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  • Carsten 01:00 on November 1, 2017 Permalink
    Tags: , , , , , paul auster   

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    die idee ist alt, meist als filme realisiert1: ausgehend von einer grundhandlung entwickeln sich mehrere geschichten, die in keinerlei beziehung untereinander stehen, zeitlich parallel ablaufen. in austers aktuellem buch ist es die geschichte von Archibald Ferguson, einem enkel osteuropäischer einwanderer. Archie wächst in in new york / newark der fünfziger und sechziger auf, ein mittelschichtkind. vier versionen seiner kindheit und jugend werden erzählt, schicksalschläge und schönes ereilen ihn, scheidung, unglücke, enttäuschungen, aber auch liebe und unverhofftes stürmt auf ihn ein.
    das ganze buch ist konstruiert, während des lesens sehnt man sich als leser nach dem großen diagramm, das auster sicherlich gemalt hat, um sich zu orientieren. gegen mitte und ende des buches sterben auch archies, sodass deren geschichten nicht mehr fortgeführt werden, entsprechende kapitel bleiben dann leer.
    viel sport wird thematisiert, der wegzug der giants aus new york2, baseball, basketball, technisch allzu technisches wird erörtert und langweilt den deutschen leser.
    die liebe findet ihre verschlungenen wege durch die geschichten, reinkarniert in anderen. mal ist Archies schwarm seine stiefschwester, mal seine unerreichbare angebetete, mal die beste freundin. und homosexualität
    paris als sehnsuchtsort spielt mehrmals eine rolle, mal wichtiger, mal unwichtiger.
    die heimliche hauptrolle hat jedoch die literatur. das zieht sich durch alle lebensphasen aller versionen. da werden die kanons und zeitgenössichen werke durchdekliniert, dass es nur so kracht.
    weitere themen sind judentum, fotografie, familienbilder, erziehungsthemen. es geht um die die 50er/60er in den usa, politik spielt nur am rande eine rolle.
    meiner meinung nach austers stärkstes werk und hoffentlich nicht letztes. obwohl es sich teilweise zäh zieht, will man es zuende lesen.


    1. vgl. Kieslowskis Drei Farben oder Smoking/No Smoking von Alain Resnais []
    2. bereits 1995 in Blue in the Face thematisiert, wo Auster am Drehbuch mitschrieb []
     
  • Carsten 23:41 on April 18, 2017 Permalink
    Tags: backpacker, gonzo, krim, lemberg, , , , , Vigor-Balsam   

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    Mordor kommt und frisst uns auf 

    Nach Hinter der Blechwand (2009) von Stasiuk ein ähnliches, und doch ganz anderes Buch. Hier reist ein polnischer Backpacker durch die Ukraine und erlebt mit verschiedenen Mitreisenden wilde Geschichten, die zu Gonzos destiliert, stark an Hunter S. Thompson und Jack Kerouac erinnern. Hinter den Sauf- und Absturzgeschichten verbirgt sich die Analyse der polnischen Geschichte, der Frage nach der Identität und Herkunft. Wieviel Polen, wieviel Europa steckt in der Ukraine? Die Geschichten triefen nur so von Alkohol, Potenzkräuterschnaps und kaputten Menschen und Städten. Aber sie erzählen auch von einer gespaltenen Beziehung beider Länder, die sich auseinander gelebt haben, wie ein altes Ehepaar und doch ähnlicher sind, als sie zugeben wollen.

     
  • Carsten 11:40 on April 7, 2017 Permalink
    Tags: , , , , , ,   

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    Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex (Hörbuch) 

    endlich wieder ein guter evers, mit vielen querverweisen zwischen den storys. das ist ja überhaupt das gute an den büchern: obwohl abgeschlossene geschichten, gibt es immer wieder überraschende momente, änderungen der perspektive, der erzählweise. verzerrte wahrnehmung und darstellung des alltäglichen ist evers große stärke. mit dem vorliegenden band ist es ihm wieder gelungen, unbedingt das hörbuch hören.

     
  • Carsten 11:01 on February 20, 2017 Permalink | Reply
    Tags: , , , florakiez, , , , periplaneta   

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    Herr Schlau-Schlau wird erwachsen 

    Ein Roman aus dem Pankower Florakiez über den Kiez rund um die Florastraße. Über einen Typ in den dreißigern, der noch bei den Eltern und zwischen Tausenden Büchern wohnt. Als die Eltern ausziehen und er widerwillig mit der Realität konfrontiert wird, gerät sein bisheriges Leben aus den Fugen. Der neue Nachbar Hupe ist Orjinal und kann nur berlinern, ein Lebenskünstler mit Antworten auf jede Frage. Es taucht eine neue Frau auf, die alles auf den Kopf stellt. Ständig ist irgendwas. Dazwischen sitzt man im Café Stilbruch, im Kiosk oder in der Kneipe in im Schrebergarten. Dort sitzen die Alt-Pankower und trauern alten Zeiten hinterher, haben sich in der neuen noch nicht zurecht gefunden. Der Kiez wird aufgewertet, auf den Brachen entstehen neue Häuser, meist Wohneigentum. Die Alten müssen weg, auch das ein bitteres Thema im Buch. Soweit die Story.

    Erzählt wird die Handlung in vielen kleinen absurden und gut erzählten Situationen. Mit viel schrägem Humor und ehrlicher Meinung. Das ist die Stärke des Buchs und trägt es auch bis zur letzten Seite. Denn leider wirken die Figuren, insbesondere der erzählende Hannes, etwas hölzern und eindimensional während er durch seine Geschichte stolpert.

    Pankow kommt gut dabei weg, der Leser stromert mit den Figuren durch den Kiez und einmal sogar in den nahen Wedding. Selten sind regionale Romane keine Krimis, hier kommt keiner um, nur ein Tier, aber das musste sein. Nur länger hätte das Buch sein können.

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