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Über 100 Tage ist Christophe André Gefangener in Tschetschenien. Seine (wahre) Geschichte wird hier als Comic erzählt. Tatsächlich passiert nicht viel, es ist nur unglaublich bedrückend. Tag um Tag vergeht, mit Handschellen gefesselt am Heizkörper. Ab und zu gibts Essen oder einen Toilettengang. Schön gezeichnet, bedrückend zu lesen.

Hinweis: Folgenden Text schrob ich letztes Jahr im Zug, nur vergammelte er im Entwürfe-Ordner, jetzt ist er reif.


der autor fährt in letzter zeit wieder häufiger bahn durch deutschland, dabei ist die bahn immer pünktlich, oder hat vielleicht 10 minuten verspätung. die anschlusszüge warten, sodass verbindungen zusammen passen. zugegeben, das ist der ICE-verkehr der deutschen bahn zwischen den städten, das funktioniert. im regionalverkehr sieht das anders aus, das kann sich der autor vorstellen, kennt er ja von den sommerlichen wochenenden, wenn berlin zur ostsee oder ins brandenburgische strömt.

seit januar gibt es 200mb wlan für die zweitklässler. die erste klasse hat eventuell goldene patchkabel, das weiß man nicht. funktioniert auch, nur in argen ödnissen hat das wlan aussetzer oder wenn viele im vollbesetzten zug videos streamen.

worauf der autor hinaus will:
die deutsche bahn ist besser als ihr ruf. klar sind ausfälle und verspätungen immer scheiße und ärgerlich, es ist aber auch ein verflucht komplexes system – da wirste ganze schwindelig im kopp, wenn du drüber nachdenkst, so einen fahrplan erstellen zu müssen. vermutlich wurde auch aufgrund liberalisierung und geplantem börsengang substanziell gekürzt, was wir nun zu spüren bekommen.

aber vielleicht einigen wir uns darauf, dass das unternehmen seiner eigentlichen aufgabe nachkommt im großen und ganzen?

worauf der autor eigentlich hinaus wollte: mit kritik ist man schneller zu hand als mit lob, die kritik fandet große verbreitung dank sozialer netzwerke. das lob dagegen bleibt unausgesprochen, existiert lediglich durch das ausbleiben der kritik. man mag nicht in der haut der zugbegleiter stecken, wenn etwas ausfällt und die leute anfangen, im speisewagen barrikaden zu bauen.

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Kann man Frankreich verstehen? Immer wenn man glaubt, die französische Seele erkundet zu haben, passiert wieder etwas unerwartetes. Dieser Tage sind es die Gelbwesten, die allwöchentlich Furore machen und mediale Aufmerksamkeit bekommen. Seit ein paar Jahren die Mouvance identitaire (dt.: IB). Und immer wieder soziale Proteste (siehe dazu). Mir dünkt, die französische Gesellschaft ist radikaler und fortschrittlicher und auch weiter in der Debatte um soziale Fragen als die verschnarchten Deutschen. Auch wenn die Antworten der Franzosen manchmal erschrecken.

Das passende Buch zur Debatte lieferte Virginie Despentes bereits 2015. Es ist ein verstörendes Buch und leider viel zu schnell zu Ende. Der ehemalige Plattenverkäufer verliert die Wohnung, zieht von Freund zu Freund, hat Höhen und Tiefen, rutscht dann in die Obdachlosigkeit. Die Wirklichkeit hat natürlich nichts zu tun mit der romantischen Vorstellung vom Pariser Clochard.
Neben diesem Hauptstrang gibt es einige Nebenstories, teilweise wird aus der Sicht der Freunde erzählt. Da sie sich bereits in ihren Vierzigern und Fünfzigern befinden, geht es oft um früher, also die Neunziger Jahre. Einer aus der Clique hatte Erfolg und Kohle, ist aber inzwischen tot.
Dazwischen immer wieder popkulturelle Referenzen und Namen, die dem deutschen Leser nicht unbedingt alle was sagen. Egal. Oberflächlich fühlt es sich an wie eine Mischung zwischen Philippe Djian und Bret Easton Ellis. Es gibt viele Drogen und Highs und Abstürze.
Dazwischen immer wieder die politischen Ansichten der Protagonisten, ihre Biographien, ihre Ansichten. Kurz: Alle Leben sind verkorkst, es gibt weder Hoffnung noch Liebe, nur Sucht oder Resignation. Nur Radikalität und Verbitterung. Die Flüchtlingsdebatte wird ähnlich geführt, man fürchtet Überfremdung.
Auch wenn es ätzend ist und anstrengend zu lesen, bin ich doch auf Teil 2 und 3 gespannt.

In Zukunft werde ich notieren, wo ich bei einzelnen Büchern stecke, da ich immer alles gleichzeitig lesen muss.

Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex (2015)

Leonhard Horowski: Das Europa der Könige (2017)

Paul Mason: Postkapitalismus (2015)


| imdb | wikipedia | Trailer |


Mal wieder im Kino, mal wieder ein deutscher Film. Mit Eidinger und Mädel in den Hauptrollen und anderen bekannten Schauspielern. Ein Roadmovie auf Mofas. Von der schwäbischen Provinz an die Ostsee. Die Brüder, mittlerweile in ihren Vierzigern, finden zu sich selbst und zueinander. Zwischen derben Humor und Sentimentalem, vorhersehbarem Plot, Provinzbashing sind ganz viele Details, die den Film so knuffig machen. Allzu viel tiefe Gesellschaftskritik sollte man nicht erwarten, er plätschert so vor sich hin und man hat seinen Spaß. Dabei bleibt das Niveau wesentlich über der typischen deutschen Klamauk-Komödie.

Wohnungsbesichtigung in Französisch Buchholz im Januar 2015. Bereits vor vier Jahren war der Mietwohnungsmarkt in Berlin angespannt. Entsprechend viele kamen zu den Besichtigungsterminen und man stand sich ständig im Weg. Die Wohnungen im Berliner Norden sind so durchschnittlich wie ihre Bewohner. Über die sichtbaren Mängel schweigen wir, nehmen den Bewerbungsbogen und verschwinden. Wir schauen uns an dem Tag noch andere Wohnungen an, es wird nicht besser. Treffen immer wieder die gleichen Interessenten. Die Gegend wirkt an diesem Wochenende traurig und leer, viele Geschäfte sind für immer geschlossen, die Straßenbahn rattert vorbei. Es ist Januar, ein kalter Wind weht und wir beschließen, nicht nach Französisch Buchholz zu ziehen.

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Polen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, das war wohl eine wilde Zeit, die vieles hinweg gefegt hat, viel neues gebracht hat, aber vor allem auch Unsicherheit und Armut. Im Gegensatz zur ehemaligen DDR gab es kein reiches Westdeutschland – man war auf sich gestellt. Die Reportagen stammen aus den späten Neunzigern, Anfang Nuller. Nowak geht dahin, wo die Menschen leiden, er besucht die Abgehängten und Alleingelassenen, Kranken, Kaputten. Trotz allem ist viel Hoffnung in den Menschen.

Die Reportagen sind frei von Wertung, Gefühlen, Eindrücken, es kommen ausschließlich die Protagonisten zu Wort, der Autor hält sich zurück. Das sind keine schmalzigen #relotius-Stücke, das sind handwerklich tolle Reportagen.

Leider ein wenig stiefmütterlich lektoriert, es sind einige Fehler drin.

da wo wir früher unser auto repariert haben lassen, werden jetzt langweilige eigentumswohnungen gebaut und die stadt wird wieder ein stück langweiliger. und außerdem ist die halbe straße gesperrt, was die sowieso bereits angespannte parkplatzsituation weiter verschärft.