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Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden ()

Der Originaltitel Why the West Rules — For Now: The Patterns of History, and What They Reveal About the Future – nicht ganz so reißerisch wie der deutsche Titel. Über 600 klein bedruckte Seiten, einige Karten und Diagramme und die Übersetzung machen das Buch zu einem gut lesbaren Sachbuch.
Das etwas zu gewollte Gedankenexperiment am Anfang kann übersprungen werden. Die zentrale Thesen lauten: Der Antrieb zivilisatorischer Entwicklung basiert auf den menschlichen Gefühlen Faulheit, Angst und Habgier. Hinzu kommen klimatische, geographische und biologische Gegebenheiten (siehe dazu MARSHALL, 2015). Die Entwicklung folgt dann den immer gleichen Mustern: Ein Kerngebiet entwickelt sich und expandiert dann aus verschiedenen Gründen nach außen, nicht gleichmäßig, nicht kontinuierlich, sondern immer dann, wenn Menschen aus Angst fliehen oder woanders bessere Perspektiven sehen. Dann wird das Gebiet immer größer und andere Vöker/Nationen versuchen wiederum in die Gebiete einzudringen. Manchmal bis zum Kerngebiet, sodass die jeweilige Zivilisation aufhört zu existieren oder sich neu erfindet.
Der Autor dekliniert diese Thesen von den frühen Zivilisationen durch, wobei er einen Index der gesellschaftlichen Entwicklung einführt. Den Versuch, den Grad der Zivilisation einer Gesellschaft in Zahlen zu fassen. Die Dimensionen sind Energieausbeute, Gesellschaftliche Organisation, Kriegführung, Informationstechniken. Anhand historischer Funde, Fakten und Quellen ergeben sich Graphen für verschiedene Regionen und Epochen, die helfen, die Entwicklung nachvollziehbar zu machen:

Abbildung 12.1 aus MORRIS, Ian: Wer regiert die Welt. Campus Verlag, Frankfurt, 2011, S. 559

Aufräumen will der Autor mit der These, dass der Westen schon immer geführt hat, vielmehr war der Osten (vor allem China) durchaus mal weiter und wird auch wieder führend werden in naher Zukunft. Geschichte ist nicht vorherbestimmt und die Sicherheit von heute kann morgen schon nicht mehr da sein. Mächtige Reiche sind untergegangen oder wurden durch äußere oder innere Umstände verändert, nichts ist vorhersehbar.

Dabei sind es vor allem die vielen Details und kleinen Ereignisse, die den Lauf der Dinge bestimmen, und die das Buch so kostbar machen. Morris versteht es auf anschauliche Weise, eine kompakte Geschichte der Zivilisationen zu erzählen, ohne oberflächlich zu werden.

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Der Omega-Punkt ()

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verstörende geschichte um einen jungen mann, der einen film über einen alten mann drehen will. dieser wohnt alleine in einem haus in der wüste, typ einsiedler. der junge mann besucht ihn, will nur kurz das projekt durchsprechen und bleibt immer länger. es wird für beide eine zähe erfahrung. die tage vergehen, es passiert nichts. das filmprojekt rückt in weite ferne. die tochter des alten mannes kommt, es wird noch zäher, sie verschwindet.

es passiert nicht viel in diesem buch, aber die beschreibungen der gefühlswelten und gedanken, der situation machen das buch groß. am ende bleibt ein vertsörter leser zurück.

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Goldstein: Gereon Raths dritter Fall (Hörbuch) ()

ein krimi, der in berlin der späten zwanziger spielt. erinnert an haffner und kordon und krajewski. der kommisar ermittelt, die fälle hängen irgendwie zusammen, es ist nicht alles klar. leider kommt die stadt und die gesellschaftliche lage ein wenig zu kurz, das haben wir anderswo besser gelesen. trotzdem bleibt es ein spannender titel.
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Berichte aus der Ukraine. Erinnerungen an die Zeit der UdSSR ()

2013-08-14 21.51.18

erschütterndes comic über die jüngere geschichte der ukraine. vor allem der Holodomor 1932/33 wird thematisiert. in drastischen bildern erzählt Igort die Schicksale einzelner menschen, die er bei seiner reise traf und berichtet auch von den heutigen lebensbedingungen in der ukraine. einmal mehr der beweis, dass comics so mächtig sein können wie es literatur manchmal ist.

[xrr rating=6/7]

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Faust. Der Tragödie erster Teil ()

2013-06-02 08.42.01

abgefahrenes zeugs. faust wohnt in berlin, zusammen mit wagner in einer WG. er verlübt sich in eine türkin und alles ist drunter und drüber, weil gott mit mephisto doch gewettet hat.

macht mal wieder lust auf den alten goethe und ist vor allem große unterhaltung.

hier kann man das comic online lesen.

[xrr rating=6/7]

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Wofür stehst Du? Was in unserem Leben wichtig ist – eine Suche (Hörbuch) ()

zwei ältere herren erzählen von früher und wie schwierig es ist, entsprechend seinen eigenen moralischen und ethischen grundsätzen zu leben. das ist leider nur mäßig interessant, man merkt schnell, dass beide auch keine antworten haben, dass die welt zu komplex für einfache lösungen geworden ist und wir uns nur sehr kleinteilig an zufrieden stellende lösungen heran tasten können. ob man für diese erkenntnis ein hörbuch aufnehmen muss, bleibt fraglich.

[xrr rating=3/7]

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Höllenritt: Ein deutscher Hells Angel packt aus (Hörbuch) ()

2013-03-11 18.32.55

mäßig spannende erzählung einer wohl typischen biografie des motorisierten verbrechens. zwar versucht er mit den mythen um die hells angels aufzuräumen, bedauert es aber doch, raus geflogen zu sein. von reue keine spur und auspacken geht auch irgendwie anders. aber schöner einblick in die militärisch aufgebaute organisiation, die teilweise eher an netzwerk-marketing erinnert. kann man hören, man kann es aber auch sein lassen.

[xrr rating=3/7]

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The Unwritten oder das wirkliche Leben: Tom Taylor und die gefälschte Identität ()

2013-01-21 17.42.04

wirklich toll und abgefahrene mischung aus harry potter, dem traurigen leben von christopher robin und einem ziemlich bösen splatter-streifen. fiktionalität durchbricht realität und anders herum. kann man gar nicht beschreiben, lest selbst.

[xrr rating=6/7]

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Hundert nackte Kängurus (Hörspiel) ()

sehr toll gemachtes hörspiel über die geschichte der droge LSD. gut eine stunde trip ohne nachwirkungen. hier zum nachhören.

und als bonustrack eine frühe photoshoparbeit von mir aus September 2006:

one took over the line

GONZO: Get sheep over side… women and children to armored car… orders from Captain Zeep.
DUKE: Ether is the perfect drug for Las Vegas. In this town they love a drunk. Fresh meat. So they put us through the turnstiles and turned us loose inside.

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Filter Bubble: Wie wir im Internet entmündigt werden ()

spannendes buch mit der kernthese, dass uns die selbstbestimmung im netz abhanden gekommen ist und wir also in nicht allzu ferner zukunft in abgegrenzten informationsblasen leben werden, wenn wir nicht schnell handeln, sprich: unsere cookies löschen. weil nämlich die personalisierung der inhalte nicht wir bestimmen, sondern datenhändler, die schon längst profile über uns erstellt und diese an dubiose werbetreibende verkauft haben. dabei hat er übrigens bei mir abgeschrieben [1,2].

er hat ja recht und das ist ein ernstes thema, nur gibt es wesentlichere probleme (die wir allerdings nicht wahrnehmen, wenn unsere nachrichtenseiten auch personalisiert werden). gegen ende listet er dann ein wenig future-technik auf, ganz nett.

[xrr rating=4.5/7]

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Unsere traurige technische Zukunft (Hörbuch) ()

Sammlung von Texten und Lesungen, vom Autor selbst vorgetragen. Man muss manchmal schon genau hinhören oder zurück spulen, um die filigranen Anspielungen zu bemerken. Manchmal ein bisschen zu verkopft, aber bemerkenswert, wie er seinen Alltag und die Gesellschaft beobachtet und beschreibt.

[xrr rating=5/7]

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Schwarzbuch Deutsche Bahn ()

schon etwas angejährt, aber immer noch frustrierend zu lesen, wie missmanagement, sparzwang und interessenkonflikte den konzern Deutsche Bahn AG in den vergangenen jahren in verruf brachten. die börsen-pläne zwangen zu falschen zielsetzungen, das netz wurde zurück gebaut, unrentable verbindungen eingestellt, ICEs bevorzugt, regionale verbindungen vernachlässigt, es gab investitionen im ausland, statt in infrastruktur. das ist doppelt bitter, da der steuerzahler für die verfehlungen aufkommen muss. politiker haben nicht so genau hingeschaut, beziehungsweise mitgeholfen. das personal muss bluten und die fahrgäste leiden. liest sich wie ein krimi, ist aber bittere realität.

[xrr rating=5/7]

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Das wilde Kind (Hörbuch) ()

Boris Aljinovic liest eine Novelle von T.C. Boyle – das muss ja spannend werden. Es geht um ein Wolfskind, basierend auf einem wahren Fall, und spielt in Frankreich im beginnenden 19. Jahrhundert. Eine Geschichte, wie man sie schon öfters gehört hat in ihren vielen Varianten. Und doch immer ergriffen ist von der Frage nach Menschlichkeit und Sozialisation. Boyle schreibt im Stile eines Fontane, es weht der Geist der Aufklärung und der Naturwissenschaft, der hehren Erziehungsideale. Linné und Rousseau werden erwähnt. Stellenweise ein bisschen langatmig, aber durchaus höhrenswert, kommt aber nicht an Wassermusik oder Grün ist die Hoffnung ran.

[xrr rating=5/7]

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Als ich ein FDJler war (Hörbuch) ()

der brauseboy Nils Heinrich stammt aus sangerhausen, sachsen-anhalt und verarbeitet in diesem programm seine kindheit und jugend in der DDR. das ist lustig, vor allem weil die aufnahme von einem auftritt in sangerhausen stammt, heimspiel sozusagen. seine beobachtungen absurden alltags bringt er stimmig unter, da lacht der ehemalige zoni und der wessi schmunzelt.

allerdings hätte man bissigeren humor erwarten können, noch viel mehr selbstkritik und bitteren witz, so wirkt das ein bisschen weichgespült.

[xrr rating=7/10]

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Gefühlte Nähe: Roman in 23 Paarungen (Hörbuch) ()

eine grandiose idee: das (liebes-) leben einer frau aus sicht ihrer liebhaber, verehrer, bekanntschaften und männer. trocken vorgetragen vom autor selbst.

streckenweise langatmig, sind die einzelnen geschichten doch geschickt miteinander verwoben. dabei wirkt es seltsam konstruiert. und die reduktion der frau auf ihre männergeschichten ist zwar nötig für das konzept, aber auch ein wenig eintönig.

[youtube hC5dhNmdz5E]

[xrr rating=6/10]

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Sex – von Spass war nie die Rede (Hörbuch) ()

zwei CDs voll mit geschichten über allzu zwischenmenschliches. über verunglimpfte erste male, hohe ansprüche und die ganz großen gefühle. oft direkt, manchmal dreckig, aber immer hörenswert. von teilweise bekannten stimmen.

und interessant, wie unterschiedlich man sich dem thema annäherte. köstlich, wie heiko wernung günter grass beschuldigt, ihm seine annäherungsversuche ans andere geschlecht vergämt zu haben. wie nils heinrich ungewöhnliche orte sucht und in der küche landet, wie jess jochimsen sich eine nena baut, usw. usf.

kann man gut zwischendurch hören, tut nicht weh und kann auch verschenkt werden.

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Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge (Hörbuch) ()

das gleich vorneweg: ich bin ziemlich enttäuscht, da ich seine kurze Geschichte von fast allem für großartig und immer wieder lesbar halte, habe es auch schon mehrmals verschenkt und empfehle es jedem.

hier hat er sich an die kleinen alltagsdinge heran gewagt. durchkämmt sein wohnhaus, ein altes pfarrhaus in england und präsentiert uns seine recherche-ergebnisse. strukturiert in die verschiedenen zimmer. ein kluger ansatz, doch in der ausführung eben keine allumfassende abhandlung über alles alltägliche, nur ein oberflächlicher querschnitt, oft englisch, meist westeuropäisch. und fokussiert auf englische und nordamerikanische geschichte der letzten dreihundert jahre, offenbar sein lieblingsthema. da beschreibt er ellenlang weltausstellungen und kleidermode, gesellschaftliches und technisches fließen ineinander und malen ein halbwegs plausibles bild, aber es bleibt ein ausschnitt.

ich mag seinen erzählstil, wie er zusammenhänge, auch die komplexesten einfach und anschaulich darstellt, es bleibt immer unterhaltsam, wird nicht langatmig. aber trotzdem bin ich enttäuscht und hatte mehr erwartet.

[xrr rating=6/10]

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Letzte Helden: Reportagen ()

wunderbare und ehrliche reportagen aus deutschland und anderswo. scherzer arbeitet in der eisenacher tafel mit und gibt essen an bedürftige aus, redet mit einigen und schreibt ihre geschichten auf. versucht nach tschernobyl zu reisen. und versucht helden der arbeit zu finden, also menschen, die in der ddr ausgezeichnet wurden für besonderen arbeitseinsatz. nicht ganz einfach, einige findet er, einige plaudern, viele nicht.

dazwischen immer wieder biografien von menschen, zeugnisse des scheiterns, des fremdseins. sehr oft arbeitslosigkeit, maßnahmen und verzweiflung, resignation. kein sehr aufbauendes buch, aber ein wichtiges. weil es um die menschen geht und ihre geschichten, nicht um geschichte.

scherzer schreibt sehr gute, handwerkliche reportagen, ein bisschen zu viel von sich selbst, aber das gehört auch eben irgendwie dazu.

[xrr rating=5/7]