren wohnen da, wo wir sie vermuten: Die betuchten Anwälte und Politiker im Prenzlauer Berg, die Verlierer im Wedding und der Kommissar in Charlottenburg. Das sind Klischees, klar. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir: Menschen leben gerne in Klischees und so wirken die Charaktere realistisch, plastisch und man hat sie gerne, oder (wie im Fall des schmierigen Politikers) man hasst sie. Eine Menge Themen werden angeschnitten: Die Gentrifizierung droht den Wedding zu überrollen, junge Neu-Berliner verrichten unbezahlte Praktika, der Sozialstaat vernachlässigt die Abgehangenen. Dazu der Kommissar, der, im Gegensatz zu seinen Tatort-Kollegen, nicht gleich zur Waffe greift und auch mal Papierkram erledigen muss. Seine Kollegin, die zwischen Job und Kindergarten-Schließzeit hetzt. Und ein Berlinbild, das weniger von hippen Szenemenschen als vom tristen Alltag erzählt. Sehr schön zu lesen, Kommissar Robert Mannheim erinnert ein wenig an Eberhard Mock aus den Romanen von Marek Krajewski.

Die Auflösung der Morde war mir dann ein wenig zu banal, doch keine wilde Verschwörungstherie bis in die obersten Regierungskreise, wie der Titel vermuten lässt, eher menschliches Versagen. Aber wahrscheinlich ist das realistischer.

Auch lesenswert: Das Blog mord & totschlag des Autors.

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Ja, kann man so machen: Die Probleme der Welt (hier: Nahostkonflikt) in der Nachbarschaft durchdeklinieren. Dazu noch Gesellschaftskritik (Überalterung, Altenpflege, Immobilienhaie, usw, usf) und fertig. Am Ende dröhnt des Lesers Kopf und er fragt sich, was das alles sollte. Nicht so gut wie Caravan.

[xrr rating=3/7]

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Schönes Setting: Top-Manager burnen aus, werden in eine Klinik eingeliefert, können es aber nicht lassen und planen während ihres Aufenthalts den Börsengang der Klinik. Unnötig zu sagen, dass sie es tatsächlich schaffen. Mit viel Humor und Manager-Sprech und der Grundfrage, wer eigentlich verrückt ist und wer eingesperrt gehört. Pluspunkt für das breite Hessisch des Vorlesers Jürgen Uter.

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gibt wohl auch einen verfilmung davon. das buch basiert auf blogeinträgen, die sie als kassiererin nebenher schrub. merkt man dem buch auch an. kurze anekdoten, unzusammenhängend, redundant. in der deutschen übersetzung liest es sich nicht besonders flüssig und spannend, das mag im französischen original anders sein. ansonsten nicht viel neues: vorgesetzte und kunden sind die feinde der kassiererin, der alltag des schlecht bezahlten arbeitstages ist banal bis skuril, anstrengend, die bedingungen schlecht und gesellschaftlich ist der job auch ziemlich weit unten.

[xrr rating=3/7]

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Somuncu liest Sonneborn. Man kann über letzteren denken, was man will. Er ist ein wahrer Anarchist, ein Demagoge des Wortes und er versteht es wie kein zweiter, der Gesellschaft (und hier dem Politikbetrieb) den Spiegel vorzuhalten und Meinungen zu hinterfragen. Seine Parteigründung und die medienwirksamen Aktionen sind denn auch kein Spaß, sondern bitterer Ernst, überzogen, lächerlich, dreist – die Reaktionen (die hier in Form von Pressezitaten auftauchen) sind der eigentliche Skandal. Weil wir nicht hinterfragen, sondern taub alles glauben, was uns vorgesetzt wird. So gerieten der Auslandseinsatz in Georgien zu einer Groteske, die Wahlkämpfe auf Landesebene, der Parteitag zu lächerlichen Veranstaltungen, wenn denn nicht die Reaktionen darauf so ernst wären. Das Lachen bleibt einem im Hals stecken, da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Der Humor ist sicher gewöhnungsbedürftig und anstrengend, aber er lohnt.

[xrr rating=6/7]

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Wallraff als Callcenter-Agent, Schwarzer, Minijobber und Obdachloser – die Rollen sind verschieden, die Bedingungen in den Jobs aber änlich beschissen. Wie schon vor Jahrzehnten in der Bild-Redaktion schleust sich Wallraff ein, spielt eine Rolle und berichtet dann darüber. Dabei hat er keine Berührungsängste, seine Gegenüber kaufen ihm diese Rolle ab. Menschen sind oberflächlich. Und vor allem werden sie unmenschlich, sind sie nur einmal in Anstellungen mit Personalverantwortung. Da werden Vorgaben unerbittlich nach unten durchgereicht und die Angestellten sind die Leidtragenden. Wallraff erzählt von Fabriken, wo Arbeitsschutzbedingungen Fremdwörter sind, von Kaffeestübchen, in denen zwei bis drei Schichten hintereinander malocht wird. Und er erzählt von der Unterwelt der Notunterkünfte, von den Abgehängten. Es ist eine grausame Welt, auch dort schickaniert die Bürokratie, auch dort wird getreten.

Nicht immer einfach zu hören / zu lesen. Aber wichtig.

[xrr rating=5/7]

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“Ich lese komische Gedichte – und Christian Maintz erklärt den Leuten, warum sie gelacht haben.” (Harry Rowohlt)

Das ist wirklich gut. Komiktheorie und ein unnachahmlicher Rezitator, die Lyrik stammt von Robert Gernhardt, Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Wiglaf Droste, Ror Wolf, Simone Borowiak, Fritz Eckenga, Max Goldt und den Vortragenden selbst.

Manchmal lacht das Publikum an den falschen Stellen, aber so ist das halt manchmal.

[xrr rating=6/7]