Kategorieberlingeschichten

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 31

2009 schrob ich über einen trödelmarkt auf einem ehemaligen brauerei-gelände, seit ein paar jahren ist dort ein biergarten und was mit kunst, da sind wir gerne und oft. es wird gebaut, weil der neue eigentümer was neues bauen will (siehe auch).

so geht das in einer stadt, man kann es verdrängung oder gentrifizierung nennen oder wandel oder metamorphose. das alte geht kaputt und macht platz für neues. und irgendwann wird auch dies verschwinden und neues wird entstehen. das alte landet im gedächtnis oder im museum. übrigens, bei google street view sieht man noch den flohmarkt.

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 29

heute morgen haben pöse roiber eine 100kg schwere goldmünze aus dem bodemuseum gestohlen, mit 53 cm durchmesser so groß wie eine ordentliche pizza und 3-4 Mio Euro wert. dabei ist doch montag immer ruhetag in den berliner museen. mit einer leiter sollen sie eingebrochen sein, die leiter haben sie dann in die nahen s-bahn-gleise geworfen, was wiederum für mehrstündige unterbrechung des verkehrs führte.

stellen wir uns kurz amüsiert vor, wie die räuber die münze zum nahen starbucks rollen, um dort einen kaffee zu bestellen, viel wechselgeld bekommen sie bei den preisen dann jedoch nicht raus.

vielleicht war es aber auch der schlechte verlierer von gestern abend?

Der Mann hatte gegen 20 Uhr beim Roulette eine vierstellige Summe Bargeld auf „schwarz“ platziert. Als die Kugel stattdessen bei „rot“ liegen blieb, nahm der Spieler sich seinen Einsatz vom Tisch und flüchtete in Richtung Ausgang.

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ich stehe handytippend auf dem bürgersteig, plötzlich fuchtelnd ein kleiner mann vor mir, hinter ihm weitere. das auto sei schon reserviert, ich bräuchte mir keine mühen machen und geht eilig an mir vorbei. sie steigen in ein carsharingdings und brausen davon, lassen mich perplex stehen. ein auto wollte ich jedenfalls nicht.

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im wedding / gesundbrunnen auf der pankstraße braust ein typ auf einem Segway Personal Transporter mit korrektem Versicherungskennzeichen vorbei und guckt in einen orangenen mülleimer nach pfandflaschen.

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2016-06-29_11h17_08

geschichten aus einer viel zu großen stadt pt. 28

ein teilgebäude des ehemaligen Sitzes der „Großen Landesloge der Freimaurerei Deutschlands“ an der Oranienburger Straße 71/72 wird gerade abgerissen. das baudenkmal weicht „adäquaten Geschäften und Büros“.

so sah es bis vor kurzem aus:

Berlin,_Mitte,_Oranienburger_Strasse_71-72,_Logengebaeude
[Foto: Beek100, Quelle: wikimedia commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0]

und so sah es da am 17. Juni aus:

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am 20. Juni:

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und am 24. Juni:

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Ausflug in die unterirdische Berliner Geschichte: Die Fluchtunnel

Ein wenig bekannter Fakt in der Berliner Geschichte sind die sogenannten Fluchtunnel. Mitten im Kalten Krieg und auch noch Jahre nach dem Fall der Mauer konnten sich die Berliner so richtig auskotzen in den Fluchtunneln. Hier ging man hin, wenn man Wut im Bauch hatte auf die nahen Verwandten oder die Gesellschaft im Allgemeinen. Man schrie sich die Wut aus dem Bauch und ging dann erleichtert und entspannt nach Hause oder in die nächste Eckkneipe. Hier war der Berliner unter sich, keine Touristen auf Bierbikes zu nervten.

Fluchtunnel im Natur-Park Schöneberger Südgelände (Aug 2009)
Fluchtunnel im Natur-Park Schöneberger Südgelände (Aug 2009)

Doch so mysteriös wie sie entstanden, verschwanden sie auch Ende des letzten Jahrtausends. Man munkelt, dass sich der moderne Bürger lieber in den Kommentarspalten von Nachrichtenportalen auskotzt statt in den Fluchtunneln. Somit ist auch dieses Stück Berliner Erlebnisgeschichte zu Ende gegangen.