das folgende ist ein experiment. auf ebay kaufte ich mir 6 längst abgelaufene filme, laut verkäufer zumindest teilweise kühl gelagert. abgelaufen heißt hier vor über 30 jahren, im jahr 1989. da stand die mauer noch, deutschlands gab es zwei und die sowjetunion sowieso. George H. W. Bush war gerade 41. präsident geworden. die kamera ist übrigens aus der selben zeit.

der film selbst ist ein multispeed, d.h. er kann bei verschiedenen ISO-werten belichtet werden, entsprechend muss man dann die entwicklung anpassen. seit ein paar jahren wird er wieder unter dem selben namen produziert. da ich nicht selbst entwickle, sondern in die drogerie trage, ist mir das aber egal. sollte es jedoch nicht.

der film selbst hat noch keine DX-codierung, ich stellte die kamera also auf ISO3200 und zog meine runde um den zoo und die gedächtniskirche an einem lauen maiabend. im grunde ist er gar kein ISO3200-film, sondern heißt nur so, wie hier beschrieben ist.

dann gab ich ihn zum entwickeln, ohne zu kommunizieren, wie sie ihn entwickeln sollen oder wie ich ihn belichtet habe. und jetzt bin ich so schlau wie vorher, das ergebnis ist ernüchternd und ich weiß nicht, ob es am alter des films liegt oder an der falschen entwicklung.

aber zumindest gibt es ein ergebnis, alle 37 bilder sind geworden, wenn auch körnig oder unterbelichtet. eine auswahl der ergebnisse unten. der nächsten rolle gönne ich tageslicht und professionelle entwicklung statt der drogeriekette.

die papierabzüge hat dm/cewe übrigens total verkackt, da sind auf einem abzug jeweils eine hälfte von einem und vom nächsten bild. sieht aber total schick nach absicht und independent arthouse film noir aus. will jemand eine schöne postkarte bekommen?

Film: Kodak T-MAX P3200 (TMZ 5054) abgelaufen am 09/1989
Kamera: Nikon F4s
Zeit: 27.05.2020
Entwicklung: dm, Rathaus Center Pankow (7,95 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

musste heute öfters beim zoobesuch an die bilder von Friedrich Seidenstücker (hier noch mehr) denken, hat sich nicht viel geändert in den letzten jahren:

IMG_2531

huch, das amerika-haus am zoo gehört ja jetzt uns. desterwegen wirds auch nicht mehr bewacht. aber seit anfang februar steht ein historischer wasserwerfer davor. doch der pseodolinke und gutmensch (icke!) kommt problemlos dran vorbei. drinnen gibts allerlei zu sehen, devotionalien einer ganzen generation, bilder, musik undsoweiter. die bundezentrale für politische bildung (untersteht unserem lieblings-schäuble) hats organisiert. kritikansätze gibts auch und der schwerpunkt liegt auf den ereignissen um 1968 in berlin. also runde sache, hingehen! eintritt frei.

und spannend: das amerika-haus selbst war damals auch ein ziel der protestierenden studenten…


™68 – Brennpunkt Berlin

Ort:
Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin

Öffnungszeiten:
täglich 10.00-20.00 Uhr
noch bis 31.05.2008

prologue:

wir lieben serien. und wir lieben den hölzernen schreibstil. hier wird angespielt statt groß erklärt und wems nicht gefällt, der klickt sich eben weg. so geht das. an dieser stelle also regelmäßig die ganz persönliche sicht der dinge. kommentare zum weltgeschehen quasi. vollmundig und voll persönlicher meinung. die fakten verstecken sich woanders oder müssen sich der subjektivität beugen. getreu dem motto: glaube nur dem geschreibsel, was du die selber ausgedacht hast. und weil es sonst ein wenig fadenscheinig daherkommen würde, finden wir auch schnell den fachbegriff für solcherart blödsinn: déformation professionnelle. so geht das. ein französischer terminus gibt der sache den quasi-intellektuellen anstrich und betont (kaschiert!) autors unwissenheit.

doch kommen wir zum eigentlichen. thema heute: wie gefalle ich dem volk, mache mich lächerlich unter den aufmerksamen und werde zum meinungsführer über den schwachsinn? herr gauweiler von der CSU schafft das mit nur einem satz und katapultiert sich an der spitze des nonsens. und wenn es nicht so bitter wäre, könnte man auch noch lachen. so sagte er tatsächlich und meinte es offenbar ernst:

deutschland wird in der münchner u-bahn verteidigt, am bahnhof zoo in berlin und in der frankfurter innenstadt

soso. german leitkultur in reinstform. für solche sätze kämpften unsere soldaten in stalingrad und in nordafrika und die heimatfront musste sich entnazen lassen. erst schicken sie uns tausende von migranten, die bekommen auch noch kinder und dann nehmen sie uns die d-mark weg. und jetzt haben wir den multikultisalat und die gewalt im öffentlichen nahverkehr. jahrelang trauten wir uns nichts zu sagen, doch herr gauweiler (was ist das eigentlich für ein symphatischer name? – da kommen doch erinnerungen hoch!), der herr gauweiler jedenfalls schaut dem schrecken ins angesicht und reißt ihm die solzialromantische maske runter. chapau! sagen wir da, klatschen eifrig beifall und heben unseren rechten arm zum gruß.