Schlagwort: discounter

Hier schreibt der Kulturpessimist noch selbst (#15)

Symbolbild (Februar 2006)

Tom König beschreibt auf Spiegel Online seine Einkaufserlebnisse mit viel zu großen Einkaufswagen. Und verrät ein offenes Geheimnis:

Es geht eben keiner mehr dreimal die Woche zu Feinkost Habermann. Stattdessen bevorratet man sich lieber, möglichst für den ganzen Monat.

Unser Einkaufsverhalten sieht anders aus: Drei bis viermal pro Woche zum Discounter, je nach Bedarf. Essen immer für ca. zwei Tage. Hab auch schon überlegt, warum: Es gibt kein Auto, das den Monatsvorrat nach Hause beamen könnte. Und wir müssten auch ziemlich lange fahren, um zum nächsten Feinkost-Delikatessen-Laden zu kommen. In die Wilmersdorfer vielleicht oder tief nach Mitte, vielleicht nach Zehlendorf. Im Wedding gibts derlei Lädens gar nicht.

Ist ein bisschen monokulturell geworden, das Einkaufen. Im Grunde kann man sich zwischen 2-3 Discountern in der Nähe entscheiden, die sich nur minimal voneinander unterscheiden. Gut, die Handelsmarken sind jeweils ein bisschen anders verpackt, aber schmecken tut es überall gleich.

wie sieht das bei der geneigten leserschaft aus?

die NETTOisierung des PLUS

auch im wedding ist aus dem plus ein netto geworden. der tagesspiegel weiß auch, warum. aber so richtig rocken tun ja beide nicht. gibt sowieso zuviel scheiß da. aber vielleicht wird alles besser bald, denn der spiegel berichtet gerade heute vom erfolg des ampelsystems, also der besseren und einheitlichen kennzeichnung von inhaltsstoffen. der druck auf den gesetzgeber wächst, hoffen wir das beste für unsere gesundheit…

für eine handvoll eurocents

professionelle flaschensammler aufgepasst! der positive pfandschlupf definiert sich selbst aus sicht des konsumenten. er besagt, dass es durchaus möglich ist, entgegem allem gesunden menschenverstandes und logischer denkweise, einen mehrwert aus der abgabe von pfandflaschen zu generieren. nämlich dann, wenn der flaschenannahmeautomat bei kaisers mit bierflaschen von penny markt (oder eines beliebig anderen discounters) gefüttert wird. dann erkennt er sie nämlich manchmal falsch und gewährt großzügig mehr pfand zurück, als ursprünglich gelöhnt wurde. es sind so gewinne von maximal acht eurocent möglich. inwieweit und in welcher quantität dieser sogenannte positive pfandschlupf eine ursache für einen eventuellen volkswirtschaftlichen schaden ist, ist derzeit noch gegenstand umfangreicher studien. heißt im klartext: karlheinz ist noch nicht vom bierholen zurück. gleichzeitig übrigens fiel im real,- letztens eine tüte paybackpunkte runter.

LIDL zockt den Pfandschlupf ab

jetzt ist schon wieder was passiert. und schon wieder ist LIDL involviert. und ich bin darauf reingefallen. na toll. da verkauft also unser lieblings-LIDL fläschken, die so aussehen, wie normale. doch in wahrheit sinds pfandflaschen für 25cent. und bringt man die zurück, werden die meist nur mit 8cent erstattet. die differenz von 17cent nennt man pfandschlupf und der landet in den taschen der LIDL-funktionäre. skandal, das.

one more schwabencontent

blogkochen hatten wir ja schonmal. heute wirds fast live. aber aufgrund der schnellen zubereitung gibt es nur einen eintrag jetzt. hab hunger. was machen? letztens einen packen schnelle pfannen im örtlichen discounter für billiger entdeckt und gleich mitgenommen. heute die SPÄTZLE-PFANNE ausgewählt. weil wir ja alle so leicht schwaben-affin sind hier. grüße aus den bergen steht da drauf und: „Lecker is‘, einfach is‘, guat is'“ – bin mir jetzt garnicht mehr so sicher, ob das zeug auch in schwaben gegessen wird. ein kurzer blick in flickr beweist das gegenteil. einen spätzlesdrücker brauche ich aber nicht, kommt fix und fertig aus der tüte, inklusive 1% hinterschinken und 0,5% geräuchertem speck!

und so siehts dann aus:

geschmack ist gehtso – gekochte gummistiefel sind zumindest besser gewürzt (und zarter). ansonsten machts aber satt. irgendwie. die zubereitungszeit von ca. 15 minuten ist auch nicht gerade was für den schnelle hunger. achso, fleisch war auch nicht zu finden.

und so was essen schwaben, ja?

skandal an der tiefkühltruhe

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der stern hat es, spiegel schreibt ab und wir regen uns auf und schreien nach gerechtigkeit, nach dem eingreifenden staat und versprechen nie wieder zu lidl zu gehen. ganz ehrlich.

daraufhin kauft keiner mehr bei lidl und es kommt zu entlassungen. wahrscheinlich müssen frau M. und N. zuerst gehen. aber zum glück sind wir zufrieden und satt und fühlen uns besser, wieder mal die welt gerettet zu haben.

(stattdessen sollten wir mal anfangen nachzudenken, in was für einer welt wir eigentlich leben wollen?)

[nachtrag:] inzwischen haben es alle und jeder bloggt drüber. so langsam glaube ich eher an eine geschickte stern-kampagne (morgen kommt er mit diesem titel) – doch was wird da neues drin stehen? und wetten, dieses skandälchen schaffts sogar in die tagesschau…?

btw: wo waren denn die ganzen moralwächter als die bunderegierung ähnliches vorhatte? 30.000 unterschriften! unter aller sau. echt jetzt mal.

hier schreibt der kulturpessimist noch selbst:

den ball flach halten, abflachende wirkung, flachbildschirm – kein wort wird mehr vergewaltigt wie flach, in allen seinen unerträglichen beugungen und zusammensetzungen. die krönung des ultraflachen sind die flatrates. wiki eiert rum und wird sich nicht klar über den ursprung des begriffs. sicher wieder ein sch(w)eineanglizismus. mögen wir zwar nicht, sagen aber dann doch hin und wieder handy. nun, seit wann also flatrates? den anfang machte das fernsehen. da gibts seit jahrzehnten unbegrenzt rotz für eine läppige gebühr. wird zwar nicht gerne gezahlt, aber die gebührenknechte bemühen sich. dann kamen der öffentliche nahverkehr, das telefon und internet. und wohl auch saufen. also soviel wie möglich für einen festpreis. das konzept allerdings ist mindestens so alt wie der urknall: seitdem gibts kohlenstoff, soviel wie du eben bist. also nix sonderlich neues. den höhepunkt bildet zweifelsfrei die praxisgebühr. und so dringt die flatrate in alle unsere lebensbereiche ein und unterhölt das eiserne gesetz vom preis. denn: können wir den wert einer sache überhaupt noch schätzen, wenn er ständig und überall verfügbar ist? wird der kaffee besser, wenn er immer gleich nachgebrüht wird? wird ein zoobesuch aufregender mit einer jahreskarte? was kommt als nächstes? die gammelfleisch-flat beim örtlichen discounter? wohnen in einer wohnung für einen monatlichen festpreis?

irgendwann muss das ein ende haben, verehrte leserschaft. denn wenn wir den wert einer sache garnicht mehr einschätzen können, was sind wir dann überhaupt noch selber wert? wann kommt die flatrate auf die flatrates? es wird zeit, dass wir uns darüber gedanken machen. die kulturflatrate scheint mir da der falsche weg.

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