Artikel mit "alltag" Tag

alles wie immer anders #1

Schlecht gelaunt löffelte und kaute Frau Brettschneider an ihrem Müsli, starrte dabei auf ihren Bildschirm, legte den Löffel in die Schale und schob ihre Maus herum, klickte hier und da, löffelte wieder, kaute. Es war ein verregnter Tag im frühen November, den ganzen Vormittag schon hatte sie schlechte Laune. Das Müsli war zu bitter, der Joghurt nicht mehr ganz frisch und die verschrumpelten Apfelstückchen machten alles nur noch schlimmer. Wieder Mausbewegungen, Klicken. Ihr gegenüber saß Herr Müller, wie jeden Tag ärgerte er sich über ihre Essgeräusche. Er hasste das, konnte sich nicht konzentrieren, ihr schmatzendes Kauen machte ihn aggresiv. Er starrte auf seine Tabellen, es verschwamm alles vor seinen Augen, an Arbeiten war gerade nicht zu denken. In diesen Situationen malte er sich aus, wie er über den Schreibtisch springt und sie in einem Anflug roher Gewalt zum Schweigen bringt. Es würde ganz schnell gehen, vielleicht mit der Schere, die auf seinem Schreibtisch liegt. Eine einzige Bewegung und ratsch. Dann Schreie, Blut, hereinstürzende Kollegen, das ganze Programm. Aber vielleicht hätte er dann seine Ruhe. Unmerklich schüttelte er sich, verwarf den Gedanken und versuchte sich erneut zu konzentrieren. Schmatzen, Klicken. Löffel trifft Schale. Seufzen, Ausatmen. Frau Brettschneider schob sich mit ihrem rollenden Bürostuhl geräuschvoll vom Schreibtisch weg, stand auf und brachte die Schale mitsamt Löffel in die Küche. Kurze Ruhe, Ausatmen. In der Küche stand Meyer beim Kaffeeautomaten, wartete auf seinen Nachschub an Koffein, man grüßte sich. Er hatte wieder diesen Blick und neue Widrigkeiten aus seinen Projekten mitzuteilen, sie ahnte es, es war immer das Gleiche. Er hob an, wollte sie in ein Gespräch verwickeln, ihr vielleicht neue Aufgaben zuschieben, die er eigentlich schon letzte Woche hätte gelöst haben sollen. Sie hatte einen guten Draht zum Chef. Das nutzte er regelmäßig aus. Stumm lud sie ihre Schale in den Spüler, vermied Blickkontakt und glaubte sich bereits aus der Küche, als er anhob und vorschlug, das neue Projekt Herrn Müller verantworten zu lassen. Nun konnte sie nicht anders, hielt in ihren Bewegungen inne und sah ihn fragend an. Alle waren davon ausgegangen, das neue Projekt würde er, Meyer, sich an Land ziehen und dann die Aufgaben verteilen. Aber die Verantwortung abzugeben, das passte nun gar nicht zu Meyer. Frau Brettschneider fielen nun vor Schreck auch keine Gegenargumente ein, so verwirrt war sie, stimmte zu, das dem Chef vorzuschlagen und kehrte grübelnd zu ihrem Platz zurück.

Bilder von Autos in Berlin und anderswo

Mercedes im Wedding - Februar 2007
Archivbilder: nach den mofas, den fahrrädern nun autos, das musste ja so kommen. obwohl ich selbst keins hab’ und will, faszinieren sie mich – vor allem alte, chromeblitzende autos. weil sie geschichte(n) erzählen. so ein alter mercedes ist immer auch ein spiegelbild der damaligen gesellschaft. gehts euch da eigentlich genauso?

merkwürdige phänomene des alltags #4

das thema prokrastination ist bekannt, klar. kennt jeder. die ursachen sind vielfältig. an mir selbst beobachte ich immer wieder das aufschieben von wichtigen aufgaben. meistens habe ich keine lust. aber manchmal mache ich auch dinge nicht, weil ich mir dafür zeit nehmen will. ich will die aufgabe mit besonderer sorgfalt erledigen, besonders gründlich, toll und zu 150%. und so verschiebe ich es immer weiter. bis es nicht mehr aufzuschieben geht. oder bis es versandet ist. zum beispiel hätte ich hier noch ein interview abzutippen, was wir mal vor zwei jahren mit einer band geführt hatten. oder es gibt noch ein paar mails, die unbedingt beantwortet werden müssen, was aber nicht mit drei zeilen getan ist. bilder von irgendwelchen hochzeiten wollen auch noch bearbeitet werden…

geht euch das genauso?

Dokumentarfilm “Der Die Das” über den Alltag an Weddinger Grundschule

Die taz hat ein Interview mit Sophie Narr und im Tagesspiegel steht auch was über den Film.

“Deshalb haben wir alles auf die Augenhöhe der Kinder heruntergefahren, um das Klassenzimmer aus ihrer Sicht zu zeigen, zu erleben, wie sie dem Unterricht folgen. […] Wir haben festgestellt, dass es nicht nötig ist, die Erwachsenen zu filmen, weil sie durch ihre Worte, durch das, was sie vermitteln wollen, eigentlich immer anwesend sind. Es war viel interessanter zu schauen, wie die Kinder auf den Unterricht reagieren, ihre Gesichter zu zeigen. Ein Stirnrunzeln oder ein Grübchen können einiges erzählen.” (Sophie Narr im taz-Interview)

Heute startet der Film im FSK, nur für kurze Zeit.