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Beeindruckendes Buch über einen Endzwanziger kurz nach 9/11. Das verwöhnte weiße Scheidungskind aus der Mittelschicht hat seine Sinnkrise, experimentiert mit Drogen, verliert seinen Job und findet Liebe und Sinn auf einer Reise nach Lateinamerika. Was wie eine blöde Schnulze klingt, ist in Wahrheit ein Schatz, reich an Kritik an Gesellschaft, Globalisierung usw. Kunkel versteckt politische Forderung nach mehr Partizipation, Teilhabe und Rücksicht in einen Entwicklungsroman. Flott und amüsant geschrieben, man atmet die Buchseiten nur so ein.

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Leider liest Christian Ulmen den Wallace nicht ganz so stilsicher vor wie Dietmar Bär. etwas zu ironisch-distanziert trägt er vor. Worum gehts? Eine Reportage über das alljährliche Maine Lobster Festival. Es geht um den Hummer, das Festival und vor allem um uns Menschen. Einmal mehr beweist sich Wallace als kluger Beobachter menschlichen Zusammenlebens und berichtet in tollen Sätzen davon.

[xrr rating=6/7]

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auch toll. zwei jugendliche finden sich selbst und verlieren sich. verirren sich. nicht unbedingt, weil berlin so groß ist, eher weil erwachsen werden nicht so einfach ist. und man es vielleicht nicht immer will. zwei verschiedene milieus, verschiedene ansichten, vorstellungen – und doch! die immerwährende suche nach dem immergleichen. schön konstruiert und erzählt.

[xrr rating=5/7]

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Krimi aus der Sicht eines Jungen mit Asperger-Syndrom, gelesen von Rufus Beck. Ist wohl nicht alles so stimmig, das Krankheitsbild wird nur unzureichend dargestellt, wie nicht wenige Kritiker anmerken.
Trotzdem ist es ein spannendes und aufschlussreiches Buch, weil der Protagonist ganz anders denkt und handelt als erwartet. Erinnert ein wenig an Raum von Emma Donoghue.

[xrr rating=6/7]

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Ingo Schulze: Neue Leben

wie schon beim zimmerspringbrunnen von jens sparschuh geht es hier um die ostdeutsche seele vor und nach dem mauerfall. in unzähligen briefen an freund, schwester und angebetete beschreibt der fiktive enrico türmer sein leben, seine ängste, sehnsüchte und gedanken. abgedruckt wird nur seine sicht der dinge, die antworten auf seine briefe müssen wir uns selbst zusammen reimen. dazwischen immer wieder kommentare vom herausgeber schulze, der die wahrheit ans tageslicht zerrt oder türmer der falschaussage überführt.

geschickt konstruiert, wenn nur das thema und die beschreibungen nicht so langatmig und ausufernd wären. vielleicht bin ich auch zu jung oder zu unsensibel für solcherart literatur. der tagesspiegel sieht weltliteratur gar:

Man muss sich Enrico Türmer in einer Espresso-Bar an der Piazza Navona vorstellen, seine geliebte Faustina-Nicoletta unterm Arm. Hinter der Bar steht plaudernd Mephisto, die wohlmeinende Macht, die im „Faust II“ einst den Kapitalismus erfand. Heute ist der Teufel ein Barmann. Ein Barrista eben.

naja.

[xrr rating=5/7]

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Den Ansatz und das Ziel des Buchs beschreibt Misik ganz gut selbst:

Am Ende ist hoffentlich deutlich: So unbestritten schwierig es heute auch ist, auf kluge Weise links zu sein, so ist Linkssein schlußendlich aber auch die einzige Weise, klug zu sein.

Und so geht es munter weiter. In schönen Worten beschreibt er da die Akteure, die Koryphäen des neuen Links: Antonio Negri, Michael Moore, René Pollesch, Naomi Klein, Slavoj Žižek – ihre Aussagen, ihre Wirkungen. Sogar Judith Holofernes von Wir sind Helden hat er mit aufgenommen in den illustren Kreis.

Dann geht er ausführlich auf die unterschiedlichen Protestformen ein: Demos wie Genua, Seattle. Konsumverweigerung, NGOs – er erzählt anschaulich von südeuropäischen Anarchisten, von Linksintellektuellen, von Marxisten. Es gibt heutzutage viel unterschiedliches Links, viel Buntes, weniger Schwarzweißes. Immer mit Fokus auf unsere Lebenswirklichkeiten. Immer mit Kapitalismus und Kapitalismuskritik. Dabei schreibt er so schöne Sätze, wie:

Das Callcenter ist vielleicht die paradigmatische und gleichzeitig paradoxeste Lokalität des postmodernen Kapitalismus: Chiffre für Kommunikation und Ort der Sprachlosigkeit zugleich.

Und dann geht es tief in die Geschichte, Marx, Brecht, Benjamin und – natürlich – Che Guevara. Der Held, der große Bruder aller Linken:

„Und auch die Verklärung und Vermarktung des Che als Posterboy der Revolution ist nicht nur Ausdruck leeren Romantizismus pubertierender Teenager, die in jeder Generation das volle Programm durchzumachen haben – Hendrix, Hesse, Guevara. Noch die leerste Geste dieser Art ist zumindest der Versuch, sich in eine Tradition zu stellen, sich eine Biographie zu geben, und ist eine Versicherung dafür, daß Sehnsüchte, für die solches nur eine Chiffre ist, nicht totzukriegen sind. Aber man sollte, dies vorausgesetzt, schon auch genauer hinsehen und im eigenen Interesse den Sinn schärfen für Mythen und deren Herkommen, dafür, daß da etwas in uns denkt.“

Eine Anleitung zum Linkssein ist dieses Buch nicht. Und so richtig deutlich wird es auch gar nicht, was das eigentlich sein soll: links zu sein. In einer Welt, in der jeder gegen irgendwas ist, ist jeder links. Bei Misik fehlt die Beschreibung dessen, was nicht links ist. Und eine Anleitung zum kritischen Denken ist es erst recht nicht, da ist die Marketingabteilung des Verlags übers Ziel hinaus geschossen. Eher ist es eine Verortung dessen, wo überall Kritiker sitzen, wo sie herkommen und wo sie hinwollen und wie sie das anstellen. Was wir selbst machen könnten. Das Buch schließt mit dem Resümee:

Rezepte gibt es nicht und auch keine Trampelpfade. Es gibt nur die Möglichkeit zu tun, was man für richtig hält, gegen das zu argumentieren, was man für falsch hält, zu ändern zu versuchen, was einen stört – und dann und wann etwas zu riskieren. Manchmal ein bißchen zu weit zu gehen, anstatt stets allzu kurz zu treten. Neugierig zu sein, was daraus entsteht. Auszuhalten, daß man im voraus nicht so genau weiß, wohin der Weg führt. Und im übrigen nicht zu vergessen, daß alle Auswege mit Irrtümern gepflastert sind. Risiken und Nebenwirkungen müssen in Kauf genommen werden – da helfen weder Arzt noch Apotheker. So ist die Welt – kein göttlicher Heilsplan, sondern eine Versuchsanordnung.

Auch empfehlenswert: die Website des Autors.

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die wimmelbücher von frau berner sind genial, da haben auch erwachsene ihren spaß beim suchen. alle vier bücher erzählen geschichten aus einer stadt mit immer wieder den selben einwohnern, nur zu unterschiedlichen jahreszeiten. großartig, es gibt immer wieder neues zu entdecken.

[xrr rating=9/10]

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interessanter beruf: zukunftsforscher. und spannendes buch. er stellt die these auf, dass wir uns zwar sehr gut die technischen möglichkeiten in der zukunft vorstellen können (und damit sehr oft daneben liegen), nicht aber die gesellschaftlichen. zwischendrin verwebt er seine überlegungen mit briefwechseln, das ist ganz nett. aber auch langatmig und aufgeblasen.

[xrr rating=7/10]

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ein buch über eine straße ganz in der nähe, viele orte habe ich wieder erkannt. 25 menschen werden potraitiert, ihre geschichte erzählt. und die geschichte der swinemünder straße, die einst geteilt war in west und ost. und diese teilung hat die menschen beeinflußt. teilweise erhebliche einflüsse auf ihr leben genommen.

dieses buch ist wichtiger als jeder mit noch so viel pomp gefeierte jahrestag, weil es von den menschen erzählt. die große politik spielt nur eine nebenrolle.

[xrr rating=8/10]

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o-matic

Spionageromane gehören verboten. Zumindest die Besseren. Denn man hört einfach nicht auf zu lesen, wenn man einmal angefangen hat. Diese Zeitfresserchen mit ihren nicht selten über 500 Seiten machen süchtig. Eigentlich war ich davon weg. Dachte ich. Denn früher las‘ ich jeden Forsyth, le Carré, den ich in die Finger bekam. Bis ich Brandenburg in den Händen hielt. Zu behaupten, die Story wäre schnell erklärt, ist eine bodenlose Frechheit. Kurz: Es geht um die Wochen vor dem 9.11.89, in denen ein fiktiver Charakter sich durch die spannenden Tage der jüngeren Geschichte schlägt. Inklusive Stasi, KGB, britischem und amerikanischen Geheimdienst und allem Pipapo. Eingebettet in reale Ereignisse mangelt es nicht an kalten Kriegern, Sex und ostdeutscher Mentalität. Im Mittelpunkt stehen die Stasi-Bösewichte und ihre Machenschaften. Und einmal mehr wird der Unterschied zwischen Nazi-Regime und DDR-Überwachungsstaat sehr klein. Man merkt, wo der Autor recherchiert hat, was er sich angesehen hat und welche Bücher er las. Kann man lesen.

[xrr rating=4/7]