der taz-ressortleiter bildung christian füller ist vom wedding in den prenzlauer berg gezogen, damit seine kinder nicht in weddinger kindergärten und schulen müssen*. macht das ihn und seine zeitung unglaubwürdig oder ist er nur die speerspitze einer traurigen entwicklung, in der die sozialen strukturen immer mehr kaputt gehen?


*sagte er gerade in der ARD in der sendung hart aber fair. und jetzt fragt mich bitte nicht, was ich so gucke…

4 thoughts on “achtung, treppenwitz:

  1. Jetzt mal unabhängig von der Frage, ob Herr Füller sich damit unglaubwürdig macht oder nicht: irgendwie kann ich ihn schon verstehen. Der Wunsch nach dem Allerbesten für die eigenen Kinder ist bei uns Menschen verdammt stark ausgeprägt, glaube ich. Und noch ausgeprägter ist die Angst, unseren Kindern vermeintlich schlechte Entwicklungschancen zu bieten.

    Wobei ich mich persönlich langsam frage, ob ich mein (fiktives) Kind wirklich im heimeligen Prenzlauer Berg aufwachsen lassen wollte. Fürs Leben lernt das Blag im Wedding oder Kreuzberg wahrscheinlich mehr. Und wenn ich dem Kind die harte Großstadtrealität nicht zumuten will, sollte ich gleich aufs Land ziehen.

  2. Nu ja – ich kenne eine Schulleiterin aus’m Wedding, deren Nichten und Neffen auch extra NICHT dort in die Schule gehen sollten. Aber der Ole hat natürlich auch recht. — Ich persönlich wollte nicht, dass mein (fiktives Enkel)Kind in/m Prenzlauer Berg aufwächst. DORT ist BESTIMMT nicht die Realität.

  3. danke euch beiden. so langsam sollten wir einen (gedachten) kindergarten für (fiktive) kinder aufmachen. ob das allerdings ins (gewünschte) bildungskonzept des (sozialen) berliner senats passt?

    diese frage stellen sich wahrscheinlich alle eltern. und es ist schon bezeichnend, dass die antworten so radikal ausfallen wie im fall schulleiterin-neffen und herrn taz. bezeichnend für die derzeitige bildungspolitik und die real existierenden misstände. aus eigener erfahrung kann ich aber sagen: so gruselig und gewalttätig sind weddinger schulen nicht. es kommt immer auf die maßstäbe an, die man anlegt. aber ich will hier nichts schönreden.

    und wenn man die sache abstrakter betrachtet, merkt man schnell, dass es oft so ist in der wirklichkeit, dass der persönliche anspruch und das allgemeine weltbild weit auseinander klaffen. besonders für linke/grüne geister und gutmenschen. konservative haben ja eher kein problem damit, die sind de facto eh schon böse, also müssen ihre taten gar nicht gut sein. jan fleischhauer beschreibt das ganz gut (faz-artikel).

  4. ich finde, kinder sollen da zur schule, wo man wohnt. und frueher dachte ich, ueberall wo man selber wohnen kann, kann man auch kinder groszziehn. bin da nicht mehr so sicher. wenn die umgebung so ist, dass man das kind nicht alleine auf die strasze lassen kann (oder will), muss (wird) man es die ganze zeit ueberbetreuen. ich glaube, es ist vernuenftig, irgendwo zu leben, wo man sich selbst so sicher fuehlt, dass man dem kind moeglichst viel freiheit lassen kann.

    und realitaet ist ueberall.