eigentlich wollte ich ja diese woche meine klappe halten, geht aber nicht. immerhin nur kurz notiert:

  • am wochenende haben wir eine halbe kiste bionade für die umzugshelfer gekauft. die verkäuferin raunte uns in verschwörerischem halbton zu, dass wir besser die kiste auffüllen sollten, denn ab montag wird das zeug noch teuerer. naja. ein interview mit dem geschäftsführer Peter Kowalsky gibts hier.
  • in dortmund war loveparade. kurz reingeschaut bei der liveübertragung, superpeinlichen auftritt von moby gesehen. geht gar nicht. sonntag mittag saßen die raver müde und zerstört in den zügen der republik und starrten vor sich hin. kurioserweise waren schuhe und hosen der zappelnden mitmenschen total verdreckt, verschlammt gar.
  • tolle bilder aus deutschlands verlassenem osten finden sich in diesem flickr-set (via).
  • der prenzlberg hat nun sein eigenes radio. auf 95,2MHz. hat da schon mal einer reingehört?
    (via, via)

und nein, ich werde nichts schreiben über studivz, facebook, spiegel, verärgerte blogger, usw. das machen viele andere mehr…

in der aktuellen ausgabe der mindestens haltbar geht es um peinliche jobs in der jugend. das brachte mich auf einen text, der schon lange geschrieben werden wollte:

das bewerbungsgespräch im herzen berlins entpuppte sich als infoveranstaltung. mit dreißig leuten quetschten wir uns in einen kleinen raum voller rechner. an den rechnern saßen dieselben leute wie wir und arbeiteten. kurze einführung ins thema, blabla. ich hab garnicht richtig zugehört. die ersten bewerber standen wutschnaubend auf und verließen grußlos das büro. andere lachten irritiert oder spielten das ist-mir-alles-scheißegal-spiel. es ging um mehrwertdienste per SMS. was diese worthülse bedeutete ging mir dann am ersten arbeitstag auf. ich nahm den job natürlich an, brauchte das geld, freiberufliche festanstellung sozusagen. dann einteilung in schichten und los gings.

am ersten tag sollte ich einer tussi über die schulter schauen und lernen, was man denn so schreibt. was folgte, waren die schrecklichsten stunden meines lebens, guantanamo ist wahrscheinlich nix dagegen. ich sitze also neben einem attraktivem mädel und schaue irritiert auf ihre sätze, die sie ins system hämmert. es sind kurze, knappe sätze. 140 zeichen mehrwert-SMS mit erotischem inhalt. ab 18. irgendwo da draußen in der welt sitzt einer und schreibt für knapp zwei euro eine SMS und die frau neben mir beantwortet sie, ohne gefühlsregung, quatscht nebenbei mit den anderen oder knabbert an ihrer stulle. und ja, ich war verwirrt. mein sexueller horizont erweiterte sich innerhalb einer stunde um 150%.

und dann war ich dran. erst zögerlich, dann voller abscheu, schrieb ich auf, was mir einfiel. im grunde musste man nur das schreiben, was der kunde hören wollte. er gab ja die richtung vor, ich reagierte und meine sätze platzten fast vor geilheit. meistens war ich eine frau mitte zwanzig und zu allem bereit. naja, zu fast allem. ein paar tabus hatten wir schon, kinder und tiere und so. aber ansonsten gings immer rund. die teamleiterin saß mir im nacken und verlangte qualität.

nach einer woche war ich genauso abgebrüht wie die kollegen und schrieb die sätze, so als hätte ich nie was anderes in meinem leben getan. vielleicht hasste ich mich selbst, ob meiner verdorbenheit und unaufrichtigkeit – immerhin glaubten die kunden ja, mit „echten“ frauen zu simsen. aber im grunde war mir es nach einer woche egal. es ging ums geld. sehr üppig war der job nicht bezahlt, aber immerhin konnte man rund um die uhr arbeiten gehen. ein paar perverse waren auch dabei mit irgendwelchen abgefahrenen fetischen, aber irgendwann wird auch das normal. und kurioserweise waren auch frauen dabei. dann war ich meist ein mann in seinen besten jahren. klar, oder? einige kunden haben sich verliebt und wurden so zu stammkunden. übrigens war uns auch untersagt, von liebe zu sprechen. ganz in echt! traurig das alles.

aber ich habe es ausgehalten. fast zwei jahre. gewissensbisse? nö. abstumpfung? wahrscheinlich. aber irgendwann wird auch ein arschfick per sms so langweilig wie jeder andere job. arme menschheit.

gerade gelesen: eine geschichte im fontblog übers musik-kaufen im jahr 2008. das ist nicht nur kurios, lässt die stirn runzeln und mich unter den tisch vor lachen fallen, das ist vor allem zum heulen.

und warum gibts noch keine mp3-automaten? also player reinklinken, auswählen, bezahlen (evtl. mit münzen?) und fertig. würde sogar bei mir funktionieren und könnte auf jedem bahnhof stehen meinetwegen.

da ich in letzter zeit oft weg war und nicht viel zeit für kuriosita hatte, hier eine kurze zusammenfassung des internets der letzten wochen (klicken auf eigene gefahr):

  • Geschichten aus der Soldiner: Zoltans Kiez
  • farbige weltkriegsbilder(nr. 1)
  • nach gewalt in der ehe nun auch gewalt im stadtverkehr! aufpassen, männer!
  • Museum der gebrochenen Beziehungen. im tacheles. hingehen.
  • stöhn‘ meine ip: etwas prolligigegige, aber durchaus gelungene werbung…
  • zeichnungen im notizbuch aller notizbücher, gibt auch flickrgruppen dazu.
  • arte freiwillig im netz gucken. darauf hat die welt gewartet.
  • das bild der woche kommt von ][\/][ (lizenz):
  • Red stripes