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Autobahn. Ein Jahr zwischen Mythos und Alptraum

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reportagen von der überholspur. der autor fährt quer durch deutschland und sucht antworten. im hambacher forst, in einer autobahnkirche, im stau. zusammen mit einer streife der autobahnpolizei. im kreis in thüringen. spannend und unterhaltsam geschrieben.

prophetisch schreibt er im vorwort in der vergangenheitsform:

„Die Autobahn war ein Ort, an dem so gut wie jeder mindestens einmal in seinem Leben gewesen war. Jeder kannte diesen Ort, und er bedeutete jedem etwas anderes. Die Autobahn war ein Motor der Wirtschaft, ein Symbol der Globalisierung, eine – immer wieder verfluchte – Alltagserfahrung für Pendler, ein Weg für Urlauber und Familien, ein Feindbild für Klimaschützer. Ein Freiraum, in dem man, die Musik voll aufgedreht, stundenlang durch die Nacht rasen konnte. Für manche war die Autobahn sogar ein Ort der Liebe.“

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Berlin: Biographie einer großen Stadt

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Vor fast genau hundert Jahren entstand Groß-Berlin, das war die Ausdehnung der Stadt auf die Größe, die sich bis heute kaum verändert hat. Bisky hat sich also gewagt an eine Stadtgeschichte, weniger chronologisch oder historisch, eher erzählend bis anekdotisch. Daher heißt der vorliegende Ziegelstein auch Biographie. Auf über 900 Seiten ist viel Platz und den braucht man auch, trotzdem Berlin in Vergleich zu anderen Städten sehr jung und die frühe Stadtgeschichte eher langweilig ist. Bisky schafft es, jede Etappe historisch und politisch einzuordnen und neben den großen Entscheidungen auch Architektur, städtisches Leben, Sprache, Einflüsse, Kunst und Gesellschaft anzusprechen. Die Biographien großer und kleiner Berliner finden ihren Platz, sodass sich aus den Einzelschicksalen die Biographie der Stadt ergibt.

Wenn auch die Sätze manchmal etwas zu klotzig sind, oder seltsam verschraubt, sodass man sie mehrmals lesen muss. Wenn auch die jüngste Geschichte etwas zu aktuell ist – niemand ist frei von Urteilen und Bisky auch nicht, das hätte er weglassen können. Wenn man sich am Anfang durch die Friedrich Wilhelms quälen muss, es lohnt sich auf jeden Fall. Er hat ein schnell lesbaren Überblick über die Stadtentwicklung geschrieben und sich Zeit gelassen für die Details.

Notiz am Rande: Hier habe ich zum ersten mal bewusst über etwas gelesen, von dem ich Teil war und bin, ein Stück meiner eigenen Biographie sozusagen. So muss sich also dieses Altern anfühlen.

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Herr Sonneborn geht nach Brüssel: Abenteuer im Europaparlament (Hörbuch)

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Jaja, es ist sehr gut. Sonneborn berichtet über seine Zeit im 8. Europäischen Parlamentes von 2014 bis 2019 (inzw. wurde er wieder gewählt). Absurdes bis tragisches, ernstes bis komisches, es ist eigentlich zum heulen. Da werden Millionen verballert für ein Parlament, weitere Institutionen und dazu einen Wasserkopf an Verwaltung. Im Parlament sitzen die abgeschobenen Politiker der Mitgliedsstaaten und vertreten teilweise absurde Meinungen. Sonneborn steckt den Finger in die Wunde und weidet sich am Versagen. Es ist zum Heulen, dass es einen Satiriker braucht, um kritisch zu informieren. Danke dafür, das Tragische jedoch: Es wird sich nichts ändern.

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Das Mädchen aus dem Norden (Hörbuch)

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solider krimi mit viel handlung und fein verwobenen figuren. auch wenn ich kein großer fan von krimis bin, so rutscht doch ab und an einer durch. es ist leichte kost und je nach autor ist auch substanz vorhanden. im vorligenden fall etwa die wirren polens nach ’89. dazu die windigen finanzgeschäfte der letzten jahre, in denen unterwelt und politik verwoben sind. alte rechnungen werden beglichen, es gibt viel leid und armut und direkt daneben viel protziges geld. es treten auf ein pfarrer mit unklarer vergangenheit, ein clubbesitzer mit einem großen musikhit („Das Mädchen aus dem Norden“) und natürlich eine ermittlerin, deren gebrochener lebenslauf sie nicht davon abhält, geschickt und klug zu kombinieren. natürlich ist es keine weltliteratur, aber ein krimi der anspruchsvolleren art.

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Geisel

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Über 100 Tage ist Christophe André Gefangener in Tschetschenien. Seine (wahre) Geschichte wird hier als Comic erzählt. Tatsächlich passiert nicht viel, es ist nur unglaublich bedrückend. Tag um Tag vergeht, mit Handschellen gefesselt am Heizkörper. Ab und zu gibts Essen oder einen Toilettengang. Schön gezeichnet, bedrückend zu lesen.

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Fallensteller

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wir sind wieder in fürstenfelde zu besuch, diesmal auch die tiere, insbesondere der wolf ist ein thema und ein seltsamer fremder. die stadt steht kopf, aber am ende ist alles wieder gut.

dazu noch andere stories: die vom rechtsanwalt in brasilien. und von mo und der unbenannten protagonistin in stockholm. oder auf reise durch frankreich und dem sterben des großvaters. im ferienlager in der natur.

viele schöne sätze und sprachbilder und fiktive realität und reale fiktion. vom prosaischen ins poetische und zurück und vom roman zur kurzgeschichte und eigentlich ist es auch egal. lesen sollt ihr das und genießen. und darüber nachdenken, weil hier ist einer vorsichtig mit der sprache und benutzt sie nicht nur, sondern er weiß sie auch zu benutzen.