Pixelroiber Alkoholfrei™ – Das Experiment

die ausgangssituation:

“wir trinken zuviel!”, so der gängige satz innerhalb des freundeskreises. zugegeben, es ist ein bisschen viel in letzter zeit. ich erfülle zwar nur ungern die harten kriterien, aber irgendwann muss schließlich auch mal schluss sein. zittrige hände und zwänge spüre ich zwar noch nicht, aber der durst ist groß. zu groß offensichtlich, denn das aufstehen gestaltet sich zunehmend schwieriger. den ganzen tag müde und schlapp. mal sehen, ob es am überhöhten konsum liegt.

das experiment:

eine woche alkoholfrei ab heute. gestern abend auch schon nix getrunken, um die ergebnisse nicht zu gefährden / verfälschen. disziplin und eisernes vorgehen ist gefragt. die ergebnisse werden an dieser stelle veröffentlicht.

tag 1:

überraschend fit, heute morgen sogar schon gebloggt. kaffeebedarf stark zurück gegangen. kann aber auch an der vielen arbeit liegen. bin zuversichtlich was die nächsten tage angeht. aber: überraschend humorfrei heute alles. kann aber auch am wetter liegen. abends dann durst. tee wird helfen. es wartet ein entspannter videoabend. ein amerikanischer film. in dem hoffentlich nicht soviel getrunken wird…

tag 2:

IMG_6917heute morgen pünktlich und ohne zittrige knie aufgewacht. Keine Kopfschmerzen, keine schrecklichen Erinnerungen oder peinliche Ahnungen von gestern abend. einfach nur fit. vor mir selbst erschreckt. was kommt als nächstes? kann mich länger als fünf minuten auf eine sache konzentrieren. wow.

tag 3:

jens and his sternburgerheute abend wird es spannend. treffen mit freunden. sonst wurde da immer zügig getrunken. schon das telefonat war absurd: kein alkohol? ok. nagut. schweigen. nicht mal bier? oh. naja. wird es lustig so wie immer oder totlangweilig? morgen wissen wir mehr!

tag 4:

mauerpark flaschenwar ja doch ganz spaßig gestern. über politik geredet. ohne alkohol argumentieren ist schon anstrengender. weil logik dabei sein muss. aber jedenfalls effektiver. kann man so stehen lassen. heute abend nur schwarzer tee. gut so, denn es gibt noch einiges zu tun… das wochenende schreit nach gemütlich trinken, das wird hart.

tag 5:

trinkennur noch zwei tage, langsam wirds langweilig. aber dokumentation muss nun mal sein. in den letzten tagen fiel mir noch auf, wie normal die bierflasche auf offener straße ist, besonders auch in öffentlichen verkehrsmitteln. oder man sitzt, steht, liegt rum und trinkt. das gehört zum stadtbild wie die citytoiletten. betäubung im öffentlichen raum nennen wir es mal. schön ist das ehrlich gesagt nicht. zugegeben, oft genug bin ich selber so drauf. gewesen? keine ahnung. beschließe jedenfalls, in zukunft bewußter zu trinken. und auch weniger. versprochen.

tag 6 und 7:

ich habs getan. noch vor der selbst aufgelegten enthaltsamkeit was getrunken. war auch zu schwer: am sonntag in der StäV gewesen. ich mich kaum hingesetzt, stand da schon so eine art idee von bier vor mir (0,25l kölsch – und du dachtest, becks wär’ kein bier…), da konnte ich dann auch nicht mehr groß erklären, dass ich ja alkoholfrei mache diese woche. und das wollte ich in dem moment auch garnicht. womit wir beim thema wären: trinken in geselliger runde gehört einfach dazu, schlimmschlimm. doch auch da gibt es grenzen. dazu bitte hier lesen:

Trinken ist nur so lange in Ordnung, wie es nicht auffällt. Im Grunde kann jeder, vorausgesetzt er verträgt einiges, sich den ganzen Abend durch Vernissagen, Stehempfänge, Opernpausen und Museumseinweihungen schlucken, Hauptsache, er bricht nicht den allgemein gültigen Code des Angeheitertseins.

für mich jedenfalls bleibts dabei: weniger ist oft mehr und mit cola kann man besser tanzen.

[wird aktualisiert, zuletzt 25. September, 13:34]

ein wenig licht in diesen dunklen tagen:

remember: the truth is rarely on top of a breadhabe gerade mit deinem behandelnden chefarzt geredet. er will seinen namen nicht genannt haben, aber ich denke, wir wissen beide, von wem ich rede. du bist in keinem krankenhaus und mit der schulmedizinischen psychatrie kann man das eigentlich auch nicht vergleichen. es ist ein bundesweites experiment. mit dir nehmen noch ein dutzend weiterer patienten teil. ziel ist nicht die resozialisierung von hoffnugslos hysterischen mitmenschen sondern das heranzüchten von echten psychowracks. sozusagen ein potenzieren der latent vorhandenen macken in jedem von uns. es liegt also keineswegs an deiner verfassung, dass du ausgewählt wurdest. reiner zufall oder, in den lakonischen worten des mannes vom fach: ‘dumm gelaufen’, dazu grinste er auch noch müde.

nun, wozu aber das ganze? steckt ein tieferer sinn dahinter? dazu wollte er sich nicht äußern, meinte nur, es gebe vermutungen innerhalb des kollegenkreises, worauf ich aber lieber nicht wetten solle. später sprach ich dann mit einer schwester, die du sicher auch schon gesehen hast. sie lächelte verschwörerisch, zog mich in eine ecke, nachdem sie sich dreimal umgesehen hatte und flüsterte mir ungefähr folgendes zu: wir züchten hier die mitteleuropäische antwort auf nahöstliche selbstmordattentate, die elite sozusagen. sprachs und ging. dieses leuchten in ihren augen hatte ich vorher noch nie gesehen.

merkwürdig bleibt trotzdem, warum sie denn gerade dich für ihre zwecke benutzen. uns außenstehenden wird das ewig ein rätsel bleiben und kopfschüttelnd-ratlos schauen wir bei diesen menschenverachtenden zuständen zu.

halt den kopf oben und antworte, wenn dich wer fragt. raus kommst du da eh nicht mehr. lass uns aber trotzdem in kontakt bleiben.

mitfühlend,
carsten

the doors of perception oder: wie ich fotografieren lernen wollte…

[prologue]

es gab mal eine zeit, da war fotografie analog. das hieß aber damals noch nicht so, erst seitdem es digital gibt. wir erinnern uns: man musste filme kaufen, sie umständlich in die kamera reinzwängen und wenn die interessanten motive auftauchten war garantiert der film alle. oder der falsche film in der kamera. alles schon vergessen? es soll ja auch noch leute geben, die haben noch eine solche analog-kamera und manche BENUTZEN die auch noch.

[chapter one]
nevertheless, angefangen hab ich ja auch mit gutem alten 35mm-material. und ausprobiert hab ich auch sehr viel, keine frage. es begab sich also zu dieser zeit (vor drei oder vier jahren), da erstand ich bei foto-quelle am alex ein gebrauchtes vergrößerungsobjektiv. das war eigentlich zum printen von schwarzweißbildern in der eigenen dunkelkammer gedacht. pfiffig wie ich nun mal bin, habe ich es an die tüchtige praktica geschraubt, schraubgewindeanschluss m-42 machts möglich.

[chapter two]

das ding hatte drei große regler für die drei grundfarben. drehte man an diesen reglern, vermischten sich die farben, man konnte also jeden beliebigen filter zaubern. der hammer, oder? in der ambitionierten schwarzweißfotografie geht nichts ohne farbfilter, das müßten digitalcracks eigentlich auch wissen, denn da tauchen sie auch auf.

[chapter three]

nun wäre ich aber nicht der roiberhauptmann, wenn ich nicht ein wenig um die ecke denken würde. also legte ich einen FARBfilm in die kamera. der mitdenkende zeitgenosse und geneigte leser wird es kaum erwarten können, was als ergebniss herauskam: farbig gefilterte farbbilder.

[epilogue]

ich zeige euch heute die legendäre türserie, bestehend aus sechs einzelbildern in sechs verschiedenen farben. der warholsche geist ist nun einmal allgegenwärtig. der schwarze strich auf dem bild links in der mitte ist eine FLIEGE. durch die lange belichtungszeit ist ihr ganzer flug dokumentiert.