jedem anfang wohnt bekanntlich ein zauber inne1, in brandenburg hingegen entstehen aus gescheiterten großprojekten noch größere merkwürdigkeiten. seit 16 jahren ist die einstige luftschiffhalle nun schon ein tropischer freizeitpark. inzwischen betrieben von einem spanischen unternehmen und gut besucht. corona gibts hier nicht mehr, keiner trägt maske, nur badesachen. es ist alles ein bisschen viel und durcheinander, zu teuer und teilweise absurd. muss man mal gesehen haben, dann reichts aber auch.


  1. Hermann Hesse: Stufen, 1941 []

anfang juli in gdansk, die sonne scheint, ein paradies zum fotografieren: alte gebäude, die eigentlich gar nicht so alt sind, sondern originalgetreu nach dem krieg wieder aufgebaut wurden. eine menge touristen, die den langen markt (Długi Targ) entlang schreiten. oder durch die frauengasse (ul. Mariacka) schlendern. man kann nicht viel falsch machen, einfach drauf halten.

in der kürzlich gebraucht gekauften Nikon F4s war noch ein diafilm, teilweise belichtet. offenbar ein urlaub, ansichten einer stadt am mittelmeer(?). bilder aus dem flugzeug. die lumix-kamera in der hand der frau sagt uns, dass es noch nicht so lange her sein kann. der film jedoch hat gelitten und ist durch die zeit grünstichig geworden. lag halt nicht im kühlschrank und ist nicht so robust wie ein s/w-film.

Film: Kodak Elitechrome EB-3
Kamera: Nikon F4s
Zeit: unbekannt
Entwicklung: rossmann, Rathaus Center Pankow (3,55 €)
Scan: Epson Perfection V330 Photo

meine bilder sind auch grün geworden und zeigen Cameron Carpenter bei seinem konzert am bürgerpark im april auf einer auf einem lkw montierten orgel.

es ist anfang februar und wir besuchen die katalanische hauptstadt für ein paar tage. es ist selbst für barcelona sehr warm, die sonne knallt. wir fahren mit dem bus auf den Montjuïc und schauen runter. wir entscheiden uns gegen die seilbahn und laufen richtung strand. es ist sonntag, die einheimischen liegen am strand, einige wenige baden. ein typ verkauft cocktails, es ist entspannt.

Wir besuchen die Stadt an der Weichsel, Kultur und Städtetourismus. Für ein paar Tage in einem Hostel, angereist mit dem Bus. Ein Stadt voll Geschichte, jüdischer Erinnerungskultur, vor allem aber polnischer Identität. Hier liegen die Herrscher begraben, hier schlägt eines der vielen Herzen Europas. Jeder Stein ist Geschichte. Und zwischen Erinnern und Gedenken, das einem die Kehle zuschnürt – das KZ Auschwitz-Birkenau ist nicht weit – ist eine moderne Stadt entstanden, mit allem Pipapo des Kapitalismus, sodass es schwer wird noch Authentizität zu finden. Überall Wodkashots und Zapiekanka (lecker!), Touristen und nochmals Touristen. Städtebauliche Verbrechen neben Highlights der Architektur aus mehreren Epochen.

in der altstadt von lissabon, ziemlich weit unten, fast am tejo, da wohnt spiderman in der hausnummer 40. seinen kram hat er zum trocknen aufgehangen, wie man das eben macht in dieser stadt. und wie üblich steht er sicher in einem der zahlreichen cafés, gönnt sich pastéis und kaffee.

ps: nicht mit diesem einbrecher verwechseln.

Einmal willst du leben in Rom,
einmal willst du nach Berlin,
einmal willst du leben auf Hawaii,
sterben wirst du leider in Wien,
da g'hörst du hin.
Bleib wo du warst, geh nicht hinaus
(Wanda)

Grüße Gott.

Innbruck, Hauptstadt Tirols, gewaltige Berge türmen sich auf, nach Italien ist es nicht weit, nach Wien braucht man über vier Stunden. Viele Studenten und Touristen bevölkern die Stadt zwischen mittelalterlicher Bausubstanz, Brutalismus und Moderne. Die Autobahn zum Brenner schraubt sich viaduktisch durchs Stadtgebiet in die Berge, die Sonne knallt unerbittlich im Sommer, oder es hängen tiefe dicke Regenwolken über dem Inntal.

Österreich ist ein schwieriges Urlaubsland, da man nahezu die Sprache versteht, in Euro zahlt, die Läden und Produkte sich ähneln bis nahezu identisch sind. Anderseits gibt es beeindruckende Natur und vieles ist auch merkwürdig fremd. Vielleicht sollten wir wirklich mal länger dahin.

im sommerurlaub ’14 benutze ich irgendwelche komischen filter auf dem telefon. inzwischen wirken sie seltsam authentisch und original. wir sind in rabac auf istrien. vor uns waren hier: venezier, franzosen, österreicher, italiener, nazis, allierte, jugoslawen (tito) und jetzt kroaten. von der reichen geschichte sieht man wenig, es ist eher touristisch.

labin (aka albona) besteht aus zwei teilen: einer historischen altstadt auf dem berg und einer neustadt am fuße des berges. klar, dass die touristen alle nach oben wollen und die stadt mit ihren autos verstopfen. aber es lohnt sich, verwinkelte gässchen, hinter jeder ecke etwas anderes zu entdecken. dazu viele restaurants und ein schöner blick ins tal. da waren wir öfters, weil nicht weit vom ferienhaus entfernt.

dabei ist die altstadt vor ein paar jahren fast eingestürzt, wurde doch der ganze berg vom bergbau zerlöchert und musste aufgefüllt werden, damit die einstürzenden stollen nicht die bausubstanz fressen. merkwürdigerweise gibt es in dieser besten lage auch viel leerstand, das schreit nach hausbesetzungen. nur kenne ich mich im kroatischen recht zuwenig aus, anderseits sind hausbesetzer auch nicht gerade dafür bekannt, die gesetzeslage vorher zu checken. wie auch immer, wer noch wohnraum in exklusiver lage sucht, der wird hier sicher fündig, über immobilienpreise habe ich mich allerdings nicht informiert.

die neustadt besticht durch sozialistischen realismus und sieht aus wie jede andere neustadt in europa. viele große supermärkte können nicht verhindern, dass es immernoch jeden tag einen lokalen markt mit frischem gemüse, obst und fisch gibt. unbedingt hingehen, so authentisch, da tauschste gerne zwanzig firlefanzsouvenirläden gegen ein.

ansonsten gibt es nicht viel mehr aus labin zu berichten. was da und auch in anderen istrischen städtchen auffiel: die kaffeebars, kleine cafés, in denen nur kaffee angeboten wird, in denen die einheimischen tagsüber stundenlang sitzen und miteinander reden. toll.