000117 – 10/2021

besuch in münchen im letzten oktober, die sonne lacht über bayern und die menschen tummeln sich in der innenstadt. es gibt kein oktoberfest. die hauptsatdt der bajuwaren wirft harte schatten, die belichtung passt, die leica liefert (diesmal) zuverlässig.

Film: Agfaphoto APX 100
Kamera: Leica IIc Elmar 5cm 3.5
Zeit: 2021/10
Entwicklung: Kodak D76 1+0 7min
Scan: Epson Perfection V330 Photo

Amsterdam – Tag 1

wir sind in amsterdam und fahren mit der fähre ins filmmuseum, dort sehen wir die ausstellung von Francis Alÿs.

es wird fahrrad gefahren, auch anfang januar. autos haben es schwer in den engen gassen. die brücken über die grachten ähneln sich und wir verirren uns in der stadt. wabernd überall der süßliche geruch von kiff, unvermeidlich bei der masse an touristen.

sie wirkt aufgeräumt, die hauptstadt und einwohnerstärkste stadt des königreichs der niederlande. neben den unvermeidlichen coffeeshops gibt es gutes essen und allerlei tand.

der öpnv ist gut ausgebaut und pünktlich, die sprache ist ungewöhnlich bis albern. es ist sauber, viel hipster, aber gibt auch süße gegenden.

Berlin ist woanders. Heute: Zürich

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Wenn Zürich eine Frau wäre, hättest Du zitternde Knie, wenn Du sie nur siehst. Dabei traust Du Dich kaum sie anzusprechen, weil sie so perfekt und unnahbar wirkt. Und jeder Satz aus Deinem Mund würde sie entzaubern, also lässt Du es bleiben und vermeidest jeden Blickkontakt. Schade eigentlich, denn sie würde Dir in einer unverständlichen Sprache antworten. Ganz so, als stecke ein Alien in ihr und versucht mit Dir zu kommunizieren. Trotzdem kommt es Dir merkwürdig vertraut vor, Du erkennst manche Wörter und ahnst das Gemeinte. Aber verstehen ist etwas anderes. Und so bleibt Ihr Euch fremd.

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Sehnsüchtig schaust Du durch die hügeligen Gassen, ein warmer Wind weht, selbst im Januar. Du staunst über die Preise überall und den frech zur Schau gestellten Luxus. Es wiedert Dich an und Du fühlst Dich angezogen. Weil es keine Scham gibt, keine Armut, keinen Durchschnitt. Aber Du ahnst, dass es sie doch gibt, irgendwo hinter den schicken Fassaden und Schaufenstern.

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Du steckst die Hände tiefer in die Taschen und gehst weiter. Tagträumst, Dich hier nieder zu lassen als Intellektueller und die Menschen zu beobachten in einem Straßencafé. Oder als Bankster anzuheuern in einer der zahlreichen Filialen und abends das Geld rauszuhauen in den Bars. Weil es geht.

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Hier gibt es keine Zweifel, hier regiert der Mammon. Aber vielleicht ist das alles auch nur Show und es gibt ein wirkliches Leben, nur das zu finden dauert länger als die paar Stunden, die Dir zur Verfügung stehen.

…und die Unnahbare wendet sich gelangweilt ab und blickt sich um. Und dir bleibt auch kein Späti, keine Eckkneipe, kein Wegebier, du gehst ins Hotel und legst Dich hin.

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Tags darauf, am Hauptbahnhof ein ganz anderes Bild, Menschenmassen schieben sich an Dir vorbei, viele verschiedene, fremde Sprachfetzen prasseln auf Dich nieder wie Regen, Du stehst inmitten einer riesigen Bahnhofshalle, bist einsam.

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Alle haben ein Ziel, Du hast noch Zeit, lässt Dich treiben, nichts passiert. Du bist leer, diese Stadt hat dich ausgesogen, lässt Dich liegen, Du fühlst nichts. Willst nur weg von hier, hin zu jenen, die Du kennst, die Dir vertraut sind und denen Du vertrauen kannst. Hier ist nichts, was Dich hält.

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Eine Großstadt, wie jede andere, rau, lebhaft, anonym. Und doch mit eigenem Charakter, wie in jenem einen Tocotronic-Lied:

Ich mag die Spiegelung der Luft
Und wenn die Sehnsucht nie verpufft
Den Glanz des Lebens in einem Tag
Ich mag den Zweifel, der an mir nagt
Wenn meine Angst mich schnell verlässt
Ich mag den Tanz, das Idiotenfest
Wenn wir irren, nachts im Kreis
Eine Bewegung gegen den Fleiß

All das mag ich

Aber hier leben, Nein Danke

anmerkungen zu bleicherode, thüringen

eine kleinstadt bei nordhausen, oben links in thüringen. kurz vorm harz, kurz vorm westen. keine 7.000 einwohner, dafür eine lange geschichte. und vor allem: meine oma wohnt dort, hier habe ich oft meine sommerferien verbracht, dieser kleine ort wurde zu meine zweiten heimat.

von weitem und wahrscheinlich auch aus dem weltraum sieht man den riesigen rückstandsberg. denn hier wurde jahrzehntelang kalisalz aus der erde geholt. nach der wende war das vorkommen erschöpft bzw. die förderung zu teuer, seitdem fehlen hunderte arbeitsplätze. tourismus gibt es kaum, die jungen ziehen weg und die kleinstadt blutet aus. leerstand, vergreisung – hier hat man den strukturwandel nicht verkraftet. das ist sehr schade, denn es ist eine schöne stadt mit viel fachwerklicher altbausubstanz.

und viel wald und bergen, ideal zum wandern und so.