_erweiterter_ Internet Explorer

wir installieren uns zu tode – neil postman muss man nicht lesen, aber weiterdenken. vor fünfundzwanzig jahren kritisierte er das fernsehen und die auswirkungen auf die gesellschaft. heute wird weniger fernsehen gekuckt, aber sind die leute dadurch kritischer geworden, weil sie mehr internet konsumieren? das internet mache ja gerade wieder revolution in spanien, sagt man. kann man so sehen. man kann aber viel zeitplömpelei auf facebook und konsorten beobachten. nix da mit gesellschaftskritik also? ein weites feld, um das es hier aber gar nicht gehen soll. sondern um ein weiteres zeitfresserchen, dass es so erst seit ein paar jahren gibt. aber fangen wir ganz vorn an.

früher, als die handys noch groß wie häuser waren und der einzige mobilfunkprovider die deutsche post war (sic!), da hatten die leute noch zeit für ihre autos. da wurde getunt und gepimpt, dass es nur so krachte. eine ganze subkultur ist da entstanden. mit aberwitzig großen subwoofern im kofferaum und so zeugs. im auge des besitzers wurde das handelsübliche auto erweitert und so einzigartig. im auge des außenstehenden wurde es nur unnütz teuerer und hässlicher. es sei angemerkt, dass der autor dieser zeilen nie ein eigenes auto besaß.

jahre später gab es das internet. und irgendwann google. google war einfach da und hat funktioniert. dann kam der firefox. der war erstens schneller und ließ sich erweitern durch addons. geil. mit jeder noch so undenkbaren eigenschaft konnte man ihn ausrüsten. mit den jahren kamen immer mehr addons dazu und es gab seiten, die sich nur damit beschäftigten. andere programme machten es nach, aber so einfach und komfortabel wie in firefox und thunderbird addons zu installieren und zu deinstallieren ist es in den wenigsten.

nur – das suchen nach den immer besseren addons nahm auch eine menge zeit in anspruch, zeit, die man besser in die eigentliche aufgabe, dem browsen, investieren hätte können.

und dann kam apple mit seinen ipods und den iphones. mächtige handgeräte mit noch mehr funktionen und einem ganzen app store. fantastrilliarden von apps – kostenlose und -pflichtige – warten nur auf ihre installation. viele sind sinnlos, einige brauchbar, manche beschäftigen sich mit sich selbst, wieder andere verwalten andere apps oder s geht nur um eine bessere oberfläche. egal, welches problem du hast, es gibt für alles eine app. sagt die werbung.

google zog mit seinen androiden nach und erschuf auch dort ein mächtiges universum – den app market. das angebot ähnlich wie bei apple. das schöne dabei: es ist dezentral, jeder programmierer kann sich einbringen und eigene apps erstellen und anbieten und geld damit verdienen. eine armee von entwicklern kümmert sich und verbessert und resgiert auf kundenwünsche und der markt blüht und gedeiht und alle sind zufrieden.

das problem dabei ist nicht monetärer art – viele apps kosten nichts oder nur wenige und es gibt meist kostenlose trials – nein, es ist eher ein zeitproblem. für jedes problem und jede anforderung gibt es zuhauf alternativen und es braucht einige zeit, um das jeweilige geschäftsmodell, die technik und die nachteile zu verstehen. viele apps schaffen auch erst ihre nachfrage. da gibt es dieses dings, was ein gespieltes lied erkennt – brauche ich das? da gibt es hunderte von apps, die den pc bedienen können. undsoweiter. sehr unübrsichtlich und ständig das gefühl, genau die nächste app zu verpassen – furchtbar.

dabei geht der blick aufs ganze verloren und sehr viel zeit. muss das sein?

[…]
Quelle

Wenn ich als Funkmast mal was dazu sagen darf: Versetzt euch doch mal in meine Lage, ihr würdet auch auf die Barrikaden gehen. Da steht man doof in Gegend rum – im Regen, in der Kälte – und keiner dankt einem. Noch dazu muss man ständig die schweren Schüsseln und Sender schleppen. Ihr wollt keine Funkmasten in eurer Nähe, weil die Funkwellen evtl. Kopfschmerzen verursachen könnten? Was soll ich denn sagen? Wenn Schweine in Massen gehalten werden um den Preis zu drücken, flippen die Grünen aus aber unsereins wird achtlos auf Dächer geschraubt oder mit Drahtseilen in der Landschaft verankert, teilweise dicht an dicht, damit ihr billig telefonieren und surfen könnt und keinen interessierts. Wir haben euch jetzt ein Ultimatum bis 2013 gesetzt. Auch wir wollen Rechte. Seht ab und zu mal zu uns auf und sagt: “Danke, ihr lieben Funkmasten. Danke dass ihr unser Leben besser, komfortabler macht. Danke dass wir nicht mehr zu unseren Freunden laufen müssen um zu fragen ob sie Zeit und Lust haben etwas zu unternehmen.”
Seht ab und zu mal von euren Displays auf, ihr Handy- und Smartphonebesitzer, sonst habt ihr bald nur noch einen teuren MP3-Player.

Passend zu Türchen 9 – die neunziger Jahre.

Das Jahrzehnt in dem noch alles besser war. Die Rechner waren langsamer, an iPhones war nicht zu denken, Fernsehen Fernseher hatten noch echte Tiefe (die gute alte Röhre), Sarrazin hat sich noch ums Geld und nicht um die Ausländer gekümmert und eine Schachtel Zigaretten hat noch 5 Mark gekostet und nicht 5 Euro.

Wir meinten alles ironisch, selbst die Ironie.

Angie hat noch im Arsch von Helmut Kohl gesteckt und echte Männer haben das Land regiert, man konnte noch Gen-Experimente machen ohne die Ökos aufzuscheuchen. ebay wurde gegründet und Frauen haben sich mit Arschgeweihen verunstaltet. In Berlin hatte man noch genug Platz für die Loveparade und Bands wie “Green Day” und “The Offspring” konnten sich in der Pop-Kultur als Punks bezeichnen.

Ja, wenn man mal so drüber nachdenkt war früher wirklich alles besser…

Schon öfters beobachtet, aber noch nicht dokumentiert: Was wären Diskussionen und gesellige Abende mit Freunden und Bekannten ohne Internetanschluss? Kennt jeder, diese Situation: Da sitzt man gemütlich zusammen bei einer Apfelsaftschorle, referiert über die Welt im einfachen und komplexen und plötzlich fehlt ein Faktum. Eine Argumentationskette will gestützt werden mit der Realität, der Wahrheit. Also wird google bemüht, Wikipedia angeschmissen oder zur Not auch die imdb. Denn nichts ist schlimmer als gefährliches Halbwissen. Und bei der alltäglichen Nachrichtenflut merkt man sich ja auch nichts mehr. Die illustre Runde wird also desöfteren jäh unterbrochen für eine Kurzrecherche am heimischen PC oder mobilen Endgerät. Denn das Stev’sche Theorem sagt ganz klipp und klar, dass in einer Runde von mindestens fünf Personen mindestens einer ein iPhone hat.

Nun, was sagt uns das über unser Sozialleben? Verkrüppeln wir unter der Informationsflut, degenerieren unsere Hirne und sind wir schon hochgradig abhängig vom Internetanschluss? Oder bereichern wir nur unsere Konversationen mit edler und reiner Wahrheit?

Platon mit den großen Händen
Platon, der Meister des Dialogs - hätte er sein iPhone zwischendurch benutzt? (gesehen in einem Park in Wroclaw/Breslau)

Was hätte Platon getan? Bei Wikipedia finden sich übrigens einige Merkmale des platonischen Dialogs:

  • Es besteht kein Zwang zur systematischen Vollständigkeit.
  • Ungeklärte systematische Einzelfragen können leichter ausgeblendet werden.

Und Karl Jaspers sagte über Platon:

Dieses ließ er sich in seinen dialogischen Darstellungen frei entfalten, immer mit dem Willen zur Wahrheit des Wesens, aber nicht gebunden an belegbare Tatsächlichkeiten.1

Also doch keine Notwenigkeit zur unmittelbaren Wahrheitsfindung mittels mobilem Internet? Das scheint mir aber gefährlich. Denn Halbwissen ist schon schlimm, aber dieses auch noch zu verbreiten? Auf Halbwahrheiten eine Argumentationskette aufzubauen. Sicherlich kann man nicht alles wissen. Wir haben zwar immer mehr Ahnung von Teilbereichen. Aber universelles Wissen kann sich doch keiner mehr merken! Oder man schafft bewusst Wissenslücken. Fußball ist für mich ein ganzer Wissenskrater, den ich auch nicht mehr füllen will in diesem Leben. Oder der technische Aufbau und die Wirkungsweise eines Induktionsherds – will ich gar nicht wissen. Kaffeemaschine hab ich verstanden und ich ahne, wie das mit Mikrowellen ist. Aber Induktion? So mit Spulen und Zeug?

Aber da drehe ich mich argumentativ im Kreis. Ringelringelreihe. Was mich allerdings irritiert: Ist das denn nett, mitten im Gespräch vor den Rechner zu wechseln? Und wenn ja: Wie lange maximal darf man sich von der Runde entfernen?

Vor ein paar Jahren gabs eine ähnliche Diskussion zum Thema Handy. Da haben sich dann auch im Laufe der Zeit nette Höflichkeiten heraus gebildet. Also nur bei wichtigen Anrufen das persönliche Gespräch unterbrechen. Oder vor die Tür wechseln, um nicht zu stören. Umgangsformen nennt man sowas wohl. Es bleibt spannend.


  1. Karl Jaspers, Plato, Augustin, Kant, Piper, München 1957, S. 25 – gefunden in der Wikipedia []

sourcemap.org ist eine hilfreiche seite, die den weg von produkten über den erdball visualisiert. oben im bild: der weg von den rohstoffen zur fabrik und zum verbraucher am beispiel eines IKEA-Betts. auf der seite finden sich noch weitere informationen, zum beispiel der CO2-fußabdruck des ganzen prozesses. weitere beispiele: uhrenradio, nike-schuhe, iphone. jeder kann eigene visualisierungen erstellen und veröffentlichen. um ein gefühl dafür zu bekommen, welchen weg die produkte im laden schon hinter sich haben.

(via)

T-Mobile G1: Das erste Android-basierte Mobiltelefon … vereint Touchscreen, Tastatur und Trackball als Bedienelemente. Google als Initiator … hat sich nur sehr dezent auf der Rückseite des Geräts verewigen lassen. Frontal … gibt sich das G1 ausgesprochen iPhone-artig. Eine Suchfunktion ist per Fingerklick erreichbar. Sie führt … bei Bedarf direkt auf Googles mobiles Suchportal. Alternativ zur schwarzen Version … ist auch eine schneeweiße Variante verfügbar. Eine kleine Überraschung ist allerdings … das ganz in Braun gehaltene Modell. Mehr Freunde … wird mit Sicherheit die schwarze Version finden. Immerhin aber … kann man sich bei der weißen Version aber den Bildhintergrund schwarz einfärben. Oder sich … schlicht am Weiß einer leeren Textseite erfreuen, farblich abgestimmt auf die Außenhülle.

(link)

jetzt muss ich mich mal selbst loben. vor ein paar jahren nämlich wetterte ich schon gegen tragbare dvd-player. denn das ist die krönung allen schwachsinns. wobei, es gibt doch so einiges, was noch unsinniger daherkommt. der sich selbst rührende kaffeebecher zum beispiel. und dann gibt es noch die zweite kategorie: unsinniges dings, aber mittlerweile unverzichtbar für die menschheit. twitter gehört eindeutig dazu. sarah connor genauso, wie feuchtes toilettenpapier. oder amazon-kaufempfehlungen (“18% der Kunden kaufen diesen Artikel, nachdem sie den nicht erhältlichen Artikel oben gesehen haben.” – sic!). aber unsere alte erde wäre nicht die erde, wenn wir sie nicht ständig mit unnützem zeug zumüllen würden. das war schon immer so. der faustkeil zum beispiel war auch so eine überflüssige erfindung. warum haben die jungs und mädels in der altsteinzeit nicht einfach werkzeug benutzt, wie jede andere kultur auch. und besonders nachhaltig waren diese steine auch nicht, denn sie liegen immer noch in massen rum. innovation jedenfalls sieht anders aus. und wie man hier sieht, sind wir immer noch keinen schritt weiter. ich wünsche euch jedenfalls ein entspanntes wochenende. und kauft nicht allzuviel überflüssiges! schaut mal lieber wieder einen guten film auf dem tragbaren dvd-player.


hier schreibt der kulturpessimist noch selbst (1) (2) (3) (4)

wir übertreiben. tausende klein- und kleinstgeräte, die wir mit uns rumtragen. handy, iphone*, mp3-player, navi, pda, digicam, laptop, transponder. alle unkombatibel zueinander. oft proprietär wie sau. müssen alle umständlich synchronisiert werden. meist am heimischen rechner. das dauert. ist nervig und frisst strom. geräte, die alles können (aber nichts richtig), gibts auch. wer will die aber schon? es gibt den schönen begriff Human Interface Device (HID), der zwar was anderes meint, aber dennoch treffend ist. wir sind zu sklaven unserer eigenen abhängigkeit von kleinen geräten geworden. das klingt erstmal nicht schön, aber offenbar kommen wir ganz gut darauf klar. das nervigste ist nur, dass die teile viel zu oft den geist aufgeben, weil der strom fehlt. oder sie landen in der ecke, weil sie eben nicht das können, was wir von ihnen erwarten. oder nur sehr umständlich.

was also tun? der roiber wäre nicht kulturpessimist geworden, wenn er nicht auch elegante lösungswege aufzeigen würde. und so präsentieren wir ihnen heute den original plug-your-bellybutton™. mit seinem modernen usb 2.0- anschluß und der maximalen transferrate vermag er unglaubliches: synchronisation, akkuaufladung und datenspeicherung überall wo sie wollen. einfach in den bauchnabel stecken, die treiber installieren sich selbst. kombatibel zu allen gängigen systemen.

und wem das nicht reicht, der greift zum plug-your-bellybutton PRO™. der kann dann auch gps.

usb im bauch
(© Alle Rechte vorbehalten, mit freundlicher genehmigung vom zonenschwabe)

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*iphone hab ich nur geschrieben, um neue leser zu finden. SEO nennt man das. ich arsch.

lesen sie auch:
hier schreibt der kulturpessimist noch selbst
freezr – the best way to share, search and share your fridge content!

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Now playing: The Hives – You Got It All… Wrong

futter für die kantinen dieser welt. absolut smalltalkkombatibel und unverfänglich. jeder weiß bescheid, hat eine meinung und will es entweder haben oder eben nicht: alle reden vom iphone, wir haben es schon und präsentieren stolz den ersten deutschen testbericht:

zumindest sieht das motorola motofone F3 aus wie ein ipod-nano, fühlt sich an wie eine schuhsohle, steckt aber unglaublich gut in der hosentasche. das display ist laut wiki eine der ersten anwendungen des elektronischen papiers.

in einer rollendose/dosenrolle kam es daher. dünn, schlicht, stylisch? sieht aus und bedient sich wie ein taschenrechner. klingt auch so (wenn taschenrechner klingeln könnten). der weckalarm ist der hammer. hörbeweis siehe unten.

es kann auch sprechen! und der akku hält. und hält. und ich spiele nicht sinnlos rum damit, weil es eben keine tollen funktionen gibt. als rentnertelefon finde ich es aber wirklich ungeeignet, zu komplizierte menüführung. anderseits sind die klare und deutliche menüpunktansage und die markierungen auf der tastatur ideal für sehschwache nutzer. mein barrierefreies telefon!

resistent gegen staub und kratzer verspricht die werbung! perfekt, bei mir fällt nämlich immer alles runter. und geht schnell kaputt. bin ja eher so der grobmotoriker.

und jetzt kommts erst noch: meins habe ich von der post, in größeren filialen gibts die noch. als prepaid-xtra-telekom-dingens für zwanzig euro, inklusive 10 euro startguthaben. das telefon selber hat keinen simlock, es funktionieren also auch andere anbieter, zumindest in europa (dualband!)*.

noch ein paar links:

…nie war das entpacken eines produktes so unspannend

…motofone ist swatch-uhr unter den telefonen

…für den indischen markt entwickelt

…ist weniger doch nicht mehr?

…nur ein wegwerftelefon?

…tastentöne

* schreibe ich mal lieber ohne garantie, bei mir (vdf) hat es aber funktioniert.

[youtube VkrH3AKuHp8]
[youtube ucMhZSiG1tI]

Unionspolitiker fordern GSG-9-Einsatz gegen Randalierer

CDU-Politiker fordern härteres Vorgehen gegen Randalierer

Bauernverband fordert mehr Geld für Milcherzeuger

Schmid fordert rasche Klärung

Alt-Kanzler fordert Auflösung von Steuerparadiesen

Talkline fordert Iphone für alle

Vietze fordert politische Bewertung

Beckstein fordert Abkehr von gewalttätigen Demonstranten

ver.di fordert von Kirche mehr

Beckstein fordert: "Vollständige Trennung von Attac und übrigen Organisatoren friedlichen G 9-Protestes vom Schwarzen Block" – [da steht wirklich g9 – inkl. bayern!]

Helsa fordert: Deckel auf die A 44

Bush fordert Putin erneut auf

Steinbrück fordert Nachbesserung bei Bahnprivatisierung

Merkel fordert von Schwellenländern soziale Mindeststandards

Auffahrunfall fordert Verletzte

Köhler fordert Entschlossenheit beim Klimaschutz

FPÖ fordert zweiten Flughafen für Wien

 

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