roiberhöhle

das richtige blog fürs falsche leben
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Fleischers Blues ()

Oct
03

Als Herr Lehmann noch gar nicht in Berlin war, da ging es ähnlich wild und anarcho-syndikalistisch zu in Kreuzberg und Schöneberg. Hauptvogel erzählt teils biographisch von einer längst vergangenen Zeit. Das Buch ist wie ein Kneipenabend, am nächsten Morgen hast du schon wieder alles vergessen, aber das Grundgefühl bleibt. Irgendwas mit Drogen und Frauen und Hausbesetzung. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht mehr, aber es war gut.

Der Tagesspiegel war 2016 mal mit Hauptvogel unterwegs.

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Untenrum frei ()

Sep
28

ein wichtiges buch, es passt in diese unsere zeiten. es wird nicht zeitlos sein, man sollte es jetzt lesen. und eher als beitrag zu einer debatte sehen, die sehr vergiftet, sehr zornig und emotional geführt wird. zu recht, denn es geht um wut und um nicht weniger als um die frage, wie unsere gesellschaft aussehen wird in ein paar jahren. wer wird die deutungshoheit haben, was diskriminierung, geschlechterordnung und rollenverteilung betrifft?

Margarete Stokowskis buch ist eine erzählung aus den letzten tagen patriarchats (so der titel ihres aktuellen, 2018 erschienenen buchs). es geht um viel persönliches, negative erfahrungen mit sexismus und gewalt in kindheit und jugend und um die gesellschaft drumherum, die dies duldet, verherrlicht, verharmlost. um ihre späte begegnung mit dem feminismus. aber vor allem geht es um uns männer, die wir oft arschlöcher sind und uns dessen nicht bewusst sind. vor allem aufgrund fehlender empathie und mangelnder reflektion über unsere rolle in der gesellschaft.

man muss mit Stokowski nicht einer meinung sein, aber es ist wichtig, ihre position und ihre argumente zu kennen und darüber nachzudenken. das buch hilft ungemein und liest sich auch gut runter.

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Fallensteller ()

Aug
14

wir sind wieder in fürstenfelde zu besuch, diesmal auch die tiere, insbesondere der wolf ist ein thema und ein seltsamer fremder. die stadt steht kopf, aber am ende ist alles wieder gut.

dazu noch andere stories: die vom rechtsanwalt in brasilien. und von mo und der unbenannten protagonistin in stockholm. oder auf reise durch frankreich und dem sterben des großvaters. im ferienlager in der natur.

viele schöne sätze und sprachbilder und fiktive realität und reale fiktion. vom prosaischen ins poetische und zurück und vom roman zur kurzgeschichte und eigentlich ist es auch egal. lesen sollt ihr das und genießen. und darüber nachdenken, weil hier ist einer vorsichtig mit der sprache und benutzt sie nicht nur, sondern er weiß sie auch zu benutzen.

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Münchhausen: Die Wahrheit über das Lügen ()

May
31

wunderbar gezeichneter comic über einen aus der literatur und zeit gefallenen lügenbaron. in london 1939 landet ein verwirrter mann und erzählt seine phantastische geschichte zwischen zeitgeschichte und wahnsinn. detailreich gezeichnet und voller ideen. leider viel zu kurz.

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In der mittleren Ebene: Erzählungen aus den kapitalistischen Jahren ()

Sep
03

Frank Jakubzik ist Übersetzer (u.a. DFW), das vorliegende Büchlein ist seine erste Sammlung von Kurzgeschichten. Kleine, bissige Geschichten aus dem mittleren Management. Es handelt von jenen Menschen, die das Hamsterrad antreibt und die es ständig ölen. Manachmal stolpern sie, stehen wieder auf. Rechtfertigen sich und geben beim nächsten Mal zweihundert Prozent. Von Angestellten, die nicht aufhören können, weil sie sich zu wichtig nehmen. Hin und wieder überkommen sie düstere Gedanken oder – noch schlimmer – Gedanken, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Doch am nächsten Tag funktionieren sie wieder. Bitter, aber realistisch.

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Fünfzehn sein: Was Jugendliche heute wirklich denken ()

Jan
05

eine anleitung für die großen? eher eine bestandsaufnahme. vieles hat sich nicht geändert, die jugend ist genauso suchend, verpeilt, grausam gegenüber anderen, süchtig nach aufmerksamkeit, anerkennung, zuneigung. es sind die selben themen, die ihren alltag bestimmen, die sie umtreiben: freundschaft, schule, gesellschaft, sex.

nur haben sich die werkzeuge geändert: internet, smartphones, konsolen. es wird nicht mehr nur konsumiert, es wird gesendet. inklusive aller damit verbundenen gefahren. was aber schlimmer wiegt: damit ist die jugend viel präsenter in der medialen und gesellschaftlichen öffentlichkeit und macht sich angreifbar. cybermobbing, pädophile, kommerzialisierung, exhibitionismus im internet – die gefahren sind groß, doch widerspricht die autorin der vorherrschenden meinung, dass jugendliche permanenter gefahr ausgesetzt sind. sie könnten das schon sehr gut selbst einschätzen und lernen den richtigen umgang mit neuen medien spielend – krasse ausnahmen gibt immer.

und so bestätigt sich auch einmal mehr, dass unsere selbstoptimierende gesellschaft auch an den kids nicht spurlose vorbei geht, sie ahmen nur nach, was wir ihnen vorleben. inklusive ausufernder mediennutzung.

das vorliegende buch ist keine studie und auch wenn die autorin studien, untersuchungen und lehrbücher zitiert und ihren inhalt wiedergibt, so lebt das buch eher von den jugendlichen, die sie getroffen hat und zur wort kommen lässt. zwar mag es befremdlich wirken, wenn eine siebzehnjähriger seitenlang altklug über leben und liebe referiert – amüsant ist es allemal. oder die mädelsgruppe, die alle verschieden sind, auch verschiedene hintergründe haben, aber sich doch so ähneln, von ihrer eigenen gruppendynamik berichten. am ende vergleicht mühl (jahrgang 1976) ihre eigene jugend mit der heutigen und sieht viele parallelen.

leider kann sich das buch nicht entscheiden zwischen nüchterner bestandsaufnahme und sprachrohr seiner protagonisten. auch wenn viele der kids sehr offen waren, so hätte man ihre aussagen und meinungen kritischer hinterfragen können. denn wenn wir schon feststellen, dass sich die heutige jugend nicht groß von unserer eigenen unterscheidet, dann sollten wir auch ins klassischste aller rollenmodelle verfallen: dem meckern über die untauglichkeit der jugend. wir sollten uns lustig machen über ihre klamotten, ihr verhalten, ihre ansichten. sie erwarten das so. verständnis hat da nur bedingt platz.

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Der Polen-Komplex ()

Nov
01
31076872

kleines büchlein mit geschichten aus dem nachbarland. geschichten übers leben und überleben, über arbeit und migration. und klar wird vor allem eines: uns geht es allen gleich, nur sprechen wir vermeintlich eine andere sprache. leider viel zu kurz.

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Die Modernisierung meiner Mutter (Hörbuch) ()

Nov
01
diemodernisierungmeinermutter

im zuge des – äußerst gerechtfertigten – erfolgs von auerhaus nun also eine sammlung früherer(?) kurzgeschichten. zumindest kannte ich einiges von anderen anthologien. bjerg beschreibt das unbeschreibliche, das gewöhnliche. während wir schnösel an alltagsereignissen einfach vorbeihuschen, bleibt er stehen und fasst es in worte. er dramatisiert, spitzt zu und bleibt dabei realistisch. manche geschichten sind stark, andere mittelmaß. als hörbuch, gelesen von ihm selbst, eine kurzweilige unterhaltung, die ich nur empfehlen kann.

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Maschinendämmerung: Eine kurze Geschichte der Kybernetik ()

Nov
01
maschinendaemmerung

etwas länger habe ich hierdran gelesen, weil es ein bisschen zäh und dröge geschrieben ist. weil es ein eine geschichte der kybernetik werden sollte, aber doch nur geschichten von der kybernetik erzählt. eine hochspannende geschichte im übrigen, sehr zu empfehlen. von den anfängen im zweiten weltkrieg bis zu cyberattacken auf die usa anfang der jahrtausendwende. der autor wird an einigen stellen sehr detailiert und beschreibt die bizarrsten geschichten von hippies auf acid und menschen mit visionen. vieles bleibt aber unerwähnt, besonders aktuelle entwicklungen spart er ganz aus, jetzt, wo es spannend wird in der künstlichen intelligenz. er spart es aus, weil wir nicht mehr cyber und kybernetik sagen, aber die begriffe konkrete technologie werden. trotz aller kritik ein spannendes buch über die irrungen und wirrungen im 20. jahrhundert, über gescheiterte gedanken, populärwissenschaftlichen unfug und vor allem militärforschung.

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Cash Club (Hörbuch) ()

Jul
06
nur das hörbuch gehört, eine spannende geschichte. angefangen mit einem schmutzigen hack im kino bis hin zum geld drucken im großen stil. eine handvoll jugendlicher setzen sich ein ziel und setzen es um, opfern ihre träume und wünsche und verlieren (fast) alles am ende.

etwas langatmig und pseudo-dramatisch erzählt, etwas mehr kürze und knappheit wäre besser gewesen. auch verwunderlich, dass ich nicht die wahre begebenheit gefunden habe, auf der das buch basiert – Teile der Geschichte von Frank Bourassa wurden benutzt, aber sonst?

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Alles außer irdisch (Hörbuch) ()

May
30
evers

Seit Jahren mag ich alles von Horst Evers, sein König von Berlin war super, die Kurzgeschichtensammlungen sowieso. Aber dies hier? Ich hörte das Hörbuch – er liest selbst vor. Es lässt mich ratlos zurück, was war das? Ein Roman über Zeitreisen, Außerirdische, aber vor allem über das Berlinische und allzumenschliche im Universum – mieser Nahverkehr, Abofallen, Schluffigkeit, Finanzsystem – die großen Themen verwurstet in einem komplexen Plot mit teilweise wahnwitzigen und absurden Figuren, Handlungssträngen, Einschüben. Bei Science Fiction bin ich über Douglas Adams nicht hinausgekommen, daher kann ich leider mit diesem Evers auch nichts anfangen. Obwohl natürlich einige Ideen schlichtweg genial sind, aber reicht das für einen Roman?

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LiteratPrivat – Franz Kafka (Lesung) ()

Mar
04
Harfouch und Gwisdek lesen abwechselnd Briefe, amtliche Texte und Romanstellen und erzeugen so ein biografisches und platisches Bild Kafkas Leiden und Hadern mit dem Leben. Die anderthalbstündige Leseung ersetzt natürlich nicht das Lesen von Kafkas Werken, bildet aber einen guten Einstieg. Zuweilen ist es amüsant, wie kleinkariert und bessesen von der Liebe und dem Schreiben der Literaturgigant war.

(goodreads.com)