:

Don Quijote von der Mancha

erschienen: • ISBN: • Farbe:

mehr durch zufall und wohlwollende rezensionen zu der neuübersetzung von susanne lange habe ich mich an diesen alten schinken gewagt. und wurde überzeugt, dieses buch ist genial, selbst in der übersetzung, selbst nach 400 jahren. so viele ebenen, so viel selbstironie, seitenhiebe und anspielungen. zugegeben, wir alle haben die figuren im kopf, die szene mit den windmühlen, balbla. das hier geht aber in eine ganz andere richtung. in zwei bänden wird ein universum aufgespannt, ein panorama des damaligen spaniens, auf der schwelle vom mittelalter in die neuzeit. ein unverbesserlicher ritter und sein knappe. mehrmals ironisch gebrochen, wiedersprüchlich durch absicht oder flüchtigkeitsfehler. der erste band erzählt noch halbwegs linear, der zweite band referenziert dann auf den ersten, die figuren sprechen über ihre literarische wirkung, treten in dialog mit dem autor. es ist verrückt und genial. ergänzt mit umfangreichen anmerkungen, ohne die vieles unverständlich bliebe. vergesst alles, was ihr über dieses buch denkt und stürmt mit lanze und helm (eine schüssel vom barbier) in die geschichten vom ritter von der traurigen gestalt. ihr werdet es nicht bereuen, musst mehrmals laut lachen beim lesen. und, überflüssig zu erwähnen, es ist immer noch aktuell – wenn man sich heutzutage so manche verschwörungserzählung anhören muss.

:

Mauer Park

erschienen: • ISBN: • Farbe:

das ist spannend, wagner besucht die orte, die er zehn jahre zuvor besucht hat (das ist allerdings wiederum 10 jahre her – ein endloser kreis). und seziert die stadt, ihre bauten, ihre einstigen träume (vieles inzwischen wieder kaputt oder verschwunden). ein ständiges gehen und kommen und werden und vergehen. es ist wichtig, dass es jemand aufschreibt, wir irren sonst so kopflos umher und schauen uns nicht um. und schwuppdiwupps sieht beim nächsten besuch wieder alles anders aus.

:

Monschau (Hörbuch)

erschienen: • ISBN: • Farbe:

fiktive geschichte um ein tatsächliches ereignis: der letzte große pockenausbruch 1962 in der eifel. ein düsteres bild westdeutscher provinz entsteht, ärzte kämpfen nicht nur gegen das virus, auch gegen dummheit und stursinn. karneval wird trotz verbot gefeiert, die fabrikarbeiter müssen um jeden preis weiter arbeiten. es wird unablässig geraucht, eine intrige um alte nazis entspinnt sich (der krieg ist erst 17 jahre her), man hört miles davis auf schallplatte und kommt sich näher. am ende löst sich eine verschwörung auf, die gar nicht existiert und es gibt ein köfferchen mit allerlei medizinischem. wir erfahren, was die deutschen im krieg auf kreta gemacht haben.

klingt viel, ist aber tatsächlich eine schöne runde geschichte, die pocken spielen zwar die hauptrolle, aber eigentlich gehts um den zeitgeist, die frage, wieviel nazi in nachkriegsdeutschland steckt. und dass liebe selbst in den ärgsten situationen ihren weg findet, hach.

:

Quasikristalle

erschienen: • ISBN: • Farbe:

das ganze leben einer frau, erzählt aus den verschiedenen perspektiven jener menschen, mit denen sie mehr oder weniger kontakt hat. angefangen von jugend bis ins hohe alter. hier wird ein im grunde langweiliges leben höchst interessant beleuchtet. den natürlich ist die wahrnehmung sehr verschieden, manchmal diametral entgegen gesetzt. und interessant, wie sich wenige ereignisse und begegnungen auf das leben auswirken. wie sich denkweisen und handlungsmuster wiederholen. ein buch wie eine therapie, wobei man wünschte, es gäbe ähnliches über einen selbst.

:

Unsichtbare Frauen

erschienen: • ISBN: • Farbe:

wie eine von daten beherrschte welt die hälfte der bevölkerung ignoriert (“Exposing Data Bias in a World Designed for Men”) – so der untertitel. und so die realität. in etlichen beispielen aus dem alltag und der geschichte zeigt die autorin auf, dass wir noch einen weiten weg vor uns haben. neben vielen offensichtlichen benachteiligungen, geht es vor allem um kleine dinge des alltags, deren design von männern erdacht wurden, während sie die bedürfnisse von frauen nicht mitdachten. und auf die uns erst die autorin hinweisen muss.