Kennt ihr sogenannte Black Stories? Ein Spiel, bei dem einer einen Fakt vorgibt und die anderen mithilfe von geschickten Fragen heraus finden müssen, was vorgefallen ist. Nur Ja/Nein-Fragen sind erlaubt. Wollt Ihr das mit mir spielen? Ich fang mal an und Ihr fragt in den Kommentaren:

Zwei Unbekannte rennen mit einer Bierflasche in der Hand abends quer durch Reinickendorf. Warum?

professionelle flaschensammler aufgepasst! der positive pfandschlupf definiert sich selbst aus sicht des konsumenten. er besagt, dass es durchaus möglich ist, entgegem allem gesunden menschenverstandes und logischer denkweise, einen mehrwert aus der abgabe von pfandflaschen zu generieren. nämlich dann, wenn der flaschenannahmeautomat bei kaisers mit bierflaschen von penny markt (oder eines beliebig anderen discounters) gefüttert wird. dann erkennt er sie nämlich manchmal falsch und gewährt großzügig mehr pfand zurück, als ursprünglich gelöhnt wurde. es sind so gewinne von maximal acht eurocent möglich. inwieweit und in welcher quantität dieser sogenannte positive pfandschlupf eine ursache für einen eventuellen volkswirtschaftlichen schaden ist, ist derzeit noch gegenstand umfangreicher studien. heißt im klartext: karlheinz ist noch nicht vom bierholen zurück. gleichzeitig übrigens fiel im real,- letztens eine tüte paybackpunkte runter.

die ausgangssituation:

„wir trinken zuviel!“, so der gängige satz innerhalb des freundeskreises. zugegeben, es ist ein bisschen viel in letzter zeit. ich erfülle zwar nur ungern die harten kriterien, aber irgendwann muss schließlich auch mal schluss sein. zittrige hände und zwänge spüre ich zwar noch nicht, aber der durst ist groß. zu groß offensichtlich, denn das aufstehen gestaltet sich zunehmend schwieriger. den ganzen tag müde und schlapp. mal sehen, ob es am überhöhten konsum liegt.

das experiment:

eine woche alkoholfrei ab heute. gestern abend auch schon nix getrunken, um die ergebnisse nicht zu gefährden / verfälschen. disziplin und eisernes vorgehen ist gefragt. die ergebnisse werden an dieser stelle veröffentlicht.

tag 1:

bier zu mir - kopieüberraschend fit, heute morgen sogar schon gebloggt. kaffeebedarf stark zurück gegangen. kann aber auch an der vielen arbeit liegen. bin zuversichtlich was die nächsten tage angeht. aber: überraschend humorfrei heute alles. kann aber auch am wetter liegen. abends dann durst. tee wird helfen. es wartet ein entspannter videoabend. ein amerikanischer film. in dem hoffentlich nicht soviel getrunken wird…

tag 2:

IMG_6917heute morgen pünktlich und ohne zittrige knie aufgewacht. Keine Kopfschmerzen, keine schrecklichen Erinnerungen oder peinliche Ahnungen von gestern abend. einfach nur fit. vor mir selbst erschreckt. was kommt als nächstes? kann mich länger als fünf minuten auf eine sache konzentrieren. wow.

tag 3:

jens and his sternburgerheute abend wird es spannend. treffen mit freunden. sonst wurde da immer zügig getrunken. schon das telefonat war absurd: kein alkohol? ok. nagut. schweigen. nicht mal bier? oh. naja. wird es lustig so wie immer oder totlangweilig? morgen wissen wir mehr!

tag 4:

mauerpark flaschenwar ja doch ganz spaßig gestern. über politik geredet. ohne alkohol argumentieren ist schon anstrengender. weil logik dabei sein muss. aber jedenfalls effektiver. kann man so stehen lassen. heute abend nur schwarzer tee. gut so, denn es gibt noch einiges zu tun… das wochenende schreit nach gemütlich trinken, das wird hart.

tag 5:

trinkennur noch zwei tage, langsam wirds langweilig. aber dokumentation muss nun mal sein. in den letzten tagen fiel mir noch auf, wie normal die bierflasche auf offener straße ist, besonders auch in öffentlichen verkehrsmitteln. oder man sitzt, steht, liegt rum und trinkt. das gehört zum stadtbild wie die citytoiletten. betäubung im öffentlichen raum nennen wir es mal. schön ist das ehrlich gesagt nicht. zugegeben, oft genug bin ich selber so drauf. gewesen? keine ahnung. beschließe jedenfalls, in zukunft bewußter zu trinken. und auch weniger. versprochen.

tag 6 und 7:

ich habs getan. noch vor der selbst aufgelegten enthaltsamkeit was getrunken. war auch zu schwer: am sonntag in der StäV gewesen. ich mich kaum hingesetzt, stand da schon so eine art idee von bier vor mir (0,25l kölsch – und du dachtest, becks wär‘ kein bier…), da konnte ich dann auch nicht mehr groß erklären, dass ich ja alkoholfrei mache diese woche. und das wollte ich in dem moment auch garnicht. womit wir beim thema wären: trinken in geselliger runde gehört einfach dazu, schlimmschlimm. doch auch da gibt es grenzen. dazu bitte hier lesen:

Trinken ist nur so lange in Ordnung, wie es nicht auffällt. Im Grunde kann jeder, vorausgesetzt er verträgt einiges, sich den ganzen Abend durch Vernissagen, Stehempfänge, Opernpausen und Museumseinweihungen schlucken, Hauptsache, er bricht nicht den allgemein gültigen Code des Angeheitertseins.

für mich jedenfalls bleibts dabei: weniger ist oft mehr und mit cola kann man besser tanzen.

[wird aktualisiert, zuletzt 25. September, 13:34]

See, see how she dances
With that cigarette
In her hand
And she, she romances
Everybody
Like she can

[kasabian]

liebe frauen,
dieser brief ist längst überfällig. viel zu dringend sind die fragen, die mir auf den nägeln brennen, als dass er ungeschrieben bleibt. ich erwarte keine antworten, will nur, dass ihr wisst, was ich meine.
was soll das, warum tanzt ihr so exzessiv und einladend, lächelt uns an, tanzt uns an, wir tanzen zurück und dann – ganz plötzlich, einer eingebung folgend – springt ihr eurem freund um den hals, der die ganze zeit mürrisch an seiner bierflasche nuckelnd und irgendwie unförmig daneben stand. das, meine verehrten vertreterinnen des anderen geschlechts ist der grund, warum am ende nur noch männer selig lächelnd und in trauter gemeinschaft zu schlechter rausschmeißer-musik tanzen. das liegt eben nicht nur am alkoholgenuss, sondern bedingt einander.
das ganze ist doch nur eines von euren zahlreichen psycho-spielchen. zugegeben, nicht ganz so subversiv wie die frage ob ihr eigentlich zu dick seid („aber nein, schatz! wie kommst du denn nur darauf? lass uns mal in den zoo gehen, habe gehört, die elefanten haben nachwuchs bekommen!“). diese spielchen beginnen schon vor der beziehung, entfalten dann ihre ganze pracht nach drei wochen und dauern selbst nach erfolgreicher beendigung noch jahre an. muss das sein, gehts nicht auch mal ohne? vielleicht seid ihr ja so genetisch programmiert und ihr könnt nicht anders, keine ahnung. aber zumindest wäre es schon ein anfang, wenn ihr diese spielchen wenigstens ab und zu unterdrücken könntet. denn nichts ist schlimmer als ein unüberlegtes OK! auf die ansage: „ach du, ich weiß, wir haben diesen abend mit deinen freunden schon vor wochen ausgemacht, aber geh du nur alleine, ich fühle mich heut‘ nicht so, werde vielleicht ein buch lesen und dann schlafen gehen…“
und ohne mich der vermutung auszusetzen, über nacht plötzlich schwul geworden zu sein, behaupte ich jetzt einfach mal: männer sind die besseren frauen. zumindest beim allwöchentlichen tanztee. wenn da nicht dieses lächeln auf euren lippen wäre….

das erste mal seit wochen wieder einen freien vormittag. zeit also, ganz witzige und komplett andere dinge zu machen als sonst: aufräumen, abwaschen, körperpflege, bloggen, alte bohrlöcher mit papierkügelchen stopfen, frühstücken, ein backup der wichtigsten daten, die hausverwaltung mit der fehlerhaften nebenkostenabrechnung konfrontieren, weltfrieden schaffen, endlich die unterlassungserklärung gegenüber dem berliner zoo unterschreiben („nein, die ziegen im streichelgehege stinken nicht“), decke streichen, die beteiligungsstruktur der metro-gruppe näher unstersuchen, den newsletter von bol.de abbestellen,…

berlinblueskyline

das naheliegendste ging leider nicht: ausschlafen. dafür gabs einen morgendlichen spaziergang durch den wedding. früh am tag zeigt der problembezirk sein jungfräuliches antlitz: die unterschicht trinkt sich mit plastikbecher-kaffee nüchtern und fit. es sind mehr knallgelbe spongebob-rucksäcke zu sehen als bierflaschen. und der frust der straße hat sich in die autos der mittelschicht zurückgezogen weil schlecker gerade eine lieferung bekommt. die prinzenallee staut sich bis pankow… nur die busfahrer bleiben gelassen und sind wie immer. die herbstsonne zaubert lächeln auf die gesichter der nachbarn und das leben im wedding macht wieder spaß.

absoluter soundtrack des morgens