Schlagwort1999

I Kina spiser de hunde – In China essen sie Hunde (1999)

beeindruckender film über einen bankangestellten, der auf einmal böse wird (ein bisschen wie bei HUSMANN, 2008), mit seinem bruder eine bank überfällt, einen gefangenen befreit und leute abknallt. aus hehren motiven, aber brutal wie nur möglich. das ganze eingebettet in eine erzählende rahmenhandlung, die sich am ende jedoch geschickt in die geschichte verwirbelt. interessante idee.

ansonsten lernen wir viel über uns selbst, es geht wohl um grenzerfahrungen und psychologie. dazu bissiger, schwarzer, skandinavischer humor, ja, kann man sehen.

[xrr rating=5/7]

Filmkritik: Fuks (1999)

ganz lustiger film über einen, der sich an seinem vater rächen will, indem er ihn als bösewicht überführen will, mit allerlei basteleien, wanzen und mehr. aleks fährt in seinem maluch umher, kennt keine furcht und ist verliebt in sonia. erinnert ein bisschen an ocean eleven und konsorten, dazu viele details. und ein wunderbarer polizist. kann man sich ansehen. auch auf youtube, da aber ohne untertitel.

[xrr rating=5/7]

imdb | wikipedia (pl)

Tatort: Der Duft des Geldes (1999) – Stoever & Brockmöller

Ein kleines Stückchen deutsche Geschichte ist das. Es war 1996, da gab es ein großes Bohei um die T-Aktien1 – als Volksaktien2 wurden sie bezeichnet und von vielen Erst- und Kleinanlegern gezeichnet. Manfred Krug3 war damals die Gallionsfigur der Kampagne. Drei Jahre später – die Aktie legte performierte in der Zwischenzeit steil nach unten – korrigierte Herr Krug seine Meinung und legte einen sehr Anlegerfreundlichen Tatort aufs Parkett, dass die Dielen nur so knarrten. Es ging um einen pösen Unternehmer, der zweifelhafte Finanzanlagen vertickte. Und um einen Toten, dem ebendiese Anlagen geklaut wurden. Um eine durchtriebene Sängerin und ihren nervösen Manager und um die ukrainische Putzfrau und ihren spurlos verschwunden Freund. Alles sehr spannend, zugegeben. Aber die moralischen Kommissare nerven ein wenig, dauernd wettern sie gegen den Spekulanten, haben aber nichts in der Hand gegen ihn. Hetzen die Sachbearbeiterin aus der Abteilung Wirtschaftskriminalität gegen ihn und können am Ende nur zusehen, wie er selbst ohne blauem Auge davon kommt. Das realistische Bubenstück appelliert an die Vernunft und kann doch nichts gegen Betrügereien unternehmen.

Übrigens hat Manfred Krug 2007 öffentlich bereut:

„Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“4

Link5) +++ Erstausstrahlung: 29.08.1999

[xrr rating=5/7]


  1. wikipedia.org: T-Aktie []
  2. wikipedia.org: Volksaktie []
  3. wikipedia.org: Manfred Krug []
  4. stern.de: Krug entschuldigt sich bei T-Aktionären []
  5. daserste.de: Der Duft des Geldes (©NDR []

Tatort: Dagoberts Enkel (1999) – Ritter und Hellmann

Der erste Fall für das Duo Ritter und Hellmann (gespielt von Stefan Jürgens!), da werden Post-Filialen in Berlin bebombt, eine Frau stirbt und Ritter macht den Geldkurier. Dabei sieht man allerhand Berlin. Und obwohl der Tatort erst zehn Jahre alt ist, wirken Autos, Ausstattung, Klamotten und Technik merkwürdig antiquiert.

Der Fall selbst ist jetzt nicht so der Hammer, aber immerhin sehenswert. Und Ritters Rolle hat sich seitdem nicht großartig geändert: Viele Zigaretten, Alkohol und Frauengeschichten.

Link +++ Erstausstrahlung: 25.07.1999

[xrr rating=4/7]

das 00er jahrzehnt – „Simpsons Already Did It“

noch ein paar worte zum vergangenen jahrzehnt. ist zwar viel passiert, wir hatten aber kaum zeit, das aufzuarbeiten. weil ständig neues passiert und wir drohen zu ersticken in der flut an meldungen, informationen, ereignissen. da braucht man nur einmal das internet aufzumachen und schon ist schon wieder was passiert. bumms. deswegen ist es manchmal besser für die geistige gesundheit, das internet (stellvertretend an dieser stelle für alle anderen medien) auch mal zu zulassen und mal wieder raus zu gehen.

das mussten wir erst lernen, haben wir aber ganz gut hin bekommen. neben einer work-life-balance sollte es also auch eine internet-reality-balance geben. wenn nicht, so nennt man das internetabhängigkeit.

inzwischen ist das gefühl der informationsüberflut einem gefühl gewichen, alles neue schon zu kennen und schon mal irgendwo gesehen zu haben. ich kann aber nicht sagen, ob das schon alterserscheinungen sind oder ob es euch auch so geht. passend dazu diese kleine episode:

(diese south park-folge hat kulturhistorisches niveau und wird in ein paar jahren gegenstand etlicher kulturgeschichtlicher proseminardiskussionen sein, wetten?)

so jedenfalls erging es mir heute beim anblick von google buzz, einem weiteren kurznachrichtendings. alles schon mal da gewesen. produktvariation, my ass. geht mich nichts an, lockt mich nicht hinterm ofen vor. da müsste schon was neues her.

aber wir wollten ja über das vergangene jahrzehnt sprechen. das begann für mich am 11. august 1999. wir saßen auf dem golfplatz (nein, ich habe noch nie golf gespielt, ganz ehrlich) und guckten mit sonnenbrillen in den himmel. totale sonnenfinsternis. das licht war merkwürdig anders, twilight zone-mäßig. und wir fühlten uns komisch, ganz tief im bauch. der soundtrack, ganz klar pulp:

dann das jahr-2000-problem, ich hab abi gemacht und das leben begann. aber das erzähl‘ ich ein andernmal…

Tatort: Traumhaus (1999) – Stoever & Brockmöller

über die beiden hatte ich mich ja schon mal aufgeregt. jeder weitere tatort kann das nur bestätigen. diesmal geht es um einen toten reporter im wald, um einen schlitzohrigen bauunternehmer, einen gewieften bürgermeister und um den vom pech verfolgten familienvater (in dieser rolle glänzt ulrich mühe – respekt).

zehn jahre hat dieser tatort erst auf dem buckel und doch wirkt er merkwürdig antiquiert, wie aus einer anderen zeit. zwar gibt es schon computer und handys und autos und telefone. dennoch, so richtig atmosphäre will nicht aufkommen. ich bin mir aber nicht so sicher, woran das eigentlich liegt.

Link +++ Erstausstrahlung: 30.05.1999

[xrr rating=4/7]

Trend: Weg vom Komma. Interview mit dem Erfinder [1999]

[vorbemerkung in ureigener sache: diesen text schrob ich vor ungefähr acht jahren. also im ganz und gar unschuldigen alter. für mich und meine damalige freundin. für die welt also. doch erst jetzt scheint ebenjene welt reif für ihn. behutsam rechtschreiblich korrigiert trifft er nun also auf ein dankbares millionenpublikum. viel spaß beim lesen und schönes wochenende.]

JOURNALIST: Mit 17 hat man noch Träume. Erinnern Sie sich, welche?

MANN: Schon früh war mir klar: Ich werde einmal der große Satzzeichen-Erfinder, den die Welt je hervorbrachte.

J: Ist das nicht ein bisschen arrogant und sehr von sich selbst eingenommen?

M: (lacht) In unserem Gewerbe ist das oberstes Gebot, um wirklich innovative Ideen zu etablieren, bedarf es ein gesundes Selbstvertrauen.

J: Vertreter völlig neuer Erfindungen haben es meistens schwer, ihre Ansichten durchzusetzen…

M: (seufzt) Ja, am Anfang, ich kann mich noch genau erinnern, das war im Winter 1604, niemand war an meinem Komma interessiert, es war zum Ausflippen, zumal sich meine soziale Lage immer mehr zuspitzte, es war ein kalter Winter und niemand hatte mehr was zu Essen, ich hatte den ganzen Sommer darauf verwendet, die Kommaregeln auszutüfteln und natürlich keine Zeit zum Arbeiten gefunden.

J: Aber es kam dann doch letztendlich zum Durchbruch und dem Einmarsch des Kommas in die Bücher…

M: Es war Thomas Mann, der die Kommasetzung gesellschaftsfähig machte, meines Erachtens hat er an mancher Stelle aber sehr übertrieben.

J: Große Erfindungen wurden meist fehlgedeutet oder nicht im Sinne des Erfinders gehandhabt. Wie sieht es zur Zeit beim Komma aus?

M: Es geht, der Trend im Moment geht zwar etwas weg vom Komma, aber es gibt noch genug Gymnasial-Lehrer, die den Schülern das Komma einprügeln, dem Erfinder des Apostroph, übrigens ein sehr guter Freund von mir, geht es da schlimmer, was da zur Zeit auf dem Markt ist, treibt einem schon die Zornesröte ins Gesicht.

J: Sie verdienen an jedem Komma 5 Pfennig, ihr gegenwärtiges Vermögen wird auf mehrere Milliarden geschätzt…

M: (lacht ausgelassen) Über Kommas redet man nicht, die setzt man.

J: Es scheint sich wirklich zu lohnen, neue Satzzeichen zu etablieren. Was raten sie Neulingen in der Branche?

M: Die Marktzahlen sind leicht rückläufig, aber ich denke es ist noch Potenzial für neue Ideen vorhanden, auf jeden Fall dranbleiben und nicht verzweifeln, irgend ein Schriftsteller wird das neue Zeichen schon für sich entdecken.

J: Sind sie glücklich?

M: (grinst) Jedes Mal, wenn ich einen Satz mit Komma lese.

J: Wir danken ihnen für dieses Gespräch.