...alten resten eine chance... (september 2007)

im in-szene-bezirk wedding, wo die latte-gläser nur so klirren und die selbstgedrehten (ohne zusätze!) dampfen, da vergisst man schnell, dass es auch alte leute gibt. alte leute geben muss, weil die ja aufgrund technischem fortschritt in der medizintechnik nicht so einfach verschwinden. wenn man aber den ganzen tag malochen ist, da sieht man sie nicht, weil sie morgens noch nicht auf rollator-achse sind und abends schon dem florian silbereisen an der heimischen gernsehapparatur zujubeln. jedenfalls! gestern abend stoppt mich eine rockerbraut, steinalt, mit helm und neben ihrem knallgelben roller auf und ab hüpfend. ob ich ihr nicht die zwei waschmittelpackungen nach oben bringen könnte. die waren doch so billig.

gesagt getan, das gediegene treppenhaus hoch gehechtet, ich wollte ja auch mal nach hause und überhaupt: was tue ich hier? berlin, das ist doch anonymität, da kümmert man sich doch nicht umeinander. gibt doch pflegedienste und bringdienste und verwandte und überhaupt – was geht mich fremdes leid an? aber naja, ein bisschen gute tat, das ist doch nett. übers wetter geredet, scheiße kalt, näch? aber schönes treppenhaus! ja, steht unter denkmalschutz – genau wie ich – höhö. warten sie, ich geb‘ ihnen noch was, für eine cola. nein, ist schon ok. dochdoch, jetzt warten sie. hier. und plötzlich hatte ich mir einen euro verdient, das war gar nicht meine absicht. aber gefreut hab‘ ich mich. nur: wie erklär‘ ich das dem finanzamt?

5 thoughts on “Geschichten aus einer viel zu großen Stadt pt. 19

    • der steckt noch in meiner hosentasche – ich kann ihn dem zuständigen sachbearbeiter in der finanzverwaltung auf verlangen vorzeigen – falls der sich korrekt ausweist.

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