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Unendlicher Spaß [824/1545]

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Buchcover invers Unendlicher Spaß

es geht ja unter anderem um heranwachsende in der ETA, einer tennis-sportschule. und die spielen in ihrer freizeit eschaton, a fictional geopolitical game played on four contiguous tennis courts (#). ab S.464 ((alle Seitenzahlen beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe bei Rowohlt, 2011)) sind wir beim spiel am interdependenztag, J.d.I.-U. dabei, was in der folge ziemlich ausartet und konsequenzen nach sich zieht. das tolle dabei, The Decemberists haben das im musikvideo ‘Calamity Song’ verwurstet (via).

  1. auf S.199 ist eine E-Mail abgedruckt, ein versicherter beschreibt einen unfall mit einem flaschenzug. diese ist nahezu identisch mit der von Manfred Krug rezitierten story auf dem schon angejährten Live-Mitschnitt ‘Jazz Lyrik Prosa’. hat wallace hier geklaut? oder bietet sich diese absurdität einfach an? nein, hier steht, dass es auf Jean Charles zurückgeht und sich wallace und krug nur bedienten.
  1. auf S.405 ist von der ringelpiezeria die rede, das gemeinschaftliche essen nach einem anstrengenden tennis-turnier – eine großartige neuschöpfung von übersetzer ulrich blumenbach.
  1. weil es keine fernsehwerbung mehr gibt, mussten die konzerne sich andere werbeformen einfallen lassen, es wurde der gregorianische kalender abgeschafft und die jahresbezeichnungen gesponsert ((Jahr des Whoppers, …des Tucks-Hämorrhoidensalbentuchs, …der Dove-Probepackung, …des Perdue-Wunderhuhns, … der mäuschenstillen Maytag-Spülmaschine, …des Yushityu 2007 Mimetische-Auflösungs-Patronensicht-Hauptplatine-Leicht-Zu-Installieren Upgrades Für Infernatron/InterLace TP-Systeme Für Heim, Büro oder Unterwegs (sic!), …der Milchprodukte aus dem Herzen Amerikas, … der Inkontinenz-Unterwäsche, …des Glad-Müllsacks)) – auf S.530 erfahren wir, dass die freiheitsstatue in new new york city (sic!) jedes jahr ein anderes produkt in der hand hält.
  1. “Der Schlüssel zur erfolgreichen Verwaltung einer Juniorentennis-Academy der Spitzenklasse liegt in der Kultivierung einer Art inversem Buddhismus, einem Dauerzustand der Totalen Sorge.” (S.653)

  1. [Eine der Erkenntnisse, die man gewinnt, wenn man ein wenig Zeit in einer Entzugsklinik verbringt:] “Dass ‘Hinnehmen’ meistens vor allem eine Frage der Müdigkeit ist” (S.295)

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Unendlicher Spaß [676/1545]

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Buchcover Unendlicher Spaß Paperback

wahnsinn. ich bin noch nichtmal bei der hälfte angelangt, aber doch ziemlich süchtig nach dem buch. der grund auch, warum zur zeit nicht viel passiert. seit zwei monaten, ich muss echt mal an meinem lesetempo arbeiten. wobei ich zweifle, nach diesem ziegelstein andere bücher überhaupt noch ernst nehmen zu können. meine umgebung ist wohl auch schon ein bisschen angenervt von meinen erzählungen aus dem buch. #hach. ich kanns nur empfehlen, es wird euren blick auf die welt schärfen, am anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber mit der zeit gewinnt es an fahrt. um einen eindruck vom inhalt zu gewinnen, eine zusammenfassung der ersten zweihundert seiten:

[JAHR DES GLAD-MÜLLSACKS]: Harold “Hal” Incandenza ist 18 und Tenniswunder und sitzt vor einer Immatrikulation-Kommission, es kommt der Verdacht auf, dass er geschummelt haben könnte. Weil er superkluge Essays schrieb und lauter abnormal gute Noten hat. Und weil seine Verwandtschaft in seiner alten Schule arbeitet. Als er sich erklären will, verstehen wir Leser zwar seine Sätze, bei der Kommision kommt aber nur Geblubber und wildes Gestikulieren an. Sie sind so erschrocken, dass sie ihn erstmal einweisen. Ob es mit dem Schimmelklumpen zusammenhängt, in den er als Kind herzhaft hinein gebissen hat?

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Ein Abhängiger wartet in seiner Wohnung auf die Lieferung einer unerhörten Menge Dope. Mit dieser will er sich vier Tage lang einschließen und sie wegdampfen. Dumm nur, dass die Lieferung lange auf sich warten lässt. Er hat sich auch fest vorgenommen, danach mit dem Kiffen aufzuhören. Das hat er sich allerdings schon oft gesagt. Es folgen viele Überlegungen und Wendungen, kurz: die ganz normalen Psychosen Abhängiger. Am Ende klingeln Telefon und Tür gleichzeitig.

[1. APRIL – JAHR DES TUCKS-HÄMORRHOIDENSALBENTUCHS]: Hal muss zur Konversation mit seinem Vater (“Er Selbst” – seine Mutter nennt er “Die Moms”).

[9. MAI – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Kurzes Gespräch zwischen Hal und Mario kurz nach dem Aufstehen.

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Die Geschichte des Gesundheitsattaches Und der Abend, an dem er alleine zu Hause ist und eine merkwürdige Filmpatrone in der Post findet.

[JAHR DER DOVE-PROBEPACKUNG]: Merkwürdige Story um Wardine, Reginald, Dolores Epps, Clenette, Roy Tony, Columbus Epps.
Und die Geschichte von Bruce Green und Mildred L. Bonk, die sich in der High School kennen lernen und am Ende zusammen ziehen in einen Wohnwagen mit Tommy Doocey.

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Gespräch zwischen Hal und Mario kurz vor dem Einschlafen über den Tod ihres Vaters.

[8. Oktober – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Ein Tag im Leben des Orin Incandenza, Hals Bruder. Eine Nachricht von der Bekanntschaft der letzten Nacht (“das Subjekt”), ein Vogel stürzt in den Pool

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Hal ist 17 und kifft heimlich im Gebläseraum. Es geht ganz allgemein um Drogenkonsum an der ETA. Die Frau des Gesundheitsattaches findet ihn, auf den Film starrend.

[HERBST – JAHR DER MILCHPRODUKTE AUS DEM HERZEN AMERIKAS]: Die Geschichte vom Einbruch des Drogensüchtigen Don Gately in das Haus des stellvertretenden Bezirksstaatsanwalts

[3. NOVEMBER – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Jim Troeltsch, 17 erkrankt kurz vor dem Training, Fieberträume.

[AB DEM JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Die Geschichte von Dr. James O. Incandenza, dem Gründer, Filmemacher und Vater.

[DENVER (COLORADO), 1. NOVEMBER – JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Orin ist Darsteller in einem Werbefilm, könnte auch ein Traum oder ein Trip sein. Ein weiterer Traum und/oder Trip:

Der Schiedsrichter flüstert Aufschlag Bitte. Wir beginnen eine Art Spiel. Aber irgendwie bleibt alles spekulativ. Selbst das »wir« bleibt Theorie: Durch die Umstände der Partie bekomme ich meinen fernen Gegner nie richtig zu sehen.

[JAHR DER INKONTINENZ-UNTERWÄSCHE]: Kate Gompert, 21, liegt nach einem erneuten Suizidversuch im Krankenhaus, es folgt die Beschreibung einer Visite.

Ich wollte mir nicht wehtun. Ich wollte mich umbringen. Das ist doch wohl ein Unterschied.

Und die Geschichte von Gerhardt Schtitt (“Cheftrainer und sportlicher Direktor an der ETA”), seine Gespräche mit Mario.


danach habe ich aufgegeben, den inhalt nachzuerzählen, lese lieber. entschuldigt also, wenn es so ruhig um mich ist…

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Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

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großartiges im kleinsten: eine miniaturwelt, beschrieben vom meister der fussnote. eine woche kreuzfahrt und am ende ist man ein anderer mensch. bizarre situationen, detailiert und blumig beschrieben, offenbaren den ganzen wahnsinn der us-amerikanischen gesellschaft. kann man gar nicht beschreiben, muss man selber lesen. ob es große literatur ist? keine ahnung, aber es ist gut. und das genügt doch, oder?

[xrr rating=9/10]

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Der Besen im System

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[5%]
während alle welt gebannt auf Unendlicher Spaß: Infinite Jest wartet*, lese ich ein älteres buch vom selben autor (David Foster Wallace). viel ist noch ncht passiert: die mädels sitzen nur rum und quatschen, gerade sind die beiden jungs vom anderen college ins zimmer gekommen.
*es gibt auch einen blog von autoren, die das buch gerade lesen. (via)

[11%]
jetzt ist auch noch die urgroßmutter verschwunden und lenore kommt zu spät zur arbeit. interessant und ungewöhnlich die beschreibung der stadt, deren grundriss wie eine schauspielerin aussieht und die piloten ablenkt.

[22%]
eine wüste in ohio ist geplant und mattel baut auch richtige autos, beim psychiater gibt es fahrbare stühle für die patienten – es wird teilweise echt absurd. dazu die geschichte um lenore und ihrer verschwundene großmutter. sie ist mit ihrem chef rick zusammen, der auch eine psychomacke hat. gerade hat der fette mann seine eigene weltsicht erklärt und seinen plan dargelegt, immer fetter zu werden.
dieses buch ist großartig. nicht nur die geschichte und kleinen geschichten. auch die wechselnden erzählformen, der absolut flüssige stil und sprachwitz, der auch in der übersetzung von Marcus Ingendaay wenig eingebüßt hat.

[61%]
viel zeit ist noch nicht vergangen im buch. die urgroßmutter bleibt verschwunden. ein paar hinweise gibt es, aber das ist eigentlich gar nicht wichtig. wir taumeln mit lenore und rick durch die geschichte und erfahren dabei allerlei kurioses: über ihre familie, über ihren bruder la-vache, den antichristen und wang-dang. nacherzählen kann man das eigentlich alles gar nicht. streckenweise wird es echt absurd und dann wieder philosophisch, etwa wenn der kiffende bruder wittgenstein erläutert oder vlad der pfähler, ein vogel, plötzlich plappert.
selten habe ich so schnell ein buch verschlungen, selten habe ich so viel gelacht beim lesen. und öfters blättert man zurück, um auch ja kein detail und die nächste unwahrscheinliche querverbindung zu verpassen.

[75%]
aus der SPON-kritik von 2004:

“Darin erinnert Foster Wallaces Schilderung an das modernistische Meisterwerk “Ulysses” […] Wallaces “Besen” ist ein Produkt der TV- und Kabel-Fernseh-Ära: diffus, bunt, intensiv, eine Orgie des Zappings.”

und da muss man jetzt ein bisschen aufpassen, immerhin wurde das buch 1987 geschrieben, die deutsche übersetzung ist fast 20 jahre später erst erschienen. trotzdem finde ich es zeitlos und ungefähr auf der ebene von couplands generation x. ein modebuch also für die MTV-generation, wie der spiegel das will? ich weiß nicht, dafür ist es zu intelligent und witzig und passt auch heute noch. die technischen details der telefonanlage sind irrelevant, aber da ist man schnell drüber weg. und es wird auch nur telefoniert, von internet ist keine rede. aber darum geht es gar nicht.

ich glaube, der psychologe ist an allem schuld. er macht die beziehung der beiden kaputt, mischt sich ein und hilft kein bisschen weiter. seine methoden sind fast schon genial. ob das wirklich so ist? ich war noch nie beim psycholgen und ach der lektüre verspüre ich auch keinen großen bedarf.

jedenfalls geht es nun auf die letzten seiten zu, es bleibt spannend…

[100%]
tja und irgendwann ist dann auch mal schluß mit diesem buch. sehr abrupt und unerwartet und der leser bleibt verstört zurück. klar, es gibt einen großen showdown und auch die story klärt sich ein bisschen oder wird zumindest angedeutet. eine auflösung, eine erklärung muss man sich schon selber zusammen reimen. das ist hart und nicht unbedingt im sinne des lesers. ein romanfragment eher, so ähnlich wie bei franziska linkerhand von brigitte reimann, das ich irgendwann auch mal besprechen muss… aber zurück zum wallace: sollte man es nun gelesen haben? ich gebe zu, meine ersten einträge waren da optimistischer und euphorischer. nun, ein paar tage, nachdem ich es ausgelesen habe, bin ich da schon skeptischer. denn an vielen stellen fühlt man sich als leser unpassend. und man blättert umher und sucht den roten faden. aber vielleicht ist das auch absicht. einige sachen sind auch irgendwie unnötig und verwirren zusätzlich. vielleicht liegt es auch am für bücher biblischen alter von 25 Jahren, eventuell hat es sich schon überlebt.
aber empfehlen würde ich es trotzdem. beim nächsten mal dann aber im englischen original.

[xrr rating=8/10]