Schlagwortamerika

In the State of Pistolero – Hellride (2008)

Pistolero: Where’s Comanche?
The Gent: He’s over there taking a piss. He doesn’t wanna get any dust on his dick.
Pistolero: Something is rotten in the State of Pistolero

boah, groß angekündigt als tarantino-film und hat der großmeister hier nur produziert. meh. so nicht, marketing-abteilung! jedenfalls geht es um biker, rache und gewaltexzesse und natürlich auch ein paar frauen, die hier aber fast nur deko sind. im stil von easy rider und konsorten fährt man durch die wüste USA (es regnet nie, man muss nicht tanken und das moped geht nur kaputt, wenn man die kollegen in einen hinterhalt locken will) und mordet und übt gerechtigkeit. denn die gewaltspirale muss sich drehen, sonst macht das leben keinen spaß. man redet sich natürlich mit irrwitzigen decknamen an fährt die ganze zeit ohne helm. man ist böse und gesetzlos.
die charaktere sind leider ein bisschen eindimensional, die story künstlich kompliziert durch zahlreiche zeitsprünge und rückblenden und überhaupt wünscht man sich ein bisschen mehr tiefgang.

nunja, nett. aber machete ist besser.

Pistolero: Which asshole are you bettin‘ on?
Dani: I’m bettin‘ you’re a bigger asshole than the two of them put together
Pistolero: I’ll drink to that.
Dani: To the president of assholes.

[xrr rating=3/7]

Ostrock

Denkt mal ein paar Zahrzehnte zurück. 80er Jahre. DDR.
Der Aufstand gegen die Regierung wird immer stärker. Auch in der Musik ist dieser Trend zu spüren was zu vielen sogenannten Berufsverboten führte.
Es gab damals eine Menge guter Bands, die den Ost-Rock geprägt haben. Renft, City, Silly, Karat, Berluc, Electra, Stern-Combo Meißen, Keks und auch die Puhdys.
Viele dieser Bands gibt es heute nicht mehr und/oder kaum einer kennt sie mehr. Für mich Grund genug, mal wieder etwas für die Populartät dieser Musikrichtung, die mir ziemlich am Herzen liegt, zu tun.

Da man sich ja mit freier Meinungsäußerung in der DDR etwas schwer tat, wurden heikle Themen wie die Flucht aus der DDR sehr geschickt mit vielen Metaphern in den Texten versteckt, so dass der typische Jugendliche von heute Probleme hat sie überhaupt zu verstehen (wenn er zufällig mal über Ostrock stolpern sollte).
Besonders gut gefallen mir die Texte der Klaus-Renft-Combo.

Ketten werden knapper
Und brechen sowieso
Wie junger Rhabarber
Wie trockenes Stroh
An der Hand des Riesen
Der tausend Nasen hat
Der braucht nur zu niesen
Und wendet das Blatt

Ketten werden knapper – liebe Regierung, das Eis wird dünner, ihr könnt uns nicht alle wegsperren, wir lassen uns nicht alles gefallen.
Der Riese, der tausend Nasen hat und nur zu niesen braucht um das Blatt zu wenden – hier dürfte das Volk gemeint sein, dass nur mal auf die Barrikaden gehen muss, um etwas zu verändern.

Singt für alle, die alles wagen
Für die Leute in Vietnam
Die riskieren nicht nur ihren Kragen
Die planieren den braunen Schlamm

Gegen den braunen Schlamm. Nazis in Vietnam. Amis sind Nazis? Spekulationen…
Da kann man auch viel hineininterpretieren aber das sind wirklich tolle Texte. Und die Musik dazu ist auch nicht schlecht.

Hier noch ein Text, der auf die Melodie von Neil Youngs Lied Helpless gesungen wird. Herrlich.

Hier steh ich, seh die Sterne,
blau, blau Glas dahinter.
Leicht schwebt ein Schatten
über die Erde, an der ich klebe.

Vater Vogel fliegt den Seinen
Freisein über den Felsen vor,
der gelbe Mond gibt sein ganzes Hell
so ich sehe – Machtloser –

Steh ich
hilflos, hilflos, hilflos, hilflos.
He, Träumer, hörst du mich?
So viele Tore sind uns versperrt.
Vater Vogel fliegt die Freiheit vor

Ich will euch jetzt nicht mit noch mehr Texten bombardieren, aber diese beiden musste ich einfach in den Artikel reinfummeln.
Hört es euch einfach mal an. Viellecht gefällt es ja dem einen oder anderen. Diese tolle Musik darf nicht in Vergessenheit geraten.

Wenn es ihnen gefallen hat erzählen sie es weiter, wenn es ihnen nicht gefallen hat behalten sie es für sich.

Da Youtube bei dieser Musik ziemlich versagt, stelle ich Interessierten gerne Hörproben einiger musikalischer Perlen zur Verfügung.

Filmkritik: Transsiberian (2008)

„With lies, you may go ahead in the world, but you may never go back.“

Wir müssen reden. Über einen Film, dessen Marketing komplett daneben ging und die falsche Zielgruppe ansprach. Als ich den Trailer vor ein paar Wochen sah, da dachte ich noch pft! – watt ein doofer film aber auch, den schau ich mir ganz sicher nicht an.

Aber als mich dann gestern die Lieblingsmitbewohnerin überredete, dann ging ich eben mit. Und ich muss sagen, Transsiberian ist großartig. Obwohl Woody Harrelson eine der undankbarsten Rollen ever spielt: Einen drolligen gläubigen US-Amerikaner, der bis zuletzt nicht die Story kapiert. Und Ben Kingsley spielt einen abgebrühten Russen, wie ihn nur Ben Kingsley spielen kann. Und eigentlich sind es die Frauen, die diesen Film voran treiben, die Story immer wieder umdrehen und den Zuschauer verblüfft und entnervt im Kinosessel zurück lassen.

Übrigens geht es auch ein bisschen ums Fotografieren. Aber nur ein bisschen. Die Hauptrolle spielt eine Eisenbahn und die Story ist eine belanglose Drogengeschichte mit Happy End. Gewürzt mit großartigen sibirischen Außenaufnahmen und alten Omas.

Schaut ihn Euch selber an, es lohnt sich!

aufgeschrieben

Daß alles ganz schön kompliziert ist mit uns, merkte ich schon am Teilchentresen eines türkischen Bäckers, als ein farbiger deutscher Schüler seinen Kumpel im Rücken nach Ansicht der Auslage hauptsächlich deutschstämmiger Backwaren informierte: „Hm, keine weißen Amerikaner mehr da.“ (browserboy)

dieser satz gewinnt an bedeutung je öfterer man ihn liest. ausdrucken! übern monitor hängen!

zurückbleiben, bitte!

Thilo Sarrazin, Finanzsenator und ausgewiesener Experte in finanzieller Lebensgestaltung hat sich verzockt. Ein paar U-Bahnen und Straßenbahnen der BVG hat er verkauft an windige Amerikaner. Dann mietete er sie wieder zurück. Und ein paar ulkige Wertpapiergeschäfte liefen auch noch. Deren Wert geht aber im Zuge der Finanzkriese nun gegen null. 157 Mio. Euro futsch, sagt die Morgenpost. Schon jetzt werden Rufe laut, Herr Sarrazin müsse gehen. Dann würde er wahrscheinlich von H4 leben müssen, aber das kann er ja ganz ausgezeichnet.

angeschaut

umweltschutz geht uns alle an! – dieser satz hat sich fest in mein hirn gebrannt. und so habe ich ein schlechtes gewissen, wenn irgendwo noch eine normale glühbirne brennt, wenn leute ihren müll nicht trennen oder wenn die klospülung ohne spülstopp arbeitet. lieber friere ich als die heizung aufzudrehen und verzichte auf ein auto. trotz allem wird der regenwald abgeholzt und die amerikaner fahren überdimensionierte autos. zum gelebten ökofaschismus gehören auch regelmäßige informationsabende und -filme. und so gabs gestern al gores unbequeme wahrheit.

al gore redet viel. am liebsten über sich selbst. wie er mal fast präsident der usa wurde. über seine kindheit. und wie er als student dem co2 den kampf angesagt hat. er informiert seitdem über die globale erwärmung und deren folgen. dazu reist er um die welt und hält vorträge, redet mit experten und macht allerlei noch mehr solcher sachen. wahrscheinlich verfügt er über mehr powerpoint-folien als der gesamte microsoft-konzert. das ist löblich und es gibt wohl kaum einen zweiten menschen auf dieser unserer welt, der so konsequent und öffentlichkeitswirksam für den klimaschutz kämpft. er bedient sich dazu eines gut geschmierten pr-apparates. in der vergangenheit wurden auch noch mehr ungereimtheiten öffentlich. nichts dagegen zu sagen, der zweck heiligt schließlich die mittel.

doch der film begeht in meinen augen einen schwerwiegenden fehler: er ist zu sehr usa-zentriert. zwar wird china als weitere dreckschleuder erwähnt, doch es gibt schließlich auf der ganzen welt genug ökosünden. al gore denkt noch zu sehr nationalstaatlich: die usa sollten das uns das, die amerikaner sollten mehr strom sparen und weniger benzin verheizen. undsoweiter. doch globale erwärmung hat nicht nur globale auswirkungen, sondern auch globale ursachen. denn wie war das? umweltschutz geht uns alle an!

ansonsten netter film, wenn auch ein bisschen zu moralistisch. ich trenne jetzt noch ein bisschen müll…