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Eigentlich hat Simon Sahner bei 54books bereits alles zu diesem Buch geschrieben (“Internetbashing-Nazikitsch-Mashup”). Und wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, greift bitte nicht zu diesem Ziegelstein.

Über 22 Stunden bzw. 800 Seiten zieht sich eine lahme Geschichte um ein eigentlich spannendes Gedankenexperiment: Was wäre, wenn die Nazis schon Computer gehabt hätten? Kurzum: schlimm. Ob man dazu soviel Seiten benötigt hätte für diese Idee, sei dahin gestellt, jedenfalls zieht es sich endlos.

Im Mittelpunkt ein zurückgewiesener Analyst, eine schüchterne Programmstrickerin, die keine richtige Nazis sind, dafür glühende Mitläufer, und nach und nach die Dimensionen der Naziherrschaft begreifen. Und immer wieder offensichtliche Kritik an Überwachung, Automatisierung und KI. Man ahnt es, der Autor will uns warnen, dass jene Systeme, die wir längst haben, in den Händen von Diktatoren Schreckliches anrichten. Platt und dumpf fühlt sich das an und die Sprachverdrehung (Parole statt Passwort, Datensilo statt Cloud) wirkt anfangs spaßig, später eher peinlich.

Dazwischen unreflektierte Vergewaltigungsszenen und sexuelle Dominanzphantasien, die nicht hätten sein müssen. Ansonst wirkt alles sexuelle merkwürdig antiquiert. Und die Differenzierung zwischen pösen Nazis und Mitläufern folgt einem Geschichtsbild, das stark an die 50er Jahre erinnert. Das muss man dem Autor vorwerfen, Platz und Zeit hatte er genug.

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Mein erstes Buch, das ich auf mojoreads gelesen habe – im Zug auf dem Smartphone zwischen Magdeburg und Berlin und zurück.

Oberflächlich ist es eine Medienkritik, die in nicht allzu ferner Zukunft spielt. Eine neue Quizshow wird entwickelt. Ein ehemaliger Webdesigner wird zu einem Quizshow-Kandidaten. Ein Rentner sucht sich selbst. Eine Journalistin wird Moderatorin. Jeder scheitert, ist gescheitert, oder wird scheitern. Jeder hat seine hellen Momente, manche gewinnen, manche verlieren.
Die Story ist irre, die Charaktere sind noch irrer. Die Sätze sind präzise und allesamt zitierfähig, es sind Wahrheiten über die Geißel unserer Zeit. Schnelllebige hingerotzte Dialoge neben Phrasen neben tiefen Wahrheiten. Der Leser ist hin- und hergerissen zwischen Hintergründigem und Plattem. Ein Buch wie ein Meetingalltag in einem Bullshitjob, ständig wechseln die Prioritäten und Aufmerksamkeiten. Es ist ätzend, keine schöngeistige Literatur, sondern Wahnsinn, ein Spiegel den uns der Autor vorhält, wir gieren nach Zusammenhängen, wo keine sind und Tiefgründigem im Oberflächlichen und wieder zurück. Wie in einem Jahrmarktskarussell, nur schneller. Das Ende ist überraschend und unerwartet, die Charaktere verhalten sich irrational.
Mich lässt die Lektüre ratlos zurück aber ich kann es bedingungslos weiter empfehlen, weil es so schwer einzuordnen ist.

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Spirou und Fantasio, das habe ich als Kind oft gelesen. Für den aktuellen Band durfte Flix zeichnen und texten und es ist toll geworden. Die beiden Helden verschlägt es nach Ost-Berlin und sie bekommen Ärger mit Stasi & Co. Tolle Details sind zu entdecken, es macht Spaß. Kauft es, verschenkt es – ihr macht dabei nichts falsch.