uffjeschriebn

es war so heiß, die mattagshitze fraß unsere gedanken, schnitt sich in den schädel und machte jede unterhaltung beliebig. dazu kam der kopfschmerz der letzten nacht und der alkoholpegel der vergangen stunden, den wir immer konstant hielten mit bier oder anderen getränken. wie liefen seit stunden umher. dabei fing alles ganz harmlos an: eine lose verabredung vorher am telefon mit einer uns länger bekannten frau. dass wir bei ihr schlafen könnten über nacht. und so fuhren wir in die große stadt und waren mittags da. ein verlängertes wochenende mit deinem besten kumpel in einer der angesagtesten städte überhaupt. zusätzlich gab es noch die option auf ein treffen mit einer anderen frau (die ungleich interessanter schien…) mein telefon hatte ich jedenfalls dabei, auch wenn telefonate damals noch ein schweinegeld kosteten. irgendwann am nachmittag trafen wir dann die frau, die uns unterbringen wollte. wir bewunderten ihr kinderzimmer und waren mächtig beeindruckt vom studentischen schein dieser frau. wir waren 17, gingen noch zur schule und alles was irgendwie nach student roch, beeindruckte uns. lange haare und kotletten, dazu hübsche erasmusstudentinnen aus schweden – so sahen unsere feuchten träume aus. nachdem sie sichtlich genervt uns ihren alternativen eltern vorgestellt hatte, verschwanden wir in der großen stadt. mit einer adresse in der hand. am abend sollte noch eine große party steigen und wir waren eingeladen! von selbstbewußtsein schwanger liefen wir die straßen entlang, uns konnte nichts. wir waren jetzt schon lebende helden. wir hatten ihn bezwungen, den mythos der stadt. alles schien einfach und erreichbar. alles möglich und das leben in der provinz so weit weg wie nie zuvor. zugegeben, dieses gefühl hielt so lange, bis wir die party erreicht hatten. die füße schmerzten vom umherirren und die bilder im kopf wurden zu brei. die party fand statt im keller der örtlichen jungen gemeinde. neben der kirche. kenny hieß der typ, der geburtstag hatte. als wir ihn sahen, war alle klar. ein dummquatscher wie aus dem bilderbuch. wie wir es hassten: besserwisser, langhaarig und mit schicker blondine im arm. mit unserer provinziellen oberflächlichkeit redeten wir erst garnicht mit irgendwem, sondern verpissten uns in eine ecke, tranken uns an und lästerten laut über alles anwesenden. „genny“ – den geburtstags-kenny nannten wir ihn. dieses bonmot sollte noch jahrelang für spaß sorgen… verständlich, dass wir nicht gerade viele freunde fanden. und dass wir unsere nacht im stylischen kinderzimmer nun vergessen konnten. unsere hoffungen auf wilden, hemmungslosen sex hatten wir, wenn auch nicht ganz aufgegeben, so doch erstmal auf eis gelegt. nun galt es, eine alternative zu finden. wir fragten nach angesagten clubs. bekamen auch einige empfehlungen. verabschiedeten uns süßsauer und atmeten frische sommernachtluft. wir waren übermüdet, überreizt und wollten es unbedingt wissen. und natürlich verirrten wir uns und fanden erst stunden später einen der clubs. der war fast leer, trotzdem spielte eine band. oder sollte spielen, irgendwann. wir wanderten umher und checkten die floors. schließlich blieben wir irgendwann sitzen, nippten an einem bier und ließen uns zudröhnen. kann auch sein, dass wie weggenickt sind. keine ahnung. jedenfalls ging dann irgendwann das licht an und wir wurden rausgeschmissen. aus der lauen sommernacht war ein bitterkalter morgen geworden. es war schon komisch hell und die ersten menschen auf dem weg zur arbeit warfen uns blicke zu, halb neidisch, halb abfällig. wir sahen sicher scheiße aus, hatten lederjacken an und stanken nach bier. wir liefen wieder, durch einen park, durch wohngebiete, durch leere gegenden. putzten uns die zähne auf dem bahnhofsklo. unser zug zurück fuhr erst in ein paar stunden. wir versuchten die zweite, interessantere frau abernmals zu erreichen. keine chance. entweder war was passiert oder sie hatte keinen bock mehr auf uns. irgendwo tranken wir einen überteuerten espresso und stiegen ziemlich schnell wieder auf bier um. macht eben den schmerz erträglicher. dann aunruf der pseudostudentinn, dass sie uns wieder treffen wolle. jetzt, zum frühstück. wir verpeilten den treffpunkt und irgendwann saßen wir im zug nach hause. zurück zur realität. von der großen stadt hatten wir erstmal genug. was blieb war der stechende kopfschmerz und der fahle biergeschmack im mund. und es gab viel zu erzählen! die ereignisse wurden legendär und wir waren helden. aber nur bei den zuhause gebliebenen. die frau traf ich nie wieder, in der großen stadt lebe ich jetzt und kann nur lachen jetzt ber unsere blinde naivität damals.

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