das irre seiner taten war ihm durchaus bewußt, jedoch tat er genau das, weil er keine lust verspürte, alternativen in betracht zu ziehen. eigentlich war es ihm auch egal. da lebte er lieber mit den meist unbequemen konsequenzen, als mit geistigem aufwand im vorfeld.

image
blick in die kaffeetasse (leer)

heute war auch wieder so ein tag. am abend fühlte er nichts als leere und dieses unangenehme. nur war ihm selbst das egal und er starrte glasig und teilnahmslos in seinem dürftig und lieblos eingerichtetem zimmer umher. leblos und unnütz kam er sich vor. was er im grunde nicht war, wohl wissend. es gab so viel zu tun, dich stand er sich meist selbst im weg und es wurde nichts daraus.

image
jannowitz, treppauf

morgen würde er das nochmal überdenken, überlegte er sich. da ändere sich alles, ja. er hatten einen plan und konnte zufrieden ins bett gehen. selig schlummernd schlief er ein.

als jannowitz ungefähr sieben stunden später aufwachte, war er nicht nur ganz woanders, sondern auch jemand anders. und in wahrheit waren auch keine sieben stunden vergangen, sondern eine abstrus andere zeitspanne, bei deren berechnung ein bestimmter winkel eine nicht unerhebliche rolle spielt. jannowitz‘ gelenke quietschten obszön metallisch, wenn er sie bewegte, was er vermied, denn die schmerzen dabei waren unerträglich. auf eine gewisse diabolische weise empfand er dabei jedoch eine befriedigung, fast schon sexueller natur. unnötig zu erwähnen, dass ihn die situation irritierte.

image
jannowitz, noch treppauf

von all‘ dem hatte herr müntel keine ahnung, als er spätabends mit der ubahn nach hause vor. er blickte ausdruckslos in die ausdrucklosen gesichter der mitreisenden und dachte an gar nichts. die ubahn rumpelte rhythmisch durch die nacht. sie hielt, türen zischten auf und wieder zu, leute stiegen ein und aus. an seiner station stieg herr müntel aus, wie mechanisch bewegte er sich richtung ausgang, das war sein weg, das hatte er schon tausendmal gemacht.

Eigentlich wollte sollte hier ein Beitrag stehen über den aktuellen Nahostkonflikt und über den Tatort letzten Sonntag. Ein Pamphlet gegen die Ignoranz und Unmenschlichkeit. Ein Rundumschlag. Gegen alle Beteiligten. Weil es keinen Sinn macht, Partei zu ergreifen. Die Wörter gären nur so in mir und wollen aufgeschrieben werdern. Und je mehr ich darüber lese, je mehr Nachrichtenbilder ich sehe, desto höher steigt die Wut. Wut über so viel Intoleranz, über die verquere Logik von Religionen. Und Wut auch über die eigene Machtlosigkeit. Aber meine Wut hilft niemandem (genausowenig wie meine Worte jemandem helfen). Immerhin geht es nicht nur mir so.

Was aber hingegen in diesem sogenanntem Internet zu lesen ist an so manchen Stellen übersteigt dann doch die Vorstellungskraft. Bitte aufschreiben: Islamophobie ist Rassismus. Kritische Auseinandersetzung jedenfalls geht anders. Ich verzichte jetzt auf Links, muss ja nicht sein. Aber ich schäme mich für so viel geistigen Dünnschiss in den Blogs und Foren. Geht mal wieder raus. Das hilft.

Daß alles ganz schön kompliziert ist mit uns, merkte ich schon am Teilchentresen eines türkischen Bäckers, als ein farbiger deutscher Schüler seinen Kumpel im Rücken nach Ansicht der Auslage hauptsächlich deutschstämmiger Backwaren informierte: „Hm, keine weißen Amerikaner mehr da.“ (browserboy)

dieser satz gewinnt an bedeutung je öfterer man ihn liest. ausdrucken! übern monitor hängen!