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DISCLAIMER: das Buch wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Verlag luzar publishing.


Der Protagonist ist portugiesischer Kryptologe und gerät in die Fänge ausländischer Geheimdienste, die hinter einem alten Manuskripts Einsteins eine Atombombenbauanleitung vermuten. Sehr leichtgläubig landet er im Gefängnis und hat viel Glück. Es folgt eine Reise nach Tibet, wir begleiten den Tod seines Vaters. Immer wieder taucht die schöne Iranerin auf und ein engagierter Prof. Dazwischen seitenweise Mathematik, Physik, Logik, Philosophie, Theologie. Denn neben der Handlung, die in Aufbau und Erzählweise stark an Frank Schätzing, Dan Brown oder Andreas Eschbach erinnert, glänzt das Buch vor allem mit Dialogen und Erklärungen. Ständig wird dem portugiesischen Wissenschaftler etwas erklärt, er nickt verständig und stellt Fragen – wie Platon das dereinst mit seinen Dialogen praktizierte.

Die Erklärungen sind verständlich und ausführlich, erläutern aktuelle Forschungsfelder in der Wissenschaft, vom Urknall bis zum erwartbaren Ende des Universums. Einsteins Theorien werden diskutiert und weitergedacht. Das Buch ist gut recherchiert, er hat sogar seinen Bryson gelesen. Daneben wird Gott, und der Gottesbegriff diskutiert, ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken. Eine gelungene Gratwanderung.

Natürlich bleibt es ein Roman, auf Quellenangaben und Anmerkungen muss der Leser verzichten – ein Physikstudium ersetzt es nicht. Es ist die Stärke des Buchs, die grundlegenden Begriffe und Theorien moderner Physik verständlich zu erläutern. Die Theorien zu den Parallelen von Bibeltexten und der neuesten Forschungen zur Entstehung des Universums sind ebenso interessant wie die Zukunftsvisionen gegen Ende des Buchs.

Ich habe es in gut zwei Wochen gelesen und empfehle es dringend als Urlaubslektüre mit Anspruch, weil es sich gut runterliest und den Leser mit ein paar interessanten Gedanken versorgt.

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Die Mischung aus Hirnforschung, Neuropsychologie, Kulturgeschichte und Alltagsbeobachtung macht das Buch interessant. Weil es keine unlesbare wissenschaftliche Studie, aber auch kein Ratgeber ist, sondern nur erzählt. Ganz nett, aber auch nicht spektakulär. Im Grunde auf die These reduzierbar: Wir leben entgegen unserer inneren biologischen Uhr und das ist nicht gut.

[xrr rating=5/7]

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…eine Auswahl von Short Storys aus dem 2005 auf Englisch erschienenen „Oblivion“. Ganz unterschiedliche Geschichten, weiter unten kurze inhaltliche Zusammenfassungen. Gemein ist ihnen, dass sie immer wieder die Gedankenwelt eines Erzählenden und/oder Handelnden nach außen kehren. Und zwar auf eine unnachgiebige, verzerrende, groteske Art und Weise. Viel komprimierter und destillierter als in den Romanen.

David Foster Wallace: In alter Vertrautheit

Mr. Squishy
ätzendes stück über den leiter einer produkttestgruppe, in dem viel marketing und statistik verwurstet wird, in dem der leiter seinen eigenen (existenziellen) gedanken nachhängt, sich anzweifelt und schließlich über effektive methoden nachdenkt, seinen auftraggebern mit vergifteten produkten maximal zu schaden. währenddessen klettert einer am hochhaus empor.

Die Seele ist kein Hammerwerk
absurd komisches stück über einen schüler, der bei seinen komplexen tagträumereien nicht den amoklauf des lehrers mitbekommt. er denkt tatsächlich in comic strip-artigen und aufwendigen handlungssträngen.

Inkarnationen gebrannter Kinder
verstörendes schnipsel über einen tragischen haushaltsunfall.

Noch ein Pionier
vertrackte erzählung von einem wunderkind in einem naturvolkdorf, eingebettet in eine nacherzählende rahmenhandlung. im grunde eine parabel auf den irrsinn der zivilisation und die macht des glaubens.

Neon in alter Vertrautheit
die stärkste geschichte, ein selbst ernannter heuchler ist in therapie und durchschaut seinen therapeuten. versucht, seine sämtlichen gedanken, metaebenden und womöglichen reaktionen des gegenübers zu erfassen und wieder zu geben. scheitert dabei an sich selbst und begeht schließlich selbstmord, erzählt und reflektiert auch dies ausführlich. am ende tritt mr. wallace selbst in die geschichte ein stellt einiges klar. verwirrend, aber oft nachvollziehbar.

[xrr rating=10/10]

siehe auch: Besprechung bei Mythopoeia (2009)

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Ich erwachte auf meiner Schreibtischunterlage. Diesen Büroartikel mit dem Motiv
»Strand von Waikiki« hatte mir eine geschmacklose Nenntante zu Weihnachten
geschenkt. Abwaschbares Plastik.
Jetzt hat meine Backe Schweißabdrücke auf dem Sandstrand hinterlassen. Schon
wieder war ich eingepennt, mein Schädel noch immer im Jetlag.

Und so geht das immer weiter und weiter. Ein Adoleszenzroman, ein Groteske, zwischen Wahn und Fiktion mäandert die Geschichte um den frischen Abiturienten Thomas Blume, der in die See sticht, dabei zeitreist, träumt oder zumindest betrogen wird – so genau erfährt es der Leser nicht. Oder vielmehr der Zuhörer – ich weiß nicht, ob dieses Buch auch gedruckt funktioniert, als Hörbuch/-spiel ist sie jedenfalls grandios, da Grebe selbst spricht, singt und Geräusche macht.

Echt abgefahren, Bulgakow-esk, irre. Aber wenn man sich drauf einlässt, mitschwimmt auf des Autors Denken, dann erlebt man eine ungewöhnliche Reise, die so ganz und gar nicht pauschal ist.

[xrr rating=10/10]

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bestes buch zum wedding bisher. voll mit kleinen details, schön flüssig geschrieben, muss man eigentlich auf jedem spaziergang durch den kiez dabei haben. dabei listet frau komander nicht nur die gängisten fakten auf, sondern hat auch viel neues heraus gefunden. toll. klare pflichtlektüre für jeden weddinger.

werde in den nächsten wochen noch ein paar erkenntnisse veröffentlichen, es bleibt spanndend…

[xrr rating=9/10]


dazu passen auch die folgenden veranstaltungen in den nächsten wochen:

  • 12.06.2011 | 12 Uhr | Architekturführung | Dr. Gerhild Komander: Bruno Taut und Mies van der Rohe. Bauten im Wedding | Müller- Ecke Schöningstraße
  • 16.06.2011 | 18 Uhr | Lesung | Dr. Gerhild Komander: Einmal mit Rieke Busch durch den Wedding ziehen… | Schiller-Bibliothek
  • 25.06.2011 | 13 Uhr | Wanderung | Horst Riewendt: Der Humboldthain, Grüne Lunge mit Geschichte | Humboldthain
  • 29.06.2011 | 18 Uhr | Dia-Vortrag | Dr. Gerhild Komander: 1861 – Wie Berlin zum Wedding kam | Schiller-Bibliothek
  • 30.06.2011 | 18 Uhr | Führung | Dr. Gerhild Komander: Rechts und links der Müllerstraße | Müllerstraße

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Billy, der Held des Romans, wächst (wie Praxenthaler selbst) in Troisdorf auf. Will aber auf gar keinen Fall ins väterliche Geschäft einsteigen, baut sich lieber die alte Datsche aus und macht seinen Zivi. Weil er dann immer noch nichts mit seinem Leben anzufangen weiß, studiert er erstmal. BWL. Sieht jemand Parallelen?

„Er hatte die groben Zusammenhänge begriffen und sah den Nutzen nicht. Diese fehlende Einsicht war übrigens eines seiner größten Probleme. Er war überraschend kritisch geworden während seines Studiums und hatte ein Gefühl der Ohnmacht des Kleinen vor dem ganz Großen mitbekommen. Die Lehre stand rechts und er stand plötzlich links. »Sich mit dem Kapitalismus zu beschäftigen, ist das beste Argument gegen ihn.« Bei aller schlechten Laune, fand er das einen sehr lustigen Zusammenhang.“

Das Studium dauert aber ein bisschen. Er verliebt sich in Annabelle, die ihn nach vier Jahren wieder verlässt. Am Boden zerstört zieht er nach München und will bei BMW anfangen. Was auch sonst! Es folgt ein absurd-komisches Ende.

Toll geschrieben und lebensnah. Und vielen Weisheiten innen drin:

‚Ist das etwa wichtig?‘ antwortete sie. ‚Sieh mal, mit diesem rostigen Nagel ist es wie mit so vielen Dingen. Von außen sagen sie nichts. Aber unter dem Rost verbergen sich Geheimnisse, von denen lange Zeit keiner etwas erfährt. So lange, bis jemand beginnt, an der Oberfläche zu kratzen und darunter die Wahrheit zu suchen. Und sei es auch nur seine eigene.‘

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Ein Pole schreibt über die tschechische Seele, über die Geschichte und die Menschen – kann das gut gehen? Es geht. Eine Sammlung wirklich großartiger Reportagen. Auch wenn gleich die erste Reportage über Bata mehr oder weniger abgeschrieben ist von Egon Erwin Kisch1 – immerhin hat er sie durch eigene Nachforschungen ergänzt. Aber dann geht es weiter, fein gewebte Erzählungen, penibel und akribisch recherchiert. Und auch gut übersetzt. Das kann man gar nicht alles nacherzählen, das muss man selbst gelesen haben. Nur soviel: In Prag stand mal ein riesiges Stalin-Denkmal, nicht lange, nur ein paar Jahren. Keinen der Beteiligten hat es glücklich gemacht. Und später hat sich keiner mehr erinnert.


  1. KISCH, Egon Erwin: Schuhwerk. In: Bodo Uhse, Gisela Kisch (Hrsg.): Prager Pitaval – Späte Reportagen – Gesammelte Werke in Einzelausgaben II/2. Berlin / Weimar 1969, S. 415-428 []

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Zwei Dörfer im brandenburgischen outback, vor dem Krieg waren sie mal ein Dorf, getrennt durch die Oder. Jetzt sind es zwei Dörfer mit kaum Kontakt zueinander. Daran wollte Frau Veihelmann mit ihrem Buch nichts ändern, sondern nur die Geschichten erzählen. Ohne Vorwürfe, ohne große Politik, nur die Geschichten der Menschen. Dass die Dörfer sich nun doch ein bisschen angenähert haben, erfährt man im Klappentext.

Und überhaupt die Aufmachung: Zweisprachig, mit vielen Bildern und richtig gut. Macht richtig Spaß. Ein kleiner Schatz.

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fuck! eine bande mittdreißiger wessis, altpunks fahren in den wilden osten und erleben abenteuer. dazwischen liedtexte und die geschichte des punx. muss man gelesen haben. vielleicht nicht unbedingt weltliteratur, aber genial. allein schon wegen der details, der wörtlichen rede. ach, lest es selbst.

[xrr rating=9/10]

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interessanter ansatz: das ganze buch ist ein dialog der autorin mit ihrem freund. er ist mehr so der wirtschafter, sie die kommunikationsexpertin. und sie reden über allerlei: wie unternehmen kommunizieren, wie kommunikation in der wirtschaft funktioniert und auf keinen fall funktioniert. zugegeben, streckenweise wirkt das gespräch aufgesetzt und wenig realistisch. aber die kernaussage wird rübergebracht: nur wer gute geschichten erzählen kann, verkauft auch gut. hinter jeder werbebotschaft sollte ein plot sein, ein ganzes storyboard, damit es mir der kunde abkauft. kein uninteressanter gedanke, zugegeben. und dann war da noch ihre oma, die sehr oft in ihren geschichten auftaucht: ein kölner original mit ebenerdigen materiellen ansprüchen und lebensweisheiten.

[xrr rating=5/10]

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ha‘ ick jetze dit buch von dem gläser jelesn. kann ick nur empfehln. authentizität ist ja gut und schön, aber wenn der kerl auch noch über sachen schreibt, die ich selber zur selben zeit erlebt habe – dit is ma‘ großet kino!

(meine kläglichen versuche, das die berliner dialekt mundart nachzuäffen, bitte ich zu ignorieren!)

[xrr rating=7/10]