wieder einmal die große politik im kleinen und steilvorlage für anne will: gesundheitswesen im allgemeinen und illegale beschäftigte ausländer in der altenpflege im speziellen. zäh, anstrengend und wichtig. am ende keine lösung, nur verlierer. die auflösung ist banal und einfach. die ewig ungestressten ermittler sind charmant und bleiben gesetzestreu, diesmal wird nicht gemauschelt. vielleicht ein bisschen zu schwarzweiß, aber bei diesem thema ist jedes mittel recht. denn da gibts erhebliche defizite. reicht das für einen tatort? passt scho‘!

+++ Link +++ Erstausstrahlung: 05.06.2011 +++

[xrr rating=5/7]

klassischer münsterfall, in dem die ermittlungen platz machen müssen für allerlei spaß und klamauk. fast (aber nur fast!) schon ein bisschen ausgelutscht. ein geschäftsmann stirbt, ermordet von einem politiker, der bereits selbst für tot erklärt wurde. von boerne, der verzweifelt, will sich den fehler nicht eingestehen und ermittelt mit. dazwischen noch die tussi von der steuerfahndung, in die sich thiel ein klein wenig verliebt. süß. und die korrupte staatsanwältin, die den kartoffelkönig deckt.

nette unterhaltung, aber lange machen sie es nicht mehr, glaube ich.

[xrr rating=6.5/7]

+++ LINK +++ Erstausstrahlung: 01.05.2011

Tod eines Unternehmensberaters. Inklusive der Einführung in die spannende Welt von Beratern und wenig versteckte Kritik an deren Arbeitsweise. In Zeiten der Krise (wann sind die eigentlich vorbei?) höchst spannend und direkt an den Ängsten der Zuschauer orientiert. Sogar von Blogs wird geredet. Die Auflösung des Mordfalls ist dann merkwürdig banal und passt eigentlich gar nicht zur Rest-Story. Aber wann will ja nicht zuviel verlangen. Weitere Themen sind geregelte Arbeitszeiten, Überstunden und Überlastung. Sehr schön dargestellt am Tatort-Team, Schenk etwa kommt einfach nicht zum Enkel. Nicht unbedingt das Thema, dass man am Sonntag Abend sehen will, da startet man gleich schlecht gelaunt in die Arbeitswoche. Und ihr so?

+++ LINK +++ Erstausstrahlung: 09.01.2011

[xrr rating=5/7]

Ein Prozess zu einer Vergewaltigung führt zu einem Freispruch und niemand ist glücklich darüber. Im Folgenden werden die Folgen für die Opferfamilien und den Vater des Angeklagten analysiert. Ganz nüchtern. Selbst die Kommissare sind geteilter Meinung. Ein weites Feld, ätzend für alle, gewinnen wird niemand. Düsteres, aber grandioses Schauspiel.

Die taz jubelt:

In seinem Fernsehkrimi geht [Regisseur Christian Zübert, Anm. d. Verf.] nun weit über die Grenzen des üblichen Primetime-Problemplauschs: Wie er hier die Grundlagen des Rechtsstaates schmerzhaft auslotet, ohne dabei in dumpfen Populismus zu verfallen, ist furios. Eine juristische Tragödie.

+++ LINK +++ Erstausstrahlung: 19.12.2010

[xrr rating=7/7]

Übrigens: der Film danach („Hardcover“) war auch von Regisseur Christian Zübert, ganz witzig.

Ganz schön viel harter Stoff für einen Tatort: Frau Lindholm wird verlassen und muss ihren Alltag neu organisieren. Und scheitert. Eine Ärztin wird erschlagen, ihre Praxis brennt ab. Ein verwirrter Jugendlicher irrt umher. Ein einsamer Architekt lässt sich gerne Jungs kommen, um mit ihnen nackt zu malen. Eine Familie fürchtet um das Sorgerecht. Ein Sachbearbeiter des Jugendamts vermittelt Kinder an alte Säcke. Und dazu eine Ober-Homöopathien als Kollegin: Kein Wunder, dass Frau Lindholm am Ende ein bisschen foltert und unter den Tisch fallen lässt, dass der Staatsanwalt involviert war. Manchmal wäre weniger mehr.

[xrr rating=2/7]

+++ LINK +++ Erstausstrahlung: 31.10.2010

grundsolides stück um einen mord im gefängnis und die suche nach einem ausbrecher. mit vielen kaputten typen und den knallharten münchnern, die sich in ihrem aussehen immer mehr ähneln. die polizistin nervt ein bisschen mit ihrer gutmenschelei. dafür aber mit unkonventionellen schnitten und rückblenden. erfrischend und doch nicht überragend.

[xrr rating=5/7]

+++ link +++ Erstausstrahlung: 03.10.2010

komischer tatort. ein künstler wird von seiner installation erschlagen und alle rätseln. noch ist unklar, ob es freitod oder mord war. die kunstszene rätselt noch, die preise steigen. derweil stirbt ritters onkel unbeachtet von der öffentlichkeit. ritter steigert sich rein, kann es nicht glauben, dass es suizid war und ermittelt auf eigene faust. stark bändelt mit lockenköpfchen an und alles fühlt sich irgendwie halbherzig an. keiner hat so richtig lust, den fall auf zu klären. immerhin bekommen wir einblick in eine künstler-eigentumswohnung im prenzler berg („schuhe ausziehen! das parkett!“). schade, die erwartungen waren hoch und dann kommt so ein lahmer mist.

[xrr rating=3/7]

+++ Link +++ Erstausstrahlung: 26.09.2010

Spannender und ungewöhnlicher Fall für Frau Blum. Obwohl sie gar nicht so viel machen muss, das klärt sich von selbst. Kollege Perlmann macht noch weniger und kommt immer zu spät. Vier Männer entführen die Braut und was am Anfang wie Spaß aussieht, wird irgendwann blutiger Ernst. Bis zum Ende spannend.

Aber einige Logikprobleme: Warum konnte das dicke Auto nicht rückwärts aus dem Dreck? Wer war da auf dem Photo? Was bitte ist ein Hochzeitsjunkie?

[xrr rating=5.5/7]

+++ Link +++ Erstausstrahlung!

die taz urteilt: „Ein Debattenkrimi mit hohen Dezibelzahlen ist dieser neue Kölner „Tatort“ geworden, denn über ein keifendes Ex-Ehepaar führt er tief in die Vor- und Nachteile des neuen deutschen Scheidungsrechts ein. […] Bis weit über die Schmerzgrenzen wird […] paritätisch das Unglück ausgeleuchtet, das die Auflösung einer Familie bei allen Beteiligten auslöst.“

wohl war. leichte kost war das nicht. stellenweise auch langweilig. zumindest gab es keinen erhobenen zeigefinger, keine moral. am ende haben alle verloren. aber so ist das bei scheidungen. etwas deplaziert dabei wirkte die story mit dem katzenkaffee.

[xrr rating=4/7]

+++ Erstausstrahlung: 12.09.2010 +++ Link

Ermittlungen gegen den eigenen Chef: Charlotte und Fritz sind überfordert. Sie glauben an seine Unschuld, nur spricht alles gegen ihn und zu allem Überfluss ist er auch noch untergetaucht. Er ermittelt auf eigene Faust, schießt dem Bordellbesitzer ins Knie und rasiet sich einfach nicht. Doch wer steckt wirklich dahinter? Am Ende ist die Auflösung banal, das Ende nur mäßig spannend und immerzu jammern die Ermittler, dass sie keinen Bock mehr haben auf den Job und schmeißen hin. Das Ende des Frankfurter Teams. Waren sie gut? Geht so, Frau Sänger hat eigentlich immer gejammert oder komisch geguckt oder beides. Und die Figur Dellwo schwankte immer zwischen Weichei und Draufgänger. Grundsolide, aber man wird sie nicht vermissen.

[xrr rating=5/7]

+++ Erstausstrahlung: 05.09.2010 +++ Link

Wow. Ein richtig spannender Tatort, von der ersten Minute an. Mit viel geheimdienstlicher Trickserei werden die Kommissare an der Nase herum geführt: Zersetzung, Täuschung, Überwachung. Und am Ende muss Herr Stedefreund für seinen Alleingang bluten. Sehr Forsythesk.

Aber! Die Story um alte Stasi-Seilschaften, die noch Gift aus dem Kalten Krieg einsetzen, ist ja mal sowas von an den Haaren herbei gezogen. Dazu Waffenschmuggel an die Rebellen, um die Welt zu befreien. Hach, das wäre Stoff für einen guten Spionagethriller, aber für die Bremer Kripo? Haarsträubend.

Link +++ Erstausstrahlung!

[xrr rating=5/7]

Eine alte Frau schaut den ganzen Tag aus dem Fenster und beobachtet einen Mord im gegenüberliegenden Haus. In der Boddinstraße in Neukölln übrigens. So richtig will ihr das keiner glauben, aber man sollte ja jedem Hinweis nachgehen.

Es entspannt sich ein überraschend ruhiges Kammerspiel. Keine Hektik, kein SEK, keine wilden Verfolgungsjagden. Fast schon langweilig ermitteln die Berliner, sprechen sehr vernünftig miteinander und mit den Zeugen und Verdächtigen. Sehr ernst das alles.

Immerhin wächst Ritters Bart langsam wieder. Und die Pflegerin lässt Stark abblitzen.

LINK +++ Erstaustrahlung!

[xrr rating=5/7]

[xrr rating=6/7]

Erstausstrahlung! +++ LINK +++ Rezension von Kai-Oliver Derks

Alberich bekommt eine Persönlichkeit, sie ist sogar ein wenig verliebt. In den frisch aus der Haft Entlassenen, der schnell unter Mordverdacht gerät. Und der ein wenig ungelenk gespielt wird von Tobias Schenke (hatte unter anderem im Polizeiruf „Alles Lüge“ mitgespielt). Boerne bekommt Höhenflüge und kämpft verbissen für seine Wahrheit gegen alle Widerstände. Zu allem Überfluss fällt das Wasser aus und Thiels Haare verfetten zusehends. Nur Thiels Vater ist sauer, weil er den Finderlohn für die Leiche nicht kassiert und weiter malochen muss für die neue Hinterachse vom Taxi.

Wieder ein kleines Meisterstück, köstliche Dialoge und zwei geschickt ineinander verwobene Fälle. Aber das Konzept nutzt sich langsam ab meiner Meinung nach. Nur immer die gleichen Giftereien wegen Thiels Untermietverhältnis. Boernes unkonventionelle Art, sich in die Ermittlungen einzumischen. Am Ende die obligatorische Verfolgungsjagd – zwar funktioniert das und man schaut es gern‘, doch es hat sich eben nach fast acht Jahren und 17 Fällen abgenutzt, das muss man ja mal sagen. Viel Weiterentwicklung der Figuren gab es nicht in der Zeit.

Bundeswehrcontent. Frau Steiger ermittelt wieder und hat einen neuen Kollegen mit dem sie sich auch gleich näher bekannt macht. Eine Soldatin wurde ermordet, frisch schwanger und zusammen mit einem Gemüsetürken. Dieser gerät schnell ins Visier der Ermittlungen und pöbelt rum. Diese Figur ist ein Schlag in die Fresse jedes Integrationsbeauftragten, aber was will man machen, Realität frisst Wunschvorstellung. Frau Steiger hat aber noch einen anderen Verdacht. Sie begibt sich auf Exkursion mit Hauptfeldwebel Melzer und seiner Truppe. Und der ist ein Sadist, Chauvinist und überhaupt unausstehlich. Klar, dass er da mit drin steckt. Und dann wird auch noch scharf geschossen und alle sind schmutzig im Gesicht.

Die Story befasst sich mit realen Skandalen in der Bundeswehr. Seltsame Initiationsrituale und sogar Alkohol soll es da geben. Und sadistische Vorgesetzte. Alles Humbug, das sind Taten Einzelner und überhaupt nicht repräsentativ für die Truppe, sagt man. Und so kommt dann auch der Polizeiruf rüber.

Wieauchimmer, ich mag keine Bundeswehr und auch kein Militär. Und den Polizeiruf fand ich oberflächlich und das ganze Rumgeballere war übertrieben.

[xrr rating=3/7]

Erstausstrahlung! +++ Link

ein bisschen undurchschaubar, irgendwie waren drogen im spiel. und ständig wurde jemand erschossen. und frau lindholm vernachlässigt aufs sträflichste ihr kindchen und lässt den armen martin nicht lesereisen.

ganz am anfang denkst du noch: boar, das wird jetzt aber psycho. weil voll die effekte und erscheinungen. denn du musst wissen, frau lindholm fährt gegen die alte eiche und der kopp ist ein bisschen angeknackst. aber denkst du, sie bleibt im kankenhaus? nee, die haut da ab und zurück zu den dorfies und ermitteln. bis einer umgebracht wird. und noch einer und immer so weiter.

kann man mal machen. nette idee. unterhaltsam, sicher. aber immer wieder die geschichte der wurmstichigen dorfgemeinschaft, das wird auf dauer auch langweilig.

die presse vor ort weiß mehr:

Nie zuvor wurde ein Tatort im Landkreis Ammerland und in umliegenden Gemeinden gedreht. „Vergessene Erinnerung“, so der Titel des 755. Tatorts, wurde im Juni/Juli vergangenen Jahres in Westerstede, in Bad Zwischenahn sowie in Bockhorn und Varel im Auftrag des NDR produziert. Dabei lässt das Drehbuch den genauen Ort der Geschichte allerdings offen, erzählt wird von dem fiktiven Ort „Volsum“. Während der vierwöchigen Dreharbeiten war Maria Furtwängler im Zwischenahner „Jagdhaus Eiden“ untergebracht. (nwz online)

Link +++ Erstausstrahlung!

[xrr rating=4/7]

weil der johannes mal dem tobi seine brotbüchse vollgeschissen hat, dreht der nun durch. oder, mit mehr wörtern:

In der Ambivalenz des vermeintlichen Täters liegt die Irritation, die psychologische Feinheit des Films. Denn der Verdächtige mit der kalten Aura wurde jahrelang von seinen Mitschülern gemobbt und misshandelt, er gibt sich als böser Wolf, entpuppt sich als Opferlamm um dann zum Rächer zu werden, besessen vom Gefühl der Macht. (stern.de: „Jugend ohne Gott“)

und bild sagt:

„Hilflos“ verwandelte sich dadurch von einem klassischen „Tatort“ in einen spannenden Psychothriller unter Gesamtschülern! (bild.de: „So spannend wie ein Psychothriller!“)

naja. geht so. gab schon besseres. der tobi war vielleicht gut gespielt, aber irgendwie unpassend. die mutter vom johannes und das ganz in weiße upper-class haus war viel gruseliger und mitschuld an allem, möchte man meinen. und warum wurden die eltern vom tobi und vom david nicht thematisiert. sind sie etwa schuldlos an allem? mobbende und gemobbte schüler wachsen ja nicht isoliert auf. die ganze story passte irgendwie hinten und vorne nicht und unsere beiden saar-kasper waren komplett überfordert mit der situation. setzen, fünf, das könnt ihr besser.

einziger höhepunkt: kappls ansage an den ehemaligen sportlehrer, ganz groß!

Link +++ Erstausstrahlung!

[xrr rating=4/7]

kaum ist der bart ab, da gibts auch schon eins auf den hinterkopf: kollege ritter liegt im krankenhaus und stark und weber ermitteln im subsubunternehmersubventionierungssumpf. die hintergründe erinnern leicht an marina lewyckas „caravan“. diesmal hats den fleischkönig erwischt, kurze zeit später verkauft der sohnemann firmenanteile an die pösen ukrainer und die bulgaren sind plötzlich alle weg. welche rolle spielt die exfrau und mutter, warum ist die chefsekretärin die putzfrau von letzter woche und warum sieht gammelfleisch so verlockend frisch aus? viele fragen bleiben unbeantwortet bei diesem berliner tatort. und ganz eigentlich gehts ums rauchen: der juniorchef kaut nikotinkaugummis, um am ende wieder zu quarzen und den nervösen strohmann sieht man nur mit zigarette. was wollen uns die drehbuchschreiber damit sagen? und: ist der pathologe wirklich neu oder hat er sich nur erfolgreich versteckt in vergangenen folgen? es bleibt spannend bis zum nächsten mal. dann ist ritters bart hoffentlich wieder nachgewachsen und der kopf verheilt.

Link — Erstausstrahlung!

[xrr rating=6/7]