eine viertelmillion menschen auf den beinen, um gegen rassismus und schwachsinn zu protestieren. ein breites bündniss hatte aufgerufen und wir sind hin gegangen. haben unseren bürgerlichen samstag geopfert, um zu zeigen, dass die seehofers und gaulands irren und keinesfalls volkes stimme repräsentieren. es war bunt, voll und manchmal laut, oft auch leise, weil viele gekommen sind, die man normalerweise nicht sieht auf demos. ein fest für jung und alt. gerade weil es so wenig konkrete forderung gab, konnte vieles hinein interpretiert werden. und so liefen wir zwischen kurdischen jugendorganisationen, spendeten für die digitalcourage und holten uns sticker bei der linken, lauschten engagiertem techno und hiphop. viele hatten eine botschaft und nun bin ich besserer dinge.

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Als Herr Lehmann noch gar nicht in Berlin war, da ging es ähnlich wild und anarcho-syndikalistisch zu in Kreuzberg und Schöneberg. Hauptvogel erzählt teils biographisch von einer längst vergangenen Zeit. Das Buch ist wie ein Kneipenabend, am nächsten Morgen hast du schon wieder alles vergessen, aber das Grundgefühl bleibt. Irgendwas mit Drogen und Frauen und Hausbesetzung. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht mehr, aber es war gut.

Der Tagesspiegel war 2016 mal mit Hauptvogel unterwegs.

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Spirou und Fantasio, das habe ich als Kind oft gelesen. Für den aktuellen Band durfte Flix zeichnen und texten und es ist toll geworden. Die beiden Helden verschlägt es nach Ost-Berlin und sie bekommen Ärger mit Stasi & Co. Tolle Details sind zu entdecken, es macht Spaß. Kauft es, verschenkt es – ihr macht dabei nichts falsch.

es lohnt sich, die diskussion auf der wikipedia-seite zum thema identitätspolitik zu lesen. weil das eine sehr aktuelle debatte ist und es hilft, einiges in den nachrichten zu verstehen. wie alles zurzeit ist es hochpolitisch und man muss aufpassen, nicht falsche erwartungen zu bedienen. denn früher oder später muss man sich auch mit der identitäre bewegung auseinandersetzen. denn während der begriff der identität aus der soziologie kommt, und minderheiten-rechte stärkte, bedient sich der neue rechte des begriffs, um minderheiten auszugrenzen. während ersteres versucht, zu differenzieren, will letzteres vereinfachen und eine vermeintliche legitimation von gewalt in den diskurs tragen. wie so vieles stammt der begriff aus übersee (siehe auch identity politics) und ist inzwischen in der politschen debatte nicht mehr wegzudenken.

hierzulande hadern wir noch, benutzen es aber schon im negativen sinne. wir diskutieren über DIE flüchtlinge, DIE migranten, DIE frauen, DIE sachsen. das ist hochproblematisch, weil niemand lediglcih eine identität hat, sondern immer ganz viel. Ich kann ein lehrer sein und scheiß meinungen haben. ich kann polizist sein und trotzdem linke meinungen vertreten. ich kann im schwarzen block sein und antisemit. genauso wie ich in freital wohnen kann und mich um migranten kümmere. das ist superkompliziert, aber denk doch mal an Dich selbst, willst du reduziert werden auf Deine herkunft oder deinen beruf, Deine hautfarbe oder Dein geschlecht? niemand will das und trotzdem passiert es jeden tag. asoziale medien verstärken das und einzelfälle führen zu (meist negativen) zuschreibungen zu einer ganzen gruppe. während sich die einwohner sachsens angegriffen fühlen, wenn sie für hetzende mobs verantwortlich gemacht werden, aber kein problem haben, die schleichende islamisierung dresdens zu beklangen, dann ist das eigentlich schizophren, nur muss man das eben mal ansprechen.

meiner meinung nach, hätte man den begriff – genauso wie die gender studies – in der soziologie lassen sollen, denn man kann menschen und gruppen nicht reduzieren auf eine eigenschaft. jeder mensch hat mehrere identitäten und noch tragischer ist die zuschreibung bestimmter eigenschaften aus dem handeln einzelner zu einer ganzen gruppe.

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Seit den 1950er Jahren kamen in die Bundesrepublik insgesamt ca. 2,5 Millionen Menschen aus Polen, vor allem Aussiedler, aber auch politische Emigranten der Solidarnosc-Zeit. (wikipedia)

Emilia Smechowski ist eine von ihnen, irgendwann in den achtzigern kam sie als kind. in der bundesrepublik ist sie aufgewachsen und erzählt davon. wie es war, fremd zu sein und lange nicht dazuzugehören. wie ihre eltern und die ganze generation dazugehören wollte und deutscher wurden als die einheimischen. das ist auch der grund, warum viele polnische migranten so unsichtbar sind, weil sie teilweise ihre identität verleugnet haben. aber – und das kann man in Smechowskis buch nachvollziehen – es ändert sich gerade und das ist auch gut so.

das buch ist voll persönlicher andekdoten, teils schmerzhaft, teils absurd. und allgemeinem über migration. denn wenn wir eines lernen, ist das, dass migration und integration ein langer weg ist, selbst aus dem nachbarland. und dass wir zuhören müssen, jenen, die zu uns kommen.

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ein wichtiges buch, es passt in diese unsere zeiten. es wird nicht zeitlos sein, man sollte es jetzt lesen. und eher als beitrag zu einer debatte sehen, die sehr vergiftet, sehr zornig und emotional geführt wird. zu recht, denn es geht um wut und um nicht weniger als um die frage, wie unsere gesellschaft aussehen wird in ein paar jahren. wer wird die deutungshoheit haben, was diskriminierung, geschlechterordnung und rollenverteilung betrifft?

Margarete Stokowskis buch ist eine erzählung aus den letzten tagen patriarchats (so der titel ihres aktuellen, 2018 erschienenen buchs). es geht um viel persönliches, negative erfahrungen mit sexismus und gewalt in kindheit und jugend und um die gesellschaft drumherum, die dies duldet, verherrlicht, verharmlost. um ihre späte begegnung mit dem feminismus. aber vor allem geht es um uns männer, die wir oft arschlöcher sind und uns dessen nicht bewusst sind. vor allem aufgrund fehlender empathie und mangelnder reflektion über unsere rolle in der gesellschaft.

man muss mit Stokowski nicht einer meinung sein, aber es ist wichtig, ihre position und ihre argumente zu kennen und darüber nachzudenken. das buch hilft ungemein und liest sich auch gut runter.

Nur allzu gerne verweise ich auf folgende Hörspielserien, aufwendig produzierte Mehrteiler, die Spaß machen:

    NeuNuernberg – 12 Teile – WDR 2018
    Dystopische Story über ein bürgerkriegsgebeuteltes Deutschland und die Wahrheit in Kriegszeiten.
    Nachtmahl – 4 Teile – WDR 2016
    Krimi in Niederösterreich mit einigen Leichen und ganz vielen Mücken und dem fantastischen Simon Schwarz.
    Brüder – 26 Teile – WDR 2018
    Interessantes Stück über die französische Revolution 1789 und ihren Protagonisten.
    Fuffzig Minuten Berlin – 1 Teil – WDR 2017
    Das ist ein großartiger Road Trip von Tegel nach Schönefeld und es ist nicht einfach.
    CAIMAN CLUB – 5 Teile – WDR 2018
    Lobbyismus und Intrigen in der Hauptstadt, es gibt Tote und der nächste Spin wird wieder einmal alles ändern.