Drübern bei der FAZ gibt es einen längeren Artikel, der in schönen und klugen Worten ein weiteres Mal die Geschichte vom bösen Fernsehen, bloßgestellten Menschen und sensationsgeilen Zuschauern erzählt. Solcherart Artikel gibt es immer dann, wenn das Privatfernsehen mal wieder eine Tabugrenze überschreitet. Dann überschlägt sich das Feuilleton mit Empörungen und schüttelt verächtlich den Kopf über so viel Dummheit und klopft sich selbst auf die Schulter ob so viel klugem Scharfsinn. Dieser Reflex ist so alt wie Fernsehen selbst und sollte am besten nicht beachtet werden.

Eine andere Frage im Zusammenhang finde ich bemerkenswerter: Wenn wir es nach ungefähr 70 Jahren Fernsehen noch immer nicht schaffen, mit diesem Medium vernünftig umzugehen, was soll dann erst aus uns und dem Internet werden? Ich werd’ mich jetzt erstmal mit Probeabos von FAZ und SZ eindecken, und dann reden wir in Ruhe drüber. Einverstanden?

20 thoughts on “Das längt überfällige Bildungs-Posting

  1. soso, in backforen treibt ihr euch also rum… was habe ich nur falsch gemacht???

    btw: die nicknamen da sind besonders gruselig, wer bist du? sonnenblume21?

  2. Das erinnert mich entfernt an diesen Vortrag von Clay Shirky (Text: ., Video: ), in dem er dem Fernsehen von 1950 bis heute die gleiche Rolle zuteilt, die der Gin während der Industriellen Revolution hatte: den durch die Arbeit nicht ausreichend geforderten Geist zu betäuben. “For the first time, society forced onto an enormous number of its citizens the requirement to manage something they had never had to manage before–free time. And what did we do with that free time? Well, mostly we spent it watching TV.”

    Und nur langsam würden wir beginnen, diesen Überfluss an freier geistiger Kapazität als wertvolles Gut zu sehen und nicht als Störer unserer bequemen Lethargie. Der Katalysator: das Internet. Und selbst wenn wir 99% unserer Freizeit im Netz sinnlos verdaddeln, ist dieses eine Prozent, mit dem wir Neues schaffen (z.B. Blogs schreiben, Fotos hochladen, an der Wikipedia mitarbeiten), kollektiv so eine riesige Menge Arbeitszeit, das großartige Sachen wie die Wikipedia entstehen können. “in the U.S., we spend 100 million hours every weekend, just watching the ads. This is a pretty big surplus. People asking, “Where do they find the time?” when they're looking at things like Wikipedia don't understand how tiny that entire project is, as a carve-out of this asset that's finally being dragged into what Tim calls an architecture of participation.”

    Das Video ist echt sehenswert, auch wenn's thematisch hier vielleicht nur am Rande passt.

  3. Jetzt muss ich noch mal kurz meinen Senf dazugeben. Also das Internet hat wirklich seine Vorteile. Ich stelle fest, dass nicht nur ich Jamaica-Torte-Backmischung von Dr. Oetker mit meinem Geburtstag verbinde, sondern noch andere Bundesbürger. Und die haben bereits Rezept-Such-Anzeigen bei einschlägigen Portalen aufgegeben, so dass ich mich jetzt locker 25-30 Jahre zeitreisemäßig zurückversetzt fühlen kann, wenn ich das demnächst backe. Jamaica-Torte ist was, was eigentlich in dem doofen Generationgolfbuch hätte drin sein müssen. Dann wäre das auch nich so doof gewesen. Dann wäre das aber auch ein Generationfiestabuch gewesen.
    Die Frage bleibt jedoch, ob Kuchenrezepte Bildungsgut sind und deshalb zu Deinem Ursprungsposting passen?

  4. Vielen Dank für den Hinweis und das Video. Es stimmt schon, das Internet ist in erster Linie Konsum, genauso wie das Fernsehen. Aber es bietet weit mehr Interaktionsmöglichkeiten und Chancen. Vor allem auch in Entwicklungsländern. Aus diesem Grund ist es aber auch ein wenig schade, dass vor allem der deutsche Teil so einsam vor sich hin dümpelt (Sprachbarriere!) und dass ich noch kein einziges Wort zur Wikipedia beigetragen habe. Ich gelobe Besserung.

  5. Geht ja nicht darum, dass jeder an der Wikipedia mitschreibt. Du machst allein durch dein Blog doch schon viel mehr als nur zu konsumieren. Egal wie sinnlos ein Blogpost manchmal sein mag, ist doch in (fast) jedem Fall “produktiver” als vor der Glotze zu hängen.

    Und was den deutschen Teil des Netzes angeht: ist das wirklich so? Ob die Deutschen einsam unter sich sind, kann ich schwer beurteilen. Ich weiß nur, dass ich vom französisch-, spanisch- oder italienischsprechenden Web praktisch nichts mitbekomme, was echt schade ist. Dümpeln tut hier aber nichts, finde ich. Die deutschsprachige Wikipedia ist extrem aktiv, viele Open-Source-Projekte werden von deutschen Programmierern getragen. Nur als Beispiel. Wie misst man das überhaupt?

  6. Keine Angst, ich bin keine-von-denen-na-Du-weisst-schon…. Wenn ich irgendwo auftauche, dann als artemisia_dingsda oder unter richtigem Namen. Und ich hab das gegoogelt, das Rezept. Heute Nachmittag. Keine Vermisstenanzeige im Internet aufgegeben…

  7. Und überhaupt:
    “die autorin (67) ist ein unverstandenes persönchen, gefangen im desolaten körper eines mannes. ihr unvermögen versucht sie mit keckem charme zu kaschieren. dies gelingt ihr selten bis nie.” — die müsste sich bei chefkoch.de und co kg gmbh doch auskennen…

  8. den kuchen kenn ich auch, aber nicht als klassischen geburtstagskuchen. ich glaube, ich hatte gar keinen. wenn, dann ist es eher pflaumenkuchen.
    aber sonst so im leben haben wir oefter backmischungen gemacht, bei meiner mutter im schrank fanden sich auch noch einige.
    gibt es denn den mit der nusschicht obendrauf und den schokostreuseln im teig noch? hiesz der cortina vielleicht?

  9. ich find die taz auch schicker.
    aber ich kann sowieso nicht zeitunglesen. genausowenig wie tagesschau gucken.
    komme ansonsten aber mit fernsehen und internet ganz gut klar.

  10. “Tortina” — den scheint es noch zu geben, aber ja stimmt: bei größerer Runde war das der zweite Kuchen meiner Wahl.

    Och, der Carsten freut sich bestimmt wie bekloppt, wenn wir hier 'nen Tortenrezept-Stream draus machen.

  11. ach ja, das tortenthema. ich hab die tortina inzwischen mal gemacht und war nicht sehr begeistert. keine zeitreise. aber macht ja nichts, dafuer kenne ich heutzutage einfach viel leckerere kuchen.

  12. Die nachgemachte Jamaika-Torte war übrigens sehr lecker und schmeckte “original” wie damals. Tortina war immer schon etwas staubig, fand ich. Bis auf den Pixelroiber haben die unter diesem Posting versammelten Kommentatoren ja bereits einen selbstgebackenen Kuchen vertilgt.

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