SchlagwortÜberwachung

mehr überwachung bitte

jetzt diskutieren sie wieder die kameraüberwachung. in berlin gab es vor einem jahr fast 15.000 von öffentlicher seite betriebenen kameras, private nicht mitgezählt, inzwischen sind es wohl mehr. dabei gilt, was seit jahren immer wieder wiederholt wird, zuletzt vor ein paar tagen auf netzpolitik.org:

Es gibt keine empirischen Belege, dass Videoüberwachung bei der Prävention von Terroranschlägen hilft. Dies musste zuletzt auch die Bundesregierung eingestehen. Datenschützer und Bürgerrechtler sehen eine Ausweitung der Videoüberwachung als verfassungsrechtlich bedenklich an, unter anderem weil unbescholtene Bürger überwacht werden.

dabei steht die forderung und auch die diskussion für ein diffuses gefühl der sehnsucht nach sicherheit, schutz, planbarkeit. niemand will die verantwortung übernehmen für das nächste attentat, wenigstens will man im vorfeld etwas gefordert haben. es ist so verlogen und heuchlerisch. es gibt keine sicherheit, keinen schutz vor den unwägbarkeiten des lebens. niemand kann die ereignisse der nächsten jahre vorher sagen. was wir aber können, ist zumindest darüber zu diskutieren, wie wir leben wollen in der zukunft, wie unser zusammenleben aussehen soll. und dann sollten wir unsere städte nach diesen vorstellungen bauen. offene architektur, keine zugebauten bürostädte und wohnsilos mit wachschutz.

sollten sich jene durchsetzen, die mehr überwachung, kameras und repressionen fordern, dann brauchen wir uns hinterher auch nicht zu beschweren. abgesehen davon, dass beschweren in einem überwachungsstaat dann folgen haben würde.

das ist ja überhaupt das irre an dieser zeit: alle meckern, einem großteil geht es besser als noch vor 20, 30 jahren und trotzdem wird mindestens der umsturz der regierung verlangt.

den umsturz von jener regierung, die sie jahrzehntelang gewählt haben. es ist zum heulen mit der demokratie: fehlt sie, wird nach ihr verlangt – ist sie da, scheinen die menschen noch unzufriedener und statt sie zu verbessern, wird sie beschimpft und bekämpft.

warum internetsperren doof sind

gestern flackerte es kurz in meinem kopf auf: die seite zu schließen und umzuziehen ins ausland (also den server). irgendwo auf eine einsame insel, weg vom zugriff von strafverfolgungsbehörden und abmahnanwälten. der grund war die meldung auf heise, die zugriffe auf gesperrte seiten zu protokollieren. in verbindung mit der vorratsdatenspeicherung sehr nah dran 1984. es geht nicht um die kinder, es geht darum, den bisher rechtsfreien raum internet regulieren und kontrollieren zu wollen. doch damit ist die regierung 20,30 jahre zu spät. jegliche änderung am status quo muss einfach wie zensur wirken. wirklich kriminelle werden immer einen weg finden, das netz für ihren schabernack zu nutzen. schade nur um das vertrauen aller anderen: normale menschen überlegen es sich dann dreimal, welche seiten sie aufrufen. damit geht ein ganzes stück kreativität verloren.

umziehen werde ich dann doch nicht. ein bisschen hoffnung hab‘ ich noch in den gesunden menschenverstand: mit angst macht man keinen wahlkampf und es wird den verantwortlichen hoffentlich auf die füße fallen.

notizen vom stammtisch

eine frage habe ich noch: mussten die damen und herren von der regierung denn nicht in der schule orwells 1984 lesen? ich meine, warum nerven sie uns mit überwachungs- und sperrplänen und halten uns von den eigentlichen themen ab? sowohl kinderpornografie als terrorismus gabs ja wohl auch schon vor dem internet. das weiß man doch. und wirklich kriminelle geister können jede zensursperre und überwachung umgehen. das liegt doch auf der hand. wozu also all der mumpitz? die ganze pressefreiheit und das recht auf privatspähre opfern für ein paar totalitäre spinner und triebtäter? ist das nicht genau der falsche weg? aber die lasche waffengestzgebung nicht anrühren wollen, so sind sie, unsere gesetzgeber im wahlkampffieber. gibt es keine wichtigeren themen?

und weil man den artikel gar nicht genug verlinken kann: Der Spiegelfechter: Schönes neues Netz – Deutschland im Jahre 2015

wolfgang schäuble im frack

look in my eyes, humanoid!überwachungskameras auf der insel – das kennen wir ja schon von unseren britischen nachbarn. aber dass auf robben island (südafrika) pinguine systematisch überwacht und ausspioniert werden, das ist neu. ohne vorher gefragt worden zu sein, wird eine ganze population getrackt, kategorisiert, ausgewertet. damit ist auch endgültig schluß mit pinguiner individualisierung! die motivation sei angeblich artenschutz, behaupten die verantwortlichen:

Durch das Tracking einzelner Pinguine über einen längeren Zeitraum hinweg wollen die Forscher herausfinden, wie lange sie leben, wie oft sie Junge bekommen und zu welcher Zeit des Jahres sie am stärksten gefährdet sind.

wir aber sagen: pah! schon wieder wird auf dem rücken armer unschuldigen wesen (die zudem noch vom aussterben bedroht sind!) der überwachungsstaat installiert! wir fordern daher im namen aller schwarzweißen mitbürger das konsequente verbot systematischer überwachung! jetzt. und bis dahin weisen wir auf einen trick hin, die überwachung auszuhebeln:

Spezies, die nicht auf bekannten Pfaden unterwegs sind, aber dennoch große Strecken zurücklegen, können von passiven Kameras nicht ausreichend erfasst werden, um die ganze Population abzudecken.