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#b2908

sicherlich waren gestern nicht alles nazis und schwurbler auf den beinen. man darf, muss und soll die coronamaßnahmen der bundesregierung kritisch hinterfragen. was im märz aufgrund fehlender fakten beschlossen wurde, muss im august nicht unbedingt richtig sein. lockerungen und ein warmer sommer haben den anschein erweckt, der virus sei doch gar nicht so schlimm und die maßnahmen überzogen. nun kommt der herbst und wir werden sehen. ich will und kann das nicht bewerten, dafür gibts experten und wissenschaftler, auf die wir endlich mal hören sollten. gewißheit gibt es nicht, vorhersagen sind auch nach monaten immer noch schwierig. ich verstehe die kritik, auch mich nervt maske und fehlende veranstaltungen. persönlich bin ich darüber hinaus nicht betroffen, habe keine einnnahmeeinbußen oder -ausfälle. andere sind stark betroffen, bis hin zu existenzieller not. gefühle wie wut, enttäuscheung, angst, kann ich nachvollziehen. hinzu kommen die unterschiedlichen signale der politik – hier stört der förderalismus, in dem jedes bundesland eigene entscheidungen trifft. rettung von großen unternehmen wie lufthansa stehen unzureichenden geldern für einzelunternehmern gegenüber. anderseits gab und gibt es schnell und unbürokratisch hilfen. auch hier natürlich gibt es schwere einzelschicksale, keine frage. und das alles nur, damit menschenleben gerettet werden. wir werden nie erfahren, was in D. passiert wäre, hätte es die maßnahmen nie gegeben. ein blick auf die todesraten in usa und brasilien jedoch lässt zumindest erahnen, dass es hierzulande anders gekommen wäre. so einfach ist das. ein spiel mit vielen unbekannten und unbekannten ausgang. nicht beherrschbar und unübersichtlich. man kann dagegen sein, klar. man kann dagegen demonstrieren, naklar. seinen unmut heraus schreien. ob man dazu die reichskriegsflagge braucht und den reichstag stürmen muss – zweifelhaft. ob man wegen hygieneschutzgesetzen und maske das system infrage stellen und gewaltsam stürzen sollte? nun, es wurde schon wegen weniger geputscht in der geschichte, aber naja. wenn wir uns die bilder der demo anschauen, dann sehen wir frustrierte menschen, aggressive menschen. sie schreien und brüllen und erinnern an pegida. wir sehen aber auch familien und hippies und ökos und regenbogenfahnen. ein breites bündnis, vereint im kampf gegen ein virus, an das sie nicht glauben? manche möchte man in den arm nehmen und trösten, andere schüttlen und mit den aggros, naja, lieber nichts machen. die relativ kleine teilnehmerzahl spricht derzeit noch für wenig akzeptanz in der bevölkerung, im umkehrschluss ist der großteil der bevölkerung also vernünftig. die frage ist, kippt das irgendwann? ist das, was wir gestern gesehen haben, die zukunft deutschlands? wollen wir das? wissenschaftsverweigerung und kaisertreue? oder ebbt das wieder ab, wenn eine kritische menge auf der intensivstation liegt? wo waren vernunft und rationalismus gestern?

Tag 11

seit 11 tagen nun zu hause, es gibt neben arbeit nur einkäufe und spaziergänge. viel hat sich nicht geändert, man trifft sich abends online, wäscht sich öfter die hände und achtet auf abstand. einschränkungen – welche einschränkungen? anderen gehts da anders, in jobs, in denen es kein homeoffice gibt, die überstunden häufen, die über ihre kapazitäten arbeiten, meist weiblich und schlecht bezahlt. als dank gibts abends applaus. die krise ist auch eine erzählung über klassenunterschiede und über arbeit im allgemeinen. wie relevant und wichtig ist dein job, wenn es drauf ankommt. ich selbst kann wenig dazu beitragen aktuell, außer hier rumzumeinen.

die welt im krisenmodus wird uns noch lange danach beschäftigen und das danach müssen wir gestalten. ähnlich wie 9/11 ist dies eine zäsur und es wird in den erzählungen der menschen immer ein „davor“ und „danach“ geben. wir sehen aktuell erhebliche einschnitte in persönlichen freiheiten, durchgesetzt von einer regierung im ausnahmezustand und einer polizei, die mancherorts übers ziel hinausschießt. telefondaten, die weiter gegeben werden. was passiert mit den schwachen, den menschen ohne pass, ohne wohnung, es ist zum aufschreien.

neben sämtlichen medizinischen aspekten ist vor allem der wirtschaftliche interessant. können wir nachher so weiter machen oder gibt es tatsächlich änderungen?

bleibt gesund!


hilfreiche links:

tag 3

tag 3

homeoffice und freiwillige isolation mit dem kinde, nur zum einkaufen oder spazieren raus.

es ist komisch, wenig menschen um sich zu haben, keine flachen witze machen zu können

in wenigen tagen hat sich vieles verändert und es wird sich noch mehr ändern.

gleichzeitig wissen, viel privilegierter zu sein. nicht tauschen wollen mit den pflegern und ärzten und anderen plötzlich systemrelevanten menschen.

nicht wissen, wie lange noch. nichts machen zu können, nichts machen zu sollen.

literatur in zeiten der seuche

da ich gerade das hoerbuch zu wolfgang herrndorfs ‚Arbeit und Struktur‘ hoere, der buchausgabe seines blogs, das er vor allem waehrend seiner krebserkrankung schrieb, laeft das thema coronavirus Sars-CoV-2 eher nebenher. zwischen panik und hysterie, angenommenen und faktizitaet verschwimmt die wahrheit. was ist dran am hype, muessen wir uns sorgen machen oder meiden wir menschenmassen und lehnen uns entspannt zurueck?

rein mathematisch ist uns italien acht tage vorraus, heute haben sie dort einen lockdown verordnet, die boersen brechen zusammen. einerseits. anderseits haben wir eines der umfangreichsten gesundheitssysteme, fuer die USA sehe ich schwarz, da wirds noch dicke kommen. aber so ist das in zeiten der unsicherheit: man weiss es einfach nicht. unknown unknown. die lieferketten waren zu knapp konstruiert, es wird zu engpaessen und knappheit kommen, sind wir darauf vorbereitet? die regierung jedenfalls ruft schon den sozialismus aus.

oder ist alles nur panik und in ein paar tagen ist alles vorbei?